Gotisch/ Band2/ Zwischenlektion1

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Dies ist eine Zwischenlexikon, die der Verbesserung und dem Ausbau des bisher Gelernten dienen soll.
Sie enthält kein neues Lernmaterial und kann bei Bedarf übersprungen werden:
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Diese Zwischenlektion soll Ihnen helfen das bisher Gelernte noch einmal zu üben und zu festigen. Hierbei lernen Sie zusätzlich interessante Fakten über die gotische Sprache kennen, die Ihnen das Lernen erleichtern können. Es gibt fünf verschiedene Rubriken, die Sie oben in den Tabs anklicken können. Die erste Rubrik "Schon gewusst ...?" stellt Ihnen Wissenwertes zur gotischen Sprache vor.

Lautwandel
Laute können sich über die Zeit wandeln

In älteren Lehrwerken von altgermanischen Sprachen spielen Lautentwicklungen häufig eine wichtige Rolle. Für die Sprachkenntnisse selbst spielen sie aber nur eine untergeordnete Funktion und werden daher im Lehrbuch nicht behandelt. Trotzdem kann der Lernende mit Hilfe der Lautentwicklungen verwandte Wörter wiedererkennen und so das 'Vokabel pauken' enorm erleichtern. In ihrer Masse und ihrer Komplexität sind sie für Laien aber häufig nicht bis wenig hilfreich. Wir wollen uns daher nur auf einen Lautwandel beschränken, den sog. nordwestgermanischen Rhotazismus.

Rhotazismus[Bearbeiten]

Beim sog. "Rhotazismus" (v. griech. Buchstaben rho abgeleitet) handelt es sich um ein Phänomen, bei dem ein stimmhaftes s sich in ein r wandelt. Dieser Lautwandel hat alle nord- und westgermanischen Sprachen betroffen und wird daher auch nordwestgermanischer Rhotazismus genannt. Betrachten Sie folgende Gotisch-Deutschen Wortpaare:

huzd -> Hort
dius (z) -> Tier
is -> er
weis -> wir

Sie können sich merken, dass gotisches /z/ deutsches /r/ entspricht. Bei den letzten drei Beispielen verdeckt die gotische Auslautverhärtung, dass es sich eigentlich um einen stimmhaften Laut handelt (man erkennt ihn noch an den Formen diuza "dem Tier" und izei "derjenige, der (Rel.)").

Nebenbei ist zu erwähnen, dass sich das Nominativ-s ebenfalls zu einem -r verschoben hat. Allerdings hat sich das -r nur im Nordgermanischen länger erhalten, z. B. altnord. stafr ("der Stab"). Kenner der nordischen Mythologie dürften das Nominativ-r aus Wörtern wie "Freyr" oder "Ragnarökr" kennen. Heute haben nur noch das Isländische und das Färöische eine Nominativendung: -ur.