Die Himmelstafel von Tal-Qadi/ Konjunktionen

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Diese Webseite ist ein astronomischer Exkurs des Wikibooks über die Himmelstafel von Tal-Qadi.

Konjunktionen[Bearbeiten]

Konjunktion des Kometen C/2020 F3 (NEOWISE) mit dem Stern Talitha Borealis (ι Ursae Majoris) im Sternbild Großer Bär (Ursa Major) in der nautischen Abenddämmerung am 18. Juli 2020 um 21:28 Uhr UTC in einer Höhe von 17° über dem nördlichen Horizont von Berlin (Bildhöhe = 4°). Der Abstand zwischen dem Stern und dem Kometen betrug sieben Bogenminuten. Am unteren Bildrand, etwas links der Mitte der südliche Nachbarstern Talitha Australis (Kappa Ursae Majoris, auch Alkaphrah).

Bei einer Konjunktion (lateinisch coniunctio = Verbindung) begegnen sich am Himmel zwei Objekte scheinbar. Hierbei muss sich mindestens eines der beiden Himmelsobjekte gegenüber dem Fixsternhimmel bewegen. Dies betrifft insbesondere die sieben mit bloßem Auge sichtbaren Wandelgestirne Sonne, Mond, die beiden inneren Planeten Merkur und Venus sowie die drei äußeren Planeten Mars, Jupiter und Saturn. Im weiteren Sinne gehören auch die Planeten Uranus und Neptun, die Zwergplaneten, Asteroiden und Kometen dazu. Wird bei einer solchen Begegnung das Auflösungsvermögen des menschlichen Auges von zirka einer Bogenminute oder des für eine Beobachtung eingesetzten Telekops unterschritten, kommt es zu einer scheinbaren Verschmelzung der betroffenen Himmelskörper. Die Bedeckung eines Himmelskörpers durch einen flächenhaft wahrgenommenen anderen Himmelskörper wird auch Okkultation genannt.

Früher wurde zwischen der Astronomie und der Astrologie nicht unterschieden, und solche Konjunktionen galten häufig als Auslöser oder als Vorzeichen von anderen Ereignissen. Der griechische Universalgelehrte  Aristoteles (* 384 vor Christus; † 322 vor Christus) hat in seinem Werk "Meteorologikon" (altgriechisch: "Μετεωρολογικῶν") beispielsweise erwähnt, dass er in den Morgenstunden des 13. Juli 360 vor Christus am östlichen Horizont die scheinbare Verschmelzung vom Planeten Jupiter und dem Stern Wasat (δ Geminorum) im Sternbild Zwillinge (Gemini) beobachtet hat, ohne dass dabei ein Komet entstanden sei.[1]

Eine besonders beachtenswerte Rolle unter den Planeten spielt der Jupiter, da er für einen Umlauf um die Sonne zwölf Jahre benötigt. Daher steht er von der Erde aus gesehen jeweils ein Jahr lang in Konjunktion zu einem der zwölf Lebewesenkreiszeichen im Zodiak entlang der Ekliptik.

Siehe auch → Wikibook Zahlen / Zur Zwölf.

Wegen seiner vergleichsweise geringen Umlaufzeit steht am häufigsten der Erdmond in Konjunktion mit den sechs anderen mit bloßem Auge sichtbaren Wandelgestirnen. Mit einem einfachen Fernrohr lassen sich auch die wegen ihrer noch geringeren Umlaufzeiten noch häufiger sich ergebenden Konjunktionen der vier Galileischen Monde untereinander und mit ihrem Planeten Jupiter beobachten. Wegen der extrem großen Helligkeit der Sonne lässt sich eine Konjunktion mit ihr bei Neumond nur beobachten, wenn es eine Sonnenfinsternis, einen Venustransit oder einen Merkurtransit gibt. Wegen seiner größeren Nähe bedeckt der Erdmond bei einer Konjunktion gegebenenfalls immer die anderen Himmelskörper.

Bei einer Konjunktion vermindert sich die Elongation zwischen den betreffenden Himmelskörpern auf null. Sie wird meist von der Sonne in Bezug auf den Mond oder einen Planeten angegeben. Das Gegenteil der Konjunktion ist die Opposition, bei der sich zwischen den beiden betreffenden Himmelskörpern eine Elongation von 180 Bogengrad ergibt.

Die Sonne liegt vom Erdmittelpunkt aus gesehen stets in der Ekliptik, und alle Planetenbahnen verlaufen mit geringen Abweichungen von wenigen Grad in der Nähe der Ebene der Ekliptik. Der Erdmond hat aufgrund seiner leicht geneigten Umlaufbahn um die Erde ebenfalls eine Abweichung von der Ekliptik, die sich aufgrund seiner im Vergleich zu den Planeten starken Schwerkraftbindung zur Erde in deutlich schnelleren scheinbaren Schwankungen um diese Bezugsebene auswirkt.

Der Mond benötigt für einen vollständigen Umlauf um die Erde einen Monat. Nur wenn der Abstand zur Ekliptik (also die Höhe über oder unter der Ekliptik beziehungsweise als Koordinate die ekliptikale Breite) hinreichend gering ist, kann es bei gleichzeitigem Vollmond zu Mondfinsternissen oder bei gleichzeitigem Neumond zu Sonnenfinsternissen kommen. Die beiden inneren Planeten werden von der Erde umrundet und sind daher nur in einem relativ kleinen, zur Sonne symmetrischen Winkelsegment mit geringen Elongationen zu beobachten; abends im Westen nach Sonnenuntergang oder morgens im Osten vor Sonnenaufgang. Die Elongation der Sonne ist definitionsgemäß null. Die äußeren Planeten umrunden die Erdbahn und tauchen wie der Mond im Laufe der Zeit daher auf dem gesamten Kreis der Ekliptik auf. Die Elongationen von Mond und äußeren Planeten können also alle Werte zwischen -180 und +180 Bogengrad erreichen.

Haben zwei oder mehr der sieben stetig wandelnden und gut sichtbaren Gestirne, also Sonne und Mond sowie die Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn, die gleiche ekliptikale Länge, kommt es zu einer Konjunktion zwischen den betroffenen Gestirnen.

Große Konjunktion am südwestlichen Abendhimmel mit einem Abstand von ungefähr 15 Bogenminuten zwischen Saturn (links oben) und Jupiter (rechts unten) im Dezember 2020 zwei Tage vor der größten Annäherung zwischen den beiden Planeten.
Die vier Galileischen Monde: links oberhalb vom Jupiter die Monde Kallisto, Ganymed und Europa, rechts unterhalb in unmittelbarer Nähe zu Jupiter der Mond Io.
Die Ekliptiklinie verläuft diagonal zwischen der linken oberen und der rechten unteren Bildecke.

Bei den beiden größten und äußeren Planeten Jupiter und Saturn wird in diesem Fall von einer großen Konjunktion gesprochen. Solche Ereignisse unterliegen langjährigen Zyklen und wurden seit jeher als spektakulär betrachtet.[2] Wenn eine große Konjunktion innerhalb von wenigen Monaten sogar dreimal stattfindet, dann wird von der größten Konjunktion gesprochen.

Mondhäuser[Bearbeiten]

Der Mond kann entlang der Ekliptik nicht nur in Konjunktion mit allen anderen sechs Wandelgestirnen stehen, sondern auch mit zahlreichen ekliptiknahen Sternen. Alle Objekte zwischen den ekliptikalen Breiten -5,5 Bogengrad (südlich) und +5,5 Bogengrad (nördlich) können je nach ekliptikaler Breite des Mondes von ihm bedeckt werden, während er innerhalb einer guten Stunde eine bestimmte ekliptikale Länge durchläuft.

Durch die Wanderung des Frühlingspunktes in Richtung niedrigerer ekliptikaler Längen (nach Westen, respektive auf der Nordhalbkugel nach rechts) sind die heutigen ekliptikalen Längen zur astronomischen Epoche J2000.0 um knapp 28 Bogengrad größer als zur Zeit um Christi Geburt zur Epoche J0000.0. Der Frühlingspunkt bei der damaligen ekliptikalen Länge null im Sternbild Fische auf Höhe des Sternes Alpherg liegt heute daher deutlich weiter westlich im Sternbild Fische auf Höhe des Sterns Shemali.

Die Ekliptik kann in kleine, gleichgroße aneinandergereihte Mondhäuser oder Mondstationen aufgeteilt werden, in denen der Mond innerhalb eines siderischen Monats (ungefähr 27,3 Tage) sich immer rund 24 Stunden lang befindet, bevor er in Richtung Osten in das nächste Mondhaus wechselt. Alle Mondhäuser haben entlang der 360 Bogengrad langen Ekliptik demnach eine Länge von jeweils gut 13 Bogengrad. Sie sind somit schmaler als die zwölf Lebewesenkreiszeichen, in denen die Sonne innerhalb eines siderischen Jahres jeweils einen Monat lang steht und die entlang der Ekliptik eine Länge von 30 Bogengrad haben.

Jedem Mondhaus kann ein Stern oder eine kleine Sterngruppe zugeordnet werden, mit denen der Mond im Fixsternhimmel beim Aufenthalt im jeweiligen Mondhaus in Konjunktion steht. Aristoteles (* 384 vor Christus; † 322 vor Christus) hat in seiner Schrift "Über den Himmel" (altgriechisch: "Περὶ οὐρανοῦ" / "Peri uranu") festgehalten, dass die Babylonier und die Ägypter bestimmte Konjunktionen über lange Zeit beobachtet und dokumentiert haben. In den frühen Abendstunden des 5. Aprils 357 vor Christus beobachtete er die Bedeckung des Planeten Mars durch den zunehmenden Halbmond im Sternbild Löwe (Leo) in der Nähe vom Sterns Regulus (α Leonis), wo sich vom damals noch im Sternbild Widder befindlichen Frühlingspunkt aus gezählt das zehnte Mondhaus befindet.[3] Dieses Mondhaus hat in der indischen Systematik des  Nakshatra zum Beispiel die Bezeichnung "Magha" und in der arabischen Systematik des  Manazil al-Qamar die Bezeichnung "Algieba" bekommen.

Nakshatra[Bearbeiten]

In der indischen Astronomie wurden spätestens 1000 vor Christi Geburt die Aufenthaltsorte des Mondes entlang der Ekliptik in 27 Mondhäuser eingeteilt. Bei den Indern wurde diese Einteilung in 27 Mondhäuser Nakshatra genannt, und sie haben sich dabei offenbar an der siderischen Monatslänge von 655,73 Stunden orientiert, die nur zirka einen drittel Tag länger ist als 27 Tage. Der Mond hält sich im Mittel also rund 24,3 Stunden in einem Mondhaus auf.

Daraus resultiert für jedes der 27 Mondhäuser der folgende ekliptikale Längenabschnitt :

Und jedes der zwölf, entlang der Ekliptik 30 Bogengrad langen Lebewesenkreiszeichen des Zodiaks enthält also genau neun Viertel Mondhäuser:

Der Frühlingspunkt bleibt für knapp 956 Jahre in einem der 27 Mondhäuser, bevor er in Richtung Westen in das nächste benachbarte Mondhaus wandert.

Auch im Tibet wurden ab dem 8. Jahrhundert 27 Mondhäuser verwendet, die im 11. Jahrhundert im Kālacakratantra verschriftlicht worden sind.

Manazil al-Qamar[Bearbeiten]

Quadratische Himmelskarte mit den sieben Wandelgestirnen (innen), den zwölf Lebewesenkreiszeichen (Mitte) und den 28 Mondhäusern samt den jeweiligen Mondphasen nach einem Neumond zu Frühlingsbeginn (außen) im Manuskript Zubdat-al Tawarikh von 1583 (Museum der Türkischen und Islamischen Künste in Istanbul). Der Frühlingspunkt befindet sich unten in der Mitte.

Bei den Arabern wurde die Einteilung in 28 Mondhäuser etwas später Manazil al-Qamar genannt, wobei die siderische Monatslänge hierfür um zwei drittel Tage aufgerundet wurde. Der Mond hält sich im Mittel also nicht genau 24 Stunden, sondern nur rund 23,4 Stunden am Stück in einem Mondhaus auf.

Der Vorteil dieser Einteilung ist jedoch, dass 28 ohne Rest sowohl durch vier, als auch durch sieben teilbar ist. Hierdurch ergibt sich, dass das siebtnächste Mondhaus auf dem Kreis der Ekliptik immer genau im rechten Winkel und somit linksläufig im benachbarten Quadranten steht. Jedem Quadranten werden genau sieben Tage zugeordnet, was exakt den sieben Tagen einer Woche respektive eines Mondviertels entspricht. Im Sonnenjahr entspricht jeder dieser Quadranten einer Jahreszeit mit drei Monaten. Demzufolge sind sieben Mondhäuser auf der Ekliptik genauso lang wie drei Monate, beziehungsweise alle 28 Mondhäuser sind auf der Ekliptik genauso lang wie zwölf Monate. Daraus resultiert für jedes Mondhaus der folgende ekliptikale Längenabschnitt :

Und jedes der zwölf, entlang der Ekliptik 30 Bogengrad langen Lebewesenkreiszeichen des Zodiaks enthält also genau sieben Drittel Mondhäuser:

Die Sonne wandert innerhalb eines siderischen Jahres definitionsgemäß exakt einmal vollständig entlang der Ekliptik durch den Lebewesenkreis und bleibt währenddessen daher gut 13 Tage und eine Stunde in jedem Mondhaus:

Die Zyklusdauer für die vollständige Wanderung des Frühlingspunktes durch die Ekliptik beträgt zirka 25800 Jahre. Der Frühlingspunkt bleibt also für gut 921 Jahre in einem Mondhaus, bevor er in Richtung Westen in das nächste benachbarte Mondhaus wandert:

Die in die Ebene projizierten 28 Mondhäuser (von rechts nach links) mit den wichtigsten Sternen entlang der Ekliptik (rote gestrichelte Linie, ekliptikale Länge von 0 Bogengrad bis 360 Bogengrad zur Epoche J0000.0 in horizontaler Richtung, senkrecht dazu die ekliptikale Breite). Die beiden seitlichen Ränder der Abbildung gehen im Kreisbogen der Ekliptik nahtlos ineinander über.

Animierte Variante der Abbildung:

Chinesische Mondhäuser[Bearbeiten]

Kreisförmige Darstellung der nördlichen Hemisphäre mit den 28 chinesischen Mondhäusern. Links der Frühling (Osten), oben der Winter (Norden), rechts der Herbst (Westen, in der Mitte der Asterismus Mǎo (昴 = haariger Kopf des Sternbilds "Weißer Tiger") und unten der Sommer (Süden).

Auch in der chinesischen Astronomie werden 28 Mondhäuser verwendet. Auch diese sind in vier Quadranten mit je sieben Mondhäusern aufgeteilt, die für die vier Himmelsrichtungen beziehungsweise die vier Jahreszeiten stehen.

Diese vier Richtungen werden durch die chinesischen Sternbilder "Blauer Drache des Ostens", "Schwarzer Krieger des Nordens", "Weißer Tiger des Westens" und "Roter Vogel des Südens" repräsentiert. Die Plejaden (chinesisch Mǎo) liegen in der Mitte des Herbststernbilds "Weißer Tiger des Westens" und markieren den Herbstpunkt auf der Ekliptik.

Ägyptische Königselle[Bearbeiten]

Im Zusammenhang mit den Teilern vier und sieben der Zahl 28 sei erwähnt, dass eine altägyptische (große) Königselle ("Meh" oder "meh-nesut") sieben Handbreit ("Schesep") lang war und ein Handbreit wiederum vier Fingerbreit ("Djeba"). Multipliziert ergibt sich, dass die Königselle 28 Fingerbreit lang war.

Genesis[Bearbeiten]

Eine weitere Koinzidenz der Zahlen 7 und 28 taucht im ersten Vers der Schöpfungsgeschichte (Genesis, Bereschit, erstes Buch Mose) auf.

Der Vers lautet auf hebräisch (von rechts nach links):

בְּרֵאשִׁית בָּרָא אֱלֹהִים אֵת הַשָּׁמַיִם וְאֵת הָאָרֶץ

Im hebräischen Original hat der Vers 7 Wörter mit insgesamt 28 Buchstaben.

Mit lateinischen Buchstaben geschrieben lautet dies ungefähr folgendermaßen:

bereschit bara elohim et haschamaijim weet haarez

Die lateinische Vulgata enthält hier die folgenden sieben Wörter:

In principio creavit Deus caelum et terram.

In der Einheitsübersetzung ins Deutsche besteht der erste Satz der Bibel ebenfalls aus sieben Wörtern:

Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.

→ Siehe auch Exkurs Zur Sieben

Der Stern von Bethlehem[Bearbeiten]

Der Sternhaufen Praesepe (Krippe, Messier 44) hat einen deutlich größeren scheinbaren Durchmesser als der Mond. Die Ekliptik verläuft entlang der roten Linie; der abnehmende Mond (oben links) befindet sich nördlich und der Planet Venus (halb rechts unten) südlich der Ekliptik. Mond und Venus stehen im Sternbild Krebs (Cancer) in Konjunktion.

In der Antike wurden durch eingeweihte Gelehrte die Konjunktionen von Planeten vorausberechnet und schriftlich festgehalten, wie beispielsweise durch zahlreiche Keilschrifttexte aus den Städten Sippar, Ur oder Babylon belegt ist. 1925 entdeckte und entzifferte der Altorientalist Paul Schnabel darin Aufzeichnungen zu den Planeten von Jupiter und Saturn aus den Jahren 7 und 6 vor Christi Geburt.[4]

Der Astronom Johannes Kepler (1571–1630) besuchte in Graz eine öffentliche Veranstaltung des Gelehrten Joseph Justus Scaliger (1540–1609), die sich mit dem Geburtsjahr Jesu beschäftigte.[5] Kepler hat wenig später dann die Hypothese aufgestellt, dass der im zweiten Kapitel des Matthäusevangeliums "Die Huldigung der Sterndeuter" genannte Stern, der die Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem zur Geburtskrippe von Jesus geführt haben soll, mit der größten Konjunktion im Jahr 7 vor Christi Geburt im Zusammenhang stehen könnte.

In den letzten 3000 Jahren fand eine größte Konjunktion im Sternbild Fische nur zwei Mal statt: im Jahre 861 vor Christi Geburt (übrigens mit zweimaligen Bedeckung des Saturns durch den abnehmenden Mond am 17. April und am 15. Mai, und mit mehrmaligen Bedeckungen des Jupiters durch den abnehmenden Mond am 11. Juni sowie am 8. Juli, den Vollmond am 28. September und den zunehmenden Mond am 22. November sowie am 19. Dezember des Jahres) und im Jahr 7 vor Christi Geburt. In der Tat sind einige weitere astronomische Ereignisse des letztgenannten Jahres sehr bemerkenswert. Die folgende Tabelle enthält einige besondere Konstellationen der sieben Wandergestirne zwischen März 7 und Januar 6 vor Christi Geburt:

Besondere Konstellationen
Datum Ereignis Interpretation
23. März Sonne im Frühlingspunkt Frühlingsbeginn, früher gleichzeitig der Beginn eines neuen Jahres.
25. März Mars ist während der gesamten Nacht sichtbar und verschmilzt mit dem bekannten Doppelstern Porrima (γ Virginis) im Sternbild Jungfrau (Virgo) Porrima ist die italienische Göttin der Weissagung und für den Schutz der Ungeborenen.[6] Maria, die Mutter von Jesus, hat das Attribut Jungfrau. Am 25. März wird heute das Hochfest der Verkündigung des Herrn gefeiert.
29. Mai Erste große Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn bei Neumond geht nach Mitternacht im Osten im Sternbild Fische (Pisces) auf
30./31. Mai Neulicht des Mondes nahe Venus bei dem offenen Sternhaufen Praesepe (Krippe, Messier 44) im Sternbild Krebs (Cancer) und nahe Merkur bei maximaler östlicher Elongation Beim Monduntergang am Abend ist dieser im Neulicht mit beiden inneren Planeten bei der Krippe in Konjunktion.
20. Juni Mond geht kurz nach Jupiter und Saturn um Mitternacht im Osten im Sternbild Fische (Pisces) zwei Tage vor der Sommersonnenwende auf
1. Oktober Zweite große Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn im Sternbild Fische (Pisces) geht morgens im Westen unter
5. Dezember Dritte große Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn im Sternbild Fische (Pisces) kurz vor Vollmond geht um Mitternacht im Westen unter
8. Dezember Vollmond bei dem offenen Sternhaufen Praesepe (Krippe) im Sternbild Krebs (Cancer) Heute der Tag des Hochfests der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria
16. Dezember Jupiter und Saturn gehen eine Woche vor der Wintersonnenwende um Mitternacht gemeinsam im Osten im Sternbild Fische (Pisces) auf
22. Dezember Neulicht des Mondes Neulicht als Zeichen der Geburt.
23. Dezember Wintersonnenwende In der Nacht vom 24. zum 25. Dezember wird heute die Geburt des Herrn (Heiligabend und Weihnachten) gefeiert.
5. Januar Vollmond bei dem offenen Sternhaufen Praesepe (Krippe) im Sternbild Krebs (Cancer) Am 6. Januar wird heute die Erscheinung des Herrn (griechisch Epiphanias) gefeiert.

Im Zusammenhang mit der letzten Tabellenzeile sei noch darauf hingewiesen, dass die Krippe im 8. Mondhaus Annathra des antiken astronomischen Ekliptiksystems Manazil al-Qamar liegt, das insgesamt 28 Sterngruppen ausweist. Der Ort an dem Jesus geboren wurde heißt "Bethlehem" (zu deutsch Haus des Brotes oder Haus des Fleisches).

Weitere Koinzidenzen mit der Überlieferung ergeben sich aus den folgenden Sachverhalten:

  • Die drei Wandelgestirne (respektive drei Könige - Sonne (Helios) und die beiden inneren Planeten Merkur und Venus (man beachte die maskuline Grundform)) wandern täglich von Osten nach Westen.
  • Jupiter und Saturn waren vom Ekliptiksternbild Fische (Pisces) auf dem Weg in das Ekliptiksternbild Widder. Dieses Sternbild heißt auf arabisch al-hamal (Lamm) und entspricht im jüdischen Kalender dem Monat Nisan, der mit Juda gleichgesetzt wird, einem der zwölf Stämme des alten Israel. Der Frühlingsbeginn und das jüdische Pessachfest liegen im Nisan. Das Lamm ist im Christentum als "Agnus Dei" ("Lamm Gottes") seit jeher ein Symbol für Jesus Christus.
  • Abschließend zogen die Sterndeuter auf einem anderen Weg weiter, also ohne umzukehren und Herodes dabei noch einmal zu begegnen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aristoteles: Meteorology, Teil 6, Buch I, um 350 vor Christus, ins Englische übersetzt von Erwin Wentworth Webster (* 1880; † 1917)
  2. Kocku von Stuckrad: Das Ringen um die Astrologie: Jüdische und christliche Beiträge zum antiken Zeitverständnis, Kapitel VIII Die Astrologie im christlichen Kanon, Walter de Gruyter, 2011, ISBN 9783110818666
  3. Aristoteles: On the Heavens, Teil 12, Buch II, um 350 vor Christus, ins Englische übersetzt von John Leofric Stocks (* 1882; † 1937)
  4. Daniel Leon: Der ›Stern von Bethlehem‹ oder das astronomische Jahrtausend-Ereignis des Jahres 7/6 BC, Himmelskrieger, 24. Dezember 2016
  5. Herold Mönch: Der Stern von Bethlehem - Astronomische Deutungsversuche, in: Wege in der Physikdidaktik, Band 3, Verlag Palm & Enke, Erlangen, 1993
  6. Siehe auch Richard Hinckley Allen: Star Names - Their Lore and Meaning], Virgo, γ, Binary and slightly variable, 3 and 3.2, white, Dover, 1963