Portugiesisch: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ

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Wer schon andere Sprachen gelernt hast (zum Beispiel Latein, Griechisch, Russisch oder Türkisch) oder an das Deutsche denkt, weiß, dass es erhebliche Mühe kosten kann, die Deklination der Substantive, also die Bildung der verschiedene Fälle zu lernen, wobei die Substantive teilweise je nach Fall verschiedene Endungen bekommen.

Im Portugiesischen ist das wesentlich einfacher. Sehen wir uns als Beispiel die deutschen Wörter Mann und Frau und die portugiesischen Übersetzungen der verschiedenen im Deutschen vorkommenden Fälle an:

deutsche
Bezeichnung
der Mann o homem Kontraktion von
Präposition und Artikel
die Frau a mulher Kontraktion von
Präposition und Artikel
Aussprache
Nominativ der Mann o homem die Frau a mulher {{{[1]}}}
Genitiv des Mannes do homem de + o = do der Frau da mulher de + a = da do = {{{[1]}}}, da = {{{[1]}}}
Dativ dem Mann(e) ao homem   a + o = ao der Frau à mulher   a + a = à ao = {{{[1]}}}, à = {{{[1]}}}
Akkusativ den Mann o homem die Frau a mulher
Plural
Nominativ die Männer os homens die Frauen as mulheres {{{[1]}}}
Genitiv der Männer dos homens de + os = dos der Frauen das mulheres de + as = das dos = {{{[1]}}}, das = {{{[1]}}}
Dativ den Männern aos homens   a + os = aos den Frauen às mulheres   a + as = às aos = {{{[1]}}}, às = {{{[1]}}}
Akkusativ die Männer os homens die Frauen as mulheres
 
ein Mann um homem eine Frau uma mulher
Nominativ ein Mann um homem eine Frau uma mulher
Genitiv eines Mannes dum homem de + um = dum einer Frau duma mulher de + uma = duma dum = {{{[1]}}}, duma = {{{[1]}}}
Dativ einem Mann(e) a um homem einer Frau a uma mulher
Akkusativ einen Mann um homem eine Frau uma mulher
Plural
Nominativ (einige) Männer uns homens (einige) Frauen umas mulheres
Genitiv (einiger) Männer duns homens de + uns = duns (einiger) Frauen dumas mulheres de + umas = dumas duns = {{{[1]}}}, dumas = {{{[1]}}}
Dativ (einigen) Männern a uns homens (einigen) Frauen a umas mulheres
Akkusativ einige Männer uns homens (einige) Frauen umas mulheres

Man sieht an dieser Aufstellung:

  • Die portugiesischen Substantive werden nicht je nach Fall verändert. Die einzige Veränderung ist die durch die Pluralbildung.
  • Der Akkusativ stimmt immer mit dem Nominativ überein.
  • Genitiv und Dativ werden mit Hilfe von Präpositionen gebildet, der Genitiv mit der Präposition de, der Dativ mit der Präposition a. Dabei steht (wie bei anderen Präpositionen im Portugiesischen auch und anders als im Deutschen) nach der Präposition der Artikel und das Substantiv im Nominativ.
  • Zu beachten ist nur, dass de und a mit dem bestimmten Artikel o, a, os, as verschmelzen (kontrahiert werden). Beim unbestimmten Artikel wird meist mit der Präposition de kontrahiert (in der Schriftsprache manchmal nicht), mit der Präposition a dagegen wird der unbestimmte Artikel nicht verschmolzen.
  • Steht das Substantiv ohne Artikel, wird nur die Präposition verwendet: um bilhete de segunda classe – eine Fahrkarte zweiter Klasse. Dasselbe gilt im Zusammenhang mit einem Pronomen: A quem escreves essa carta? – Wem schreibst du diesen Brief?


Gibt es denn im Portugiesischen überhaupt Fälle?

Portugiesen werden die Frage wohl verneinen (und damit weitgehend, aber nicht ganz Recht haben).

Genau genommen ist die Unterscheidung von Fällen wie Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ von der deutschen Grammatik her gedacht, ein Hilfsmittel, um entsprechende Ausdrücke übersetzen zu können. Wenn man unter einem Fall versteht, dass ein Substantiv (samt Artikel und zugehörigem Adjektiv) dekliniert wird und dabei je nach Fall verschiedene Endungen bekommt, dann gibt es solche Fälle im Portugiesischen (mit wenigen Ausnahmen, siehe unten) nicht. In der portugiesischen Grammatik werden „Fälle“ in unserem Sinne daher kaum erwähnt. Man verwendet stattdessen andere Bezeichnungen.

Allerdings kommen die Beziehungen zwischen den einzelnen Bestandteilen eines Satzes im Portugiesischen genauso vor wie im Deutschen: Im transitiven Satz gibt ein handelndes Subjekt (im Deutschen im Nominativ) und Objekte, mit denen etwas geschieht. Im Satz „Der Vater ruft den Sohn“ ist „der Vater“ das Subjekt, „den Sohn“ ein Objekt im Akkusativ oder direktes Objekt. Wir könnten den deutschen Satz auch umstellen (Den Sohn ruft der Vater), der Sinn bleibt derselbe. Im Portugiesischen, das für Nominativ und Akkusativ keine unterschiedlichen Formen verwendet, ist das nicht in gleicher Weise möglich. Hier ergibt sich der Sinn aus der Wortstellung: Das Substantiv, das nach dem Verb steht, bekommt hier die Funktion eines (direkten) Objekts: O pai chama o filho.

Und wie ist es bei mehreren Objekten? Beispiel: „Ich stelle dem Lehrer den Arzt vor.“ Hier ist „dem Lehrer“ Objekt im Dativ, „den Arzt“ ein Akkusativobjekt. Derjenige, der vorgestellt wird, steht im Akkusativ. Man muss also hier zwischen verschiedenen Arten von Objekten unterscheiden. Der Satz „Ich stelle den Lehrer dem Arzt vor“ ergäbe einen anderen Sinn. Auch das Portugiesische unterscheidet hier. Der zuerst genannte Satz wäre zu übersetzen: „Apresento o médico ao professor.“ In der portugiesischen Grammatik spricht man, unter dem Gesichtspunkt des Satzbaus, vom direkten Objekt (objeto direto {{{[1]}}}), das ohne Präposition gebildet wird und dem Akkusativobjekt entspricht, und vom indirekten Objekt (objeto indireto), das mit Hilfe von Präpositionen gebildet wird. Indirekte Objekte sind solche, die mit de, a oder anderen Präpositionen wie zum Beispiel com angeschlossen werden und das Prädikat (das Verb) ergänzen. An die Stelle der eigentlichen durch Deklination gebildeten Fälle, wie sie im Lateinischen noch bestanden und wie wir sie im Deutschen kennen, tritt also im Portugiesischen (wie in den meisten anderen romanischen Sprachen) teilweise die Verwendung von Präpositionen als eine Art Ersatzbildung. In der Wortstellung ist das Portugiesische hier weniger flexibel als das Deutsche: Das direkte Objekt muss vor dem indirekten Objekt stehen.

Weitere Beispiele
  • Dou o livro (direktes Objekt) ao professor (indirektes Objekt). – Ich gebe dem Lehrer das Buch.
  • Ele pede uma bebida (direktes Objekt) ao empregado (indirektes Objekt). – Er bestellt ein Getränk beim Kellner .
  • Preciso de óculos. – Ich brauche eine Brille.
  • Gosto de chocolate. – Ich mag Schokolade.
  • Estás com fome? = Hast du Hunger?

Auf eines müssen wir noch hinweisen: Soweit wir oben angegeben haben, welche portugiesischen Präpositionen welchem deutschen Fall entsprechen, so ist das eine Hilfsüberlegung, die oft stimmt, aber durchaus nicht immer zu einer richtigen Übersetzung führen würde! Genau genommen ist es so, dass jedes Verb einen bestimmten Fall oder (bei mehreren Objekten) bestimmte Fälle „regiert“, wobei hier das Deutsche und das Portugiesische auch voneinander abweichen können, so dass zu den einzelnen Verben im Falle solcher Abweichungen auch die von ihnen regierten Fälle (beziehungsweise Propositionen) hinzugelernt werden müssen. Während es im Deutschen heißt: jemanden (Akkusativ) etwas (Akkusativ) fragen, sagt man im Portugiesischen: perguntar alguma coisa („etwas“, direktes Objekt) a alguém („jemand“, indirektes Objekt=Dativ)! Auch die Wendung Preciso de óculos (im Portugiesischen indirektes Objekt, da mit Präposition gebildet) (Ich brauche eine Brille - im Deutschen Akkusativ!) ist ein Beispiel für die abweichende Konstruktion hinsichtliche der Fälle/Präpositionen in den beiden Sprachen.

Genitivattribut

Im Deutschen können nicht nur Verben bestimmte Fälle bei den Objekten verlangen. Auch von einem Substantiv kann ein Fall abhängig sein. Hier kommt allerdings nur der Genitiv vor, der als Ergänzung bei einem Substantiv steht: das Auto des Lehrers. Im Portugiesischen wird auch eine solche Ergänzung (Genitivattribut; adjunto adnominal de posse) mit Hilfe der Präposition de gebildet: o carro do professor.

Wo gibt es echte Fälle im Portugiesischen?

In einigen wenigen Fällen gibt es doch eine echte Deklination, also Fälle mit verschiedenen Formen: bei den Personalpronomen. Hier gibt es verschiedene Formen für den Nominativ (eu, tu, ele, ela - ich, du, er, sie), Dativ (me, te, lhe - mir, dir, ihm/ihr) und Akksusativ (me, te, o, a - mich, dich, ihn, sie). Nur man bezeichnet sie im Portugiesischen nicht wie bei uns als Nominativ, Dativ, Akkusativ, sondern verwendet andere Bezeichnungen dafür, insbesondere indirektes und direktes Objekt für Dativ beziehungsweise Akkusativ. Bei me, te (mir/mich, dir/dich) sind die Formen beim indirekten Objekt und direkten Objekt identisch, in der dritten Person haben indirektes Objekt (lhe - ihm/ihr) und direktes Objekt (o, a - ihn, sie) verschiedene Formen.

In diesem Zusammenhang verwendet man im Portugiesischen auch noch andere Bezeichnungen. Man nennt in Anlehnung an grammatikalische Bezeichnungen im Altgriechischen den Nominativ „caso reto“ (von lateinisch casus rectus - gerader Fall), die übrigen Fälle (Akkusativ und mit Präpositionen gebildete Fälle) „caso oblíquo“ (von lateinisch casus obliquus - schiefer Fall). Die Pronomen me, te, lhe, o, a nennt man daher auch pronomes oblíquos átonos (unbetonte "schiefe" Pronomen, also unbetonte Pronomen im Dativ oder Akkusativ).

Fehlt der Genitiv? Ja, aber für ihn gibt es kein unbetontes Pronomen mit eigener deklinierter Form. Der Genitiv wird vielmehr mit Hilfe der betonten Pronomen und der Präposition de gebildet: de mim, de ti, dele, dela, zum Beispiel: Gosto de ti. - Ich mag dich.