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Die Himmelstafel von Tal-Qadi/ Konjunktionen

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Dieser astronomische Exkurs beschäftigt sich mit verschiedenen Konjunktionen von Wandelgestirnen am Himmel. Zu den Wandelgestirnen gehören nicht nur die Sonne, der Mond und die Planeten, sondern auch Kometen oder Asteroiden. Alle diese Himmelskörper können bei Konjunktionen manchmal – auch zu mehreren – untereinander sowie beispielsweise auch mit Fixsternen, Sternhaufen oder Sternkonstellationen in räumlicher Nähe zu sehen stehen.

Um die Zeitpunkte von Konjunktionen herum können die Bewegungen der beteiligten Himmelskörper gegenüber dem Fixsternhimmel oft besonders einfach und eindrucksvoll beobachtet werden. Einige Konjunktionen sind für die Berechnung und die Führung von Kalendern grundlegend. Die Astronomie (altgriechisch ἄστρον ("astron") und νόμος ("nomos"), zu Deutsch: „Sterngesetz“) beschäftigt sich mit den Gesetzen der Himmelsbewegungen, und die Astrologie (altgriechisch ἄστρον ("astron") und λόγος ("logos"), zu Deutsch „Sternlehre“) beschäftigt sich mit den sich daraus ableitenden Lehren. Zwischen Astronomen und Astrologen wurde vom Altertum über das Mittelalter bis hin zur Renaissance noch nicht unterschieden.

Konjunktionen

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Konjunktion des Kometen C/2020 F3 (NEOWISE) mit dem Stern Talitha Borealis (ι Ursae Majoris) im Sternbild Großer Bär (Ursa Major) in der nautischen Abenddämmerung am 18. Juli 2020 um 21:28 Uhr UTC in einer Höhe von 17° über dem nördlichen Horizont von Berlin (Bildhöhe = 4°). Der Abstand zwischen dem Stern und dem Kometen betrug sieben Bogenminuten. Am unteren Bildrand, etwas links der Mitte der südliche Nachbarstern Talitha Australis (Kappa Ursae Majoris, auch Alkaphrah). Aristoteles (* 384 vor Christus; † 322 vor Christus) erwähnt in seinem „Meteorologikon“, dass er die scheinbare Verschmelzung vom Planeten Jupiter und einem Stern im Sternbild Zwillinge (Gemini) beobachtet hat, ohne dass dabei ein Komet entstanden sei (siehe auch weiter unten: Aristotelische Jupiter-Konjunktion).

Während einer Konjunktion (lateinisch coniunctio = Verbindung) begegnen sich am Himmel zwei Objekte scheinbar. Hierbei muss sich mindestens eines der beiden Himmelsobjekte gegenüber dem Fixsternhimmel bewegen. Dies betrifft insbesondere die sieben mit bloßem Auge sichtbaren Wandelgestirne Sonne, Mond, die beiden inneren Planeten Merkur und Venus sowie die drei äußeren Planeten Mars, Jupiter und Saturn. Im weiteren Sinne gehören auch die Planeten Uranus und Neptun, die Zwergplaneten, Asteroiden und Kometen dazu. Wird bei einer solchen Begegnung das Auflösungsvermögen des menschlichen Auges von zirka einer Bogenminute oder des für eine Beobachtung eingesetzten Telekops unterschritten, kommt es zu einer scheinbaren Verschmelzung der betroffenen Himmelskörper. Die Bedeckung eines Himmelskörpers durch einen flächenhaft wahrgenommenen anderen Himmelskörper wird auch Okkultation genannt.

Bei einer Konjunktion vermindert sich die Elongation zwischen den betreffenden Himmelskörpern auf null. Sie wird meist von der Sonne in Bezug auf den Mond oder einen Planeten angegeben. Das Gegenteil der Konjunktion ist die Opposition, bei der sich zwischen den beiden betreffenden Himmelskörpern eine Elongation von 180 Bogengrad ergibt.

Die Sonne liegt vom Erdmittelpunkt aus gesehen stets in der Ekliptik, und alle Planetenbahnen verlaufen mit geringen Abweichungen von wenigen Grad in der Nähe der Ebene der Ekliptik. Der Erdmond hat aufgrund seiner leicht geneigten Umlaufbahn um die Erde ebenfalls eine Abweichung von der Ekliptik, die sich aufgrund seiner im Vergleich zu den Planeten starken Schwerkraftbindung zur Erde in deutlich schnelleren scheinbaren Schwankungen um diese Bezugsebene auswirkt.

Die religiöse Bedeutung von Sonne und Mond für die Führung von Kalendern wird bereits in der Schöpfungsgeschichte der Bibel (erstes Kapitel im Buch Genesis) erwähnt, wo von zwei großen Lichtern die Rede ist:[1]

14 Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht. Sie seien Zeichen für Zeiten, Tage und Jahre
15 und seien Lichter an der Feste des Himmels, dass sie scheinen auf die Erde. Und es geschah so.
16 Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne.

Der Mond benötigt für einen vollständigen Umlauf um die Erde einen Monat. Die explizite Bedeutung des Mondes für die Festlegung von Festtagen ist im Buch Jesus Sirach vom Beginn des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts im 43. Kapitel belegt:[2]

6 Auch der Mond hält sich in allem an seinen Zeitpunkt, / zur Festsetzung der Zeiten und als Zeichen auf Dauer.
7 Vom Mond geht das Zeichen für einen Festtag aus, / ein Gestirn, das abnimmt bis zur Vollendung.
8 Der Name Monat kommt vom Neumond, / der wunderbar zunimmt beim Wechsel, ein Geschöpf des Heeres in der Höhe, / das am Himmelsgewölbe leuchtet.

Der Zusammenhang zwischen hohen und niedrigen Tiden mit den Mondphasen dürfte auch den Urvölkern, die die Meeresküsten bewohnt haben, nicht verborgen geblieben sein. Springtiden tauchten zum Ende der Flut immer kurz nach einem Neumond oder kurz nach einem Vollmond auf, wohingegen Nipptiden zum Ende der Ebbe nach dem zunehmendem beziehungsweise dem abnehmenden Halbmond eintraten.

Wegen seiner vergleichsweise geringen Umlaufzeit steht am häufigsten der Erdmond in Konjunktion mit den sechs anderen mit bloßem Auge sichtbaren Wandelgestirnen, und wegen seiner größeren Nähe bedeckt er bei einer Konjunktion gegebenenfalls immer die anderen Himmelskörper. Mit einem einfachen Fernrohr lassen sich auch die wegen ihrer noch geringeren Umlaufzeiten noch häufiger sich ergebenden Konjunktionen der vier Galileischen Monde untereinander und mit ihrem Planeten Jupiter beobachten. Wegen der extrem großen Helligkeit der Sonne lässt sich eine Konjunktion mit ihr nur beobachten, wenn es bei Neumond eine Sonnenfinsternis, einen Venustransit oder einen Merkurtransit gibt.

Wenn der Abstand zur Ekliptik (also die Höhe über oder unter der Ekliptik beziehungsweise als Koordinate die ekliptikale Breite) hinreichend gering ist, kann es bei gleichzeitigem Vollmond zu Mondfinsternissen oder bei gleichzeitigem Neumond zu Sonnenfinsternissen kommen. Diese nicht allzu häufig zu beobachtenden Ereignisse wurden oft als bedrohlich interpretiert. Dies ist auch im Alten und im Neuen Testament belegt:

Kommendes Heil, Ausgießung des Geistes (Prophet Joel, Kapitel 3):[3]

3 Ich werde wunderbare Zeichen wirken
am Himmel und auf der Erde:
Blut und Feuer und Rauchsäulen.
4 Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln
und der Mond in Blut, ehe der Tag des HERRN kommt,
der große und schreckliche Tag.

Die Pfingstpredigt des Petrus (Apostelgeschichte, Kapitel 2):[4]

19 Ich werde Wunder erscheinen lassen droben am Himmel
und Zeichen unten auf der Erde
Blut und Feuer und qualmenden Rauch.
20 Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln
und der Mond in Blut,
ehe der Tag des Herrn kommt,
der große und herrliche Tag.

Die ersten sechs Siegel (Offenbarung des Johannes, Kapitel 6):[5]

12 Und ich sah: Das Lamm öffnete das sechste Siegel. Da entstand ein gewaltiges Beben. Die Sonne wurde schwarz wie ein Trauergewand und der ganze Mond wurde wie Blut.
13 Die Sterne des Himmels fielen herab auf die Erde, wie ein Feigenbaum seine Früchte abwirft, wenn ein heftiger Sturm ihn schüttelt.
14 Der Himmel verschwand wie eine Buchrolle, die man zusammenrollt, und alle Berge und Inseln wurden von ihrer Stelle weggerückt.

Die beiden inneren Planeten werden von der Erde umrundet und sind daher nur in einem relativ kleinen, zur Sonne symmetrischen Winkelsegment mit geringen Elongationen zu beobachten; abends im Westen nach Sonnenuntergang oder morgens im Osten vor Sonnenaufgang. Die Elongation der Sonne ist definitionsgemäß null. Die äußeren Planeten umrunden die Erdbahn und tauchen wie der Mond im Laufe der Zeit daher auf dem gesamten Kreis der Ekliptik auf. Die Elongationen von Mond und äußeren Planeten können also alle Werte zwischen -180 und +180 Bogengrad erreichen.

Haben zwei oder mehr der sieben stetig wandelnden und gut sichtbaren Gestirne, also Sonne und Mond sowie die Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn, die gleiche ekliptikale Länge, kommt es zu einer Konjunktion zwischen den betroffenen Gestirnen. Bei den beiden größten und äußeren Planeten Jupiter und Saturn wird in diesem Fall von einer großen Konjunktion gesprochen. Solche Ereignisse unterliegen langjährigen Zyklen und wurden seit jeher als spektakulär betrachtet.[6] Wenn eine große Konjunktion innerhalb von wenigen Monaten sogar dreimal stattfindet, dann wird von der größten Konjunktion gesprochen.

Eine besonders beachtenswerte Rolle unter den Planeten spielt der Jupiter, da er für einen Umlauf um die Sonne zwölf Jahre benötigt. Daher steht er von der Erde aus gesehen jeweils ein Jahr lang in Konjunktion zu einem der zwölf Lebewesenkreiszeichen im Zodiak entlang der Ekliptik.

Siehe auch → Wikibook Zahlen / Zur Zwölf und → Kapitel Astronomische Bezugssysteme / Der Zodiak.

Untergang einer Konjunktion von Venus und Mond

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Die Venus ist in Bezug auf die Erde ein unterer Planet mit einer Elongation von maximal 48 Bogengrad.

Wenn Mond und Sonne die gleiche ekliptikale Länge haben, hat die Elongation des Mondes den Wert Null, es herrscht Neumond und es kann dann zu einer Sonnenfinsternis kommen. Der Mond braucht einen Monat, um den Kreis der Ekliptik einmal komplett zu durchlaufen, wobei seine Elongation bei Vollmond auf 180 Bogengrad anwächst und danach wieder bis auf Null zurückgeht. Bei seiner scheinbaren Umlaufbahn kommt er regelmäßig an allen Planeten vorbei. Ist die Elongation eines Himmelskörpers östlich (links der Sonne, positiver Wert), geht er nach der Sonne im Westen unter. Ist die Elongation eines Himmelskörpers westlich (rechts der Sonne, negativer Wert), geht er vor der Sonne im Osten auf.

Bei einer Elongation der Venus von Null befindet sich diese entweder bei der unteren Konjunktion in Erdnähe oder bei der oberen Konjunktion in Erdferne. Die Venus hat eine siderische Umlaufzeit von knapp 225 Tagen (ungefähr siebeneinhalb Monate), und ihre größte Elongation beträgt wegen ihrer Sonnennähe nur 48 Bogengrad. Von der Erde aus gesehen eilt die Venus auf ihrer Umlaufbahn der Erde immer ein wenig voraus, so dass die gleiche ekliptikale Länge respektive Elongation erst nach etwas mehr als einem Erdenjahr (gut 365 Tage) erreicht wird, nämlich nach knapp 584 Tagen (1,6 Erdenjahre). Ungefähr die Hälfte dieser Periode hat die Venus eine östliche und die andere Hälfte eine westliche Elongation. In Sonnennähe, also bei kleinen Elongationen, kann sie mit bloßem Auge nicht beobachtet werden. Bei einer Konjunktion der Venus mit dem Mond hat dieser immer nur eine geringe von der Sonne beleuchtete Fläche, so dass dieses Ereignis nur um den Neumond herum beim Alt- beziehungsweise beim Neulicht des Mondes gesehen werden kann, also in der zeitlichen und örtlichen Nähe des Morgenletztes oder des Abenderstes des Mondes.

In der folgenden Galerie sind acht Bilder der Konjunktion zwischen dem Planeten Venus und dem Mond am 9. Oktober, also gut zwei Wochen nach der Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche, im Sternbild Skorpion (Scorpio) bei fast wolkenlosem Himmel zu sehen. Die Bilder sind abends innerhalb einer guten Stunde zwischen 18:10 Uhr und 19:21 Uhr in südwestlicher Richtung entstanden. Die Ekliptik lag zu diesem Zeitpunkt vom Beobachtungspunkt in Berlin aus sehr flach, also nur wenig gegenüber dem Horizont geneigt, und daher stehen die rund 14 Prozent beleuchtete Sichel vom Mond und der Terminator der zu knapp 60 Prozent beleuchteten Venus fast senkrecht auf dem Horizont. Der Mond war nidsigend und befand sich im Beobachtungszeitraum knapp ein Bogengrad südlich (also unterhalb) der Ekliptiklinie bei Höhen von 10 bis 3 Bogengrad über dem Horizont. Die Venus befand sich bei einer südlichen ekliptikalen Breite von knapp drei Bogengrad ein wenig unterhalb des Mondes und somit bei Höhen von 8,5 bis 2 Bogengrad über dem Horizont. Mit einer östlichen Elongation von knapp 46 Bogengrad hatte die Venus den maximal möglichen Wert noch nicht ganz erreicht und wies einen abnehmenden Phasenwinkel von fast 80 Bogengrad auf. Der fünfthellste Stern des Sternbilds Skorpion, Dschubba (δ Scorpionis), mit einer effektiven scheinbaren Helligkeit von zirka dritter Größenklasse (3m) befand sich knapp ein Bogengrad oberhalb der Venus. Die effektive scheinbare Helligkeit der Venus nahm während der Beobachtung durch die zunehmende Extinktion und Streuung ihres Lichts auf die reduzierten Werte von -3,5m auf -2,5m ab. Die effektive scheinbare Helligkeit der Mondsichel betrug ungefähr -7m. Der Sonnenuntergang fand gegen 18:23 Uhr statt.

Historische Konjunktionen

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Prähistorische Konjunktionen

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Die Länge von Monaten und Jahren ergeben sich seit jeher aus der Beobachtung von Konjunktionen der Sonne und des Mondes:

  • Ein Monat ergibt sich aus der Beobachtung der Konjunktionen von Mond und Sonne (synodischer Monat (altgriechisch σύνοδος ("synodos"), zu Deutsch: "Zusammentreffen")) oder von Mond und Fixsternen (siderischer Monat (lateinisch sideris, zu Deutsch: "des Sterns")).
  • Ein Jahr ergibt sich aus der indirekten Beobachtung der Konjunktion von Sonne mit den Fixsternen (Frühlingspunkt). Ein Frühlingsvollmond befindet sich gegenüber der Sonne im Herbstpunkt.

Bei Mond- und Sonnenfinsternissen handelt es sich um Konjunktionen zwischen Mond und Sonne, die seit je her von Menschen beobachtet wurden.

Konjunktion der zunehmenden Mondsichel (dreieinhalb Prozent Neulicht (Mondalter 1,8 Tage, östliche Elongation 21,5 Bogengrad) mit aschgrauem Mondlicht durch den Erdschein beim Abenderst, links) mit dem Planeten Merkur (scheinbare Helligkeit 1,5m, Bildmitte) und dem offenen Sternhaufen der Plejaden im Sternbild Stier (Taurus, rechts) am 2. Mai 2022 (nach dem jüdischen Lunarkalender der 1. Siwan 5782) ungefähr 8,5 Bogengrad über dem westnordwestlichen Abendhimmel in Berlin.

Zu den ältesten überlieferten Erwähnungen von Konjunktionen gehört auch die erste Plejaden-Schaltregel der Sumerer, die um 2600 vor Christus angewendet werden konnte. Sie berücksichtigt die Konjunktion des offenen Sternhaufens der Plejaden mit der schmalen Mondsichel des Neulichts, das auch für die Festlegung des Beginns eines jeden synodischen Monats herangezogen wurde und wird:

→ Siehe hierzu Kapitel Die Plejaden, Abschnitt Die Schaltregel.

Aus diesen Beobachtungen ergibt sich unmittelbar der Meton-Zyklus:

→ Siehe hierzu Kapitel Mondzyklen, Abschnitt Der Meton-Zyklus.

Die Shih-Ching-Finsternis

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Eine zwischen 841 und 722 vor Christus gedichtete Ode aus dem chinesischen Buch der Lieder (chinesisch: "Pinyin Shījīng" beziehungsweise "Pinyin Shih-ching") erwähnt eine Sonnenfinsternis, die ohne die Angabe eines Jahres am ersten Tag des zehnten bürgerlichen Monats stattgefunden habe. Damit würde es sich um ein astronomisches Ereignis handeln, das uns auf den Kalendertag genau überliefert wurde. Die Auswahl der Gedichte des Buches der Lieder und deren Ordnung soll laut der Überlieferung dem chinesischen Philosophen  Konfuzius (um 550 bis 480) zu verdanken sein. Der deutsche Naturwissenschaftshistoriker und Astronom  Willy Hartner (1905 bis 1981) hat sich 1935 eingehend mit der Datierung dieser Finsternis beschäftigt, und er gibt die folgende Übersetzung der Ode an:[7]

Bei der Konjunktion im zehnten Monat,
am ersten Tag des Monats – einem Tag hsin-mao –
fand eine Sonnenfinsternis statt.
Ein sehr schlimmes Ereignis.
Andermals [zuvor] wurde der Mond klein;
nun ward die Sonne klein.
Von jetzt an wird das niedere Yolk
in sehr großer Not leben.

Beim "hsin-mao" handelt es sich um das 28. zyklische Tageszeichen innerhalb eines Sechzigerzyklus. Es gab drei Sonnenfinsternisse, die während der Entstehungszeit der Ode in China an einem hsin-mao gesehen werden konnten:

  • 4. Juni -780, Julianisches Datum = 1436317,5
  • 30. November -734, Julianisches Datum = 1453297,5
  • 3. März -728, Julianisches Datum = 1455217,5

Der erste und letzte dieser drei Tage kann allerdings nach keinem der chinesischen Kalendersysteme auf den ersten Tag eines zehnten chinesischen Monats gefallen sein. Der 30. November -734 vor Christus (also 735 vor Christus) kann im chinesischen Kalender Hsiastil unter Berücksichtigung eines Tages Unsicherheit bei der Bestimmung von Schalttagen jedoch auf den ersten Tag des zehnten bürgerlichen Monats gefallen sein. Die Sonnenfinsternis fand 28 Tage vor der herbstlichen Tag-und-Nacht-Gleiche im Sternbild Schütze (Sagittarius) statt und erreichte am Vormittag in Richtung Südsüdost ihr Maximum. Ferner gab es "andermals zuvor", als "der Mond klein wurde', nämlich am 20. Juni 735 vor Christus (Julianisches Datum = 1453135,5), in den chinesischen Morgenstunden ebenfalls im Sternbild Schütze (Sagittarius) direkt vor Monduntergang eine totale Mondfinsternis. Überdies gab es in den Halbjahren davor eine relativ seltene Häufung von Mondfinsternissen. Die vorletzte Mondfinsternis vor der Sonnenfinsternis in den Morgenstunden des 25. Dezembers 736 vor Christus (Julianisches Datum = 1452958,5) war in China in westlicher Richtung sogar besonders spektakulär, da der Vollmond nahe des offenen Sternhaufens Krippe (Praesepe) im Sternbild Krebs (Cancer) ungefähr eine Stunde zuvor den Planeten Saturn bedeckt hatte. Die drittletzte Mondfinsternis vor der Sonnenfinsternis fand am 1. Juli 736 vor Christus (Julianisches Datum = 1452781,5) im Sternbild Steinbock (Capricornus) ebenfalls in den chinesischen Morgenstunden in Richtung Südwesten statt.

Beginn der in Deutschland nur partiell zu beobachtenden Sonnenfinsternis am 10. Juni 2021, die in der Nordpolregion ringförmig zu beobachten war. Der Bedeckungsgrad betrug zu diesem Zeitpunkt 0,7 Prozent.

Der erste europäische Astronom, der sich bis 1749 der Shih-Ching-Finsternis gewidmet hatte, war der französische, in Peking gestorbene Jesuitenpater  Antoine Gaubil (1689 bis 1759). Einige seiner Manuskripte aus Peking wurden 1814 unter dem Titel "Traité de la Chronologie Chinoise" in drei Teilen in Paris herausgegeben.[8] Er datierte das Ereignis nach dem julianischen Kalender auf den 6. September -775 (also 776 vor Christus, Julianisches Datum = 1438237,5). An diesem Tag herrschte Neumond, der folglich mit der Sonne in Konjunktion stand, und an diesem Tag fand tatsächlich eine Sonnenfinsternis statt, deren Kernschatten allerdings nur um den Nordpol herum zu beobachten gewesen wäre. Die ringförmige Sonnenfinsternis begann in der Barentssee östlich von Spitzbergen, zog nördlich von Sewernaja Semlja in Richtung Osten weiter und erreichte nördlich der Wrangelinsel (und somit weit nördlich von China) dann noch fast die Totalität. Ganz im Norden der damaligen westlichen Zhou-Dynastie (1121 bis 770) hätte diese Sonnenfinsternis bei klarem Himmel kurz nach Sonnenaufgang, also zirka drei Stunden vor der von Gaubil berechneten Ortszeit, gesehen werden können, nicht jedoch in der südlicher gelegenen Hauptstadt Hao (in der Nähe des heutigen Xi’an in der Provinz Shaanxi). Die noch gerade eben unbedeckte Sonne ging fast genau im Osten im Sternbild Jungfrau auf. Im nördlicher gelegenen Peking, das damals noch Ji (zu Deutsch "Schilf") hieß, betrug die Bedeckung knapp anderthalb Prozent, was aber deutlich gesehen werden kann, wenn die Sonnenfinsternis direkt beobachtet wird.

Babylonische Jupiter-Konjunktion

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Im Pariser Louvre ausgestellte Tontafel AO 17630 aus dem vierten vorchristlichen Jahrhundert mit astronomischen Ephemeriden für Jupiter in Keilschrift.

Schon die Babylonier beschäftigten sich auch mit den Konjunktionen der Planeten. Die im Pariser Louvre ausgestellte Tontafel AO 17630 mit Keilschrift aus dem vierten vorchristlichen Jahrhundert enthält laut der Beschriftung in der Vitrine zum Beispiel die folgenden Angaben:

Astronomische Ephemeriden für Jupiter
42. Jahr der Regierungszeit des Königs Artaxerxès II.
am 3. Tammuz (4. Monat, auch Du'uzu oder Dumuzi): stationär
am 5. Ulûlu (6. Monat): in Opposition
am 8. Arahsamnu (8. Monat): im Westen der Fische stationär
um den 21 Addaru (12. Monat): in der Stirn des Widders in Konjunktion

Acq. Barbosa, 1934

Nach dem babylonischen Lunisolarkalender begann ein Monat mit dem Abend, in welchem in der Abenddämmerung zuerst das Neulicht des Mondes zu beobachten war.

Nach dem Julianischen Kalender ereigneten sich diese Jupiter-Konstellationen an den folgenden Tagen (für Mesopotamien, Zeitzone GMT plus drei Stunden):

  • 8. Juli 363 vor Christus, 23:30 Uhr (JD = 1589026,354): Jupiter stationär (-2,7m, rund 30 Bogengrad östlich von Saturn (0,7m) im Sternbild Wassermann (Aquarius)) im Sternbild Fische (Pisces) und danach rückläufig (retrograd).
    • Der Mond (-10m) war im ersten Viertel zunehmend (Mondalter 6,5 Tage, Mondsichel 40,5 Prozent beleuchtet) und stand zu dieser Uhrzeit bereits unter dem Horizont.
  • 7. September 363 vor Christus, 5:30 Uhr (JD = 1589086,604): Jupiter beim Untergang im Westen in Opposition (-2,9m im Sternbild Fische (Pisces)).
    • Der Mond (-10m) war bereits im zweiten Viertel zunehmend (Mondalter 7,6 Tage, Mondsichel 52,4 Prozent beleuchtet) und stand zu dieser Uhrzeit weit unter dem Horizont.
  • 4. November 363 vor Christus, 21 Uhr (JD = 1589145,250): Jupiter (-2,6m) im Westen des Sternbilds Fische (Pisces) stationär und danach wieder rechtläufig (prograd).
    • Der Mond (-10m) war im ersten Viertel zunehmend (Mondalter 6,6 Tage, Mondsichel 41,7 Prozent beleuchtet) und ging gerade im Westen unter.
  • 23. März 362 vor Christus, 3 Uhr (JD = 1589283,500): Jupiter kurz nach Mitternacht in Konjunktion (-2,0m) unter der Stirn des Sternbilds Widder (Aries). Jupiter stand dabei weit unter dem Horizont sowie gut ein Bogengrad unterhalb der Sonne. Das Ereignis war deswegen nicht durch direkte Beobachtung auf den Tag genau datierbar.
    • Der Mond (-7m) war im letzten Viertel abnehmend (Mondalter 26,6 Tage, Mondsichel 9,6 Prozent beleuchtet) und befand sich zu diesem Zeitpunkt noch unter dem Horizont.
    • Das Altlicht des Mondes stand am Morgen in Konjunktion südlich unter dem Saturn (0,5m), der gut eine Stunde nach dem Mars (1m) über dem östlichen Horizont aufging.
    • Der Merkur (0m) ging eine halbe Stunde später und eine Stunde vor der Sonne auf.
    • Die Venus (-4m) ging am Vorabend fast genau im Westen eine halbe Stunde nach der Sonne unter.

Es ergeben sich also nur sehr wenige Tage Abweichung zwischen den angegebenen Ereignissen und den heute genauer bestimmbaren Zeitpunkten. Dies ist insbesondere bemerkenswert, weil sich der Jupiter in den stationären Punkten nur wenige Bogensekunden pro Tag und selbst in Opposition nur acht Bogenminuten pro Tag entlang der Ekliptiklinie bewegt.

Das 42. Regierungsjahr des persischen Großkönigs Artaxerxès II. war 363 vor Christus. Dieses Jahr ist durch diese Jupiter-Ephemeriden also belegt, und er wäre demnach im Jahr 404 gekrönt worden, was im Einklang mit den in anderen Quellen angegebenen Mond- und Sonnenfinsternissen während seiner Regierungszeit steht.

Aristotelische Jupiter-Konjunktion

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Die Konjunktion zwischen Jupiter und dem Stern 1 Geminorum am Abend des 24. Aprils 360 vor Christus.

Bis zur Renaissance wurde zwischen den Wissenschaften der Astronomie und der Astrologie gar nicht unterschieden, und solche Konjunktionen galten häufig als Auslöser oder als Vorzeichen von anderen Ereignissen.

Der griechische Universalgelehrte  Aristoteles (* 384 vor Christus; † 322 vor Christus) hat in seinem Werk "Meteorologikon" (altgriechisch: "Μετεωρολογικῶν"), das um 350 entstanden ist, beispielsweise erwähnt, dass er die scheinbare Verschmelzung vom Planeten Jupiter und einem Stern im Sternbild Zwillinge (Gemini) beobachtet hat, ohne dass dabei ein Komet entstanden sei.[9] Die Begegnung vom Planeten Jupiter mit einem Fixstern kann im Tagesgang gut beobachtet werden, da sich der Planet gegenüber dem Fixsternhimmel mit über zehn Bogenminuten pro Tag bewegt, sofern er sich nicht gerade in der Nähe des Oppositionspunktes befindet, wenn die Erde ihn auf ihrer sonnennäheren Bahn überholt.

Da der Jupiter nur alle zwölf Jahre im Sternbild Zwillinge (Gemini) steht, kommen von 372 bis 337 vor Christus dafür grundsätzlich nur die Jahre 372, 360, 348 und 337 in Frage, in denen sich der Jupiter dort aufgehalten hat. Von den ekliptiknahen Sternen mit mindestens fünfter Größenklasse, die vom Jupiter bedeckt werden können, kommen nur der Stern Stern Wasat (δ Geminorum, 3,5m) oder der Stern 1 Geminorum (4,8m) in Frage. Der Stern Wasat (δ Geminorum) wurde während der Lebenszeit von Aristoteles nicht nahe genug erreicht. Der Stern 1 Geminorum kann wegen seiner relativ geringen scheinbaren Helligkeit und der Extinktion der Atmosphäre mit bloßem Auge nur gesehen werden, wenn er mehr als zehn Bogengrad über dem Horizont steht. In dem in Frage kommenden Zeitabschnitt hat der Jupiter sich nur drei Mal einem Stern 1 Geminorum auf weniger als zehn Bogenminuten genähert:

  • Am Abend des 10. Mais 372 kurz vor dem Untergang von Jupiter im Abstand von zirka fünf Bogenminuten zum Stern 1 Geminorum am westnordwestlichen Horizont. Zu diesem Zeitpunkt war Aristoteles erst zwölf Jahre alt. Die Sonne stand bei diesem Ereignis zudem noch so dicht unter dem Horizont, dass zwar gerade noch der Jupiter, aber keineswegs 1 Geminorum gesehen werden konnte.
  • Am Abend des 24. Aprils 360 vor dem Untergang im Abstand von zirka sieben Bogenminuten zum Stern 1 Geminorum über dem westnordwestlichen Horizont. Das Ereignis konnte am Abend auch noch nach Beginn der astronomischen Dämmerung gut beobachtet werden.
  • Am Morgen des 5. Dezembers 337 vor dem Untergang im Abstand von knapp sieben Bogenminuten zum Stern 1 Geminorum über dem westnordwestlichen Horizont. Dieses Ereignis fand zwar gut sichtbar noch vor der astronomischen Dämmerung, vermutlich jedoch bereits nach der Niederschrift des Meteorologikons statt.

Somit kann festgehalten werden, dass sich es sich bei der Konjunktion vom Planeten Jupiter mit einem Stern des Sternbilds Zwillinge (Gemini) um dessen Begegnung mit dem Stern 1 Geminorum am Abend des 24. Aprils 360 gehandelt haben dürfte.

Herbstbeginn in Uruk im Jahr 181 vor Christus

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Zwei zusammengehörige Teile einer seleukidischen Tontafel aus der babylonischen Stadt Uruk aus der Zeit von 200 bis 180 vor Christus zeigen Darstellungen des Himmels mit ekliptiknahen Sternbildern und jeweils einem Planeten:[10]

Zusammengesetztes Schema mit den astronomischen Elementen der beiden beschrifteten seleukidischen Ritzzeichungen AO 6448 und VAT 07847 (siehe oben).
Von links nach rechts: Planet Jupiter (sumerisch dSag-me-gar), Wasserschlange (Hydra, sumerisch mulMUŠ), Löwe (Leo, sumerisch mulUR.GU.LA), Rabe (Corvus, sumerisch mulUGAmu en), Planet Merkur (sumerisch dGU4.UTU), Jungfrau (Virgo, sumerisch mulAB.SÍN). [11]

Die Ekliptik mit allen Planetenbahnen verläuft zwischen den Sternbildern Jungfrau (Virgo) und Löwe (Leo) nördlich der Ekliptik und den Sternbildern Rabe (Corvus) und Wasserschlange (Hydra) südlich der Ekliptik. Hierbei fällt auf, dass beim Betrachten des nördlichen Sternenhimmels Merkur nie zwischen dem Raben auf der linken Seite und der Jungfrau (Virgo) auf der rechten Seite stehen kann, denn Merkur kann wegen seiner Sonnennähe nur dicht über dem Horizont kurz vor Sonnenaufgang im Osten oder kurz nach Sonnenuntergang im Westen beobachtet werden. Morgens steht der Merkur von der Nordhalbkugel aus gesehen bei steiler Ekliptik allerdings am östlichen Horizont stets rechts von der Jungfrau (Virgo) sowie links vom Raben (Corvus) und abends bei flacher Ekliptik am westlichen Horizont stets unterhalb von der Jungfrau und oberhalb vom Raben.

Auch die Darstellung vom Löwen und der Wasserschlange in Bezug auf die Ekliptik ist nicht zu beobachten, denn die Ekliptik verläuft zwischen diesen beiden Sternbildern, so dass der Planet Jupiter nie auf der gleichen Seite von ihnen beiden sondern nur zwischen ihnen beobachtet werden kann.

Jungfrau (Virgo), Löwe (Leo) und Rabe (Corvus) auf der Wasserschlange (Hydra) im Zodiak von Dendera.
Die Hauptsterne des Sternbilds Löwe (Leo) mit einer Zeichnung einer ägyptischen Sphinx.

Eine sehr ähnliche symbolische Darstellung der Sternbilder Jungfrau (Virgo), Löwe (Leo), Wasserschlange (Hydra) und Rabe (Corvus) in korrektem geometrischen Bezug zueinander befindet sich im ägyptischen Zodiak von Dendera von ungefähr 50 vor Christus. Der Tempel von Dendera liegt 60 Kilometer nördlich von Luxor und war den ägyptischen Göttern Hatgor und Isis geweiht. Die originale Darstellung der Sternbilder der nördlichen Hemisphäre mit allen zwölf auch heute noch bekannten Tierkreiszeichen befand sich an der Decke des Mittelraums der nordöstlichen Anlage des Tempels und ist heute im Pariser Louvre ausgestellt.

Die seleukidischen Darstellungen entsprechen also nicht den exakten astronomischen Verhältnissen, sondern sind künstlerisch offensichtlich frei gestaltet. Es stellte sich die Frage, ob die beiden bildlich dargestellten Konjunktionen in der Zeitspanne der Entstehung der Tontafeln irgendwann gleichzeitig zu beobachten gewesen sein können.

Die Suche kann auf die Jahre eingeschränkt werden, an denen Jupiter im Sternbild Löwe (Leo) stand. Dies ist wegen der siderischen Umlaufzeit des Jupiters von knapp zwölf Jahren ungefähr alle zwölf Jahre der Fall, und im zu betrachtenden Zeitraum war dies in den Jahren 205, 193 sowie 181 vor Christus der Fall.

Der sonnennahe Merkur ist im Sternbild Jungfrau nur dann zu sehen, wenn die nahe gelegene Sonne entweder in Richtung zum benachbarten Sternbild Löwe (kleinere ekliptikale Länge) oder zum benachbarten Sternbild Waage (größere ekliptikale Länge) steht. Solange das Sternbild Löwe (Leo) am Himmel zu sehen ist, kann Merkur in Konjunktion mit dem Sternbild Jungfrau (Virgo) folglich nur am herbstlichen Morgenhimmel beobachtet werden, weil das Sternbild Löwe (Leo) abends zusammen mit der Sonne bereits vor dem Sternbild Jungfrau (Virgo) im Westen untergeht und somit unterhalb des Horizonts befindlich gar nicht zu sehen ist.

Der Frühlingspunkt befand sich vor rund 2200 Jahren gerade noch im Sternbild Widder und der Herbstpunkt bereits im Sternbild Jungfrau. Die Sonne erreichte den Herbstpunkt bei der Tag-und-Nacht-Gleiche damals am 26. September. Der Aufgang des Sternbilds Jungfrau (Virgo) unmittelbar nach dem Aufgang des Sternbilds Löwe (Leo) erfolgte also morgens im Monat September am östlichen Horizont, so dass die astronomische Suche auf diesen Monat und diese Himmelsrichtung beschränkt werden kann.

In den drei oben genannten Jahren ging Merkur nur im September 181 vor Christus vor der Sonne auf. Er erreichte am 1. September seine maximale Elongation im Sternbild Löwe (Leo), bewegte sich danach zunehmend schnell in das Sternbild Jungfrau (Virgo) und war in den darauffolgenden Tagen dort in vollem Glanz über dem östlichen Horizont zu sehen. Am 16. September stand er gut ein Bogengrad südlich in Konjunktion mit dem Stern Porrima (γ Virginis) aus dem Sternbild Jungfrau (Virgo) und somit zwischen diesem Stern und dem Sternbild Rabe (Corvus).

An diesem Tag näherte sich der Planet Jupiter bereits dem hellen Königsstern Regulus (α Leonis, sumerisch LU.GAL = „König“, wörtlich übersetzt: „Großer Mann“) im Sternbild Löwe (Leo). Am 24. September stand er dann nur 20 Bogenminuten nördlich von Regulus, so dass Jupiter und Regulus beinahe zu verschmelzen schienen.

Optisch wurde diese Himmelsregion jedoch vom Planeten Venus (sumerisch „Inanna“, akkadisch „Ištar“) beherrscht, die unterhalb von Jupiter beim unscheinbaren heutigen Sternbild Sextant (Sextans [Uraniae]) zwischen den Sternbildern Löwe (Leo, links) und Wasserschlange (Hydra, rechts) in vollem Glanz stand. Anfang September stand sie ebenfalls in Konjunktion mit dem Stern Regulus (α Leonis), wegen ihrer großen südlichen ekliptikalen Breite von fünf Bogengrad kam sie dem Stern dabei allerdings nicht so nahe wie Jupiter.

Der Planet Mars stand Anfang September 181 vor Christus noch westlich von Jupiter, holte ihn wegen seiner größeren scheinbaren Geschwindigkeit jedoch bald ein und stand am 15. September seinerseits in Konjunktion mit dem Stern Regulus, wobei der Winkelabstand zirka ein Bogengrad betrug.

Der Morgenhimmel am 12. September 181 vor Christus von Uruk aus gesehen. Die Ekliptik (orangefarben) verläuft über die Sonne unter dem Horizont links unten fast senkrecht über den Horizont (grün) weiter nach rechts oben in Richtung südlicher Meridian (außerhalb der Darstellung). Die Ekliptik schnitt den südlichen Meridian zu diesem Zeitpunkt nur zehn Bogengrad unterhalb des Zenits. Der Planet Merkur befand sich bereits über dem Horizont im Sternbild Jungfrau (Virgo). Der Stern Porrima (γ Virginis) steht zwischen Sonne und Merkur fastauf der Horizontlinie. Die Planeten Venus, Mars und Jupiter standen in der Nähe des Königsterns Regulus im Sternbild Löwe (Leo) in Konjunktion.

Dies alles sind astronomisch gesehen viele spektakuläre Ereignisse. Neben den bereits erwähnten fünf Wandelgestirnen Sonne, Merkur, Venus, Mars und Jupiter können auch noch der langsamere Saturn und der Mond in diesen Tagen betrachtet werden:

Der Saturn näherte sich Anfang August am Nachthimmel gerade dem Goldenen Tor der Ekliptik im Sternbild Stier (Taurus). Am 13. August wurde er retrograd (rückläufig) und entfernte sich kurzzeitig wieder ein wenig vom Goldenen Tor. Ende des Jahres 181 vor Christus wurde er dann wieder prograd (rechtläufig) und durchquerte das Goldene Tor dann schließlich im Mai des darauffolgenden Jahres, um im Januar 179 vor Christus dann noch einmal kurzzeitig zum Goldenen Tor der Ekliptik zurückzukehren und danach in Richtung Sternbild Zwillinge (Gemini) weiterzuziehen.

Aber auch der Mond dürfte im September 181 vor Christus große Beachtung gefunden haben, denn kurz nach Mitternacht des 12. Septembers fand eine gut sichtbare partielle Mondfinsternis mit einem Bedeckungsgrad von 40 Prozent im Sternbild Fische (Pisces) statt (Mondalter knapp 15 Tage). Am Abend des 14. Septembers stand der Mond dann im Alter von 18 Tagen in Konjunktion mit Saturn im Goldenen Tor der Ekliptik. Am Nachmittag des 15. Septembers bedeckte der abnehmende Mond dann sogar den sehr hellen Roten Riesen Aldebaran (α Tauri, arabisch ad-dabarān = „der Nachfolger“ (des Siebengestirins), babylonisch: kakkabAgú dAnim = „Der rote Stern, der vor Enlil gegen Osten steht“, beziehungsweise „Tiara des Gottes Anu“, in Deutschland früher: „Ochsenauge“), was in Mesopotamien allerdings nicht zu beobachten war, weil sich die Konjunktion zu diesem Zeitpunkt unterhalb des Horizonts befand. Gut zu sehen war jedoch die Annäherung des Altlichts (Mondalter 26 Tage, die Mondscheibe war 15 Prozent beleuchtet) an die Venus um Mitternacht in der Nacht vom 22. auf den 23. September, wo der Winkelabstand zwischen der Spitze der schmalen Mondsichel und der Venus weniger als 40 Bogenminuten betrug.

Es bleibt festzustellen, dass es im September 181 vor Christus ungewöhnlich viele interessante und spektakuläre Konjunktionen innerhalb eines Monats gegeben hat. Inwieweit diese astronomischen Ereignisse den seleukidischen Künstler oder dessen Auftraggeber zu den beiden Ritzzeichnungen animiert hatten, lässt sich selbstverständlich nicht mit Bestimmtheit sagen, zumal die begleitenden Keilschrifttexte zwar den Lebewesenkreis (Zodiak) thematisieren, aber nur wenig Bezug zu den graphischen Darstellungen der Ritzzeichungen haben. Zumindest zeigt die astronomische Analyse, dass es zur Entstehungszeit der Tontafeln einen Monat gab, der die dargestellten Konjunktionen am Nachthimmel gezeigt hat.

Der Stern von Bethlehem

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Große Konjunktion am südwestlichen Abendhimmel mit einem Abstand von ungefähr 15 Bogenminuten zwischen Saturn (links oben) und Jupiter (rechts unten) im Dezember 2020 zwei Tage vor der größten Annäherung zwischen den beiden Planeten.
Die vier Galileischen Monde: links oberhalb vom Jupiter die Monde Kallisto, Ganymed und Europa, rechts unterhalb in unmittelbarer Nähe zu Jupiter der Mond Io.
Die Ekliptiklinie verläuft diagonal zwischen der linken oberen und der rechten unteren Bildecke.
Zunehmende Mondsichel beim Neulicht zum Abenderst.

In der Antike wurden durch eingeweihte Gelehrte die Konjunktionen von Planeten vorausberechnet und schriftlich festgehalten, wie beispielsweise durch zahlreiche Keilschrifttexte aus den Städten Sippar, Ur oder Babylon belegt ist. 1925 entdeckte und entzifferte der Altorientalist Paul Schnabel darin Aufzeichnungen zu den Planeten von Jupiter und Saturn aus den Jahren 7 und 6 vor Christi Geburt.[12]

Der Astronom  Johannes Kepler (1571–1630) besuchte in Graz eine öffentliche Veranstaltung des Gelehrten  Joseph Justus Scaliger (1540–1609), die sich mit dem Geburtsjahr Jesu beschäftigte.[13] Kepler hat wenig später dann die Hypothese aufgestellt, dass der im zweiten Kapitel des Matthäusevangeliums "Die Huldigung der Sterndeuter" genannte Stern, der die Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem zur Geburtskrippe von Jesus geführt haben soll, mit der größten Konjunktion im Jahr 7 vor Christi Geburt im Zusammenhang stehen könnte.

In den letzten 3000 Jahren fand eine größte Konjunktion im Sternbild Fische nur zwei Mal statt: im Jahre 861 vor Christi Geburt (übrigens mit zweimaligen Bedeckung des Saturns durch den abnehmenden Mond am 17. April und am 15. Mai, und mit mehrmaligen Bedeckungen des Jupiters durch den abnehmenden Mond am 11. Juni sowie am 8. Juli, den Vollmond am 28. September und durch den zunehmenden Mond am 22. November sowie am 19. Dezember des Jahres) und im Jahr 7 vor Christi Geburt. In der Tat sind einige weitere astronomische Ereignisse des letztgenannten Jahres sehr bemerkenswert. Die folgende Tabelle enthält einige besondere Konstellationen der sieben Wandelgestirne zwischen März 7 und Januar 6 vor Christi Geburt (Hinweis: ein Jahr 0 gab es in dieser Zählung nicht):

Besondere Konstellationen in den Jahren 7 und 6 vor Christus
Datum Ereignis Interpretation
23. März Sonne im Frühlingspunkt Frühlingsbeginn, früher gleichzeitig der Beginn eines neuen Jahres.
25. März Mars ist während der gesamten Nacht sichtbar und verschmilzt mit dem bekannten Doppelstern Porrima (γ Virginis) im Sternbild Jungfrau (Virgo) Porrima ist die italienische Göttin der Weissagung und für den Schutz der Ungeborenen.[14]
Maria, die Mutter von Jesus, hat das Attribut Jungfrau. Am 25. März - genau neun Monate vor Weihnachten - wird heute das Hochfest der Verkündigung des Herrn gefeiert.
29. Mai Erste große Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn bei Neumond geht nach Mitternacht im Osten im Sternbild Fische (Pisces) auf
25. Juni Sommersonnenwende
1. Oktober Zweite große Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn im Sternbild Fische (Pisces) geht abends kurz vor Sonnenuntergang im Osten auf und morgens vor Sonnenaufgang im Westen unter
5. Dezember Dritte große Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn kurz vor Vollmond im Sternbild Fische (Pisces) kulminiert gegen Mitternacht auf dem südlichen Meridian und geht um Mitternacht im Westen unter
22. Dezember Neulicht des Mondes am westlichen Himmel beim Abenderst (akronychischer Untergang) Neulicht als Zeichen der Geburt zu Beginn des jüdischen Monats Tewet 3755.
Der Ambrosianische Hymnus "Veni redemptor gentium" (zu Deutsch: "Komm Erlöser der Völker") aus dem 4. Jahrhundert hat in der sechsten Strophe den Vers "Praesepe iam fulget tuum lumenque nox spirat novum" (zu Deutsch: "Deine Krippe glänzt schon, und die Nacht weht ein neues Licht").
23. Dezember Wintersonnenwende In der Nacht vom 24. zum 25. Dezember (Heiligabend und Weihnachten) wird heute die Geburt des Herrn gefeiert.
31. Dezember Der zunehmende Halbmond steht morgens im Goldenen Tor der Ekliptik im Sternbild Stier (Taurus) Der hellste Stern im Kopf des Himmelsstieres ist der Rote Riese Aldebaran, der auch Ochsenauge bezeichnet wurde. Das andere Auge des Stierkopfes wird durch den Stern Ain (protosinaitisch: "en" (um 1500 vor Christus), phönizisch: "ain", hebräisch: "ajin", arabisch: "Ain", zu Deutsch: "Auge") markiert.
5. Januar Vollmond bei dem offenen Sternhaufen Praesepe (Krippe) im Sternbild Krebs (Cancer) Der Sternhaufen Krippe (Messier 44) wird von den beiden Eselsternen Asellus Borealis und Asellus Australis eingerahmt, die bereits im Zusammenhang mit Dionysos in der griechischen Mythologie erwähnt werden. Am 6. Januar wird heute die Erscheinung des Herrn (griechisch Epiphanias) gefeiert.

Im Zusammenhang mit der letzten Tabellenzeile sei noch darauf hingewiesen, dass der Sternhaufen Krippe im 8. Mondhaus Annathra (arabisch "an-naṯra" für "der Nasenhauch") des antiken astronomischen Ekliptiksystems Manazil al-Qamar liegt, das insgesamt 28 Sterngruppen ausweist. Der Ort an dem Jesus geboren wurde heißt "Bethlehem" (zu Deutsch Haus des Brotes oder Haus des Fleisches).

Jupiter und Saturn waren vom Ekliptiksternbild Fische (Pisces) auf dem Weg in das Ekliptiksternbild Widder, in dem sich damals der Frühlingspunkt (Widderpunkt) befand. Dieses Sternbild heißt auf Arabisch al-hamal (Lamm) und entspricht im jüdischen Kalender dem ersten Monat Nisan, der mit Juda gleichgesetzt wird, einem der zwölf Stämme des alten Israels. Der Frühlingsbeginn und das jüdische Pessachfest liegen im Nisan. Das Lamm ist im Christentum als "Agnus Dei" ("Lamm Gottes") seit jeher ein Symbol für Jesus Christus. Abschließend zogen die Sterndeuter wie die Planeten Jupiter und Saturn auf einem anderen Weg weiter, also ohne umzukehren und dem König Herodes dabei noch einmal zu begegnen.

Eine weitere astronomische Koinzidenz mit der Überlieferung ergibt sich grundsätzlich und unabhängig von der Frage danach, was der Stern von Bethlehem gewesen sein kann, aus dem Sachverhalt, dass die drei Wandelgestirne (respektive drei Könige - Sonne (helios, sol) und die beiden inneren Planeten Merkur und Venus (man beachte die maskulinen grammatischen Geschlechter) täglich von Osten nach Westen wandern.

Ochs und Esel

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Der offene Sternhaufen Messier 44 im Sternbild Krebs wird im Deutschen ''Krippe'' und im Lateinischen ''Praesepe'' genannt.
Krippe mit dem Jesuskind sowie Ochs (links) und Esel (rechts) an der Schmalseite des Sarkophags des Stilicho in der Basilika Sant’Ambrogio des Heiligen Ambrosius von Mailand (339–397) vom Ende des 4. Jahrhunderts.
Replik des romanischen Kapitells aus dem 12. Jahrhundert mit dem Weihnachtszyklus in der Ausstellung vom Kloster San Juan de Ortega bei Burgos in Spanien.

Der offene Sternhaufen der Krippe (Messier 44, lateinisch "Praesepe", im Englischen auch „beehive“ für „Bienenkorb“) liegt zwischen den beiden Sternen Asellus Borealis ("Nördlicher Esel", δ Cancri) und Asellus Australis ("Südlicher Esel", γ Cancri) im Sternbild Krebs (Cancer) sowie im 8. Mondhaus Annathra des antiken astronomischen Ekliptiksystems Manazil al-Qamar. Dass Annathra (arabisch "an-naṯra") für "der Nasenhauch" steht, gibt einen symbolischen Hinweis auf die Nähe zu den Nüstern der beiden Eselsterne. Aus den Nasenöffnungen des Flotzmauls eines Rindes kann ein solcher Nasenhauch natürlich ebenfalls entweichen.

Dass bei der Geburt Jesu an der Futterkrippe ein Ochse und ein Esel anwesend waren, ist im Lukasevangelium nicht belegt. Diese beiden attribuierten Tiere sind aber schon seit Beginn des Mittelalters tradiert: Eine schriftliche Erwähnung befindet sich im 14. Kapitel des frühmittelalterlichen Pseudo-Matthäusevangeliums auf Basis des antiken Jakobus-Protoevangeliums:[15]

14. Tertia autem die nativitatis domini egressa est Maria de spelunca
et ingressa est stabulum et posuit puerum in praesepio, et bos et asinus adoraverunt eum.
Tunc adimpletum est quod dictum est per Isaiam prophetam dicentem:
"Cognovit bos possessorem suum et asinus praesepe domini sui."
Ipsa autem animalia in medio eum habentes incessanter adorabant eum.
Tunc adimpletum est quod dictum est per Abacuc prophetam dicentem:
"In medio duorum animalium innotesceris."
In eodem autem loco moratus est Ioseph et Maria cum infante tribus diebus.

Zu Deutsch:

Am dritten Tag nach der Geburt des Herrn verließ Maria die Höhle und ging in einen Stall.
Sie legte den Knaben in eine Krippe; Ochs und Esel huldigten ihm.
Da ging in Erfüllung, was der Prophet Jesaja gesagt hatte:
"Es kennt der Ochse seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn."
Die Tiere nahmen ihn in ihre Mitte und huldigten ihm ohne Unterlass.
So erfüllte sich der Ausspruch des Propheten Habakuk:
"In der Mitte zwischen zwei Tieren wirst du bekannt werden."
An demselben Platz blieben Josef und Maria mit dem Kind drei Tage lang.

Beide Tiere werden beim Propheten Jesaja im dritten Halbvers des ersten Kapitels in einem Atemzug genannt:[16]

Septuaginta:

ἔγνω βοῦς τὸν κτησάμενον καὶ ὄνος τὴν φάτνην τοῦ κυρίου αὐτοῦ·

Vulgata:

cognovit bos possessorem suum et asinus praesepe domini sui

Einheitsübersetzung (2016):

Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn;

Beim Propheten Habakuk heißt es nach dem Kirchenvater Augustinus von Hippo (354–430) im 32. Kapitel "Die im Gebet und Lied Habakuks enthaltene Weissagung" des 18. Buches seines Werkes "Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat":[17]

In medio duorum animalium cognosceris.

Zu Deutsch:

In der Mitte zwischen zwei Lebewesen wird man Dich schauen.

Einzug in Jerusalem auf einem um 1305 entstandenen Fresko von Giotto di Bondone (1267 oder 1276 bis 1337) in der Cappella degli Scrovegni in Padua.

Zwischen dem Esel und dem erwachsenen Jesus wird in der Bibel ein Bezug hergestellt, da beim Propheten Sacharja erwähnt wird, dass der Friedenskönig auf einem Esel nach Jerusalem kommt:[18]

Der Friedenskönig für Israel und die Völker
9 Juble laut, Tochter Zion! / Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. / Gerecht ist er und Rettung wurde ihm zuteil, demütig ist er und reitet auf einem Esel, / ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin.

Der Evangelist Markus beschreibt den Einzug in Jerusalem in seinem elften Kapitel folgendermaßen:[19]

7 Sie brachten das Fohlen zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier und er setzte sich darauf.
8 Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg aus, andere aber Büschel, die sie von den Feldern abgerissen hatten.
9 Die Leute, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!
10 Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der Höhe!
11 Und er zog nach Jerusalem hinein, in den Tempel; nachdem er sich alles angesehen hatte, ging er spät am Abend mit den Zwölf nach Betanien hinaus.

Und auch nach dem zwölften Kapitel des Johannesevangeliums kam Jesus auf dem Rücken eines Esels nach Jerusalem:[20]

14 Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf - wie es in der Schrift heißt:
15 Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt; er sitzt auf dem Fohlen einer Eselin.

Astronomische Aufnahme des Himmelsstieres mit dem Vollmond in der Himmelsregion der heutigen Sternbilder Stier (Taurus, links oben), Walfisch (Cetus, unten) und Widder (Aries, rechts). Die Ekliptik verläuft entlang der scheinbaren Bahn des Mondes von rechts unten durch das Goldene Tor der Ekliptik in der Bildmitte (zwischen dem Stierkopf und dem Siebengestirn) nach links oben durch die Mitte zwischen den Spitzen der Stierhörner.

Doch wie kann nun der Bezug zu einem Ochsen hergestellt werden ?

Nach dem hochmittelalterlichen Traktat "De Mundi Celestis Terrestrisque Constitutione" (Pseudo Beda) aus Süddeutschland über die Erschaffung der Erde und des Himmels soll Jesus durch goldene Tore nach Jerusalem eingezogen sein. Das heute zugemauerte östliche Stadttor Jerusalems wird auch als das Goldene Tor bezeichnet. In der Astronomie befindet sich das Goldene Tor der Ekliptik im heutigen Sternbild Stier (Taurus) zwischen dem Kopf des Stieres mit den beiden Augensternen Aldebaran und Ain und dem Siebengestirn (die Plejaden).

Durch diese Betrachtung ergeben sich mehrere interessante Bezüge zum Nachthimmel. Die Sterne Aldebaran und Ain werden in der Astronomie α Tauri (alpha Tauri) und ε Tauri (epsilon Tauri) genannt. Diese beiden Sterne Aldebaran und Ain stehen für die Augen des Stieres. Im 18. Jahrhundert wurde der hellste Stern des heutigen Sternbilds Stier (Taurus), Aldebaran, auch als das Ochsenauge beziehungsweise lateinischsprachig als "Oculus Tauri" bezeichnet.[21][22] Wegen seiner Farbe wird der Rote Riese auch das rote Auge des Stieres genannt.[23]

Diese beiden Sterne können auch mit dem ersten Buchstaben Aleph und dem Buchstaben Ain des bereits im zweiten vorchristlichen Jahrtausend verwendeten phönizischen Alphabets in Zusammenhang gebracht werden:[24]

Der erste Buchstabe unseres Alphabets A wird im Altgriechischen mit Alpha (groß: Α, klein: α) bezeichnet. Dieser wiederum hat seine Entsprechungen in noch älteren Alphabeten. Im Hebräischen wird er Aleph genannt und im Arabischen Alif. In der sehr alten protosinaitischen und phönizischen Sprache wurden die folgenden Schriftzeichen verwendet:

Dieser Buchstabe wird paläographisch mit dem Begriff "Ochse" beziehungsweise "Stier" in Bezug gesetzt. Die Ägypter kannten die Hieroglyphe (F1) für "Ochsenkopf". In Anatolien wurde im 2. und 1. Jahrtausend vor Christus die luwische Hieroglyphe für "Rind" verwendet.

Der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets Omega (groß: Ω, klein: ω) repräsentiert unseren offenen Vokal O, und es gibt ferner den griechischen Buchstaben Omikron (groß: Ο, klein: ο), der unserem geschlossenen Vokal O entspricht. Auch der Buchstabe Omikron hat seine Entsprechungen in noch älteren Alphabeten. Im Hebräischen wird er Ajin und im Arabischen wird er Ain genannt. In der sehr alten protosinaitischen und phönizischen Sprache wurden die folgenden Schriftzeichen verwendet:

Dieser Buchstabe wird paläographisch mit dem Begriff "Auge" in Bezug gesetzt. Die Ägypter benutzen für diesen Begriff die Hieroglyphe (D4).

Der Sternhaufen Praesepe (Krippe, Messier 44) hat einen deutlich größeren scheinbaren Durchmesser als der Mond. Der Sternhaufen wird von den beiden Sternen Asellus Borealis (γ Cancri, Nördlicher Esel) und Asellus Australis (δ Cancri, Südlicher Esel) eingerahmt. Die Ekliptik verläuft entlang der roten Linie; der abnehmende Mond (oben links) befindet sich nördlich und der Planet Venus (halb rechts unten) südlich der Ekliptik. Mond und Venus stehen im Sternbild Krebs (Cancer) in Konjunktion.

In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass der Frühlingspunkt auf der scheinbaren Sonnenbahn (Ekliptik) vor 5000 Jahren zwischen den ekliptikalen Längen der beiden Sterne Aldebaran und Ain im Goldenen Tor der Ekliptik lag. Die Sonne stand zum Frühlingsbeginn, der früher auch häufig den Jahresbeginn markierte, also in Konjunktion zu diesen beiden Sternen. Während eines Sonnenjahres zog die Sonne auf ihrer kreisförmigen Bahn vom Jahresanfang bei Aldebaran bis zum Jahresende bei Ain. Alle sieben mit bloßem Auge sichtbaren Wandelgestirne ziehen entlang der Ekliptiklinie aus dem dunklen Trichter der Thuraya durch das Goldene Tor der Ekliptik in die helleren und prachtvoll leuchtenden Regionen des Sternenhimmels. Der offene Sternhaufen Krippe (Praesepe) mit den beiden Eselsternen (siehe Abbildung) im Sternbild Krebs (Cancer) liegt zwischen dem Sternbild Zwillinge (Gemini) und dem Sternbild Löwe (Leo) genau in dieser Region hinter dem Sternbild Stier (Taurus), die im Winter nachts sehr gut am südlichen Meridian zu sehen ist.

Im Christentum werden "das Alpha und das Omega" beziehungsweise "das A und O" und "der Anfang und das Ende" im Vers 6 aus dem 21. Kapitel[25] sowie "der Erste und der Letzte" im Vers 13 aus dem 22. Kapitel der Offenbarung des Johannes auf Jesus bezogen:[26]

21,6a ... Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende.
22,13 Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.

Die beiden Sterne Aldebaran (der Aleph-Stern im heutigen Sternbild Stier (Taurus)) und Ain können also nicht nur über dieses A und O mit Jesus in Verbindung gebracht werden. Über die ursprünglichen astronomischen Bedeutungen der beiden hellen Augensterne Aldebaran und Ain im Sternbild Stier (Taurus) ergibt sich ein unmittelbarer Bezug zu einem Ochsen und somit zu der frühmittelalterlichen Darstellung der Geburt von Jesus von Nazareth im Stall von Bethlehem.

Der Stamm des lateinischen Wortes "asinus" (altgriechisch ὄνος = onos) für das deutsche Wort "Esel" weist eine deutliche Ähnlichkeit zum alten Buchstaben Ain auf. Auch im französischen Wort "âne" ist dieser Wortstamm zu erkennen (altfranzösisch: asne). Der Ausruf "I-A" des Esels ähnelt in umgekehrter Reichenfolge sogar der Aussprache des Buchstaben Ain. Ob dies im frühen Mittelalter dazu geführt haben könnte, dass nicht nur der Ochse Aleph, sondern auch der Esel Ain an der Futterkrippe erschien, bleibt vorerst natürlich reine Spekulation...

Mondhäuser

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Bedeckung des Sterns Porrima (γ Virginis) im Sternbild Jungfrau (Virgo) beziehungsweise im 13. Mondhaus "Alahue" des Manazil al-Qamar durch den Mond am 13. Mai 2022 um 1:05 Uhr UTC.

Der Mond kann entlang der Ekliptik nicht nur in Konjunktion mit allen anderen sechs Wandelgestirnen stehen, sondern auch mit zahlreichen ekliptiknahen Sternen. Alle Objekte zwischen den ekliptikalen Breiten -5,5 Bogengrad (südlich) und +5,5 Bogengrad (nördlich) können je nach ekliptikaler Breite des Mondes von ihm bedeckt werden, während er innerhalb einer guten Stunde eine bestimmte ekliptikale Länge durchläuft.

Durch die Wanderung des Frühlingspunktes in Richtung niedrigerer ekliptikaler Längen (nach Westen, respektive auf der Nordhalbkugel nach rechts) sind die heutigen ekliptikalen Längen zur astronomischen Epoche J2000.0 um knapp 28 Bogengrad größer als zur Zeit um Christi Geburt zur Epoche J0000.0. Der Frühlingspunkt bei der damaligen ekliptikalen Länge null im Sternbild Fische auf Höhe des Sternes Alpherg liegt heute daher deutlich weiter westlich im Sternbild Fische auf Höhe des Sterns Shemali.

Die Ekliptik kann in kleine, gleichgroße aneinandergereihte Mondhäuser oder Mondstationen aufgeteilt werden, in denen der Mond innerhalb eines siderischen Monats (ungefähr 27,3 Tage) sich immer rund 24 Stunden lang befindet, bevor er in Richtung Osten in das nächste Mondhaus wechselt. Alle Mondhäuser haben entlang der 360 Bogengrad langen Ekliptik demnach eine Länge von jeweils gut 13 Bogengrad. Sie sind somit schmaler als die zwölf Lebewesenkreiszeichen, in denen die Sonne innerhalb eines siderischen Jahres jeweils einen Monat lang steht und die entlang der Ekliptik eine Länge von 30 Bogengrad haben.

Jedem Mondhaus kann ein Stern oder eine kleine Sterngruppe zugeordnet werden, mit denen der Mond im Fixsternhimmel beim Aufenthalt im jeweiligen Mondhaus in Konjunktion steht. Aristoteles (384 bis 322) hat in seiner Schrift "Über den Himmel" (altgriechisch: "Περὶ οὐρανοῦ" / "Peri uranu") festgehalten, dass die Babylonier und die Ägypter bestimmte Konjunktionen über lange Zeit beobachtet und dokumentiert haben. In den Abendstunden des 4. Mais 357 vor Christus konnte er eine von ihm erwähnte Bedeckung des Planeten Mars durch den zunehmenden Halbmond im Sternbild Löwe (Leo) in der Nähe vom Sterns Regulus (α Leonis) beobachten, wo sich vom damals noch im Sternbild Widder befindlichen Frühlingspunkt aus gezählt das zehnte Mondhaus befindet.[27] Dieses Mondhaus hat in der indischen Systematik des  Nakshatra zum Beispiel die Bezeichnung "Magha" und in der arabischen Systematik des  Manazil al-Qamar die Bezeichnung "Algieba" bekommen.

Die Zahl Drei steht arithmetisch in unmittelbarem Zusammenhang zur Siebenundzwanzig, da die folgende Beziehung gilt:

Das unten abgebildete gleichseitige Dreieck, dessen Fläche mit regelmäßig angeordneten Punkten markiert ist, zeigt zahlreiche Beziehungen zu ganzen Zahlen, die im Zusammenhang mit dem Mond eine Rolle spielen:

  • Die vier Mondviertel zwischen Neumond, zunehmendem Halbmond, Vollmond, abnehmendem Vollmond und erneutem Neumond.
  • Die sieben Tage eines Mondviertels.
  • Die zwölf synodischen Monate eines Mondjahres.
  • Die siebenundzwanzig vollständigen Tage eines siderischen Monats.

→ Siehe auch Wikibook Die Höhlenmalerei in der Magura-Höhle, Kapitel Sonnenkalender.

→ Siehe auch Wikibook Die Himmelstafel von Tal-Qadi, Kapitel Mondzyklen.

Nakshatra

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In der indischen Astronomie wurden spätestens 1000 vor Christi Geburt die Aufenthaltsorte des Mondes entlang der Ekliptik in 27 Mondhäuser eingeteilt. Bei den Indern wurde diese Einteilung in 27 Mondhäuser Nakshatra genannt, und sie haben sich dabei offenbar an der siderischen Monatslänge von 655,73 Stunden orientiert, die nur zirka einen drittel Tag länger ist als 27 Tage. Der Mond hält sich im Mittel also rund 24,3 Stunden in einem Mondhaus auf.

Daraus resultiert für jedes der 27 Mondhäuser der folgende ekliptikale Längenabschnitt :

Und jedes der zwölf, entlang der Ekliptik 30 Bogengrad langen Lebewesenkreiszeichen des Zodiaks enthält also genau neun Viertel Mondhäuser:

Der Frühlingspunkt bleibt für knapp 956 Jahre in einem der 27 Mondhäuser, bevor er in Richtung Westen in das nächste benachbarte Mondhaus wandert.

Auch im Tibet wurden ab dem 8. Jahrhundert 27 Mondhäuser verwendet, die im 11. Jahrhundert im Kālacakratantra verschriftlicht worden sind.

Die 27 Mondhäuser des Nakshatra:

  1. Ashvini
  2. Bharani
  3. Krittika (Plejaden)
  4. Rohini (der rötliche Aldebaran)
  5. Mrigashirsha
  6. Ardra
  7. Punarvasu
  8. Pushya
  9. Ashlesha
  10. Magha
  11. Purva Phalguni
  12. Uttar Phalguni
  13. Hasta
  14. Chitra
  15. Svati
  16. Vishakha
  17. Anuradha
  18. Jyeshtha
  19. Mul
  20. Purvashadha
  21. Uttarashadha
  22. Shravan
  23. Shravishtha
  24. Shatabhisha
  25. Purva Bhadrapada
  26. Uttar Bhadrapada
  27. Revati

Manazil al-Qamar

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Quadratische Himmelskarte mit den sieben Wandelgestirnen (innen), den zwölf Lebewesenkreiszeichen (Mitte) und den 28 Mondhäusern samt den jeweiligen Mondphasen nach einem Neumond zu Frühlingsbeginn (außen) im Manuskript Zubdat-al Tawarikh von 1583 (Museum der Türkischen und Islamischen Künste in Istanbul). Der Frühlingspunkt befindet sich unten in der Mitte.
Die in Niederösterreich gefundene und aus Sandstein gefertigte Gussform für die Stachelscheibe von Platt aus der Bronzezeit (um 1500 vor Christus). Auf der Stachelscheibe sind die 28 Mondorte der Tage eines siderischen Monats durch eine kreisförmige Lochreihe dargestellt.

Bei den Arabern wurde die Einteilung in 28 Mondhäuser etwas später Manazil al-Qamar genannt, wobei die siderische Monatslänge hierfür um zwei drittel Tage aufgerundet wurde. Der Mond hält sich im Mittel also nicht genau 24 Stunden, sondern nur rund 23,4 Stunden am Stück in einem Mondhaus auf.

Der Vorteil dieser Einteilung ist jedoch, dass 28 ohne Rest sowohl durch vier, als auch durch sieben teilbar ist. Hierdurch ergibt sich, dass das siebtnächste Mondhaus auf dem Kreis der Ekliptik immer genau im rechten Winkel und auf der nördlichen Halbkugel der Erde somit rechtläufig (prograd) im benachbarten Quadranten steht. Jedem Quadranten werden genau sieben Tage zugeordnet, was exakt den sieben Tagen einer Woche respektive eines Mondviertels entspricht. Im Sonnenjahr entspricht jeder dieser Quadranten einer Jahreszeit mit drei Monaten. Demzufolge sind sieben Mondhäuser auf der Ekliptik genauso lang wie drei Monate, beziehungsweise alle 28 Mondhäuser sind auf der Ekliptik genauso lang wie zwölf Monate. Daraus resultiert für jedes Mondhaus der folgende ekliptikale Längenabschnitt :

Und jedes der zwölf, entlang der Ekliptik 30 Bogengrad langen Lebewesenkreiszeichen des Zodiaks enthält also genau sieben Drittel Mondhäuser:

Die Sonne wandert innerhalb eines siderischen Jahres definitionsgemäß exakt einmal vollständig entlang der Ekliptik durch den Lebewesenkreis und bleibt währenddessen daher gut 13 Tage und eine Stunde in jedem Mondhaus:

Die Zyklusdauer für die vollständige Wanderung des Frühlingspunktes durch die Ekliptik beträgt zirka 25800 Jahre. Der Frühlingspunkt bleibt also für gut 921 Jahre in einem Mondhaus, bevor er in Richtung Westen in das nächste benachbarte Mondhaus wandert:

Die 28 Mondhäuser des Manazil al-Qamar:

  1. Scheratan oder Alnath
  2. Albotayn / Botein
  3. Azoraya / Thuraya (Plejaden)
  4. Aldebaran
  5. Alhachaa / Heka
  6. Alhanhaa / Alhena
  7. Aldirah
  8. Annathra
  9. Altarf
  10. Algieba
  11. Azobra / Subra
  12. Asarfa
  13. Alahue
  14. Azimech
  15. Algafra
  16. Azobene
  17. Aliclil
  18. Alcalb
  19. Axaula / Schaula
  20. Alnahayn
  21. Albelda
  22. Sadalzabih / Dabih
  23. Sadebolah / Albali
  24. Sadalsuud
  25. Sadalachbia
  26. Alfarg Almacadam
  27. Alfarg Almuehar
  28. Baten Alhut
Die in die Ebene projizierten 28 Mondhäuser (von rechts nach links) mit den wichtigsten Sternen entlang der Ekliptik (rote gestrichelte Linie, ekliptikale Länge von 0 Bogengrad bis 360 Bogengrad zur Epoche J0000.0 in horizontaler Richtung, senkrecht dazu die ekliptikale Breite). Die beiden seitlichen Ränder der Abbildung gehen im Kreisbogen der Ekliptik nahtlos ineinander über.

Animierte Variante der Abbildung:

Bundahischn

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Der Text des mittelpersischen Bundahischn behandelt die Urschöpfung im Kontext der zoroastrischen Religion. Gleichzeitig stellt er den Stand der präzoroastrischen iranischen Glaubenswelt dar. Im zweiten Kapitel werden neben den zwölf Sternbildern des Zodiaks auch 28 Mondhäuser aufgezählt:

  1. Padêvar / Padewar
  2. Pes / Pêsh-Parviz
  3. Parviz / Parwez (Plejaden)
  4. Paha
  5. Avêsar / Avecr / Abesar / Azesar
  6. Besn / Basn / Beshn
  7. Rakhvad / Rakhvat / Raavad / Raxwat
  8. Taraha
  9. Avra / Awra / Azara
  10. Nahn / Naxw
  11. Mivên / Mivan / Mayan / Maian
  12. Avdem / Abdom
  13. Mâshâha / Mâsâha
  14. Spûr / Cpûr / SPor
  15. Husru / Hucru / Husraw
  16. Srob / Crob / Sru / Sroi
  17. Nur
  18. Gel / Gêr / Gil / Gelu
  19. Garafsa / Grafsa / Grafsha
  20. Varant / Wanand
  21. Gau / Gao / Ga
  22. Goi / Gôî / Goy
  23. Muru / Muri
  24. Bunda / Bunza
  25. Kahtsar / Kathcr
  26. Vaht / Kahtmayan
  27. Miyân / Mian /Mayan
  28. Kaht

Chinesische Mondhäuser

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Kreisförmige Darstellung der nördlichen Hemisphäre mit den 28 chinesischen Mondhäusern. Links der Frühling (Osten), oben der Winter (Norden), rechts der Herbst (Westen, in der Mitte der Asterismus Mǎo (昴 = haariger Kopf des Sternbilds "Weißer Tiger") und unten der Sommer (Süden).

Auch in der chinesischen Astronomie werden 28 Mondhäuser verwendet. Auch diese sind in vier Quadranten mit je sieben Mondhäusern aufgeteilt, die für die vier Himmelsrichtungen beziehungsweise die vier Jahreszeiten stehen.

Diese vier Richtungen werden durch die chinesischen Sternbilder repräsentiert:

  • "Blauer Drache des Ostens" - Frühling
  • "Roter Vogel des Südens" - Sommer
  • "Weißer Tiger des Westens" - Herbst
  • "Schwarzer Krieger des Nordens" - Winter

Die Plejaden (chinesisch Mǎo) liegen in der Mitte des Herbststernbilds "Weißer Tiger des Westens" und markieren den Herbstpunkt auf der Ekliptik.

Ägyptische Königselle

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Im Zusammenhang mit den Teilern vier und sieben der Zahl 28 sei erwähnt, dass eine altägyptische (große) Königselle ("Meh" oder "meh-nesut") sieben Handbreit ("Schesep") lang war und ein Handbreit wiederum vier Fingerbreit ("Djeba"). Multipliziert ergibt sich, dass die Königselle 28 Fingerbreit lang war.

Der Saturn

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Der Saturn bewegt sich mit einer siderische Umlaufzeit von gut 29 Jahren entlang der Ekliptik in Richtung Osten. Dies bedeutet, dass er fast genau ein Mondhaus des Manazil al-Qamar (28 Mondhäuser entlang der Ekliptik) pro Sonnenjahr weiterzieht. Mit anderen Worten erreicht ihn zum Beispiel der erste Vollmond im Frühling in jedem Jahr ein Mondhaus weiter in Richtung Osten stehend als im Vorjahr.

Biblische Bezüge

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Eine weitere Koinzidenz der Zahlen 7 und 28 taucht im ersten Vers der Schöpfungsgeschichte (Genesis, Bereschit, erstes Buch Mose) auf.

Der Vers lautet auf Hebräisch (von rechts nach links):

בְּרֵאשִׁית בָּרָא אֱלֹהִים אֵת הַשָּׁמַיִם וְאֵת הָאָרֶץ

Im hebräischen Original hat der Vers 7 Wörter mit insgesamt 28 Buchstaben.

Mit lateinischen Buchstaben geschrieben lautet dies ungefähr folgendermaßen:

bereschit bara elohim et haschamaijim weet haarez

Die lateinische Vulgata enthält hier die folgenden sieben Wörter:

In principio creavit Deus caelum et terram.

In der Einheitsübersetzung ins Deutsche besteht der erste Satz der Bibel ebenfalls aus sieben Wörtern:

Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.

→ Siehe auch Exkurs Zur Sieben

Dass die Einteilung in Mondhäuser im Altertum wichtig und üblich war, ist durch den Propheten Habakuk in seinem Psalm in Kapitel 3 aus dem siebenten vorchristlichen Jahrhundert belegt:[28]

10 Wenn sie dich sehen, erbeben die Berge,
das Tosen der Wasser rauscht vorüber; es erhebt die Urflut ihre Stimme,
hoch oben vergisst die Sonne ihre Strahlen.
11 Der Mond bleibt in der Behausung;
als Beleuchtung schwirren deine Pfeile,
als heller Schein das Blitzen deiner Lanze.

Möglicherweise sind die Kammern des Südens, die der Prophet Hiob im 9. Kapitel „Gottes Macht und die Ohnmacht des Menschen“ seines Buches erwähnt, gar kein Sternbild, zumal sie nicht als Eigenname beziehungsweise in Großschreibung verwendet werden. Eventuell handelt es sich um die Mondhäuser, die gut sichtbar und hoch über dem Horizont in südlicher Richtung zu sehen sind.[29]

→ Zu den entsprechenden hebräischsprachigen Bezügen siehe auch unter dem Stichwort "Mazzaroth" im Kapitel Die Plejaden, Abschnitt Bibelstellen.

Einheitsübersetzung (2016):

9 Er macht das Sternbild des Bären, den Orion, das Siebengestirn, die Kammern des Südens.

Vulgata:

9 Qui facit Arcturum et Oriona et Hyadas et interiora austri.

Septuaginta:

9 ὁ ποιῶν Πλειάδα καὶ Εσπερον καὶ Αρκτοῦρον καὶ ταμιεῖα νότου.

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 Commons: Conjunctions (astronomy) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Genesis 1, Einheitsübersetzung, 2016
  2. Jesus Sirach 43,6-8, Einheitsübersetzung, 2016
  3. Joel 3, Einheitsübersetzung, 2016
  4. Apostelgeschichte 2, Einheitsübersetzung, 2016
  5. Offenbarung des Johannes 6, Einheitsübersetzung, 2016
  6. Kocku von Stuckrad: Das Ringen um die Astrologie: Jüdische und christliche Beiträge zum antiken Zeitverständnis, Kapitel VIII Die Astrologie im christlichen Kanon, Walter de Gruyter, 2011, ISBN 9783110818666
  7. Willy Hartner: Das Datum Der Shih-Ching-Finsternis, in: T’oung Pao (internationale Zeitschrift für Sinologie), Band 31, Nummer 3/5, 1935, Seiten 188 bis 236.
  8. Antione Gaubil: "Époques des règnes des emperenrs Yeou-vang et Suen-vang, et de la première année de l'empereur Ping-vang", in: "Traité de la Chronologie Chinoise", Teil 3, Seiten 215 bis 218, 17. September 1749, Paris, 1814
  9. Aristoteles: Meteorology, Teil 6, Buch I, um 350 vor Christus, ins Englische übersetzt von Erwin Wentworth Webster (* 1880; † 1917)
  10. Ernst Friedrich Weidner: Gestirndarstellungen auf babylonischen Tontafeln, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Verlag Böhlau, Wien, 1967
  11. Nach Wayne Horowitz, Alestine Andre und Ingrid Kritsch: The Gwich’in Boy in the Moon and Babylonian Astronomy, Arctic Anthropology, Volume 55, Number 1, Seiten 91 bis 104, 2018, ISSN 0066-6939
  12. Daniel Leon: Der ›Stern von Bethlehem‹ oder das astronomische Jahrtausend-Ereignis des Jahres 7/6 BC, Himmelskrieger, 24. Dezember 2016
  13. Herold Mönch: Der Stern von Bethlehem - Astronomische Deutungsversuche, in: Wege in der Physikdidaktik, Band 3, Verlag Palm & Enke, Erlangen, 1993
  14. Siehe auch Richard Hinckley Allen: Star Names - Their Lore and Meaning, Virgo, γ, Binary and slightly variable, 3 and 3.2, white, Dover, 1963
  15. Pseudo-Matthäusevangelium, lateinisch nach der Edition von Constantin Tischendorf, Leipzig, 1853, ins Deutsche übersetzt von Hans Zimmermann, Weihnachten 2006
  16. Jesaja 1,3a, Einheitsübersetzung, 2016
  17. Die im Gebet und Lied Habakuks enthaltene Weissagung, Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat (De civitate Dei: "De prophetia quae in oratione Ambacu et cantico continetur")
  18. Sacharja 9,9, Einheitsübersetzung, 2016
  19. Markus 1,1-11, Einheitsübersetzung, 2016
  20. Johannes12,14-15, Einheitsübersetzung, 2016
  21. Johann Elert Bode: Deutliche Anleitung zur Kenntniß des gestirnten Himmels, "Zum gemeinnützigen und beständigen Gebrauch", Seite 296, Dieterich Anton Harmsen, Hamburg, 1772
  22. Siehe auch Schlagwort "Aldebaran" in: Johann Heinrich Zedlers Grosses vollständiges Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste, 1731-1754, Spalte 1095
  23. Damond Benningfield: Das rote Stierauge, Deutschlandfunk, 16. Januar 2000
  24. Ernst von Bunsen: Die Plejaden und der Thierkreis oder: Das Geheimnis der Symbole, Verlag von Mitscher und Röstell, Berlin, 1879
  25. Offenbarung des Johannes, Kapitel 21, Vers 6, bibleserver.com, Einheitsübersetzung
  26. Offenbarung des Johannes, Kapitel 22, Vers 13, bibleserver.com, Einheitsübersetzung
  27. Aristoteles: On the Heavens, Teil 12, Buch II, um 350 vor Christus, ins Englische übersetzt von John Leofric Stocks (* 1882; † 1937)
  28. Habakuk 3,10-11, Einheitsübersetzung, 2016
  29. Ernst von Bunsen: Die Überlieferung. Ihre Entstehung und Entwicklung, sechstes Kapitel "Früheste astronomische Beobachtungen", Friedrich Arnold Brockhaus, Leipzig, 1889


Siehe auch

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