Musiklehre: Das Problem mit dem Notennamen H

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Das Problem mit dem Notennamen H[Bearbeiten]

Gclef H2 1-4.png
Gclef B2 1-4.png

Jeder Musiker, der sowohl englischsprachige als auch deutschsprachige Musikstücke spielt, wird früher oder später über ein Problem stolpern. Die Note, die im Violinschlüssel auf der mittleren Linie steht, wird ohne Vorzeichen einmal "H", und einmal "B" genannt. Wenn ein b davor steht, wird sie einmal "B" und ein anderes mal "Bb" genannt. Gitarristen suchen bei einem neu gekauften Satz Saiten vergeblich nach einer H-Saite. Musikschüler finden bei Notationsprogrammen oder bei Stimmgeräten und auf einigen Instrumenten nicht die Bezeichnung "H"; etc...

Sie müssen erst einmal lernen, dass ein und die selbe Note in verschiedenen Ländern anders bezeichnet wird. Zum Leidwesen der Schüler werden in der populären Musikliteratur ein und der selbe Ton bzw. ein und der selbe Akkord mal als B, und mal als H bezeichnet. Der Schüler ist verwundert, dass er den Ton bzw. Akkord "B" in einem Buch einen halben Ton höher spielen soll, als in einem anderen Buch. Und es kommt gar nicht mal so selten vor, dass man in ein und dem selben Buch mit "B" zwei völlig unterschiedliche Töne bzw. Akkorde meint.

Das "B" in England[Bearbeiten]

Im englischsprachigen Raum (und noch einigen anderen Ländern) wird unser deutsches "H", also die Note auf der mittleren Notenlinie, (ohne Vorzeichen!) "B" genannt.
Daraus ergibt sich für alle englischsprachigen Schüler die leicht zu lernende Buchstabenfolge;

A B C D E F G

Diese Reihenfolge ist zum Lernen der Notennamen sehr einprägsam, so dass man sich fragen muss, wie es dazu kommt, dass man so etwas Einleuchtendes wie das Alphabet in Deutschland einfach durchbricht und daraus ein "H" macht.

Wie man im englischen Sprachraum sehen kann, reichen die 7 Notennamen vollkommen aus, um alle Noten zu bezeichnen. Möchte man höhere Noten oder tiefere Noten haben als die sieben Stammtöne, fängt man einfach wieder mit den gleichen Buchstaben von vorn an. Die Analogie zu den sieben Tagen einer Woche, die ja auch immer wieder von vorne anfangen, kann für das Lernen ganz hilfreich sein.

A B C D E F G A B C D E F G

Exkurs: Weshalb beginnt man die Dur-Tonleiter nicht mit A?[Bearbeiten]

Tja, das weiß man nicht so genau.

Diese Notenfolge entspricht der natürlichen A-Moll-Tonleiter. Man könnte sich folgende Eselsbrücke bauen: Wenn zu der Zeit, als man die Notennamen eingeführt hatte, gerade Lieder in Moll populär gewesen wären (wie es zum Beispiel in slavischen Ländern wie in Polen – wo allerdings das "H" verwendet wird – oder in der Slowakei und Russland (Verwendung des Si von Do Re Mi Fa So La Si Do) durchaus der Fall ist), dann hätte man eine sehr gute Erklärung gehabt, warum das Notensystem mit "A" anfängt. Dass später wieder Melodien in Dur beliebter geworden sind und man hinterher lieber mit der Note "C" gestartet ist, wäre kein Widerspruch zu dieser Eselsbrücke.

A B ( C D E F G A B C) D E F G A

Wie gesagt, es ist eine Eselsbrücke, aber als tatsächlich hat es sich wohl nicht so abgespielt, da zur damaligen Zeit erst acht Kirchentonarten existierten, von denen keine auf dem A als Grundton (damals Finalis genannt) aufbaute. Unsere heutige natürliche A-Moll-Tonleiter (in der Fachsprache "A-äolisch" genannt) und unsere heutige C-Dur-Tonleiter (in der Fachsprache "C-ionisch" genannt) kamen erst viel später auf. Daher merken wir uns, dass diese Idee mit der populären Moll-Tonleiter zwar historisch gesehen so nicht stimmen kann, aber trotzdem ganz nützlich fürs Erlernen der Notennamen ist.

Könnte der Kammerton A der Startton sein?[Bearbeiten]

Man könnte vielleicht vermuten, dass man deshalb mit der Note "A" anfängt, da dieser Ton der Kammerton ist. Zwar ist "A" tatsächlich der Kammerton, aber es lässt sich leider nicht belegen, dass man gerade deswegen mit dem "A" anfängt. Daher lässt sich auch diese These nicht beweisen.

Wie kommt es überhaupt zum Notennamen H?[Bearbeiten]

B.molle.gif
B.durum.gif

Beim Vergleich des Notennamens "H" im deutschsprachigen, skandinavischen und westslawischen Raum mit dem gleich hohen Ton "B" der englischen Tradition muss man die historischen Wurzeln betrachten. Von der Note "B" existierten zu Zeiten Guido von Arezzos (der das Notenliniensystem einführte) zwei Varianten: das rund geschriebene "B-rotundum", das einen Halbton tiefer liegt, und das eckig notierte "B-quadratum". In der englischen Tradition wurde das "B-quadratum" zum "B", während man das "B-rotundum" als "Bb" (gesprochen: "B-flat") bezeichnete.

Im Deutschen (und weiteren Sprachen) hingegen wurde das runde "B-rotundum" zum "B" (♭) , während das eckige "B-quadratum" hier nun als "H" (♮) bezeichnet wird, um es leichter vom "B-rotundum" zu unterscheiden. Die Ursache ist also eher im Buchdruck zu suchen. Bei vielen Druckereien fehlte schlicht die Drucktype des B-quadratum (♮) , und man behalf sich mit dem ähnlich aussehenden H.

Die Legende vom Mönch[Bearbeiten]

Leider bekommt man gelegendlich die Legende von einem Mönch erzählt, der beim Abschreiben von Liedern vergessen hat, beim kleinen "b" unten den Bogen richtig zu schließen, und ein unkundiger Abschreiber dieses als ein "h" interpretiert hat. So etwas mag zwar durchaus mal vorgekommen sein; aber mal ehrlich, hält man die Gelehrten im Mittelalter wirklich für so dumm, dass dieser Fehler jahrhundertelang nicht irgendjemandem aufgefallen wäre?

Mittelalterliche Tonleitern[Bearbeiten]

Wenn man weiter in der Musikgeschichte zurückgeht, wird man feststellen, dass man im frühen Mittelalter tatsächlich nur 8 (!) Stammtöne für die Stimmung von Instrumenten verwendet hat.

A B C D E F G H.

Nur wenige Melodien wurden überhaupt aufgeschrieben. Die notierten mittelalterlichen Melodien waren meist so einfach, das man nicht mehr als sechs Töne für ein Lied brauchte. Es gab nicht so viele Instrumente, die aufeinander gestimmt werden mussten, so dass man nur wenige Tonleitern brauchte die nur mit sechs Tönen ausgekommen sind.

Grob vereinfacht gab es die Tonart C mit den sechs Tönen (genauer der Hexacord C)

C D E F G A

Weiterhin gab es die Tonart F mit den sechs Tönen

F G A B C D

Für die dritte Tonart G benötigte man einen weiteren Ton, der zwischen dem B und dem C liegt.

Da man im Mittelalter noch keine Versetzungszeichen kannte, (da die Melodien so einfach waren) nutzte man einfach den nächsten Buchstaben im Alphabet. Also bekam man für die G-Tonart die sechs Töne

G A H C D E.

Musik der Neuzeit[Bearbeiten]

Später, als die Musik immer komplexer wurde, reichten die 8 Töne nicht mehr aus. Man brauchte noch mehr Zwischentöne. Also führte man die Versetzungszeichen (bund #) ein. Es ist offensichtlich, dass sich das b analog zum mittelalterlichen "B-rotundum" entwickelte, und das # aus dem eckigen "B-quadratum".

Allerspätestens seit dem wohltemperierten Klavier zu Zeiten Johann Sebastian Bachs war die Notwendigkeit des Notennamen H überflüssig geworden.

Die harmonischen Möglichkeiten und Fähigkeiten in der heutige Musikpraxis haben sich durch die gleichstufige Stimmung so erweitert, dass die geschichtliche Herleitung der beiden Notennamen H und B praktisch keine Rolle mehr spielt.

Dennoch wird man als deutschsprachiger Musiker immer beide Bezeichnungen vorfinden. Da sich viele Musiker (entgegen aller Systematik und Logik) der Tradition verpflichtet fühlen, und sich keine "Rechtschreibreform" in der Musik abzeichnet, muss man beide Varianten kennen und können.

Wie dem auch sei, im deutschsprachigen Raum lauten die Namen der sieben Stammtöne

C D E F G A H

Der Notenname "B" taucht im deutschen bei so genannten B-Tonarten (wie in der Tonart F-Dur) auf (siehe Vorzeichen).

F G A Bb C D E F

Wegen der Popularität englischsprachiger Lieder muss man leider mit beiden Bezeichnungen rechnen, und daher beide Bezeichnungen lernen. Als Faustformal kann man sich zwar merken, dass englische Lieder meist das "B" verwenden, und die deutschen Lieder das "H". Unser deutsches "B" wird im englischen "Bb" bezeichnet. Ausgesprochen wird es "B-flat". Würde man sich in Deutschland, Norwegen, Finnland, Polen, Tschechien und weiteren Ländern einmal für das B anstelle des H entscheiden, so würde man das Bb analog zu den anderen Tönen mit "b" als Vorzeichen als "Bes" bezeichnen. In den Niederlanden ist dieses längst Praxis.

semi-deutsche Notation[Bearbeiten]

Ein Musiker hat bei der Bezeichnung "B" immer das Problem, dass er nicht genau weiß, um welchen Ton es sich eigentlich handelt. Gerade bei englischen Liedern findet man gerade bei Akkordbezeichnungen immer wieder B oder B7 anstelle von H und H7.

In der populären Musikliteratur gibt es keinen einheitlichen Standard. Es kommt sogar vor, dass die Bezeichnung in einem einzigen Buch uneinheitlich ist.

Um eine Verwechslung zwischen dem englischen "B" und dem deutschen "B" zu vermeiden, hat sich in der deutschsprachigen populären Musikliteratur bei einigen Liederbüchern die "semi-deutsche Notation" eingebürgert. Über den Sinn und Unsinn einer solchen Notation lässt sich streiten, zeigt aber das Problem auf, wenn mehrsprachige Texte mit Akkorden nebeneinander in einem Buch auftauchen, und mal die englische, mal die deutsche Notation verwendet wird. Um eine Verwechslung auszuschließen, wird gelegentlich H und Bb kombiniert. Mit H ist dann immer das deutsche H gemeint, mit Bb ist immer das englische bzw. der Halbton unter dem H gemeint. Damit sind Verwechslungen beim Ton "B" praktisch ausgeschlossen.

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