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Dimension eines Vektorraums – „Mathe für Nicht-Freaks“

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Wir definieren in diesem Artikel die Dimension eines Vektorraums und zeigen einige elementare Eigenschaften wie die Dimensionsformel.

Motivation

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Wir versuchen, in diesem Artikel den Begriff einer Dimension eines Vektorraums zu definieren. Dabei wäre es schön, wenn wir gängige Beispiele für Vektorräume wie 3 finden können, welche "offensichtliche Dimension" haben. Im Fall von 3 wäre das dim(3)=3. Dabei fällt uns auf, dass dieser Vektorraum eine Basis mit 3 Elementen besitzt, zum Beispiel die Standardbasis B3={e1,e2,e3}.

Analog wollen wir, dass für einen beliebigen Körper K der Vektorraum Kn die Dimension dimK(Kn)=n hat. Auch hier finden wir mit der Standardbasis Bn={e1,...,en} eine Basis mit genau n Vektoren.

Das legt nahe, die Dimension eines Vektorraums V als die Anzahl der Vektoren einer Basis von V zu definieren. Nun ist zunächst aber nicht klar, dass jede Basis die gleiche Mächtigkeit besitzt. Das werden wir beweisen müssen.

Definition der Dimension

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Definition (Dimension eines Vektorraums)

Sei V ein K-Vektorraum und sei B eine Basis von V. Wenn B endlich ist, definieren wir die Dimension von V durch dimK(V):=dim(V):=|B|. (Wir verzichten meist auf die Angabe des Grundkörpers, falls dies aus dem Kontext ersichtlich ist.) Außerdem sagen wir, dass V endlich dimensional ist. Wenn B stattdessen unendlich ist, sagen wir, dass V unendlich-dimensional ist und schreiben dim(V)=.

Aus dieser Definition wird nicht klar, dass die Dimension unabhängig von der Wahl der Basis unseres Vektorraums ist. Es könnte zum Beispiel passieren, dass ein Vektorraum verschiedenen Basen mit unterschiedlich vielen Elementen besitzt. Dass dies nicht geschehen kann, wird nun im nächsten Satz bewiesen:

Satz (Wohldefiniertheit der Dimension)

Seien V ein K-Vektorraum und B,B zwei Basen von V. Ist B endlich, so ist auch B endlich und es gilt |B|=|B|.

Beweis (Eindeutigkeit der Dimension)

Sei B endlich. Angenommen B ist unendlich. Dann können wir eine |B|+1-elementige Teilmenge W von B wählen. W ist dadurch, als Teilmenge der linear unabhängigen Menge B, ebenfalls linear unabhängig. Das widerspricht wegen |B|<|W| dem Austauschssatz von Steinitz. Also ist B endlich. Es bleibt die Gleichheit der Mächtigkeiten zu zeigen. Da B linear unabhängig und B eine Basis von V ist, folgt aus dem Austauschsatz von Steinitz |B||B|. Andersrum folgt genauso |B||B|. Damit ist alles gezeigt.

Beispiele zur Dimension

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Dimension von Kn

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Beispiel

In diesem Beispiel wollen wir die Dimension von Kn bestimmen. Eine mögliche Basis wäre die Standardbasis:

B={(1,0,,0)Tn-Komponenten,(0,1,,0)Tn-Komponenten,,(0,0,,1)Tn-Komponenten}

Diese ist endlich und es gilt |B|=n. Wir erhalten dimK(Kn)=n.

Dimension des Polynomraums

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Beispiel

Der Polynomraum K[x] über einem Körper K ist definiert als

K[x]:={i=0naixi|n,aiKi{0,,n}},

mit koeffizientenweiser Addition und Skalarmultiplikation. Hieraus sieht man, dass {xn|n} ein Erzeugendensystem des K[x] ist. Da die Vektorraumverknüpfungen koeffizientenweise operieren, ist dieses zudem linear unabhängig. Aus |{xn|n}|= folgt schließlich dimK(K[x])=.

Dimension von als -Vektorraum

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Beispiel

Wir wollen die Dimension der komplexen Zahlen, als -Vektorraum aufgefasst, bestimmen. Jede komplexe Zahl z lässt sich in eindeutiger Weise als z=a+bi, mit a,b, schreiben. Hieraus sieht man, dass {1,i} eine Basis von über ist. Es folgt dim()=2.

Dimension des Nullraums

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Beispiel

Für jeden Körper K ist {0} ein Vektorraum. Dieser wird der Nullraum genannt. Um seine Dimension zu bestimmen, müssen wir eine Basis finden. Wie wir bereits im Artikel zum Nullraum gesehen haben, wird der Nullraum von der leeren Menge erzeugt. Außerdem ist per Definiton linear unabhängig und daher eine Basis des Nullraums. Damit haben wir dimK({0})=||=0.

Eigenschaften der Dimension

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Wir wollen nun einige Eigenschaften des Dimensionsbegriffes beweisen:

Satz

Seien V ein endlich-dimensionaler K-Vektorraum und UV ein Unterraum. Dann gelten:

  1. dim(U)dim(V).
  2. Ist dim(U)=dim(V), so folgt U=V.

Beweis

Sei BU eine Basis von U. Dann ist BU eine linear unabhängige Teilmenge von V. Nach dem Basisergänzungssatz existiert daher eine Basis BV von V, mit BUBV. Daraus folgt direkt |BU||BV|, also dim(U)dim(V). Ist jetzt zusätzlich dim(U)=dim(V) vorausgesetzt, so gilt |BU|=|BV|. Da BV endlich ist, erhalten wir BU=BV. Schließlich folgern wir U=span(BU)=span(BV)=V.

Um zu zeigen, dass es wichtig ist, V als endlich-dimensional vorauszusetzen, betrachten wir ein Beispiel eines unendlich-dimensionalen Vektorraumes, der einen echten unendlich-dimensionalen Unterraum besitzt:

Beispiel

Sei V=K[x] der Polynomraum über einem Körper K und U:={i=1naixi|n,aiKi{0,,n}} der Unterraum der Polynome ohne konstantem Term. Man kann (wie oben) leicht zeigen, dass B={xi|i>0} eine Basis von U ist. Damit sehen wir dim(U)==dim(V). Aber UV, da das konstante Polynom 1VU ist.

Dimensionsformel

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Beweis der Dimensionsformel

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Die folgende Dimensionsformel gibt an, wie sich die Dimension der Summe zweier endlich dimensionaler Untervektorräume U,WV eines K-Vektorraums V berechnen lässt.

Satz (Dimensionsformel)

Sei V ein K-Vektorraum und seien U,WV endlich-dimensionale Unterräume. Dann gilt:

dim(U+W)=dim(U)+dim(W)dim(UW)

Beweis (Dimensionsformel)

Da U,V endlich dimensional sind, sind auch U+V,UV endlich dimensional. Setze n:=dim(UW). Dann ist dim(U),dim(W)n. Seien also k,m, sodass dim(U)=n+k, und dim(W)=n+m. Sei zudem {b1,,bn} eine Basis von UW. Da UW Teilraum von U und von W ist, existieren nach dem Basisergänzungssatz Vektoren u1,,ukU und Vektoren w1,,wmW , derart dass {b1,,bn,u1,,uk} eine Basis von U und {b1,,bn,w1,wm} eine Basis von W ist.

Wir zeigen nun, dass B:={b1,,bn,u1,uk,w1,wm} eine Basis von U+W ist.

Beweisschritt: Als erstes zeigen wir, dass B ein Erzeugendensystem ist.

Dazu zeigen wir, dass ein beliebiger Vektor aU+W sich als Linearkombination von Elementen aus B darstellen lässt.

Sei also aU+W , damit gibt es ein uU,wW mit a=u+w. Da u eine Linearkombination der Basis {b1,,bn,u1,,uk} von U ist, also

u=i=1nλibi+j=1kμjuj für geeignete λi,μjK

und v eine Linearkombination der Basis {b1,,bn,w1,,wm} von W, also

w=i=1nρibi+j=1mσjwj für ρi,σjK

gilt, folgt daraus

a=i=1n(λi+ρi)bi+j=1kμjuj+l=1mσlwl.

Damit ist a Linearkombination von {b1,,bn,u1,,uk,w1,,wm} und B ein Erzeugendensystem von U+W.

Beweisschritt: Nun zeigen wir die lineare Unabhängigkeit von B.

Seien dazu λi,μj,ρlK, mit

i=1nλibi+j=1kμjuj+l=1mρlwl=0

Wir müssen λi=μj=ρl=0 für alle i,j,k zeigen. Setze dafür v=i=1nλibi+j=1kμjuj. Dann gilt vU und wegen obiger Voraussetzung

v=l=1mρlwl.

Damit ist auch vW , also vUW .

Damit lässt sich v als Linearkombination der Basis {b1,,bn} von UW darstellen und es existieren σ1,,σnK , derart dass

v=i=1nσibi.

Nun gilt weiter

0=vv=i=1n(λiσi)bi+j=1kμjuj.

Weil {b1,,bn,u1,,uk} eine Basis von U, also linear unabhängig ist, folgt

λ1=σ1,,λn=σn und μ1==μk=0.

Daher ist

i=1nλibi+l=1mρlvl=0.

Da {b1,,bn,w1,,wm} eine Basis von W ist und die Vektoren damit linear unabhängig sind, gilt

λ1==λn=0 und ρ1==ρm=0.

Damit sind alle Koeffizienten Null und die Vektoren {b1,,bn,u1,,uk,w1,,wm} sind linear unabhängig. B ist somit tatsächlich eine Basis.

Es gilt nun

  • dim(U+W)=|B|=n+k+m
  • dim(UW)=n
  • dim(U)=n+k
  • dim(W)=n+m

also ist:

dim(U+W)=n+k+m=(n+k)+(n+m)n=dim(U)+dim(V)dim(UW).

Das zeigt die Behauptung.

Als nächstes betrachten wir eine Folgerung aus der Dimensionsformel, die eine Aussage über die Summe von Untervektorräumen trifft. Anschaulich besagt diese, dass das Komplement eines Unterraums in Bezug auf die Dimension den fehlenden "Rest" darstellt.

Satz

Sei V ein endlich-dimensionaler K-Vektorraum und seien U,WV Unterräume, mit UW=V. Dann gilt:

dim(V)=dim(U)+dim(W)

Beweis

Zunächst sind wegen U,WV beide Unterräume endlich-dimensional. Mit der Dimensionsformel folgern wir

dim(V)=dim(U+W)=dim(U)+dim(W)dim(UW)=dim(U)+dim(W)dim({0}).

Wie im oberen Beispiel gezeigt, gilt dim({0})=0 und wir erhalten:

dim(V)=dim(U)+dim(W)

Übungsaufgaben zur Dimensionsformel

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Aufgabe (Dimensionsformel)

Sei V ein K-Vektorraum und seien U,WV Untervektorräume von V. Weiter gelte dim(U)=3, dim(W)=5, dim(V)=7. Welche Dimension können UW und U+W haben?

Wie kommt man auf den Beweis? (Dimensionsformel)

Schätze dim(UW) nach oben ab und wende die Dimensionsformel an.

Lösung (Dimensionsformel)

Es gilt die Dimensionsformel

dim(U+W)=dim(U)+dim(W)dim(UW)

Weiterhin gilt dim(UW)dim(U)=3, da UW Untervektorraum von U ist. Es folgt

dim(U+W)=dim(U)+dim(W)dim(UW)=8dim(UW)83=5

Da U+WV gilt, erhalten wir außerdem dim(U+W)7, beide Ergebnisse zusammen ergeben also:

dim(U+W){5,6,7}

Aus der Dimensionsformel schließen wir nun

dim(UW)=dim(U)+dim(W)dim(U+W)=3+5dim(U+W){1,2,3}

Insgesamt erhalten wir:

dim(UW){1,2,3}unddim(U+W){5,6,7}.

Aufgabe (Dimensionsformel)

Betrachte den -Vektorraum V:=4 sowie die Unterräume U:=span({(2,1,0,0)T,(1,1,0,0)T}), W:=span({(1,0,1,0)T,(0,1,0,1)T}). Zeige, dass V=UW gilt.

Lösung (Dimensionsformel)

Wir zeigen zunächst UW={0}. Sei dafür vUW, dann gibt es α,β,λ,μ mit

v=(2α+βαβ00)=(λμλμ).

Daraus folgt λ=μ=0 und damit v=0. Also gilt UW={0}.

Aus der Dimensionsformel folgt nun

dim(U+W)=dim(U)+dim(W)dim(UW)=2+20=4=dim(V).

Mit dem obigen Satz über Eigenschaften der Dimension folgt daraus V=U+W. Zusammen ergibt sich V=UW.