Portugiesisch: Aussprache

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Allgemeines zur Aussprache[Bearbeiten]

Das Portugiesische verfügt über ein recht kompliziertes Lautsystem mit 9 Vokalen, 5 nasalen Vokalen, 13 Doppellauten (Diphthongen) und 4 nasalen Diphthongen. Die unterschiedliche offene und geschlossene Aussprache bei den Vokalen a, e und o ist nach dem Schriftbild nicht immer zu erkennen und muss gelernt werden. Die Konsonanten werden teilweise anders als im Deutschen ausgesprochen. Insbesondere bei den Buchstaben „c, g, s, x“ und „z“ ist die Aussprache je nach Stellung im Wort und den Buchstaben davor oder danach verschieden.

In der Aussprache neigt das europäische Portugiesisch dazu, betonte Silben sehr stark zu betonen, unbetonte Silben hingegen sehr schwach (bis hin zum "Verschlucken" unbetonter Vokale). Die unbetonten Vokale verändern ihre Lautcharakteristik. Auf diese Weise sind für den Lernenden selbst Wörter, die man im Schriftbild kennt oder aus der Kenntnis anderer romanischer Sprachen erraten kann, in der gesprochenen Sprache schwer zu erkennen und zu verstehen. Hört man einen von einem Portugiesen schnell gesprochenen Text aus an sich bekannten Wörtern, so kann es anfangs leicht sein, dass man vielleicht nur ein Viertel davon erkennt (und damit erheblich weniger, als dies unter vergleichbaren Umständen bei einem spanischen oder italienischen Text der Fall wäre).

Es empfiehlt sich daher, beim Lernen der Aussprache Aufmerksamkeit zu schenken und damit zu rechnen, dass es bis zum Verstehen von gesprochenem Portugiesisch einiger Geduld bedarf. Das ist auch der Grund, warum in diesem Buch anfangs viel von der Lautschrift Gebrauch gemacht wird und empfohlen wird, sich damit vertraut zu machen.

Siehe auch das Kapitel zum Alphabet, die verkürzte Übersicht zur Aussprache und das Kapitel über die Lautschrift.

Betonung[Bearbeiten]

Im Portugiesischen gibt es für die Betonung zwei grundlegende Regeln:

  • Mehrsilbige Wörter, die im Schriftbild auf die Vokale a, e oder o oder auf s oder m enden (das sind die meisten portugiesischen Wörter), werden gewöhnlich auf dem Vokal der vorletzten Silbe betont.
  • Mehrsilbige Wörter, die im Schriftbild auf die Vokale i oder u oder auf andere Konsonanten (dies sind meist l, r, z) enden, betont man hingegen meist auf dem Vokal der letzten Silbe.

Eine von dieser Regel abweichende Betonung (insbesondere eine Betonung auf der drittletzten Silbe) wird durch einen Akzent (Akut oder Zirkumflex) angezeigt. Durch eine Tilde (~) gekennzeichnete nasale Vokale sind immer betont, es sei denn, ein anderer Vokal trägt einen Akut oder einen Zirkumflex.

Beispiele
beleza (Schönheit) – Betonung auf dem zweiten e
Sábado (Samstag) – Betonung auf dem ersten a mit dem Akut.
aqui (hier) - Betonung auf dem i
Brasil (Brasilien) – Betonung auf dem i
cantar (singen) – Betonung auf dem zweiten a
combinação (Kombination) – Betonung auf dem ã
Cristóvão (Christoph) – Betonung auf dem ersten o mit dem Akut.

Akzente, Tilde[Bearbeiten]

Es gibt drei Akzente: den Akut (o acento agudo) ´, den Gravis (o acento grave) ` und den Zirkumflex (o acento circunflexo [ɐˈsẽntu sirkũˈfleksu]) ^.

Der Akut kann auf dem á, é, í, ó und ú stehen. Der Vokal mit dem Akut ist betont, bei á, é und ó zeigt er die offene Aussprache des Vokals an: [a, ɛ, ɔ]

Der Zirkumflex kann auf dem â, ê und ô stehen. Der Vokal wird betont und geschlossen ausgesprochen: [ɐ, e, o]; â und ê können bei folgendem „m“ + Konsonant oder „n“ + Konsonant auch nasaliert werden.

Der Gravis kann nur auf dem à stehen. Er zeigt an, wenn die Präposition a mit dem Artikel a, as, oder einer der Formen der Pronomens aquele verschmilzt: à, às, àquele(s), àquela(s). Ausgesprochen wird das „à“ als offenes „a“. Der Gravis zeigt nicht die Betonung an! Das Wort àquele wird auf dem ersten „e“ betont.

Die Tilde (o til), eine kleine Schlangelinie, kann auf den Vokalen ã und õ stehen, auch bei den Diphthongen (Doppellauten) ão, ãi, ãe oder õe. Sie zeigt die Nasalierung an. Bei den Doppellauten steht sie immer auf dem ersten Vokal.


Aussprache der einzelnen Laute[Bearbeiten]

Hinweis: Angegeben ist die Aussprache in Portugal.

Vokale, Halbvokale[Bearbeiten]

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der Beispiele
Umschreibung für Deutschsprachige ähnlich
wie
 
Vokale
a, á, à a mapa [ˈma], cá [ka] Landkarte, hier offenes „a“, deutsch kurzes „a“ alle, Kasse
a (ɑ) englisch calm (Windstille) [ɑːm]
hospital [uʃpiˈtɑɫ], mau [mɑu]
Krankenhaus, schlecht etwas dunkleres, mit weiter hinten im Mund liegender Zunge gebildetes offenes „a“, deutsch langes „a“; im Portugiesischen statt [a] in den Silben „al“ oder „au“. Wird nur von einigen Autoren als eigenes Zeichen benutzt. Der Unterschied zum [a] ist gering. Wir verwenden stattdessen [a] kam, au
a, â ɐ
(ɜ)1
cama [ˈkɐmɐ], para [ˈpɐɾɐ],
ano [ˈɐnu], falamos [fɐˈlɐmuʃ]
Bett, für,
Jahr, wir sprechen
dumpfes, etwas helles „a“, zwischen „a“ und „ä“, wie deutsches „er“ in Acker. Im Portugiesischen in unbetonten Silben, in betonten Silben mit „a“ am Silbenanfang oder vor „m“ oder „n“. Acker
e, ê e mesa [ˈme], ele [ˈe], mês [meʃ] Tisch, er, Monat wie geschlossenes deutsches „e“, aber weniger lang Beet, Esel
e, é ɛ pé [pɛ], ela [ˈɛ], director [dirɛˈtor] Fuß, sie, Direktor offenes deutsch „e“ Messer, Äpfel
e ə me [mə], tarde [ˈtaɾdə],
nome [ˈnom(ə)], levar [ləˈvaɾ],
pessoa [pəˈsoɐ, pˈsoɐ]
mich, spät,
Name, tragen,
Person
w:Schwa; unbetontes deutsches „e“ (mit ungerundeten Lippen), etwas geschlossener (Richtung schwaches „i“ mit Zungenstellung zwischen „i“ und „u“ gehend); teilweise fast oder ganz stumm. Von manchen Autoren wird stattdessen [ɨ] benutzt. Affe, danke
e (ɨ) fechar [fɨˈʃar],
escrever [ʃkrəˈver, (ɨʃkrəˈver)],
esperar [ʃpəˈrar, (ɨʃpəˈrar)],
está [ˈʃta, (ɨʃˈta)],
schließen,
schreiben,
warten,
ist
Mit Zungenstellung zwischen „i“ und „u“ gesprochener i-Laut; entsteht aus schwach gesprochenem [ə] vor [ʃ] in unbetonter Silbe oder generell bei recht geschlossener Aussprache und wird oft fast oder ganz verschluckt, insbesondere am Wortanfang.
Wir verwenden das Zeichen nur am Wortanfang (siehe auch vertiefenden Abschnitt über die Vokale), ersetzen es sonst durch [ə] oder lassen es (am Wortanfang) manchmal ganz weg.
gescheit
i i aqui [ɐˈki], ir [ir], cinema [siˈnemɐ], mil [miɫ] hier, gehen, Kino, 1000 geschlossenes deutsches langes „i“ wie in Igel, aber kürzer, in betonten Silben;
etwas dunkleres „i“ wie in Schiff vor „l“ oder „u“ und in unbetonten Silben;
wir benutzen für beides das Zeichen [i]
Miete, Igel,
Schiff
o, ô, ou o ovo [ˈovu], porto [ˈportu], avô [ɐˈvo], como [ˈcomu], todo [ˈtodu], outro [ˈotru] Ei, Hafen, Großvater, wie, ganz, anderer geschlossenes deutsches „o“ Ofen
o, ó ɔ ovos [ˈɔvuʃ], portos [ˈpɔrtuʃ], avó [ɐˈvɔ] Eier, Häfen, Großmutter offenes deutsches „o“ wie in offen, aber etwas länger offen, toll
u, o u custar [kuʃˈtar],
tudo [ˈtudu], como [ˈcomu], ovos [ˈɔvuʃ]
kosten,
alles, wie/ich esse, Eier
geschlossenes deutsches langes „u“.
In unbetonter Silbe wird der Buchstabe „o“ meist wie kurzes [u] gesprochen, insbesondere immer in unbetonten einsilbigen Wörtern wie „o, os, no, do“ und am Wortende. Am Wortende mehrsilbiger Wörter wird er manchmal fast stumm.
U-Bahn, Utopie
Halbvokale
e, i j real [ʀjɑɫ], compreender [kõmprjẽnˈder], a que horas [ɐ ˈkjɔrɐʃ] wirklich, verstehen, um wieviel Uhr Unbetontes „e“ oder „i“ vor Vokal (auch „e“ am Wortende, wenn das nächste Wort mit Vokal beginnt und angebunden wird). Der Laut wird als halbkonsonantisches „i“ unbetont wie das kurze „i“ in Marion gesprochen und mit dem betonten folgenden Vokal verbunden. Lautschrift: [j]. Marion
u w quatro [ˈkwatru], cinquenta [sĩŋˈkwẽntɐ], água [ˈagwɐ], aguentar [ɐgwẽnˈtar] vier, fünfzig, Wasser, aushalten Halbkonsonantisch benutzter u-Laut, ähnlich wie das „u“ wie in Bauer oder das englische wind (Wind) [wɪnd]. Der Laut wird nicht wie deutsches „w“ in Winter gesprochen! Man bildet mit vorgestülpten, gerundeten Lippen ein kurzes [u], das schnell in den folgenden betonten Vokal übergeht. Bauer

1 Den a-Laut in der dritten Zeile der Tabelle geben wird in der Lautschrift als [ɐ] wieder, wie es in Lexika und Lehrbüchern überwiegend geschieht. Der Langenscheidt-Verlag verwendet nunmehr in seiner neuesten Auflage des Taschenwörterbuchs Portugiesisch das Zeichen [ɜ].


Vokale

Die Benutzung der Vokale im Portugieischen unterscheidet sich nicht wenig vom Deutschen. Am Ähnlichsten sind sich in beiden Sprachen noch die Vokale „i“ und „u“. Anders als im Deutschen gibt es keine Unterscheidung von langen und kurzen Vokalen, alle sind etwa von mittlerer Länge, gewisse Unterschiede ergeben sich allenfalls durch die Betonung.

Viel deutlicher als im Deutschen ausgeprägt sind Unterschiede zwischen betonter und unbetonter Silbe. Beim „e“ und beim „o“ wird klar zwischen den geschlossenen Vokalen [e, o] und den deutlich offenen Vokalen [ɛ, ɔ] unterschieden, die Unterschiede sind stärker ausgeprägt als im Deutschen.

Auch beim „a“ gibt es eine geschlossene und eine offene Aussprache. Hier entspricht unser gewohntes „a“ wie in Vater dem offenen [a]. Die geschlossenere Form ist uns hingegen in ihrem Gebrauch eher ungewohnt, auch wenn sie im Deutschen vorkommt, und zwar vor allem im unbetonten Auslaut von Wörtern, etwa bei Acker [ˈakɐ] oder Tier [ˈtiːɐ], wo wir ja normalerweise kein „r“, sondern einen Vokal aussprechen. Es handelt sich um ein „a“, das als unbetonter Vokal einiges von seinem normalen Klang eingebüßt hat und etwas mehr zentral im weniger geöffneten Mundraum gebildet wird als das offene [a] als Vorderzungenvokal, mit einem Klang, der sich ein wenig einem unbetonten „ä“ angenähert hat. Ungewohnt für uns ist nun, dass dieser Vokal nicht nur als unbetonter vorkommt und die regelmäßige Aussprache des unbetonten „a“ darstellt, sondern durchaus bei gleichem Klang auch die Betonung im Wort tragen kann wie das erste „a“ in cama [ˈkɐ] (Bett) oder das zweite „a“ in falamos [fɐˈlɐmuʃ] (wir sprechen). Man sollte damit rechnen, dass man bei schnellem Sprechen ein solches geschlossenes „a“ gar nicht so deutlich als „a“ erkennt.

Auch andere Vokale werden sehr schwach ausgesprochen, wenn sie unbetont sind, und sind dadurch nicht so deutlich zu erkennen. Dies gilt insbesondere für das unbetonte „e“, das sich am Wortende, aber auch manchmal im Wortinneren klanglich etwas einem schwachen „i“ annähert und fast oder ganz stumm wird. Das unbetonte auslautende „o“ wird als [u] gesprochen und auch oft fast oder ganz verschluckt. Auch im Wortinneren wird unbetontes „o“ oft [u] gesprochen und teilweise sehr schwach ausgesprochen. All das führt dazu, dass es anfangs einiger Gewöhnung bedarf, in normalem Tempo gesprochenes Portugiesisch zu verstehen.

Halbvokale

Vokale bestehen aus klingendem Luftstrom. Konsonanten klingen selbst nicht oder nur wenig, sie sind vorübergehende Hindernisse, die den Luftstrom unterbrechen oder einschränken, bis der nächste Vokal zum Klingen kommt. Die beiden Laute [j] und [w] haben als „i“ und „u“ einerseits Vokalqualität, sind aber relativ geschlossen und können als kurze Laute vor einem folgenden betonten Vokal eine ähnliche Funktion wie ein Konsonant haben. Sie sind daher halb Vokal, halb Konsonant.

Doppellaute, Nasale[Bearbeiten]

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Umschreibung für Deutschsprachige
 
Doppellaute (Diphthonge) - (Beide Vokale behalten ihren Klang und werden getrennt in einer Silbe gesprochen, der erste betont, der zweite deutlich schwächer.)
ai ai pai [pai] Vater wie das deutsche „ei“ in Ei
au ɑu mau [mau] schlecht wie „au“ in Auge
ao ɐu ao [ɐu] dem wie [ɐ] und schwächeres [u]; kommt nur im Wort ao vor
ai ɐi plaina [ˈplɐi] Hobel wie [ɐ] und [i] getrennt ausgesprochen
ei ei leite [ˈlei], lokal auch [ˈlɐi] Milch wie e-i getrennt ausgesprochen, nicht wie deutsches „ei“ in Ei; dabei ist das „e“ je nach Region etwas offener in Richtung „ä“ bis zum [ɐi], aber weniger als bei „papéis“
éi ɛi papéis [pɐˈpɛiʃ], lokal auch [pɐˈpɐiʃ] Papiere wie ä-i getrennt ausgesprochen, nicht wie „ei“ in Ei, noch stärker „ä“ als bei „leite“
eu eu meu [meu] mein e-u getrennt ausgesprochen, nicht wie „eu“ in Eule
éu ɛu chapéu [ʃɐˈpɛu] Hut ä-u getrennt ausgesprochen, nicht wie „eu“ in Eule
iu iu abriu [ɐˈbriu] er öffnete i-u getrennt ausgesprochen
oi oi dois [doiʃ] zwei oi wie „eu“ in Eule
ói ɔi espanhóis [ʃpɐˈɲɔiʃ] Spanier (Plural) oi mit offenem o
ou o,
(ou)
sou [so], doutor [doˈtor]
Outubro [oˈtubru]
ich bin, Doktor,
Oktober
überwiegend geschlossenes „o“ wie Dose (kein Doppellaut);
regional und in Brasilien getrennt wie [ou]
ui ui fui [fui] ich war / ich ging Wie im deutschen Ausruf „ui!“. Nur im Wort „muito“ wird „ui“ nasaliert.
Nasale - (Kein Verschlusslaut [ng] oder [ŋ] am Ende, außer wenn ein k-Laut folgt! Das „m“ wird nur ausgesprochen, wenn ein „b“ oder „p“ folgt, das „n“ nur, wenn ein „d“ oder „t“ folgt.)
ã, am, an ɐ̃ maçã [mɐˈsɐ̃], banco [ˈbɐ̃ŋku] Apfel, Bank dumpfes etwas helles a, zwischen a und æ, wie deutsches er am Wortende bei besser, aber nasaliert; nicht so weit hinten gebildet wie franz. France [ɑ̃], mehr wie franz. main (Hand) [ɛ̃]
em, en tempo [ˈtẽmpu], lenço [ˈlsu] Zeit, Halstuch nasaliertes „geschlossenes“ e (nicht am Wortende)
im, in ĩ fim [fĩ ], lindo [ˈlĩndu] Ende, schön nasaliertes i
om, on õ franz. bon (gut) [bõ]
bom [bõ]
gut (Adjektiv) nasaliertes „geschlossenes“ o
um, un ũ um [ũ] ein nasaliertes u
Nasalierte Diphthonge
ão, am ɐ̃ũ São [sɐ̃ũ], não [nɐ̃ũ]
falam [ˈfalɐ̃ũ]
Sankt, nein,
sie sprechen
Nacheinander von stärkerem ɐ̃ und schwächerem ũ, gemeinsam nasaliert; ähnlich einer hastigen Aussprachen des „-Augen-“ in Augenblick > „Aungblick“ (ohne das verschließende g) > [ˈɐ̃ũblɪk]
em, ãe ɐ̃ĩ mãe [mɐ̃ĩ], pães [pɐ̃ĩʃ]
bem [bɐ̃ĩ], [bẽĩ ]
Mutter, Brote,
gut (Adverb)
Nacheinander von stärkerem ɐ̃ und schwächerem ĩ, gemeinsam nasaliert (am Wortende)
õe õĩ limões [liˈmõĩʃ] Zitronen Nacheinander von stärkerem õ und schwächerem ĩ, gemeinsam nasaliert;
ui ũĩ muito [ˈmũĩntu] viel Nacheinander von stärkerem ũ und schwächerem ĩ, gemeinsam nasaliert; nur in „muito“
Doppellaute

Doppellaute sind im Portugiesischen häufig. Bei ihnen sind beide Vokale getrennt nacheinander auszusprechen, der ursprüngliche Klang bleibt erhalten, der erste Vokal ist deutlich stärker betont. Wichtig ist, dass auch hier der erste Vokal offen oder geschlossen sein kann, so dass man die offenen Formen [ɛi, ɛu, ɔi, au] und die geschlossenen Formen [ei, eu, oi, ɐu] unterscheiden muss.

Die Darstellung in der Lautschrift ist übrigens nicht immer einheitlich. Nachdem der zweite Vokal der Doppellaute deutlich schwächer ist, wird er manchmal, etwa in portugiesischer Literatur, nicht durch die Zeichen [i] und [u], ausgedrückt, sondern durch die Zeichen für die Halbvokale [j] und [w]. Wir machen davon, ebenso wie die führenden Lexika im deutschen Sprachraum, der Einfachheit halber keinen Gebrauch. Es genügt, zu wissen, dass der zweite Vokal deutlich weniger betont wird.

Keine Doppellaute in diesem Sinne sind die manchmal vorkommenden Fälle, in denen ein schwächerer Halbvokal [j] oder [w] vor einem betonten Vokal steht, etwa in den Worten quatro [ˈkwatru] (vier) oder fiambre [ˈfjɐ̃mbrə] (gekochter Schinken).

Nasale

Die Nasalierung wird in der Lautschrift durch die Tilde über dem Vokal angezeigt. Die portugiesischen Nasale klingen anders als im Französischen. Der zugrundeliegende geschlossene Vokal wird im Klang wenig verändert und nur schwächer nasaliert als im Französischen. Die so entstehenden Nasale [ẽ, ĩ, ũ] gibt es im Französischen nicht. Das [õ] ähnelt dem entsprechenden französischen Nasal. Nasalisiertes „a“ unterscheidet sich deutlich von dem französischen [ɑ̃] wie in „blanc“ [blɑ̃]. Das portugiesische nasalisierte „a“ basiert auf dem eher geschlossenen Vokal [ɐ], der Nasal, von uns [ɐ̃] geschrieben, ähnelt im Klang eher den französischen Worten „main“ oder „Reims“. Der Nasal [] kommt nicht am Wortende vor, „em“ am Wortende wird als nasaler Doppellaut ausgesprochen. Auch hier ist die Lautschriftverwendung nicht immer einheitlich, teilweise wird statt [ɐ̃, ẽ] auch [ã, ɛ̃] geschrieben, was aber nicht der Tatsache gerecht wird, dass die Nasale eher geschlossenen Vokalen entsprechen.

Die Nasale bekommen übrigens keinen konsonantischen Verschlusslaut im Sinne eines „ng“ oder [ŋ] (Ausnahme bei folgendem „g“- oder „k“-Laut).

Nasale Doppellaute

Auch bei diesen Doppellauten werden die beiden in der Lautschrift angegebenen Einzellaute getrennt nacheinander ausgesprochen, allerdings so, dass sich die Nasalierung über beide Laute erstreckt. Der zweite Laut ist dabei deutlich weniger stark betont.

Gerade bei den Nasaldiphthongen unterscheiden sich die Lautschriftangaben in verschiedenen Lexika. Teilweise wird der zweite Vokal nicht mit Tilde geschrieben, zum Beispiel [ɐ̃u], teilweise werden die Zeichen für Halbvokale verwendet [ɐ̃j, õj] oder [ɐ̃w]. Wir setzen wegen der gemeinsamen Nasalierung die Tilde auf beide Zeichen und sehen aus Gründen der Deutlichkeit von der Verwendung der Zeichen für Halbvokale ab.

Konsonanten[Bearbeiten]

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Umschreibung für Deutschsprachige
Anwendungssituation
ähnlich
wie
 
Konsonanten
b b bola [ˈbolɐ], cabelo [kɐˈbelu] Ball, Haar wie im Deutschen, aber etwas weicher (Lippenreibelaut, stimmhaft) Ball, Nebel
ca,co,cu k coisa [ˈkoizɐ], acabar [ɐkɐˈbar] Sache, beenden wie im Deutschen, aber nicht behaucht Kasse
ce,ci
ça,ço,çu
s cedo [ˈsedu], maçã [mɐˈsɐ̃] früh, Apfel stimmloses, fast scharfes „s“ Fass
ch ʃ chamar [ʃɐˈmar], fechar [fəˈʃar] rufen, schließen stimmloses „sch“, etwas schwächer als im Deutschen und ohne die Lippen vorzustülpen Schule, fischen
d d dedo [ˈdedu] Finger ähnlich wie deutsches „d“, sehr weich, stimmhaft, Zunge berührt obere und untere Schneidezähne dann, Made
f f ferro [ˈfɛʀu], o sofá [suˈfa] Eisen, das Sofa wie deutsches „ f “ fett, Sofa
ga,go,gu g gato [ˈgatu], pagar [pɐˈgar] Katze, zahlen ähnlich wie im Deutschen (aber sehr weich, stimmhaft, eher Reibelaut mit Mundstellung wie deutsches „ach“, ohne dass man ein „ch“ hört) gehen, wegen
ge,gi ʒ a gente [ˈʒẽntə], reagir [ʀiɐˈʒir] die Leute, reagieren stimmhaftes „sch“ wie im Deutschen das „j“ in Journal oder das zweite „g“ in Garage Journal, Garage
h há [a], hora [ˈɔ] es gibt, Stunde ist immer stumm
j ʒ jogo [ˈʒogu], loja [ˈlɔʒɐ] Spiel, Kaufladen stimmhaftes „sch“ wie im Deutschen das „j“ in Journal oder das zweite „g“ in Garage Journal, Garage
k k ketchup [ˈkɛtʃɐp] Ketchup Wie im Deutschen, aber nicht behaucht.
Der Buchstabe „k“ kommt im Portugiesischen nur in wenigen Fremdwörtern vor. Meist wurden Fremdwörter mit dem Buchstaben„k“ an die portugiesische Schreibweise angepasst.
Der Laut [k] wird geschrieben:
  • vor den Vokalen a, o und u als „c“, also ca, co, cu,
  • vor den Vokalen e und i als „qu“, also que, qui (wobei hier das „u“ stumm bleibt).
Kasse
l l logo [ˈlɔgu], falar [fɐˈlar] bald, sprechen Am Wortanfang und Silbenanfang, insbesondere zwischen Vokalen:
Aussprache wie im Deutschen.
Lamm, Kohl
l ɫ Portugal [purtuˈgaɫ], alto [ˈaɫtu] Portugal, hoch Im europäischen Portugiesisch am Wortende und im Wortinneren am Silbenende (vor Konsonanten):
dunkleres „l“ wie in Kölner Mundart oder in englisch well, call, weiter hinten im Mund gebildet.
ln in Mundart
lh ʎ lhe [ʎə], filho [ˈfiʎu] ihm, Sohn Ähnlich wie „lj“ in Familie. „l“ und „j“ werden gleichzeitig ausgesprochen, die Zungenspitze bleibt hinter den unteren Schneidezähnen liegen. Familie
m m Hier gibt es folgende Möglichkeiten: Mann, kamen
mapa [ˈmapɐ], cama [ˈkɐmɐ] Landkarte, Bett Am Wortanfang und Silbenanfang, insbesondere zwischen Vokalen, wie deutsches „m“.
tempo [ˈtẽmpu], ambos [ˈɐ̃mbuʃ] Zeit, beide Im Wortinneren in der Folge Vokal + m + Konsonant („b“ oder „p“) wird der Vokal nasaliert, das „m“ wird gesprochen.
um [ũ], bem [bɐ̃ĩ], sim [sĩ] ein, gut, ja Am Wortende nach Vokal führt das „m“ zur Nasalierung, ist aber selbst stumm.
n n Hier gibt es folgende Möglichkeiten: Name, Kanu
nome [ˈnomə], sono [ˈsonu] Name, Schlaf Am Wortanfang und Silbenanfang, insbesondere zwischen Vokalen, wie deutsches „n“.
andar [ɐ̃nˈdar], juntos [ˈʒũntuʃ] gehen, zusammen Im Wortinneren in der Folge Vokal + n + Konsonant („d“ oder „t“) wird der Vokal nasaliert, das „n“ wird gesprochen.
lenço [ˈlsu] Taschentuch Im Wortinneren in der Folge Vokal + n + Konsonant (außer „d“ oder „t“) wird der Vokal nasaliert, das „n“ ist stumm.
ng, nc ŋ ngua [ˈlĩŋgwɐ], branco [ˈbrɐ̃ŋku], Sprache, weiß Ein Laut wie das „ng“ in „eng“ kommt im Portugiesischen nur in der Schreibweise „ng“, „nc“ oder „nque“ nach Nasalvokal vor. eng
nh ɲ senhor [səˈɲor], vinho [ˈviɲu] Herr, Wein Ein Laut wie „nj“ in „Cognac“ Cognac
p p parte [ˈpartə], mapa [ˈmapɐ] Teil, Landkarte wie im Deutschen, aber nicht behaucht Papier
que, qui
qua, quo
k aquele [ɐˈkelə], quilo [ˈkilu]
quando [ˈkwɐ̃ndu], quota [ˈkwɔtɐ]
cinquenta [sĩŋˈkwẽntɐ] (Ausnahme!)
jener, Kilo,
wann, Quote,
fünfzig
Das „q“ wird immer wie „k“ im Deutschen ausgesprochen, allerdings nicht behaucht. Unterschiede gelten für das folgende „u“:
  • In der Verbindung que oder qui ist das „u“ mit wenigen Ausnahmen stumm.
  • In der Verbindung qua oder quo wird das „u“ als Halbvokal [w] (kurzes unbetontes „u“ mit gerundeten Lippen) ausgesprochen (nicht [kv] wie im Deutschen!).
Keller
-r-, -r r caro [ˈkaru], carta [ˈkar], ir [ir] teuer, Brief, gehen einfaches „r“ im Wortinneren und am Wortende:
Zungenspitzen-r leicht gerollt mit einem Zungenschlag
r-, rr ʀ rua [ˈʀ], honra [ˈõʀɐ], carro [ˈkaʀu] Straße, Ehre, Auto „r“ am Wortanfang oder Silbenanfang; „rr“ im Wortinneren:
entweder stark (mehrfach) gerolltes Zungenspitzen-r oder stark gerolltes Gaumenzäpfchen-r
s, ss s sal [s], conselho [kõˈseʎu], isso [ˈisu] Salz, Ratschlag, dies einfaches „s“ am Wortanfang oder Silbenanfang nach Konsonant; „ss“ zwischen Vokalen:
stimmloses „s“
Fass
s  -
zwischen Vokalen
z casa [ˈkazɐ], mesa [ˈmezɐ] Haus, Tisch einfaches „s“ zwischen Vokalen:
stimmhaftes „s“
Rose
s  -
vor c,f,p,qu,t
ʃ nascer [ʃˈser], esfera [ˈʃfɛrɐ], esperar [ʃpəˈrar], esquerdo [ˈʃkerdu], castanho [ʃˈtɐɲu] geboren werden, Kugel, warten, linker, braun „s“ vor stimmlosen Konsonanten (c,f,p,qu,t):
stimmloses „sch“
Pfusch, Spaß [Schpaß]
s  -
vor b,d,g, l,m,n,v
ʒ Lisboa [liʒˈboɐ], desde [ˈdeʒ], mesmo [ˈmeʒmu], desvio [ʒˈviu] Lissabon, seit, gleich, Umleitung „s“ vor stimmhaften Konsonanten (b,d,g,l,m,n,v):
stimmhaftes „sch“
Garage
s  -
am Ende
Beim „s“ am Ende hängt die Aussprache davon ab, was folgt. Weil beim normalen Sprechen die Wörter im Satz miteinander verbunden werden, gilt für die Aussprache des „s“ am Ende Folgendes:
ʃ adeus [ɐˈdeuʃ], os pais [uʃ paiʃ] adieu, die Eltern Wenn nichts folgt oder wenn ein Wort folgt, das mit stimmlosem Konsonanten (c,f,p,qu,s,t) beginnt:
Stimmloses „sch“
Schule
ʒ as minhas dores [ɐʒ ˈmiɲɐʒ ˈdorəʃ] meine Schmerzen Wenn ein Wort folgt, das mit stimmhaftem Konsonanten (b,d,g,l,m,n,v) beginnt:
Stimmhaftes „sch“
Garage
z todos os anos [ˈtoduz_uz_ˈɐnuʃ] jedes Jahr Wenn ein Wort folgt, das mit Vokal beginnt:
Stimmhaftes „s“
Rose
t t tanto [ˈtɐ̃ntu], tia [ˈt], noite [ˈnoitə] so viel, Tante, Nacht wie im Deutschen, aber nicht behaucht Tante
v v viver [vver], vazio [vɐˈziu] leben, leer wie „w“ im Deutschen Olive, Wasser
x Für die Aussprache des „x“ gibt es mehrere Möglichkeiten, die sich schwer durch Regeln beschreiben lassen:
ʃ xadrez [ʃɐˈdreʃ] , deixar [deiˈʃar] Schach, lassen Am Wortanfang und manchmal zwischen Vokalen: wie stimmloses „sch“ Schule
s próximo [ˈprɔsimu] nächster Oft zwischen Vokalen: wie stimmloses „s“ Fass
ks taxi [ˈtaksi] Taxi Selten zwischen Vokalen: wie deutsches „x“ in Taxi
z exercício [izərˈsisju] Übung Wenn auf „ex“ ein Vokal folgt: wie stimmhaftes „s“ Rose
ʃ extremo [iʃˈtremu, eiʃˈtremu] extrem Vor Konsonanten: wie stimmloses „sch“ Schule
z z zero [ˈzɛru], fazer [fɐˈzer], natureza [nɐtuˈrezɐ] Null, tun, Natur Am Wortanfang und zwischen Vokalen: stimmhaftes „s“ Rose
z   - vor m ʒ felizmente [fəliʒˈmẽntə] glücklicherweise „z“ vor stimmhaftem Konsonanten (m): stimmhaftes „sch“ Garage
z  -
am Ende
Beim „z“ am Ende hängt die Aussprache davon ab, was folgt. Weil beim normalen Sprechen die Wörter im Satz miteinander verbunden werden, gilt für die Aussprache des „z“ am Ende Folgendes:
ʃ actriz [ɐˈtriʃ], capaz [kɐˈpaʃ], ele faz tudo [ˈelə faʃ ˈtudu] Schauspielerin, fähig, er tut alles Wenn nichts folgt oder wenn ein Wort folgt, das mit stimmlosem Konsonanten (c,f,p,qu,s,t) beginnt: Stimmloses „sch“ Schule
ʒ Feliz Natal [fəˈliʒ nɐˈtaɫ] Frohe Weihnachten Wenn ein Wort folgt, das mit stimmhaftem Konsonanten (b,d,g,l,m,n,v) beginnt: Stimmhaftes „sch“ Garage
z dez anos [z_ˈɐnuʃ] zehn Jahre Wenn ein Wort folgt, das mit Vokal beginnt: Stimmhaftes „s“ Rose

Vertiefung: Das System der Vokale[Bearbeiten]

Die Vokalbildung ist hauptsächlich von zwei Faktoren abhängig: der Mundöffnung und der Stelle im Mund, wo die Zunge liegt: weiter vorn oder weiter hinten. Ein dritter Faktor, die Lippenrundung (die „i“ und „ü“ im Deutschen unterscheidet), spielt im Portugiesischen zur Unterscheidung keine Rolle (u und beide Varianten des o haben grundete Lippen, alle anderen Vokale ungerundete).

Sehen wir uns die im Portugiesischen vorkommenden Vokale in einer Übersicht an:

Bildung im Mund
(Zungenstellung) →

↓ Mundöffnung

vorn

Mitte

hinten
geschlossen i, ĩ (ɨ) u, ũ
 
halb geschlossen e, ẽ   o, õ
Mitte   ə  
halb offen ɛ (ɜ) ɔ,
fast offen ɐ, ɐ̃  
offen a   (ɑ)
Zungenstellung bei Vokalbildung: weiter vorn. Die farbigen Linien zeigen die Zungenoberkante an.
Zungenstellung bei Vokalbildung: weiter hinten. Die farbigen Linien zeigen die Zungenoberkante an.


a, i und u; „e“ und „o“ als geschlossener und als offener Vokal

In der Tabelle sind alle Vokale nach den Faktoren für ihre Bildung mit dem in der Lautschrift gebräuchlichen Zeichen eingetragen. Wir betrachten zunächst, soweit zwei Zeichen in einem Feld stehen, nur das linke und nur die Spalten „vorn“ und „hinten“ ohne das eingeklammerte Zeichen für a. Du siehst, es gibt dann für „a“, „i“ und „u“ je ein Zeichen, für „e“ und „o“ je zwei. Beim „e“ lautet das [e] wie in „Mehl“, das [ɛ] wie in „Messer“. Beim „o“ lautet das [o] wie in „Ofen“, das [ɔ] wie in „offen“. Wir haben für „e“ und „o“ also jeweils eine geschlossene Variante ([e] und [o]) und eine offene Variante ([ɛ] und [ɔ]). Die Lautschriftzeichen sind so gewählt, dass man ihnen ansieht, ob sie mehr offen oder geschlossen sind.

Du kannst einmal die Vokale [ieɛa] ohne abzusetzen aussprechen und sie ineinander übergehen lassen. Dann bleibt die Zungenspitze an derselben Stelle liegen, nur die Öffnung des Mundes vergrößert sich nach und nach. Dasselbe kannst du mit den Vokalen [uoɔ] tun, auch da ändert sich die Öffnung, die Lage der Zunge (etwas weiter hinten) bleibt gleich. Während [i], [e] und [a] von deutlich unterschiedlicher Lautqualität sind, empfinden wir [e] und [ɛ] als ähnlicher. Sie werden deshalb in vielen Sprachen durch denselben Buchstaben „e“, wiedergegeben, bei der Aussprache muss man aber wissen, ob ein geschlossenes oder ein offenes „e“ gewünscht ist. Dasselbe gilt für den Buchstaben „o“ und die Lautwerte [o] und [ɔ].

[ə] als unbetontes „e“

Kommen wir jetzt noch zur mittleren Spalte mit den Lautzeichen [ə] und [ɐ]. [ə] kommt im Deutschen und Portugiesischen nur als unbetonter Laut vor. Er lautet wie das „e“ in „Mitte“ (übrigens, anders als im Französischen im Artikel „le“, ohne jede Lippenrundung, die den Laut ein wenig in Richtung „ö“ verschieben würde). Das [ə] liegt, wenn du unsere Tabelle ansiehst, in jeder Hinsicht in der Mitte. Wenn du versuchst, mit dem geringstmöglichen Aufwand an Mundbewegung einen ganz schwachen Vokal von dir zu geben, dann kommt ein [ə] heraus. Für den Buchtaben „e“ haben wir also insgesamt drei Laute, geschlossenes [e], offenes [ɛ] und das unbetonte [ə].

Genau genommen wird das unbetonte „e“ im Portugiesischen ein wenig geschlossener gesprochen als [ə] im Deutschen, das heißt, die Zunge liegt, was ihre Position zwischen vorn („i“) und hinten („u“) betrifft, in der Mitte, genauso wie beim [ə], aber etwas höher, der Mund ist also etwas mehr geschlossen. Der Unterschied ist aber sehr gering, siehe die Ausführungen unten zum Zeichen [ɨ].

[ɐ] als geschlossener und als unbetonter Laut „a“

Der Laut [ɐ] kommt im Deutschen, ohne dass uns das bewusst ist, als unbetonter Schlussvokal im Wort „Wasser“ vor. Es handelt sich um ein „a“, das als unbetonter Vokal etwas von seinem Lautcharakter eingebüßt hat und ein wenig näher am Laut „ä“ liegt als der Laut [a] liegt, allerdings viel weniger ausgeprägt als beim Laut [ɛ]. Andererseits geht der Laut ein wenig mehr in Richtung [a] als das unbetonte [ə]. Wie wir im Deutschen im Wort „Wasser“ beide a-Laute nebeneinander vorliegen haben ([ˈvasɐ]), gilt das ähnlich im Portugiesischen für das Wort „casa“ (das Haus, [ˈkazɐ]), allerdings ist hier das „s“ stimmhaft.

Für uns Deutsche ungewohnt ist nun, dass ein solcher etwas wenig prägnanter Laut wie das ɜ auch in betonter Silbe vorkommen kann. Die Wörter cama (Bett) [ˈkɐmɐ] oder para (für) [ˈpɐrɐ] sind Beispiele, in denen das [ɐ] nebeneinander sowohl in der betonten, als auch in der unbetonten Silbe vorkommt. Wie aus der Tabelle zu sehen ist, ist das [ɐ] etwas weniger offen als der Laut [a]. Wir können auch hier also von einem offenen Laut ([a]) und einem geschlossenen Laut ([ɐ]) sprechen, wobei es keinen gesonderten unbetonten Laut gibt, sondern das [ɐ] auch diese Rolle mit übernehmen kann.

Ergänzend noch ein Hinweis zum Zeichen [ɜ] in der mittleren Spalte, eine Zeile oberhalb des Zeichens [ɐ]. Das Zeichen entspricht im System aller theoretisch möglichen Laute der IPA-Lautschrift einem Laut (halboffener ungerundeter Zentralvokal), der geringfügig mehr geschlossen ist als der Laut [ɐ] (fast offener ungerundeter Zentralvokal), was praktisch bedeutet, dass die Verschiebung vom „a“ zum „ä“ hin noch ein wenig weiter geht. Wir erwähnen das Zeichen, weil es vom Langenscheidt-Verlag in der neuesten Auflage seines Taschenwörterbuchs Portugiesisch für die Aussprache in Portugal verwendet wird (während er für das geschlossene „a“ in Brasilien das Zeichen [ɐ] benutzt). Zur Klarstellung ist darauf hinzuweisen, dass hier nicht innerhalb einer Sprachvariante zwei verschiedene Laute vorliegen, sondern es geht nur um die Frage, mit welchen Lautschriftzeichen man den Laut etwa im europäischen Portugiesisch darstellt. Man muss sich dabei vorstellen, dass hier nicht klar getrennte Laute vorliegen, sondern stufenlose Übergänge mit geringen Unterschieden, die von Region zu Region und von Sprecher zu Sprecher variieren können. Wir verwenden daher das Zeichen [ɜ] nicht, sondern bleiben mit anderen Quellen bei der Verwendung des Zeichens [ɐ], weil es als modifiziertes „a“ den Zusammenhang mit diesem Buchstaben in der Schreibung verdeutlicht. Die dem Zeichen [ɜ] zugeordnete Audioaufnahme (info) (eines nichtportugiesischen Sprechers) trifft den Laut allerdings ganz gut.

[ɨ] verwenden wir nur am Wortanfang

Den Laut [ɨ] haben wir in der Tabelle eingeklammert, weil wir ihn aus Vereinfachungsgründen in unserer Lautschrift nur eingeschränkt verwenden werden.

Das [ɨ] ist ein unbetontes [i], das mittig im Mund gebildet wird, gegenüber dem [i] also etwas weiter hinten und damit ein wenig in Richtung [u]. Es entsteht dann, wenn auf unbetontes „e“ ([ə]) ein weiter hinten im Mund gebildeter Konsonant wie [ʃ] oder [ʒ] (stimmloses oder stimmhaftes „sch“) folgt (Beispiel: fechar (schließen) [fɨˈʃar] oder ist generell die Aussprache des unbetonten „e“, wenn man es sehr geschlossen ausspricht. Weil sehr unbetont, ist der Unterschied zwischen [ɨ] und unbetontem [i] oder [ə] kaum merkbar. Wegen der Nachbarschaft des [ʃ] oder [ʒ] bilden wir unbewusst den unbetonten Vokal von selbst etwas weiter hinten, weshalb wir zur Vereinfachung fechar als [fəˈʃar] wiedergeben können und damit in der Praxis dasselbe erzielen.

In der portugiesischen Literatur (und in der neuen Auflage des Lexikons von Langenscheidt) wird für die europäische Aussprache des unbetonten Buchstabens „e“ das Zeichen [ɨ] und nicht [ə] verwendet. Für den Deutschsprechenden wird am Wortende durch das Zeichen [ə] (und die Vorstellung „sehr wenig betont“) eher eine zutreffende Aussprache erreicht, als wenn das Zeichen [ɨ] zu einer Aussprache führt, die zu stark nach „i“ klingt. Nicht ganz so schwach betontes [i], wie es mit der Schreibung „e“ am Wortanfang in Wörtern wie exemplo, exame vorkommt, schreiben wir als [i].

Nur am unbetonten Wortanfang bei Worten, die mit „es“ + Konsonant beginnen, etwa estar, estação, escola, esperar, schreiben wir als Lautschrift [ɨ], unter Umständen in eingeklammerter Form, oder lassen den Laut weg. Hier erscheint für den Lernenden die Vorstellung eines „i“ sinnvoll, allerdings wird der Laut am Anfang in diesen Fällen häufig sehr schwach gesprochen oder bei schneller Sprechweise ganz verschluckt.

[ɑ] verwenden wir nicht

Der (offene) Laut [ɑ] ist eine Variante des [a], die ein wenig weiter hinten im Mund gebildet wird als [a] und deshalb ein wenig dunkler, ein wenig mehr in Richtung „o“ klingt. Er entsteht als betonter Laut dann anstelle des [a], wenn darauf ein [ɫ] (am Wortende weiter hinten als im Deutschen gebildetes „l“ wie im englischen „call“) oder ein [u] folgt wie in mal ([mɑɫ]) oder mau ([mɑu]). Hier erfolgt die etwas andere Lautfärbung unbewusst wegen der Nachbarschaft des [ɫ] oder [u] von selbst, so dass wir den Laut auch einfach als [maɫ] oder [mau]} wiedergeben können und damit in der Praxis dasselbe Ergebnis erzielen.

Nasale

Zum Abschluss kommen wir noch zu den Nasallauten [ɐ̃, ẽ, ĩ, õ, ũ]. Hier ist zu merken, dass bei Vokalen, von denen es zwei Varianten gibt, der Nasal immer aus der geschlossenen Variante gebildet wird, also nicht aus [a, ɛ, ɔ], sondern aus [ɐ, e, o]. Die Nasalierung wird im Lautschriftzeichen durch die Tilde über dem Buchstaben angezeigt. Die Nasale klingen anders als im Französischen. Am ehesten entspricht noch das [õ] wie in bom dem französischen „bon“. Der Nasal [ɐ̃] entspricht nicht dem französischen nasalierten „a“ wie in „blanc“ (ein solcher Laut kommt unter den portugiesischen Nasalen nicht vor), sondern eher dem Nasal in den französischen Wörtern „main“ oder „Reims“. Die portugiesischen Nasale trifft man am besten, wenn man sich den unnasalierten geschlossenen Vokal [ɐ, e, i, o, u] vorstellt, seinen Klang möglichst wenig verändert und lediglich nasaliert, indem man das Gaumensegel absenkt und dadurch einen Teil der Luft durch die Nase strömen lässt. Die Nasalierung ist weniger stark als im Französischen. Die Nasale [ẽ, ĩ, ũ] gibt es im Französischen nicht.

Nasaliert werden die mit Tilde geschriebenen Buchstaben „ã“ und „õ“, ferner die Buchstaben „a, e, i, o, u“, auch mit Akzent Zirkumflex, wenn auf sie ein „m“ oder „n“ und danach nicht sofort wieder ein Vokal folgt.

Wir können alle Vokale, geordnet nach Buchstaben, daher auch noch etwas anders zusammenstellen:

Buchstabe offen geschlossen unbetont nasal
a [a] [ɐ] [ɐ] [ɐ̃]
e [ɛ] [e] [ə], [i], [ɨ] (auch stumm) []
i [i] [i] [ĩ]
o [ɔ] [o] meist [u] (auch fast stumm) [õ]
u [u] [u] [ũ]

Mit „offen“ und „geschlossen“ ist hier nicht die absolute Öffnung gemeint, denn ein „geschlossenes“ [ɐ] ist offener als ein „offenes“ [ɛ]. Es geht hierbei vielmehr um den Vergleich der Varianten desselben Buchstabens, also das relativ offenere oder geschlossenere „a“, „e“ beziehungsweise „o“.