Gitarre: Grundsätzliches zum Greifen der Akkorde

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Grundsätzliches zum Greifen der Akkorde[Bearbeiten]

Es gibt mehr als eine Möglichkeit, Akkorde, Griffe und Töne zu greifen. Ich stelle dir hier aber eine Methode vor, die sich besonders für einfache Akkorde in der Liedbegleitung eignet. Ziel ist es, alle Griffe bequem und mit wenig Kraftaufwand greifen zu können. Eine möglichst natürliche Haltung macht deine Finger flexibler und verhindert Verkrampfungen.

Lage des Daumens[Bearbeiten]

Der Daumen liegt bei den einfachen Griffen in der Regel gegenüber vom Mittelfinger, etwa auf der eingezeichneten Höhe. Praktisch bedeutet dies, dass dein Daumen in der ersten Zeit immer hinter dem zweiten Bund ist (siehe auch weiter unten bei: "Wohin mit den Fingern"). Dadurch ist es bei den Griffen, die über drei Bünde gehen, leichter, den ersten Finger in den ersten Bund zu bekommen, den zweiten Finger in den zweiten Bund und den dritten Finger in den dritten (vgl. C-Dur-Akkord in der 3. Unterrichtseinheit). Liegt der Daumen zu weit in Richtung Kopf, kommt man mit dem Ringfinger und dem kleinen Finger nicht mehr in den 3. Bund. Wenn der Daumen aber zu weit in Richtung Schallloch liegt, rutscht der Zeigefinger vom ersten Bund gerne in den zweiten.

Die linke Hand berührt das Griffbrett nur an zwei Punkten. So bleibt der Handteller beweglich.

Guitar-hand on the neck.svg Guitar-contact points on the neck.svg Guitar-palm do not touch the neck.svg
Die ersten drei Akkkorde D A und G
Chord D.jpg Chord D to boddy.jpg
Chord A.jpg Chord A to boddy.jpg
Chord G.jpg Chord G to boddy.jpg

Die Hauptaufgabe des Daumens ist bei den einfachen Akkorden, die Hand am Herunterfallen zu hindern. Das mag banal klingen, aber viele Anfänger verwenden den Daumen wie eine Schraubzwinge, um einen Gegendruck zu den Fingern aufzubauen. Dies klappt zwar, aber dafür ist der Daumen eigentlich zu schwach und ermüdet schnell. Dann verkrampft die Hand und das Spielen macht keinen Spaß mehr.

Die Lösung? Der Druck auf die Saiten wird nicht mit dem Daumen erzeugt, sondern durch den Zug des Armes; fast so, als wollest du eine Schublade öffnen:

Guitar-like opening a drawer.svg Chord D to neck.jpg Chord G to neck.jpg

Bei dieser Stellung ist das Handgelenk nicht (oder nur ganz wenig) eingeknickt. Der Gegendruck wird durch den Ellbogen der Schlaghand erzeugt, indem dieser den Gitarrenkörper ein klein wenig andrückt und damit das Griffbrett leicht nach vorne schiebt. Die Greifhand braucht nur das Griffbrett wieder zurückzuziehen und bringt gleichzeitig genügend Kraft für das Greifen der Akkorde auf. Es sollte klar sein, dass man den Ellenbogen des Greifarms nicht auf seinen Bauch abstützen sollte, sondern locker an der Seite halten sollte; sonst kann man das Griffbrett nur schlecht zurückziehen.

Jede Anspannung oder Verspannung des Handtellers ist ein Zeichen dafür, dass du mehr Muskeln anspannst als notwendig. Natürlich soll man auch nicht so fest am Gitarrenhals reißen, dass sich der Ton dadurch verändert. Es wird viel weniger Kraft für das Greifen benötigt, als ihr vielleicht (jetzt noch) glaubt. Ziel ist es, so wenig Druck wie möglich auszuüben, aber gerade genug, dass die Saiten nicht schnarren. Wenn sich die Hand dabei nicht verkrampft, werden die Finger für Griffwechsel (und später für das Solospiel) viel lockerer und dadurch schneller.

Tipp:

Info bulb.png

Tipps für Gitarrenlehrer

(etwas, das man mal im Unterricht vorführen kann.)

Lege deinen Arm locker auf den Tisch, die Finger der leicht geöffneten Hand zeigen zur Decke. Greif nun mit der anderen Hand deinen Unterarm und drücke leicht zu ...
... die Finger werden sich automatisch schließen.

Hebe einen schweren Koffer (oder ähnliches) hoch.
Wieviel Kraft wendest du dabei mit dem Daumen auf? (fast keine)
Woher kommt die Kraft der Finger? (Aus den Unterarmmuskeln)

Schau dir Freeclimer an, wenn ihr ganzer Körper nur an den Fingern hängt...
Woher kommt da die Kraft, um den ganzen Körper zu heben?

Noch eine Demonstration
Fingerhakeln

Allerdings hakt man nicht wie bei der bayrischen Sportart die Finger ein, sondern man berührt sich nur mit einer oder mehreren Fingerkuppen.

Ziel der Übung

Lernen, dass die Kraft zum Greifen aus dem Unterarm und nicht vom Daumen kommt.[1]

Viele Schüler können kaum glauben, dass sie mehr als genug Kraft in den Fingern haben, um die Akkorde sauber zu greifen, und dass das Hauptproblem die ungewohnte Haltung der Finger ist.

Übung[Bearbeiten]

Auch wenn man beim Griffwechsel kaum auf den Daumen verzichten kann (allein schon wegen der Orientierung), ist es eine gute Übung, die ersten Griffe auch mal probeweise ohne Daumen zu spielen.

Für die Übung greifst du den Akkord zuerst mit Daumen, wie gewohnt. Aber dann, wenn der Akkord gut klingt, nimmst du während des Spielens den Daumen weg. Der Akkord sollte auch ohne Daumen voll und fehlerfrei klingen. Beim nächsten Akkordwechsel kann der Daumen natürlich wieder zur Orientierung hinzukommen.

Ziel dieser Übung

Einen sauberen Fingersatz zu bekommen und zu erkennen, dass der Daumen keinen großen Druck aufbauen muss, damit der Akkord klingt. Wenn man erkennt, dass der Akkord auch ohne Daumen klingt, kann man auf einen "Schraubzwingengriff" verzichten. Die Finger finden auch ohne verkrampftes Greifen ihre Position. Ohne Daumen müssen sie vielleicht eine andere Haltung annehmen, um ihr Ziel zu erreichen. Oft sind diese Positionen bequemer oder eröffnen dem Gitarristen neue Haltungsmöglichkeiten, auf die er "mit Daumen" gar nicht gekommen wäre. Leider funktioniert eine verkrampfte Haltung ja schon irgendwie, daher kommt man nicht auf die Idee, dass es auch einfacher geht.

Man braucht ein bisschen Übung, um herauszufinden, wie viel Druck notwendig ist, um eine Saite nach unten zu drücken. Anfangs drückt man fast immer zu stark.

Tipp:

Info bulb.png

Tipps für Gitarrenlehrer

Manchmal hilft es, noch zwei Finger zwischen das Griffbrett und die Greifhand des Gitarrenschülers zu legen. Er muss dann zusätzlich um die Finger des Gitarrenlehrers herumgreifen, um seine Finger aufzusetzen.

Ziel der Übungen

Viele können anfangs nicht glauben, dass sie mehr Platz mit ihren Fingern haben als sie dachten. Bei den meisten Griffen hat man noch viel Luft und kommt trotzdem überall hin. Zuerst muss man aber die ungewohnte Haltung kennenlernen.


Attention green.svg

Merke
Die Handinnenfläche darf das Griffbrett nicht berühren!
(Einzige Ausnahme: das Zeigefinger-Grundgelenk)


Natürlich ist die hier gezeigte Griffweise nicht die einzig mögliche. Doch damit vermeidet man als Anfänger, dass sich die Finger unnötig verkrampfen. Später (beim Rockdiplom) zeigen wir dir für die Barrégriffe noch weitere Griffweisen, bei denen man den Daumen etwas tiefer ansetzt und auch etwas mehr Gegendruck als bei den einfachen Akkorden ausübt. Auch beim Zupfen und beim Solospiel hält man den Daumen gerne etwas tiefer, weil man dann beweglicher ist. Aber das heben wir uns auf, bis es so weit ist. Bei Lehrern, die zuerst die klassische Gitarre inklusive Notenlesen vermitteln, ist es oft verpönt, den Daumen im oberen Halsbereich anzusetzen. Doch ein hoher Daumenansatz ist erst dann wirklich ungünstig, wenn dadurch die Reichweite der Finger (insbesonders des 4. Fingers) beeinträchtigt wird. Für die ersten einfachen Akkorde kann man die bequeme Art wählen, auf die man immer wieder zurückgreifen kann, im wahrsten Sinne des Wortes zurückgreifen, wenn man seine Finger nach einem anstrengenden Solo entspannen möchte.

Weiterführendes[Bearbeiten]

Den Themenbereich Diskussion: Wo gehört der Daumen hin? vertiefen...


Wohin mit den Fingern[Bearbeiten]

Jetzt wäre im Unterricht ein guter Zeitpunkt für ein kurzes Herumdrücken auf den Saiten. Mal kreuz und quer, oder nur auf einer Saite, und vielleicht eine einfache Melodie auf einer Saite.

Dir jetzt eine Melodie zu zeigen, die sofort spielbar ist, bringt allerdings nicht viel. Es würde jetzt zu lange dauern, bis alles aufgeschrieben ist, und (was wichtiger ist) bis dir erklärt wird, wie man das Aufgeschriebene liest. In dieser Zeit hast du schon ein oder zwei Lieder gelernt.

Wenn du aber selber ein wenig herumprobierst, wirst du feststellen, dass ab und zu die Saiten "schnarren". (Es könnte sein, das es sich um einen Baufehler der Gitarre handelt, weil die Saitenlage nicht stimmt. Der Steg könnte zu hoch sein, so dass die Saiten viel zu hoch sind. Dann müsstest du zu einem Profi, der dir da helfen kann ...) Gerade am Anfang liegt der Fehler jedoch oft darin, dass die Finger zwar genügend Druck ausüben, aber zu nah am Bund sind, oder zu weit weg.

Druck zu weit.png Wenn ein Finger zu weit weg vom Bundstäbchen ist, kann es sein, dass der Druck nicht ausreicht, die Saite ganz auf den Bund zu drücken. Die Saite liegt dann nicht richtig auf dem Bundstäbchen auf und schnarrt. Häufiger Grund für diesen Fehler: der Daumen ist zu weit in Richtung Steg und nicht mehr über dem zweiten Bund. Vor allem der Ringfinger erreicht dann nicht mehr den dritten Bund. Versuch dich daran zu erinnern, wenn du beim C-Dur-Akkord Probleme hast, mit dem Ringfinger den dritten Bund zu erreichen.
Druck mittig.png Die optimale Position ist kurz vor dem Bundstäbchen. Versuch also, wenn möglich, die Finger im letzten Drittel des Bundes zu halten. Das wird dir nicht immer gelingen, weil du noch Platz für die anderen Finger brauchst (spätestens beim A-Dur-Akkord wirst du das merken ...). Versuch trotzdem, so dicht wie möglich an die Bundstäbchen zu kommen.
Druck zu dicht.png Natürlich darf man nicht zu dicht am Bundstäbchen sein, sonst drückt man aus Versehen die Saite schon auf das übernächste Bundstäbchen. Häufiger Grund für diesen Fehler: der Daumen liegt nicht über dem zweiten Bund, sondern eher im dritten (siehe oben).

Übrigens:
Der Name "Bund" kommt daher, dass man früher tatsächlich eine Kordel, einen Draht oder etwas Ähnliches um das Griffbrett "gebunden" hat, um die richtigen Abstände zu markieren.

Saiten nicht abwürgen[Bearbeiten]

Ärgere dich nicht, wenn nicht alles auf Anhieb klappt. Bei den ersten Übungen darf es (wenn man keine groben Fehler macht) ruhig ein wenig daneben klingen, und da darf man drüber hinweg hören. Erfahrungsgemäß verschwinden solche Fehler nach ein paar Unterrichtsstunden.

Guitar-hammer-pose of the finger.svg

Bemühe dich von Anfang an, die Saiten der Gitarre nur mit den Fingerkuppen zu berühren (wie in der ersten Abbildung). Der Finger liegt wie ein Hämmerchen auf der Saite. Die zweite Abbildung zeigt, wie der Finger die benachbarte Saite "abwürgt". Außerdem schadet eine solche Haltung den Fingergelenken. Um deine Gelenke zu schonen, solltest du die Finger nie durchdrücken.

Unnötiges Abspreizen der Finger vermeiden[Bearbeiten]

Guitar-closed fingers.svg Versuch die Finger gerade zu halten, so gut es geht. Das heißt: halte die Finger beim Greifen möglichst geschlossen.
Guitar-do not spreading fingers.svg Jedes Abspreizen der Finger führt zu Verkrampfungen, die vermeidbar sind.

Der erste Akkord fürs erste Lied[Bearbeiten]

Du erreichst die meisten Positionen auf dem Griffbrett durch einfaches Strecken und Beugen der Finger.

lieber so: als so:
00.01.D.1.png 00.01.D.2.png

Die meisten Akkorde kann man unverkrampft greifen. Der Handteller sollte dabei, wie oben beschrieben, beweglich bleiben und nicht am Gitarrenhals festkleben.

01.01.D A1.png Übrigens siehst du hier gleich, wie man Griffbilder zeichnet, nämlich auf dem Kopf! Genauso wie du es siehst, wenn du von oben auf deine Finger schaust.

  1. Diese Übung mit dem Fingerhakeln ist als Demonstration gedacht, weniger als ein Krafttraining.
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