Gitarre: Blueszupfen mit 6er und 7er-Akkorden

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Abschnitte: Einführung   -   C-Dur Tonleiter |   II: Erweiterte Akkorde |   III: Akkordfolgen |   IV: 3-Finger-Picking |
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Zuerst ein wenig "praktische" Theorie[Bearbeiten]

Bei der letzten Lektion haben wir weitere 7er-Akkorde gelernt.

Crd A7 002020.svg - Crd Am7 002010.svg - Crd E7 020100.svg - Crd Em7 020000.svg

Wir haben in der vorhergehenden Lektion gelernt, dass der Ton, welcher die "7" ausmacht, vom Grundton aus gezählt wird. Wenn man sich ein wenig mit der Tonleiter auskennt kann man sich das Abzählen der Töne auch ein klein wenig vereinfachen. Acht Töne weiter, und man erhält wieder den Grundton. Anstelle sieben Töne weiter zu zählen, reicht es auch, einfach einen Ganztonschritt[1] zurückzuzählen, und man erhält ebenfalls die Septime[2] (lat. "der Siebte").

Beim A7 kommt also das G als Septime hinzu, weil G ein Ton vor dem A (genauer: deren Oktave) ist.
Beim E7 kommt also das D als Septime hinzu, weil D ein Ton vor dem E ist.
Beim D7 kommt also das C als Septime hinzu, weil C ein Ton vor dem D ist.
Beim G7 kommt also das F als Septime hinzu, weil F ein Ton vor dem G ist.

Bei den Akkorden D7 und G7 sollte man noch einmal die Septime überprüfen, ob das auch der Fall ist.

Crd D.svg - Crd D7.svg - Crd G.svg - Crd G7.svg

Man kann also leicht feststellen, dass die Septime einen Ganztonschritt (das ist der Abstand von zwei Bünden [3])vor dem Grundton entfernt ist.

Wenn man sich jetzt noch einmal die Grundtöne von D-Dur und G-Dur (schwarz) anschaut, dann sieht man, dass beim den Akkorden E(m)7 und A(m)7 genau dieser hinzugekommen ist.

Jetzt kommt das, worauf es bei dieser Lektion besonders zu achten gilt

Alternative Griffweise für E7[Bearbeiten]

vergleicht man einmal die Septime von E7. Wir haben gelernt, dass dort noch der Ton D mit hinzukommt. Den Ton D kann man leicht auf der Gitarre finden, wenn man weiß, wo die Grundtöne vom D-Dur-Akkord sind. Und da beim D-Dur-Akkord zweimal der Ton D vorkommt (einmal die leere D-Saite, und einmal unter dem Ringfinger), dann müsste man doch zu dem Schluss kommen, dass man für den E7 nicht nur die leere D-Saite nehmen kann, sondern auch das andere D, das wir vom D-Dur-Akkord her kennen.

Crd E7 020100.svg Crd D.svg

Der Ton D kommt nicht nur bei der leeren D-Saite vor, sondern er ist auch unter dem Ringfinger des D-Dur-Akkordes (H-Saite 3.Bund).

Anstelle von E einen Finger wegzunehmen, kann man demnach auch einen Finger hinzufügen um ein E7 zu erhalten.

Crd E7 022130.svg

Alternative Griffweise für A7[Bearbeiten]

Das gleiche Spiel bei A7. Wir wissen inzwischen, als Septime kommt der Ton G hinzu. Der Ton G befindet sich bei einem G-Dur-Akkord auf der leeren Saite, und unter dem Ringfinger. Und da bei der oberen E-Saite und der unteren E-Saite alles gleich ist, befindet sich der Ton G auch unter dem kleinen Finger von G-Dur.

Crd A7 002020.svg Crd G.svg

Wenn man sich die Position des kleinen Finger noch einmal vergegenwärtigt, dann findet man auch für A7 noch eine alternative Griffweise.

Crd A7 002223.svg


Die gleiche Methode funktioniert auch bei Moll-Akkorden.

Wann nimmt man was?[Bearbeiten]

Man hat also die Wahl, ob man lieber die Variante mit kleinem Finger wählt, oder die, bei der der mittlere Finger weggenommen wird. Harmonisch macht es keinen Unterschied. Der A7 drängt bevorzugt zum D-Dur-Akkord hin, während E7 bevorzugt zum A-Dur-Akkord hin drängt. Beide 7er-Akkorde leiten also zu dem entsprechenden anderen Akkord hin, gleich mit welcher Griffvariante er gegriffen wird. Bei solchen Akkordvarianten, wo sich nur die Verteilung der Akkordtöne ändert, aber nicht die Funktion bzw. der Name des Akkordes, nennt man Voicing. Dennoch wirkt die Variante mit der höheren Septime (also die mit kleinem Finger) etwas schärfer oder etwas quengelnder (zumindest in meinen Ohren). Dagegen ist die Variante mit der etwas tieferen Septime nicht ganz so aufdringlich. Letztendlich wird der eigene Geschmack entscheiden. Dabei sollte man sich aber auf sein Ohr (also auf den gerade passenden Klang) verlassen, und nicht auf die Bequemlichkeit.

Übungsstück mit weiteren Akkorden[Bearbeiten]

Bevor man aber auf die Idee kommt, eine Variante zu meiden, gibt es jetzt noch ein Übungsstück, bei dem man zumindest nicht auf die Kleinfinger-Variante verzichten kann.

In einem Abwasch wird noch ein Akkord mit dazu gelernt.

Ein Ton vor der 7 (Septime) kommt die 6 (Sexte). Sie ist nur einen Halbton (also einen Bund) von der Septime entfernt.

Für E6 kommt der Ton C# hinzu. ( E -> D -> C#). Wo das C ist, wissen wir, eines daneben muss demnach das C# sein. [4]

Für A6 kommt noch der Ton F# hinzu. (A -> G -> F#. Wo das F ist, wissen wir, eines daneben muss demnach das F# sein.[5]

Crd E.svg Crd E6 022120.svg Crd E7 022130.svg
Crd A.svg Crd A6 002222.svg Crd A7 002223.svg

Diese Akkorde einmal in einem Standard-Blues-Schema

Es sind 12 Takte, und jeder Akkord wird hier mit einem Schlag begleitet.

E E6 E7 E6 - E E6 E7 E6 - E E6 E7 E6 - E E6 E7 E6
A A6 A7 A6 - A A6 A7 A6 - E E6 E7 E6 - E E6 E7 E6
H7 H7 H7 H7 - A A A A - E E6 E7 E6 - H7 H7 H7 H7

Bei jedem Schlag nennt man die einzelnen Akkorde (in Kurzform)

E 6 7 6 - A 6 7 6 u.s.w.

Damit die Sache noch ein wenig interessanter wird, noch ein einfaches Blues-Zupfmuster.

Diesmal ein ganz simpler 8-taktiger Blues in E-Dur.

 E      E6    E7    E6    E   6   7   6     A   6   7   6     E   6   7   6
|-----------------------|-----------------|-0---2---3---2---|------------------|
|-0-----2-----3-----2---|-0---2---3---2---|---2---2---2---2-|-0---2---3---2----|
|---1-----1-----1-----1-|---1---1---1---1-|-----------------|---1---1---1---1--|
|-----------------------|-----------------|-----------------|------------------|
|-----------------------|-----------------|-0---0---0---0---|------------------|
|-0-----0-----0-----0---|-0---0---0---0---|-----------------|-0---0---0---0----|

  H7                A                 E   6   7   6     H7
|-2---2---2---2---|-0---0---0---0---|-----------------|-2---2---2---2----|
|---0---0---0---0-|---2---2---2---2-|-0---2---3---2---|---0---0---0---0--|
|-----------------|-----------------|---1---1---1---1-|------------------|
|-----------------|-----------------|-----------------|------------------|
|-2---2---2---2---|-0---0---0---0---|-----------------|-2---2---2---2----|
|-----------------|-----------------|-0---0---0---0---|------------------|

Die einzige Zupfbewegung ist:

                          bzw. eines tiefer
|-----:-----:-----:-----| |-M---:-M---:-M---:-M---|
|-M---:-M---:-M---:-M---| |---Z-:---Z-:---Z-:---Z-|
|---Z-:---Z-:---Z-:---Z-| |-----:-----:-----:-----| 
|-----:-----:-----:-----| |-----:-----:-----:-----| 
|-----:-----:-----:-----| |-D---:-D---:-D---:-D---| 
|-D---:-D---:-D---:-D---| |-----:-----:-----:-----| 

Mit dem 12-taktigen Blues und dem 8-taktigen Blues hat man die beiden wichtigsten Bluesschemata. Diese sind zwar simpel zu spielen, doch alle anderen Formen sind bloß Varianten von diesen Grundschemata, oder aber sie bauen zumindest darauf auf. Und selbst diese Lagerfeuervariante klingt schon ganz ordentlich.

Viel Spaß beim Üben!

Übungsbeispiele[Bearbeiten]


  1. Ein Halbtonschritt ist der Tonabstand zum nächsten Bund; ein Ganztonschritt ist der Tonabstand zum übernächsten Bund.
  2. Der Unterschied zwischen großer und kleiner Septime wird erst bei den j7-Akkorden erklärt.
  3. Ein Halbtonschritt wäre nur der Abstand von einem Bund.
  4. Der Grund, warum man auf einmal ein C# und ein F# braucht, liegt daran, dass in der Tonart A-Dur und in der Tonart E-Dur (normalerweise) kein C und kein F vorkommen. Und für die Intervalle orientiert man sich im allgemeinen an der zugrundeliegenden Dur-Tonart des einzelnen Akkordes.
  5. s.o.
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