Die Rennmaus/ Haltung/ Beschäftigungsmöglichkeiten und Spielzeug

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Inhaltsverzeichnis:

► Haltung

Obwohl Rennmäuse im Normalfall keine ständige Betreuung brauchen und sich zum größten Teil mit ihren Partnern beschäftigen, kann man doch bei den meisten ein Verhalten beobachten, das nach wissenschaftlichen Forschungen als ein Ausdruck von Langeweile und Unterforderung gewertet wird: das monotone Scharren. Dabei steht die Rennmaus auf den Hinterbeinen, zumeist in einer Ecke des Aquariums oder Hauses und scharrt dabei in höchster Geschwindigkeit mit den Vorderbeinen an der Wand. Minutenlang kann sie in dieser Position ausharren und mit geschlossenen Augen am Glas kratzen. Es kann in Ausnahmefällen auch dazu kommen, dass die Rennmäuse ihre Unterbeschäftigung an den Einrichtungsgegenständen des Aquariums oder sogar an sich selbst auslassen, indem sie eine unmotivierte Zerstörungswut an den Tag legen. Dies sollte man als deutliches Zeichen dafür deuten, dass sich die Rennmaus nicht wohl fühlt. In der Regel gibt es für sie in Gefangenschaft auch nichts zu tun. Häuser ersetzen die in der freien Wildbahn selbst angelegten unterirdischen Höhlenanlagen, in die die Rennmäuse bei vermeintlicher Gefahr flüchten. Futter muss nicht gesucht oder erarbeitet werden, sondern steht am gewohnten Platz. Mit Wasser, Sand etc. verhält es sich genauso. Kein Wunder also, dass viele Rennmäuse ein Verhalten aufzeigen, das mit dem Hospitalismus durchaus zu vergleichen ist. Zu einer angemessenen, artgerechten Haltung und Pflege gehört darum nicht nur die Versorgung mit lebenswichtigen Nahrungsmitteln, sondern auch die Sorge dafür, dass die Tiere möglichst immer eine Beschäftigung haben, um Verhaltensstörungen zu vermeiden. Die folgende Auflistung bietet Anregungen, um Rennmäusen eine angenehme und interessante Abwechslung bieten können.

  • Spielball:
    Ein Spielzeug, mit dem sich Rennmäuse alleine beschäftigen können, ist der Spielball. Dies ist eine gewöhnliche, kleine und vor allem leichte Kugel (z.B. ein Tischtennisball). Sie muss völlig glatt sein, damit sie von den Tieren nicht angenagt werden kann. Die meisten Rennmäuse nehmen den Ball schnell an und rollen und schleudern ihn schon bald durch das Aquarium. Das Spiel bedarf keinerlei Aufsicht, so dass der Ball immer im Aquarium liegen kann. Es muss lediglich immer wieder kontrolliert werden, ob die Kugel beschädigt ist und somit von den nagefreudigen Tieren angeknabbert werden kann. Sollte dies der Fall sein, muss der Ball selbstverständlich ausgewechselt werden.
  • Kriechröhren:
    Rennmäuse lieben es, durch Röhren und Tunnel zu kriechen. Um ihnen dieses Vergnügen zu gönnen, kann man entweder im Handel bereits ausgehöhlte und mit Schlupflöchern versehene Baumstämme erstehen. Diese Kriechröhre können Sie jedoch mit geringem handwerklichen Geschick auch selbst basteln. Die Bauanleitung finden Sie am Schluss des Kapitels.
  • Nistmaterial:
    Rennmäuse können Stunden damit verbringen, Nistmaterial wie Heu, Stroh, unbeschriebenes zerknülltes Papier, grobe Einstreu oder Papiertücher mit großem Eifer zu zerkleinern und das gewonnene Material dann zum Nestbau zu verwenden. Es ist zur Beschäftigung folglich bestens geeignet.
  • Papprollen:
    Ebenso wie beim Nistmaterial macht es den Rennmäusen großen Spaß, Papprollen jeder Art mit ihren Zähnen zu zerlegen. Man kann sie ihnen immer und in unbegrenzter Menge (je nach Bedarf) geben.
  • Äste und Zweige:
    Doppelten Spaß bringen Äste bzw. Zweige von ungiftigen Bäumen in allen Formen und Größen. Zum einen werden sie, sofern entsprechende Verzweigungen vorhanden sind, als Klettergerüst genutzt, zum anderen lassen Rennmäuse ihren Nagetrieb auch mit Freude an ihnen aus. Sind sie außerdem fest und kippsicher in der Einstreu vergraben, klettern die Rennmäuse auch darauf herum, um sie als Aussichtspunkt zu verwenden.
  • Grashöhlen:
    Im Handel sind „Grasnester“ als Spielzeug erhältlich. Sie bestehen aus einem Drahtskelett, das fest mit Heu umflochten ist, so dass die Tiere es als Nest oder Kriechhöhle verwenden können. Allerdings sind sie sehr umstritten und ich persönlich halte nicht viel davon, da sie zum einen schnell kaputt genagt werden und zum anderen eine recht große Verletzungsgefahr von ihnen ausgeht. Weil die Rennmäuse sie, wie bereits erwähnt, bis auf das Drahtgestell zerlegen, können von diesem spitze Ecken und Drahtenden abstehen. Sollte man sich für den Erwerb eines solchen Grasnestes entschließen, ist es ratsam, immer ein Auge darauf zu haben, um mögliche Verletzungen zu vermeiden.
  • Figuren:
    Ähnlich wie bei dem Spielball finden viele Rennmäuse Gefallen an kleinen Figürchen. Diese werden neugierig umsaust und bestupst, oftmals auch umher geschoben. Sie sollten aus einem nagefesten Material sein, wobei sich Ton und Keramik am besten dafür eignen. Bei Form und Farbe sind keine Grenzen gesetzt.
  • Verstecktes Futter:
    In der freien Wildbahn streifen Rennmäuse auf der Suche nach Futter mehrere Stunden am Tag und in der Nacht umher. Ihr ausgeprägter Geruchssinn hilft ihnen dabei, auch kleine Sämereien o.ä. zu finden. Unsere domestizierten Rennmäuse allerdings sind nicht mehr darauf angewiesen, ihre Nahrung zu „erschnüffeln“, steht der gut gefüllte Futternapf doch an dem ihnen bekannten und gewohnten Platz im Aquarium. Dies trägt ebenfalls zu aufkommender Langeweile bei.
    Doch dem kann ohne großen Aufwand effektiv entgegengewirkt werden: So kann man beispielsweise das normale Grundfutter, anstatt es wie üblich in der Futterschale anzubieten, einfach wahllos über die Einstreu werfen, damit die Rennmäuse nacheinander die Körner usw. erschnuppern und dann fressen können. Liegt im Aquarium zudem ein Ast oder eine Wurzel, besteht ferner die Möglichkeit, das Futter bzw. kleine Leckereien, wie z.B. Sonnenblumenkerne, in Spalten und Löcher der Hölzer zu drücken. So müssen die Rennmäuse ihr gefundenes Fressen durch Knabbern oder Kratzen erst einmal herausholen, bevor sie es genießen können.
    Man kann außerdem Heu oder andere größere Dinge, anstatt sie auf den Boden zu legen, mit Naturbast von der Gitterabdeckung hängend im Aquarium anbringen. Die Tiere werden so gezwungen sich lang zu strecken oder zu springen um sich ihr Futter zu beschaffen.
  • Auslauf:
    Auch der Auslauf sorgt für Abwechslung und hilft, den Bewegungsdrang der Rennmäuse zumindest teilweise zu befriedigen.
  • Hängematte:
    Viele Rennmäuse lieben es, sich in eine weich gepolsterte Hängematte zu legen und dort ein Nickerchen zu halten. Sie klettern geschickt hinein und hinaus und trainieren dabei ihren Gleichgewichtssinn.
  • Schaukel:
    Ähnlich wie bei der Hängematte verhält es sich mit der Schaukel. Sie kann entweder zur einmaligen Beschäftigung aus Pappe oder aber auch als dauerhafte Einrichtung aus festem Holz im Aquarium angebracht werden. Die Bauanleitung finden Sie am Ende des Kapitels.
  • Laufrad:
    "Laufrad - ja oder nein?" Diese Frage stellen sich viele Rennmaus-Halter. Sie ist allerdings nicht eindeutig zu beantworten und es kommt letztendlich auf die einzelnen Tiere selbst an. Einige Rennmäuse lieben das Laufrad und verbringen täglich viele Stunden damit, ihre Runden zu drehen. Bei anderen wiederum – vor allem bei älteren – dauert es dagegen eine gewisse Zeit, bis sie den Sinn des Laufrads verstanden haben und ihn schätzen. Natürlich gibt es auch die hartnäckigen Fälle, die das „komische Metallding“ auch nach Wochen nicht beachten oder schlicht und einfach keinen Spaß daran finden.
    Ob man den Rennmäusen nun ein Laufrad anbietet oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Die folgende Auflistung von Vor- und Nachteilen soll als Denkanstoß bzw. Entscheidungshilfe fungieren:
    • Vorteile:
      • beugt Langeweile vor
      • sorgt für Bewegung (gut zur Gewichtsreduktion und Verfettungsprophylaxe)
      • trainiert Muskeln, Sehnen und Bänder
      • schafft Kondition (stabilerer Kreislauf und stärkeres Immunsystem)
      • befriedigt natürlichen Bewegungsdrang
      • bietet Alternative zum Auslauf
    • Nachteile:
      • Manche Rennmäuse werden regelrecht süchtig nach ihrem Laufrad und reagieren gereizt oder sogar aggressiv auf Entzug. Auch andere Persönlichkeitsstörungen wie beispielsweise Teilnahmslosigkeit können auftreten.
      • Bei nicht optimalen Bedingungen (siehe unten) können gesundheitliche Schäden begünstigt oder verursacht werden.
Sollten Sie sich dazu entschließen, ihren Rennmäusen ein Laufrad zu gönnen, müssen einige Faktoren unbedingt beachtet werden:
  • Es muss einen Mindestdurchmesser von 20 cm haben, da die Tiere ihren Rücken sonst zu sehr durchbiegen und somit Schäden an der Wirbelsäule entstehen können. Laufräder für Ratten haben in der Regel die optimale Größe.
  • Die Querstreben müssen auf jeden Fall mit festem Stoff durchwebt sein, da die Rennmäuse ansonsten mit ihren kleinen Füßchen in den Gittern hängen bleiben und sich im schlimmsten Fall Knochenbrüche zuziehen können. Am besten eignet sich dafür ein fester Stoff (z.B. Jute oder Jeansstoff), der jeweils über zwei Gitterstäbe durch das gesamte Laufrad gewebt wird. Da er oftmals angenagt und außerdem beschmutzt wird, muss er regelmäßig ausgewechselt werden.
  • Das Laufrad sollte nicht direkt auf dem Boden stehen, da es dort sonst mit Streu zugebuddelt wird und sich dann nicht mehr drehen kann. Am einfachsten ist dem vorzubeugen, indem man es auf eine Etage stellt oder es – mit dem Ständer nach oben – gut erreichbar an das Gitter der Abdeckung hängt.
  • Ballon:
    Die Herstellung eines Ballons, mit dem man die Rennmäuse beschäftigen kann, ist sehr einfach und schnell. Alles was man benötigt, ist ein intakter Luftballon, Papiertücher und Wasser. Man bläst den Ballon auf, feuchtet die Papiertücher gut an und legt sie dann in mehreren Schichten, je nach gewünschter Dicke, darum. Das verknotete Ende muss ausgespart werden. Dann lässt man das ganze gut trocknen. Ist die Maschee fest und nicht mehr nass, schneidet man das Ende mit einer Schere ab. Daraufhin zieht sich der Ballon im Inneren der Papierschicht zusammen und man kann den Rest entfernen. Womit man die Pappmascheekugel dann füllt, ist jedem selbst überlassen. Zur Motivation ist es jedoch zu empfehlen zwischen der Füllung, die beispielsweise aus Heu, Stroh etc. bestehen kann, ein paar kleine Leckereien zu verstecken.