Soziologische Klassiker/ Brain Drain
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Grundstruktur des Kapitels:
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Prolog
[Bearbeiten] Definition Braindrain
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- Beide angloamerikanische Begriffe würden wörtlich in etwa "Abfluss von Gehirn" bedeuten. [1] Im Allgemeinen wird Braindrain mit Abwanderung von Wissenschaftlern übersetzt . Diese Definition wird dahingehend erweitert, dass es sich bei diesen Personen um Auswanderer handelt, die besonders gut ausgebildet oder begabt sind. Im Gegensatz dazu beschreibt der Braingain u.a. den Gewinn [2] jener Länder, die diese Auswanderer aufnehmen.
- Der Begriff Braindrain wurde erstmals 1960 [3] im Zusammenhang mit der Auswanderung britischer hochqualifizierter Facharbeiter sowie Wissenschaftler in die USA im Zuge einer Studie verwendet. Diese Studie diente zur Aufdeckung von Schwächen im britischen Wissenschaftssystem und um eine entsprechende Förderung zu bewirken.
- Die Abwanderung erfolgt in diesem Kontext i.d.R. vom Heimatland der Betroffenen in einen neuen Kulturraum. Das erworbene Wissen aus dem Ursprungsland ist somit im eigenen Kulturraum nicht mehr verfügbar und wird im neuen Kulturraum eingebracht.
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- Meist bestehen mehrere Gründe für eine derartige Abwanderung. Zum einen müssen die Bedingungen für die betroffenen Personen im Heimatland bedrohlich oder aussichtslos sein, um als Motive zur Abwanderung zu dienen. Zum anderen müssen seitens der Emigranten die verfügbaren Mittel zur Verfügung stehen, um in ein anderes Land auswandern zu können. Wie wir noch weiter sehen werden, wird dieser Umstand von Ländern, die Auswanderer aufnehmen mit Anreizregelungen wie Stipendien gefördert.
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- Ein weiteres Problem stellte sich den Auswanderern dann oftmals im neuen Kulturraum. Dieser ist meist durch eine fremde Sprache und Sozialstruktur gekennzeichnet auf die sich der Immigrant einstellen muss. Viele Wissenschaftler in der jüngeren Geschichte der Soziologie verzichteten auf diesen Schritt[4] in der Angst, ihre spezifischen Gedankengänge nicht im entsprechenden Maße zu Papier bringen zu können, aufgrund der Sprachbarriere [5] . Auch dies zeigt, dass der Braindrain meist nicht freiwillig erfolgt ist.
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- Oftmals gehen technische und wirtschaftliche Hochkonjunkturen auf Einwanderungswellen, also dem Braigain zurück. Im Umkehrschluss zeigen sich viele Niedergänge in den Ländern in denen abgewandert wurde, aufgrund der Emigration der talentiertesten Köpfe vertriebener Minderheiten oder Ethnien. Man könnte dies als Wettbewerb der klügsten Köpfe bezeichnen, bei dem jedoch die Länder, die nicht über die nötigen Anreizregelungen verfügen das Nachsehen haben [6].
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- Neueren Ansätzen zur folge, ist der Braindrain kein angeschlossener Prozess, sondern unterliegt immer öfter Pendelbewegungen. So erfolgt die Migration dieser Eliten zyklisch in einer Hin – und Herbewegung. Es kommt vor, dass die Auswanderer wieder in Ihre Heimat zurückkehren und das im Ausland erworbene Wissen, sowie deren Netzwerke zur Verfügung stellen und somit zu einer Entwicklung beitragen. Diese Bewegung wird auch |Braincirculation bezeichnet [7].
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- Richard Florida spricht in neueren Arbeiten von der kreativen Klasse, die durch ihren kreativen Output ein wichtiger Faktor des Wirtschaftswachstums einer bestimmten Region ist. Diese kreative Klasse zeichnet sich durch überdurchschnittliche Mobilität aus. Daher sind viele dieser Eliten in attraktiven Ballungsräumen zu finden. Diese Konzentration der kreativen Köpfe geht oftmals mit einer Steigerung des Wohlstandes und Wachstums einher. Ein Beispiel ist hier sicherlich die USA insbesondere New York, Silicon Valley oder Los Angeles [8]
[Bearbeiten] Braindrain Theory Map of Sociology: Themeneingrenzung
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- Wie wir bei den Hintergründen zum Braindrain in die USA einleitend gesehen haben, unterliegt der Braindrain in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg einer Reihe von Voraussetzungen und strukturellen Erfordernissen. Ohne das philanthropische Verhalten beispielsweise der amerikanischen Industriellen hätte es wohl dennoch Immigration in die USA gegeben, jedoch nicht die große Unterstützung talentierter Wissenschaftler. Des Weiteren waren die neuen technischen Hilfsmittel wie z.B. das Telefon, Vorraussetzung für den regen Austausch der Wissenschaftler zwischen den USA und Europa. Dies hätte jedoch nicht Früchte tragen können, wenn René Worms die europäischen Soziologen nicht zumindest teilweise vereint hätte, um so auch zentralisierten Austausch zu ermöglichen.
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- Ziel dieser Theory Map ist es einen Überblick zu geben, welche aufstrebenden Soziologen aus Österreich und Deutschland abgewandert sind. Hier wird auch Bezug genommen, welche Gründe die Abwanderung hatte. Des Weiteren wollen wir untersuchen, welches soziologische Fundament diese Wissenschaftler in die Exilländer mitgebracht haben und wie es sich dort weiterentwickelte.
- Dieses Wissen, gebündelt in soziologische Theorien, soll sowohl in ihren Ursprüngen als auch auf etwaige Pendelwirkungen (Braincircualtion) hin analysiert werden. Dies schließt auch die Untersuchung mit ein, was diese Theorien bewirkt haben und welche Beeinflussungen draus entstanden sind.
- Konkret werden fünf soziologische Theorien und deren Urheber beleuchtet, die in unmittelbaren Zusammenhang mit dem Braindrain vor dem zweiten Weltkrieg in Zusammenhang stehen.
[Bearbeiten] Visualisierung des Braindrain
[Bearbeiten] Globale Bewegung spezifischer Theorien
Einen übersichtlichen visuellen Zugang zu den Theorien und deren Hauptprotagonisten bietet die folgende Theory Map:
[Bearbeiten] Bewegung spezifischer SoziologenInnen
[Bearbeiten] Tabellarische Übersicht:
| Name | Geburtsort | Geburtsdatum | Auswanderungsland 1 | Auswanderungsland 2 | Rückkehr | Sterbedatum | Ort des Todes |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Adorno, Theodor W. | Frankfurt am Main (GER) | 11.09.1903 | 1934 England | 1938 USA | 1949 | 06.08.1969 | Visp (CH) |
| Arendt, Hannah | Linden / Hannover (GER) | 14.10.1906 | 1933 Frankreich | 1941 USA | 04.12.1975 | New York (USA) | |
| Baumann, Zygmunt | Posen (PL) | 19.11.1925 | 1938 Sowietunion | ||||
| Berger, Peter | Wien (AUT) | 17.03.1929 | 1946 USA | ||||
| Blau, Peter M. | Wien (AUT) | 07.02.1918 | 1939 USA | 12.03.2002 | New York (USA) | ||
| Coser, A. Lewis | Berlin (GER) | 27.11.1913 | 1941 USA | 08.06.2003 | Cambridge (USA) | ||
| Eisenstadt, Smuel Noah | Warschau (PL) | 10.09.1923 | 1958 USA | 1959 Isreal | |||
| Erikson, Erik H. | Frankfurt am Main (GER) | 15.06.1902 | 1933 USA | 12.05.1994 | Harwich (USA) | ||
| Etzioni, Amitai | Köln (GER) | 04.01.1929 | 1936 Palästina | 1957 USA | |||
| Elias, Norbert | Breslau (PL) | 22.06.1897 | 1933 Frankreich | 1935 England | 01.08.1990 | Amsterdam (NL) | |
| Geiger, Theodor | München (GER) | 09.11.1891 | 1933 Schweden | ||||
| Gorz, Andrè | Wien (AUT) | ??.02.1923 | 1938 Schweiz | 1949 Frankreich | 22.09.2007 | Vosnon (FRA) | |
| Horkheimer, Max | Zuffenhausen (GER) | 14.02.1885 | 1934 USA | 1949 | 07.07.1973 | Nürnberg (GER) | |
| Joas, Hans | München (GER) | 1948 | 1994 USA | ||||
| Luckmann, Thomas | Jesenice (SI) | 14.10.1927 | |||||
| Lazarsfeld, Paul Felix | Wien (AUT) | 13.02.1901 | 1933 USA | 30.08.1976 | New York (USA) | ||
| Marcuse, Herbert | Pommern (GER) | 19.07.1898 | 1933 Schweiz | 1934 USA | 29.07.1979 | Starnberg (GER) | |
| Mises, Ludwig von | Lemberg (damals AUT) | 29.09.1881 | 1934 Schweiz | 1940 USA | 10.10.1973 | New York (USA) | |
| Pollock, Friedrich | Freiburg im Breisgau (GER) | 22.05.1894 | 1934 USA | 1950 | 16.12.1970 | Montagnola (CH) | |
| Oppenheimer, Franz | Berlin (GER) | 30.03.1864 | 1938 Japan | 1940 USA | 30.09.1943 | Los Angeles (USA) | |
| Schütz, Alfred | Wien (AUT) | 13.04.1899 | 1938 Frankreich | 1939 USA | 20.05.1959 | New York (USA) | |
| Sherif, Muzafer | Izmir (TK) | 29.07.1906 | 1935 USA | 1939 USA | 16.10.1988 | Alaska | |
| Strauss, Claude Levi | Brüssel (BE) | 28.11.1908 | 1941 USA | 1947 Frankreich | |||
| von Wiese, Leopold | Glatz (PL) | 02.12.1876 | 1934 USA | 1935 Deutschland | 11.01.1969 | Köln (GER) | |
| Wolff, Kurt H. | Darmstadt (GER) | 20.05.1912 | 1933 Italien | 1939 USA | 2003 | Ohio (USA) | |
| Znaniecki, Florian | Świetniki (PL) | 15.01.1882 | 1939 USA | 23.03.1958 | USA |
Diese Tabelle beinhaltet eine Auswahl emigrierter SoziologenInnen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
[Bearbeiten] Grafische Darstellung der Bewegung spezifischer SoziologInnen:
Wiederum eine Auswahl aus dieser Tabelle wurde mit Hilfe einer Google Map dargestellt, die unten noch einmal schematisch dargestellt und verlinkt ist:
Mit der verlinkten Google Map sollen die geografischen Bewegungen einzelner SoziolgenInnen und deren wichtigste Daten sowie Aufenthaltsorte auf einer Landkarte veranschaulicht werden. Tabelle und Grafik veranschaulichen, dass die Vereinigten Staaten in den meisten Fällen das Ziel und auch die Endstation der Emigrationsbewegungen waren. Dies ist mit Sicherheit auf die spezifischen Bedingungen, welche die USA der wissenschafltichen Sphäre zu bieten im Stande waren, zurückzuführen.
[Bearbeiten] Spezielle Theorien im Zuge des Braindrain
Strukturerklärung der anschließenden spezifischen Theorien
- Anfang und Genese
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- Hier wird Bezug genommen auf die Ursprünge der relevanten soziologischen Theorien, deren Entstehungsgschichte und ihrer Umwelt. Des Weiteren werden biografische Daten der wichtigsten Vertreter in ihren Heimatländern aufgezeigt und auf Entwicklungen eingegangen. Z.B. welche Schulen die Theorienentwickler besucht haben oder von wem sie beeinflusst wurden.
- Emigration und Exil
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- In diesem Punkt werden die näheren Umstände der Emigration fokussiert. Z.B. ob es Zwischenstationen gegeben hat und ob diese die Soziologen beeinflusst haben.
- Theoretisches Wirken im neuen Umfeld
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- Sehr wichtig bei unserer hermeneutischen Herangehensweise ist festzustellen, in wieweit sich das mitgebrachte Wissen im neuen Umfeld integriert. Wird es offen angenommen? Gab es Widerstände und synthetische Prozesse? Wurden neue Schulen gegründet? Usw.
- Wirkungsgeschichte der Theorie – Rückkehr nach Europa
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- Zahlreiche Soziologen kamen nach dem Naziregime wieder nach Österreich und Deutschland zurück, viele blieben in ihrer neuen Heimat. Hier interessiert uns, wie das erweiterte und durch die Emigration veränderte theoretische Wissen angenommen wird. Gab es Widerstände? Konnte der relevante Soziologe Fuß fassen in der neuen/alten Umgebung? Wie veränderte dies seine wissenschaftliche Karriere? usw.
- Vertreter
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- Hier werden die relevanten Vertreter der vorgestellten Theorie aufgezählt.
[Bearbeiten] Theorien
Mit diesen Links geht es weiter zu den einzelnen Theorien:
[Bearbeiten] Kritische Theorie
[Bearbeiten] Prozess der Zivilisation
[Bearbeiten] Lebenswelt und soziale Konstruktion der Wirklichkeit
[Bearbeiten] Sozialforschung, Sozialstruktur, Organisation
[Bearbeiten] Konfliktfunktionalismus
[Bearbeiten] Epilog und Rezeption
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- Hier werden Parallelen und innovative Erkenntnisse der bearbeiteten Theorien herausgearbeitet und dokumentiert.
- Resümee zu den Anfängen der nordamerikanischen Soziologie
Am 3. Februar 1890 wurde um 17:00 Uhr im „Department of Sociology“ an der „University of Kansas“ von Frank Wilson Blackmar zum ersten Mal eine Vorlesung zum Thema „Elements of Sociology“ gehalten. Blackmar war Professor für Soziologie und Geschichte. Tatsächlich gab es bereits viele Soziologen schon vor dem Ersten Weltkrieg und seit der Jahrhundertwende war die Soziologie in den USA fester Bestandteil des geregelten Unterrichts.
Ein wesentlicher Unterschied zur Soziologie in Europa lag jedoch darin, dass die Soziologie in Nordamerika bis in die 1920er Jahre als „Social Gospel“ verstanden wurde, einer Mischung aus christlicher Gesinnung, Wissenschaft und Weltverbesserung, mit dem Anspruch durch Auswertung und Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse Lösungen zu erarbeiten. So mancher Soziologe war ein baptistischer Pfarrer wie Charles R. Henderson oder Albion W. Small. Die Notwendigkeit entstand vordergründig aus den spezifischen „Hot Spots“ jener Zeit, wie es sie beispielsweise in Chicago gab und durch Robert E. Park in seinem Buch „The City“ beschrieben wurden. Beispiele sind dafür Immigration und Masseneinwanderung aus allen Teilen der Welt, vorzüglich jedoch aus Europa, das rasche Wachstum der Städte und vor allem auch die Rassenproblematik. Ein entscheidendes Problem war auch die nicht vorhandene sozialpolitische Absicherung. Es fehlte an jeglicher Sozial- und Krankenversicherung, Wohlfahrtspflege und Krankenvorsorge. An dieser und ähnlicher Problematik versuchte die nordamerikanische Soziologie der damaligen Zeit durch wissenschaftliche Kenntnisse Herr zu werden.
Theoretisch wurde sie hierbei entscheidend durch die europäische Soziologie beeinflusst. Sei es durch Herbert Spencer, Ferdinand Tönnies oder Max Weber. Ein besonderes Augenmerk lag auf Georg Simmel, der durch seine Konfliktsoziologie die Chicagoer Schule maßgeblich beeinflusste. Die Verwissenschaftlichung der nordamerikanischen - bis dahin als teilweise „unredlich“ titulierten Soziologie - begann initial mit Robert E. Park. Sie orientierte sich auch stark an der europäischen Wissenschaft, wo Forschung einen hohen Stellenwert hatte und das empirisch gehaltene „Social Gospel“ wurde mehr und mehr durch theoretisch abgesicherte Begriffe ersetzt und führte so zu einer typisch nordamerikanischen Stadtsoziologie und Sozialökologie, die in einer empirischen Orientierung begründet lag. Obwohl die nordamerikanische Soziologie fortan abstrakter wurde, wurde ihr Fokus auf soziale Problemfelder und reale Tätigkeiten beibehalten. Dieser Aufschwung hielt bis in die Mitte der 1930er Jahre, wandelte sich dann der Schwerpunkt von Chicago an die Universität von Harvard, denn dort begann der Augstieg des seit dort 1931 unterrichtenden Talcott Parsons (1902 – 1979), dessen Theorien die soziologischen Debatten bis in die 1960er Jahre dominierten.
- Synchrone und divergierende Verläufe der Frankfurter Schule und der Wiener Empirie
Bei der Beschäftigung mit der Kritischen Theorie der Frankfurter sowie der Wiener Empirie sind weniger die inhaltlichen Parallelitäten als vielmehr die äußeren Umstände als auffällig zu sehen. Und der Beobachter fragt sich schließlich, warum es hier nicht zu einer Synthese kommen konnte, da sie beide nach New York emigriert sind und noch andere Parallelitäten aufweisen.
Dafür sollen zunächst die Parallelitäten aufgezeigt werden. Noch in Europa gab es bereits einen wissenschaftlichen Austausch zwischen Lazarsfeld und der Frankfurter Schule. Und auch in den USA ergab sich eine Zusammenarbeit, da Adorno in die USA folgte und Arbeit suchte. Deswegen erhielt er von Lazarsfeld die Leitung der Music Study in seinem Forschungsprogramm, da Horkheimer ihn unterstützte. Lazarsfeld und auch die meisten Vertreter der Frankfurter Schule haben jüdische Wurzeln und allesamt sind sie in die USA nach New York emigriert. Ihre politische Richtung war gleichermaßen linksorientiert und vom Marxismus geprägt.
Jedoch, und das sind nun die gravierenden Unterschiede, kam Lazarsfeld aus dem Kleinbürgertum, während die Frankfurter aus dem Großbürgertum stammten. Dadurch war eine unterschiedliche soziale Herkunft gegeben. Horkheimer sorgte stets dafür, dass sein Institut in New York dem intellektuellen Ansprach entsprach und sah sich in der Tradition der deutschen Aufklärung. Neben der philosophischen Tradition sahen sie auch ihren Aufenthalt in den USA als vorübergehend an. Sie lehnten die Erstellung ihrer Werke in englischer Sprache ab und wollten sich nicht integrieren. So empfanden sie sich als Europäer, weshalb sie auch als arrogant galten. Anders Lazarsfeld, der günstige Bedingungen in den USA sah und sich anpasste. Er schrieb seine dortigen Werke in englischer Sprache. Auch wenn beide eine linkspolitische Einstellung hatten, so gestaltete sich ihre politische Arbeit gänzlich unterschiedlich. Lazarsfeld betätigte sich aktiv in der Sozialdemokratie und legte diese Tätigkeit allerdings in den USA nieder. Die Frankfurter waren Linksintellektuelle, die kaum auf Erfahrungen aktiver politischer Betätigung zurückgreifen können. Sie behalten in den USA diese intellektuelle Ansicht bei. Da sich beide Richtungen in verschiedener Weise der Realität annäherte, kam es unweigerlich auch zu methodischen Konflikten. Diese zeigten sich in der Zusammenarbeit von Adorno und Lazarsfeld. Dabei warf Lazarsfeld Adorno vor, dass dieser seine Theorie nicht anhand der Empirie überprüfen lassen wolle. Er forderte Evidenzen für dessen Theorie. Adorno hingegen lehnte die Kommerzialisierung der Forschung, wie sie in der Marktforschung geschah, entschieden ab. Er sah in dieser Forschung nur eine Datensammlung, aber nicht die Erklärung von sozialen Phänomenen. Zudem fühlte er sich beleidigt, dass seine Theorie zur reinen Spekualation werde, die sich mit der Empirie erst bestätigen müsse.
Das Ergebnis dieser Kontroverse war schließlich, dass es zu keiner weiteren Zusammenarbeit kam und die Spannung aufrecht blieb. Es zeigt sich, dass trotz ähnlicher Emigrationsverläufe noch andere Faktoren in der Forschung mitspielen. Zudem ist auch die soziale Herkunft von Bedeutung. Interessant ist, dass dieser Konflikt eigentlich kennzeichnend für die Soziologie der Nachkriegszeit war. Auf der einen Seite stand die empirische Richtung, die sich politisch anpasste und nicht auffallen wollte, vorwiegend Daten sammelte und sich auf die Statistik konzentrierte. Die andere Richtung war die Sozialkritik, die sich nicht um die Konfrontation mit der Wirklichkeit kümmerte. Während Adorno noch in der Tradition der europäischen Gebildeten stand, zählte Lazarsfeld zu den Forschungstechniker, die erstere allmählich ersetzen.
- Resümee zum Ansatz "Lebenswelt und soziale Konstruktion der Wirklichkeit"
Der wohl interessanteste Aspekt an der Entstehung und Wanderung dieses theoretischen Ansatzes ist die Verflochtenheit der Lebensumstände der relevanten Akteure mit ihrer Auffassung von den sozialen Strukturen der Wirklichkeit und wie eine Theorie, die diese zwar manifesten aber veränderlichen Strukturen beschreibt, ausgerichtet sein müsse. Die wichtigsten Vertreter wie Schütz, Berger, Luckmann haben alle bereits in ihrer Herkunftsnation, fundamentale Umgestaltungen der gesellschaftlichen Strukturen durch politische und militärische Umwälzungen erfahren müssen. Ihre Emigration nach Amerika bestätigt diese Erfahrungen und zeigt den Akteuren erneut auf, wie das gesellschaftliche Gefüge aus veränderlichen Faktoren der Reziprozität von Perspektiven und Relevanzen, der Erwartungssicherheit und aus aufgeschichteten Wissens- und Erfahrungssphären in unterschiedlichen Gegebenheiten von Zeitlichkeit und Räumlichkeit besteht. Das Leben in einer „stabilen“ oder vielleicht „konservativen“ Gesellschaft, in der Institutionen manifest und unabänderlich sind, in der tradiertes Wissen etabliert und wenig Bewegung im Sinne von strukturellen Veränderungen (Erneuerungen) gegeben ist, ein derartiges Umfeld würde die Sicht auf eine soziale Konstruktion der Wiklichkeit hinter der vermeintlichen Stabilität und (Erwartungs-)Sicherheit verbergen.
Das Verhältnis zu anderen soziologischen Theorien ist im Falle der sozialen Konstruktion der Wirklichkeit ein durchaus verbindendes. Bereits der Briefwechsel zwischen Schütz und Parsons zeigt, dass Schütz nicht der Auffassung war sich in einem Widerspruch zum Strukturfunktionalismus zu befinden. Leider haben die beiden Autoren es nicht vollbracht, einen wissenschaftlichen Konsens zu erarbeiten. Luckmann gelingt es schließlich ein Konzept vorzustellen, das unter Bewahrung der Weber’schen sinnverstehenden Tradition (ausgehend vom Individuum), den Versuch eines Brückenschlages unternimmt, von einer Handlungstheorie hin zu einer Gesellschaftstheorie. Es sind Individuen, die handeln, und Handlungen, welche die Wirklichkeit konstruieren. Ihren objektiven Charakter erhält die Wirklichkeit erst indem sie von mehreren geteilt wird, also intersubjektiv ist. So lassen sich neben der individuellen Handlungsmotivation auch Normen bzw. soziale Tatsachen in das Konzept einbinden. 1965 remigriert Luckmann nach Deutschland und folgt einem Ruf an die Universität Frankfurt, wo er sich nun Seite an Seite mit der ebenfalls remigrierten Kritischen Theorie wieder findet. Die Kritische Theorie (Frankfurter Schule) vertritt eine ganz andere Auffassung von der Aufgabe der Soziologie als Wissenschaft als Luckmann dies tat. Ihr geht es um das „falsche Bewusstsein“, um den Kampf wahrer gegen falsche Lebensform und so ist es kein Wunder, dass Luckmann relativ bald seinen Wirkungsort verlagerte.
Die Wirkungsweise der Begriffe ‘Braindrain’ und ‘Braingain’ zeigt sich in im Ansatz zur sozialen Konstruktion der Wirklichkeit in beinahe mustergültig ausgeprägter Form, ebenso kommt die Zeitverschiebung im Zugänglich-werden wissenschaftlichen Wissens, durch v.a. sprachliche Barrieren, bestens zum Ausdruck. Schütz publiziert sein Erstwerk 1932 in deutscher Sprache, erst 1967 wird es in Englisch aufgelegt. 1971 und 1972 gelangen Schütz’ „collected papers“ auf den deutschsprachigen Buchmarkt, das heißt, dass im deutschsprachigen Raum erst in den 70er Jahren eine spracheinheitliche Gesamtschau auf sein Werk möglich war. Der US-Soziologie war dabei ein mehrjähriger Vorsprung vergönnt. Dennoch sollte man davon Abstand nehmen, von Vorteilen oder Nachteilen für den einen oder anderen Sprachraum zu sprechen. Gerade im Falle dieser Theorie liegt der Schluss nahe, dass gerade der Umstand der Emigration das Fundament für den theoretischen Zugang bildet. Und der Gewinn teilt sich letztlich auf alle Sprachräume und auf die Soziologie "an sich" auf.
[Bearbeiten] Literaturverzeichnis
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- "Vom Brain Drain zum Brain Gain"
- "Die Auswirkungen der Migration von Hochqualifizierten auf Abgabe und Aufnahmeländer." Bonn.
- Herausgegeben vom Wirtschafts- und sozialpolitischen Forschungs- und Beratungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung
- Verfügbar über: [2]
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- "Paul Felix Lazarsfeld - Leben und Werk. Anstatt einer Biografie"
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- Langenbucher, Wolfgang [Hrsg.](1990):
- "Paul F. Lazarsfeld. Die Wiener Tradition der empirischen Sozial- und Kommunikationsforschung"
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- "Soziologische Theorie. Band 2: Handlungstheorie."
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- Frankfurt / Main. Campus.
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- Verfügbar über: http://www.uni-koeln.de/kzfss/nekrologe/ks03coser.htm
- (aufgerufen am 23.12.08)
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- " Kritik der Lebenswelt. Eine soziologische Auseinandersetzung mit Edmund Husserl und Alfred Schütz."
- Opladen, Westdeutscher Verlag.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Vgl. Online Übersetzungsprogramm Leo Online: Verfügbar über: [1]
- ↑ Dieser Gewinn kann u.a. volkswirtschaftlich, sozial oder politisch determiniert sein
- ↑ Vgl. Hunger, 2003, S.10
- ↑ Und das obwohl eine höhere Reputation zu erwarten gewesen wäre
- ↑ Bsp. Simmel oder Luhmann
- ↑ Vgl. o.A. Artikel Braindrain in Wikipedia: Braindrain
- ↑ Vgl. Hunger, 2003, S.9
- ↑ Vgl. o.A. Kreative Klasse im Raum
