Langzeitarchivierung: Vorbereitung digitaler Dokumente

Aus Wikibooks
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Wer auch digitale Dokumente einlagern möchte, muss diese unbedingt vorher speziell behandeln, ansonsten sind sie vermutlich in der Zukunft wertlos.

(Zurück zu Langzeitarchivierung).

Wahl des Mediums[Bearbeiten]

Die Objekte, die man digital einlagern möchte, werden ja auf Ihrem Computer vorhanden sein, also vermutlich auf Festplatte gespeichert. Von dort aus können wir verschiedene andere digitale Medien nutzen, um die Daten vorzubereiten, die Wahl des richtigen Mediums ist wichtig.

Geeignete Medien für digitale Langzeitarchivierung sind:

  • DVD-RAM: Diese optischen Speichermedien sind aufgebaut wie eine normale DVD, jedoch haben Sie verschiedene andere Eigenschaften. Man braucht sie nicht brennen, sondern kann sie wie eine Festplatte nutzen, also Daten einfach verschieben. Des weiteren haben sie keine organische Materialschicht und sollen bis zu 30 Jahre haltbar sein. Diese DVDs gibt es mit 5 und 10 GB Speicherkapazität, dies ist nicht sehr viel, aber für wichtige Daten ausreichend, sofern man mehrere DVD-RAMs einsetzt. Für weitere Infos bitte den Artikel auf der Wikipedia Seite studieren.
Achtung.svg

Nun, es soll nicht verschwiegen werden wie es um die Qualität des Mediums DVD-RAM ansich bestellt ist. Ein Artikel der Zeitschrift c’t schreibt über den Einsatz von DVD-RAM-Medien zu Archivierungszecken:

DVD-RAMs sollen zwar robuster sein, weil ihre Speicherschicht aufwendiger aufgebaut ist, dies lässt sich allerdings nicht überprüfen. In ganz Europa gibt es kein unabhängiges Labor, das die Qualität von DVD-RAMs testen könnte. Für Archivierungszwecke scheiden sie allein deshalb aus, weil der Anwender keinerlei Möglichkeit hat, die Qualität oder Alterung zu überprüfen und die Daten rechtzeitig auf ein anderes Medium zu sichern. Quelle: c’t 16/2008 Seiten 117/118[1].DVD-RAM


  • Blu-ray-Disc: Diese relativ neuen Medien sind ähnlich sicher aufgebaut wie die DVD-RAMs und sollen bis zu 50 Jahre haltbar sein, außerdem gibt es einen Hersteller, der eine bestimmte Sorte von diesen Discs auf den Markt bringen wird und bis zu 200 Jahre Datensicherheit verspricht. Blu-ray Discs fassen bis zu 50 GB an Datenmaterial.
  • Aufgrund der Tatsache, dass sich BD-Rs noch in der Entwicklung befinden und es bei doppelschichtigen DVD±Rs systembedingt zu Leseproblemen kommen könnte, werden allerdings einschichtige (4,7 GB) DVD±Rs empfohlen.[1]

Ungeeignete Medien für digitale Langzeitarchivierung sind:

  • Festplatten + Disketten: Diese Speichern ihre Informationen magnetisch, das Magnetfeld der Erde und andere Einflüsse zerstören die Daten relativ schnell, daher sollte man keine Festplatten verwenden, auch wenn die große Speicherkapazität verlockend ist.
  • USB-Sticks/Speicherkarten: Niemand weiß genau, wie lange diese Medien haltbar sind, jedoch liegen die Schätzungen weit unter denen von DVD-RAMs oder Blu-ray-Discs, deshalb lieber die Finger davon lassen.
  • CDs/DVDs: Haltbarkeit ist durch eine organische Schicht begrenzt, vielleicht 10 Jahre haltbar, aber nicht viel länger, deshalb auch hier nichts abspeichern für die Langzeitarchivierung.

Problematik mit digitalen Speichermedien[Bearbeiten]

Digitale Medien haben viele Vorteile, so lassen sich sehr große Datenmengen auf kleinstem Raum sichern, aber die Probleme sind ebenfalls sehr groß. Das Hauptproblem ist: Ohne Computer kommt man nicht mehr an die Daten. Man wird also auch in 30 oder 50 Jahren einen Computer brauchen, um die Daten lesen zu können, Computer sind hochtechnologische Maschinen und falls die Zivilisation sich zurückentwickelt, nicht mehr vorhanden. Außerdem benötigen sie Strom, damit man die Daten lesen kann. Selbst wenn es in der Zukunft noch Computer gibt, wie soll man die Daten lesen? 50 Jahre alte Medien sind in der Computerbranche historisch, man bedenke, Windows 95 ist für viele Benutzer völlig aus dem Blickfeld geraten und nicht mehr im Einsatz, obwohl es nur 15 Jahre alt ist! Wie sieht es dann erst in 50 Jahren aus, selbst wenn man alle Medien mit dem modernen Windows 7 bearbeitet, auch dieses Programm wird dann nur noch im Museum zu finden sein. Zudem sind auch die Medien an sich veraltet, gibt es überhaupt noch optische Medien wie DVDs oder Blu-ray? Früher waren Magnetbänder sehr gefragt, aber heute völlig unpraktikabel, wüssten Sie, wo man heute ein Magnetband auslesen sollte? So wird es auch mit den eingelagerten Medien sein, selbst wenn die Geräte beiliegen, die DVDs lesen können, die Anschlüsse und die Computerarchitektur werden völlig anders sein, wenn es im Museum keine Geräte mehr gibt, sieht es schlecht aus. Also sollte man mit digitalen Medien immer vorsichtig sein und lieber analog lagern, Fotos und Texte kann man ohne Computer und ohne Strom anschauen.

Weiterhin wird es zu Problemen führen, selbst wenn die Daten noch lesbar sind. Daten haben immer ein bestimmtes Format, in dem sie gespeichert werden, um den Inhalt zu erlangen, muss man das richtige Programm haben (oder kann man ein Bild mit einem Audiospieler öffnen?). Deshalb ist es wichtig, immer mehrere Formate und Programme beizulegen. Bilder sollten immer doppelt als JPG, TIFF und RAW Format des Herstellers vorhanden sein. Musik immer als WAV und MP3, Texte als Word-Dokument, TXT und PDF. Natürlich kann man auch andere Programme verwenden, aber dies sind bekannte, wobei auch das wenig Schutz bietet. Zudem sollte man Programme beilegen, mit denen man die Daten öffnen kann, also Microsoft Word, Fotoprogramme wie GIMP oder Photoshop und diverse Audio und Videoplayer, damit hat man höhere Chancen. Vielleicht kann man auch zusätzlich Windows XP oder Vista hinzufügen, auf jeden Fall noch ein Linux wie z.B. Ubuntu, diese sind kostenlos im Internet als Download verfügbar.

Achtung: Je länger man über das Thema nachdenkt, desto weniger geeignet scheinen digitale Daten. Daher am besten wirklich nur analog lagern, sofern man lange Lagerzeiten plant und das Lager statisch halten will. Bilder kann man drucken, Texte ebenso, das größte Problem dürfte die Musik sein, diese kann man sehr schlecht analog darstellen, höchstens als Notenpapier, aber das ist sehr aufwendig und auch nicht zu vergleichen mit echter Musik. Daher unbedingt andere Wege und Mittel suchen, falls jemand einen genialen Tipp hat, bitte unbedingt posten!

Links[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.heise.de/ct/DVDs-im-Langzeittest--/artikel/126452 (abgerufen am 18. März 2009, 11:40 Uhr)