Die Rennmaus/ Nachwuchs & Zucht

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Inhaltsverzeichnis:

► Haltung

Nachwuchs will gut geplant und überlegt sein...

Paarung, Geburt und Aufzucht der Jungtiere[Bearbeiten]

Hat man sich nach ausreichender Information und Erfahrung mit Rennmäusen dazu entschlossen Rennmausnachwuchs zu bekommen, sollte ein entscheidendes Kriterium für die Auswahl der Zuchttiere sein, dass es sich um gesunde, blutsfremde und verhaltensunauffällige Tiere handelt. Man muss sich im Klaren darüber sein, dass ein Rennmausweibchen bis zu elf oder sogar zwölf Junge werfen kann. Jedoch beträgt die Wurfstärke im Durchschnitt drei bis acht Jungtiere. Ein Pärchen, mit dem man Nachwuchs bekommen möchte, sollte immer nur zu zweit und ohne weitere Artgenossen in einem entsprechend großen Becken gehalten werden. Sind noch andere Rennmäuse in die Gruppe integriert, kann es zu schweren Kämpfen kommen, unter denen meist die hilflosen Nestlinge zu leiden haben. Auch Kannibalismus kann bei Rennmäusen auftreten. Eine häufige Ursache dafür ist Stress oder Eiweißmangel beim Muttertier. Rennmausweibchen sollten bis spätestens mit einem halben Jahr ihren ersten Wurf bekommen haben, damit sich die Beckenknochen in der noch formbaren Phase auf das Gebären von Jungen einrichten kann. Sind sie dagegen älter, so kann es passieren, dass das Becken zu schmal gebaut ist und die noch ungeborenen, aber eigentlich lebensfähigen Jungtiere noch im Mutterleib sterben. Auch das Rennmausweibchen ist dann nicht mehr zu retten.

Die Paarung[Bearbeiten]

Der Zyklus eines Rennmausweibchens beträgt gemäß der Körpergröße nur etwa vier bis sieben Tage. Der Bock erkennt am Geruch eines abgesonderten Sekrets aus der Vagina des Weibchens, ob es paarungsbereit ist oder nicht. Ist das der Fall, trommelt er heftig mit seinen Hinterpfoten auf den Boden, wodurch er seine Erregung anzeigt. Kurz darauf beginnt ein Fangspiel, bei dem der Bock das Weibchen durch das gesamte Aquarium "jagt". Ist sie paarungswillig, stoppt sie einen kurzen Moment und hebt das Hinterteil deutlich an. Das Männchen springt sofort auf das Rennmausweibchen und begattet es. Die Deckung selbst dauert nur wenige Sekunden. Jedoch begattet das Männchen sein Weibchen am Tag mehrmals. Ein gesamter Paarungsakt erstreckt sich also meist über mehrere Stunden.

Die Tragzeit[Bearbeiten]

Wärend der Trächtigkeit sollte man dem Rennmausweibchen eine besonders ausführliche Pflege zugute kommen lassen. Da sie mehr Apettit hat als sonst und für die Entwicklung der Embryonen mehr Vitamine, Mineralstoffe und Eiweiße benötigt, muss deren Zufuhr durch die Nahrung garantiert sein. Als eiweißreiches Futtermittel kann man folgendes anbieten: - Mehlwürmer - Hart gekochtes Ei (vor allem Eiweiß) - Joghurt - Quark - Katzentrockenfutter - spezielle Eiweißzusätze für Tiere in Pulverform

Ein Mineralstein, der in jedem Zoofachhandel erhältlich ist, sorgt für genügend Mineralstoffe, die besonders für den Knochenaufbau der Embryonen wichtig sind.

Die Rennmausgeburt[Bearbeiten]

Erst ein paar Tage vor der Geburt erkennt man deutlich ein rundes Bäuchlein. Das Weibchen wirkt dann fast birnenförmig und beginnt, ein Nest zu bauen. Hierzu sollten ihr auf jeden Fall genügend Nistmaterialien zur Verfügung stehen (siehe dort). Von Hamsterwatte ist jedoch dringend abzuraten, da sich dadurch schon viele Rennmausbabies stranguliert oder ein Bein gebrochen haben. Die Geburt findet meist nachts oder am frühen Morgen statt. Es kann jedoch in Ausnahmefällen vorkommen, dass das Weibchen erst am Mittag oder sogar am späten Abend ihre Jungen zur Welt bringt. Der Vater verlässt während der Geburt das Nest. Jedes Junge kommt nackt, blind und taub auf die Welt. Sofort entbindet das Weibchen ihr Junges und leckt es trocken. Dies regt auch seinen Kreislauf und die Atmung an. Die Eihaut sowie die Nachgeburt werden von der Mutter gefressen. Hierbei kann es in Ausnahmefällen dazu kommen, dass das Weibchen ihrem Neugeborenen versehentlich in die Schnauze beißt und eine kleine Wunde verursacht. Nachdem alle Jungen geboren sind, beginnen sie meist gleich zu trinken. Die erste Milch, die so genannte "Kolostralmilch" ist besonders wichtig für die Jungen, denn sie enthält Abwehrstoffe, die die kleinen und schwachen Organismen gegen Umwelteinflüsse wie z.B. Krankheiten stärken.

Wichtig dabei ist, jegliche Störung der Mutter und deren Jungen zu vermeiden, denn das könnte das Weibchen dazu veranlassen, ihren eigenen Nachwuchs zu töten und zu fressen. Folgende Gründe können zum Kannibalismus führen: - Krankheit eines Jungtiers - Eiweißmangel -Stress

Info:Das Weibchen ist nach der Geburt wieder empfängnisbereit.Trenne den Vater für 5 Tage mit einem Trenngitter weg.

Die Entwicklung und Aufzucht[Bearbeiten]

Die Jungen haben bis zum zehnten Lebenstag kein Fell, darum sind die Kleinen darauf angewiesen von ihren Eltern warm gehalten zu werden. Auch der Vater hilft liebevoll bei der Aufzucht mit. Befindet sich ein vorangegangener Wurf mit im Aquarium, so gibt es zwei Möglichkeit für dessen Verhalten: entweder die Älteren gehen auf ihr neugeborenen Geschwister los und töten sie möglicherweise sogar oder aber sie helfen ebenso wie der Vater bei der Aufzucht der Kleinen mit, in dem sie sie wärmen und putzen.

Mit 5 Tagen entwickeln sich die Krallen und Schnurrbarthaare. Mit 7 Tagen ist eine erste Pigmentierung zu erkennen. Mit 18 bis 21 Tagen öffnen sich die Augen der Jungtiere, mit vier Wochen können sie bereits selbstständig ein paar weiche Futterteile aufnehmen, benötigen aber in jedem Fall mindestens sechs Wochen lang die Pflege und vor allem die Muttermilch ihrer Mutter. Erst dann können sie von den Eltern getrennt werden.

Zur Gewöhnung an feste Nahrung eignen sich am besten Haferflocken, da diese weich sind und von den Jungen gut verdaut werden. Zudem liefern sie wertvolle Energie, die die Jungen zur Entwicklung brauchen. Oft gibt es in einem Wurf ein Nesthäkchen. Diese Jungtiere sind klein und entwickeln sich langsamer als ihre Geschwister. Meist handelt es sich um ohnehin schwächere Tiere, die sich an der Zitze der Mutter gegenüber ihren Geschwistern nicht durchsetzen können und deshalb weniger zu trinken bekommen. Es ist jedoch davon abzuraten, solchen Tieren mit der Hand zuzufüttern, da Handaufzuchten meist nicht überleben.

Nach sechs und acht Wochen sollte der Wurf nach Geschlechtern aufgeteilt werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass es zu Inzucht kommt.

Maus trächtig - Was tun?[Bearbeiten]

Wenn man sich nun dazu entschlossen hat zu züchten oder man ungewollt Nachwuchs erwartet, stellt sich die Frage, was kann ich für meine Maus tun?

Pflege: Die schwangere Rennmaus braucht viel Ruhe, gerade kurz vor der Geburt, deshalb sollte spätestens eine Woche vor der Geburt der Käfig noch einmal komplett gereinigt werden. Falls man diesen Zeitpunkt verpasst hat, sollte das Rennmausheim erst wieder gereinigt werden, wenn die Jungtiere min. 4-5 Wochen alt sind. Die Tragezeit bei Rennmäusen beträgt ungefähr 23-26 Tage, wenn das Weibchen noch den vorherigen Wurf säugt, können es auch bis zu 49 Tage werden. Meistens sieht man erst wenige Tage vor der Geburt ein Bäuchlein. In dieser Zeit beginnt die Mutter auch ein eigenes Nest zu bauen, deshalb sollte immer viel Nistmaterial (Stroh, Heu, Taschentücher, unbeschriftetes Papier, etc., s. Kapitel XXX) zur Verfügung stehen. Zudem darf man das Weibchen nur sehr vorsichtig und nicht am Bauch anfassen. Ernährung: Die Maus braucht nun extra Eiweiß, wie z. B.: Mehlwürmer, gekochtes Ei, gekochte Nudeln, ab und zu ein Joghurtdrop (s. Kapitel XXX), da es sonst dazu kommen kann, dass die Mutter ihre Jungen tötet und sie auffrisst. Ebenso braucht das Weibchen jetzt extra Vitamine und Mineralien für den Knochenaufbau der Jungtiere im Mutterleib. Dies kann man durch Vitamintropfen im Wasser und Mineral- bzw. Salzlecksteinen gewährleistet werden. Im Allgemeinen hat das Weibchen in dieser Zeit mehr Appetit.

Noch während der Schwangerschaft sollte sich der Halter überlegen, ob er noch weiteren Nachwuchs möchte. Falls man zu dem Entschluss kommt, dass man nicht weiter züchten möchte, muss man den Vater bzw. alle männlichen Rennmäuse von der Gruppe trennen. Denn Rennmäuse sind schon kurz nach der Geburt wieder paarungsfähig.

Wohin mit den Jungtieren?[Bearbeiten]

Mit durchschnittlich sechs Wochen sind junge Rennmäuse selbstständig genug, um von der Mutter abgesetzt werden zu können. Dies ist der früheste Zeitpunkt, an dem man sich von dem Nachwuchs trennen kann? Jedoch stellt sich eine Frage: Wohin mit dem Wurf?

  1. Freunde und Familie:
    Oft lassen sich Freunde bzw. Verwandte bei einem Besuch für die kleinen , putzigen Nager begeistern. Sind die Jungen dann alt genug, kann man den Interessenten ein gleichgeschlechtliches Geschwisterpaar übergeben. Der Vorteil dabei liegt darin, dass die Tiere in eine Umgebung kommen, in der man sich jederzeit nach ihrem Wohlergehen erkundigen kann. Außerdem besteht dann die Möglichkeit, die Tiere des jeweilig anderen zu übernehmen, wenn Urlaub ansteht.
  2. Aushänge und Inserate:
    Häufig liest man in Zeitungen oder Fachzeitschriften Anzeigen über die Abgabe von Nachwuchs diverser Tierarten. Möchte man selbst junge Rennmäuse vermitteln, besteht die Möglichkeit eine solche Anzeige in einer Illustrierten oder Tageszeitung zu schalten. Auch Aushänge an öffentlichen Plätzen können bei der Vermittlung hilfreich sein. Man sollte bei den Texten darauf achten, dass alle wichtigen Informationen zu den Abgabetieren enthalten sind. Der Nachteil hierbei ist allerdings, dass man nie weiß, an wen man die Jungtiere abgibt. Sind die neuen Besitzer verantwortungsvoll im Umgang mit Tieren? Haben sie die nötige und ausreichende Ausrüstung? Werden die Rennmäuse immer gut versorgt?
    Um zu verhindern, dass es den Tieren schlecht ergehen könnte, ist ein Besuch im neuen Heim sinnvoll, z.B. wenn Sie die Tiere vorbeibringen anstatt sie abholen zu lassen. Ein ausführliches Vorgespräch verschafft Ihnen zudem Einsichten über die Einstellung der neuen Besitzer. Meist merkt man schnell, ob man es mit verantwortungsbewussten Menschen zu tun hat oder nicht. Zur Sicherheit empfiehlt es sich dennoch, pro Tier eine gewisse Schutzgebühr zu erheben, die mindestens 5€ beträgt. So verhindert man auch, dass Schlangenhalter sich auf diesem Weg billiges Futter für ihre Reptilien besorgen. Ein mitgereichtes Informationsblatt mit allen wichtigen Regeln zur Haltung und zum Umgang mit den Rennmäusen kann bei den neuen Besitzern außerdem gute Dienste leisten.
  3. Rennmausliebhaber:
    In einschlägigen Foren im Internet, wie z.B. http://www.rennmaus.de, findet man die Rubrik „Abgaben“ oder "Vermittlung". Auch hier lohnt es sich, die Tiere anzubieten. Meist ist hier ein Bild der Rennmäuse hilfreich. In solchen Foren kann man sich fast ganz sicher sein, dass die Tiere an erfahrene und verantwortungsvolle Besitzer, nämlich die Forenmitglieder, vermittelt werden. Es empfiehlt sich dennoch auch hier, der Übergabe die bereits erwähnte Schutzgebühr sowie ein Kennenlerngespräch vorauszusetzen.
  4. Zoohandlung:
    Oft nehmen Zoohandlungen gerne Jungtiere in ihr „Sortiment“ auf. In den meisten Fällen bekommt man hier allerdings kein Geld für die Tiere. Außerdem hat man keinerlei Einfluss darauf, was danach mit den Rennmäusen geschieht, an wen sie verkauft werden oder ob sie evtl. sogar als Schlangenfutter enden, falls sie nicht verkauft werden können.
    Zu beachten ist auserdem das diese gern genommenen Jungtiere von einigen Zoohändlern einfach zu vorhandenen Rennmäusen gesetzt werden - bis zu Ihrem Verkauf oder ihrem Tode. Die Folge sind zerbissene Tiere die nicht selten zu ungeplanten Käufen durch Tierliebhaber führen.
  5. Tierheim:
    Sobald bekannt wird das es Rennmäuse gibt die nicht vermittelt werden können, sollte im Tierheim nach dem einen oder anderen Platz für die zu vermittelnde Rennmaus gefragt werden. Tierheime sorgen im Gegensatz zum Zoohandel dafür das die Tiere an Tierfreunde vermittelt werden, welche das Leben der Rennmaus schützen. Es wird im Zweifelsfall eher auf eine Vermittlung verzichtet, sollte sich der Interessent als nicht geeignet erweisen. Selbstverständlich sollte das Tierheim vor der Übergabe in Bezug auf Tierhaltung und Vermittlungspraktiken angesehen werden.

Geht die Vermittlung an Privatleute vonstatten, so gibt es außer der Schutzgebühr eine weitere Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass die Tiere in gute Hände kommen: den Kaufvertrag. Diesen kann jeder, der seine Rennmäuse abgibt, nach seinen Vorstellungen und Ansprüchen an den zukünftigen Halter verfassen. Mit der Unterschrift sichert der Käufer die Einhaltung der beschriebenen Paragraphen zu. Man muss allerdings auf einige grundlegende Angaben achten, ohne die der Vertrag wertlos ist:

  1. Halter (Name, Adresse, ggf. Telefonnummer)
  2. Käufer (Name, Adresse, ggf. Telefonnummer)
  3. Datum der Übergabe
  4. Anzahl und Beschreibung der zu übergebenden Tiere
  5. Preis
  6. Bedingungen für die zukünftige Haltung
  7. Unterschrift des Halters
  8. Unterschrift des Käufers

Beispiel für einen Kaufvertrag[Bearbeiten]

Kaufvertrag
===========

Hiermit bestätige Ich,

Käufer: Manuela Mausmann
Mäusehöhle 13
12345 Mausingen

dass ich von

Züchter: Renate Rennie
Rennmausbau 25
12345 Mausingen

Stamm: "Die Supermäuse"
die Mongolischen Rennmäuse:

Sunny (geboren am 11.11.2019, Farbe: Agouti, Gencode: AA CC DD EE GG PP spsp)
Ernie (geboren am 11.11.2019, Farbe: Schwarz, Gencode: aa CC DD EE GG PP spsp)
Bert (geboren am 11.11.2019, Farbe: Schwarzschecke, Gencode: aa CC DD EE GG PP Spsp)

für jeweils __________ € erworben habe.

Mit meiner Unterschrift verpflichte ich mich der Einhaltung folgender Sätze:
1.) Das Tier/die Tiere sind ausschließlich zur Heimtierhaltung bestimmt und darf/dürfen
nicht verfüttert werden.
2.) Die Rennmaus/die Rennmäuse wird/werden in einer artgerechten, tierfreundlichen und
an ihre Bedürfnisse angepassten Umgebung gehalten.
3.) Die Erhaltung der Gesundheit der Rennmaus/der Rennmäuse ist stets zu gewährleisten.
Sollte ein Tier erkranken, habe Ich die Pflicht, sie tierärztlich behandeln zu lassen.
4.) Vom Tod oder von Weitergaben der Tiere an neue Besitzer ist der Züchter in Kenntnis
zu setzen.
5.) Zuchtungeeignete Rennmäuse werden bei mir keinen Nachwuchs bekommen.
6.) Die Rennmaus/die Rennmäuse werden weder ausgesetzt, noch in Tierversuchslabors gegeben.

sowie:
1.) den gesundheitlich einwandfreien Zustand des Tieres/der Tiere zum Zeitpunkt des Erwerbs.
2.) den vereinbarten Preis anzuerkennen und zu zahlen.
3.) den Züchter von der weiteren Entwicklung des Tieres/der Tiere zu informieren
4.) die Rennmaus/die Rennmäuse keinen fragwürdigen Tierhaltern anzuvertrauen.

Mausingen, den 01.01.2020
Ort, Datum


_________________________________________ 
Unterschrift des Halters


_________________________________________
Unterschrift des Käufers