Zum Inhalt springen

Gitarre: Plektrum

Aus Wikibooks

Plektrum

[Bearbeiten]
Wikipedia hat einen Artikel zum Thema:
verschiedene Picks

Das wohl am häufigsten gehandelte Zubehörteil für die Gitarre dürfte das Plektrum sein. Das bringt die Tatsache mit sich, dass Plektren (Picks) auch in fast unendlich vielen Varianten angeboten werden. So hat man gleich zu Beginn einer Gitarristenkarriere die Qual der Wahl, was vielen Anfängern große Kopfschmerzen bereitet.

Das Plektrum (engl. Pick) wird in der Mehrzahl Plektren oder auch Plektra (latinisierte Form) genannt und ist vermutlich schon so alt wie die Saiteninstrumente selbst. Wir Musiker nennen es meistens "Plek" oder auch liebevoll "Zupflümmel".

Bei der Auswahl des richtigen Picks kommt es vor allem darauf an, welche Gitarre man damit wie bespielen möchte. Neben Form und Größe des Plektrums ist auch dessen Stärke und Materialbeschaffenheit wichtig, denn all diese Kriterien haben einen unmittelbaren Einfluss auf das "Spielgefühl" dieses Hilfsmittels.


Faustformel

  • Die erforderliche Härte des Picks richtet sich nach der Härte der Gitarrensaiten, je härter die Saiten, desto fester muss auch das Plektrum gewählt werden.
  • Die Form des Plektrums richtet sich nach dem späteren Einsatzgebiet. Rhythmusgitarristen spielen stumpfere und größere Picks, Leadgitarristen verwenden lieber spitze Plektren, um die Saiten präziser zu treffen.
  • Die Materialbeschaffenheit hat einen großen Klangeinfluss, denn harte Materialien erzeugen auch einen härteren Ton als weichere.
  • Alle Auswahlkriterien sollten sich zugunsten einer guten Handhabung unterordnen. Nur wenn ein Pick gut in der Hand liegt, kann es seinen Zweck auch erfüllen!

Material

[Bearbeiten]

Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Plektren aus Horn oder Schildpatt hergestellt. Horn wird aus dem paarigen Knochenauswuchs des Rindes, der Ziege oder des Schafes oder des Elches gewonnen, während Schildpatt aus den oberen Schichten des Panzers der Suppenschildkröte oder der Karettschildkröte gewonnen wird. Da Schildpatt das eindeutig beliebtere Material war, weil es eine für das Spiel optimale Flexibilität und Rauigkeit bietet, mussten die Schildkröten leiden. Der Bestand der Schildkröten wurde bis auf wenige Tausend dezimiert. Das ist natürlich nicht alles den Plektren zuzuschieben, denn Schildpatt wurde auch in vielen anderen Bereichen geschätzt. Und in einigen Teilen der Welt wird ihr Fleisch als Köstlichkeit verspeist. Diesen Tatsachen ist zu verdanken, dass diese Schildkrötenarten kurz vor dem Aussterben standen und so mussten die Hersteller nach einem anderen Material für unsere Plektren suchen.

Obwohl das sogenannte Nylon (Polyamid 6.6) schon 1935 erfunden wurde, hat man erst etwa 35 Jahre später erkannt, dass es beinahe die selben Eigenschaften wie das bisher verwendete Schildpatt hat. Der einzige Nachteil besteht darin, dass es sich schneller abnutzt, dafür ist es aber auch günstiger. Im Übrigen war das erste Nylon-Produkt die Zahnbürste und nicht, wie so oft angenommen, die Nylonstrümpfe und wird seit 1938 verkauft.

Heute wird zur Herstellung von Plektren allerdings nicht nur Nylon, obwohl es das mit Abstand am häufigsten verwendete Material ist, sondern auch Zelluloid und andere Kunststoffe verwendet. Seltener findet man auch Plektren aus Aluminium, Stein und Edelstein. Da die Industrie ständig mit neuen Materialien experimentiert, kann es also schon vorkommen, dass ihr in eurem Laden auch mal etwas ganz exotisches entdeckt. Zum Beispiel gibt es auch Plektren aus hartem Leder, die sich hervorragend für klassische Gitarren eignen, da sie ein sehr weiches Spielgefühl besitzen.

Stärken

[Bearbeiten]

Die folgende Tabelle zeigt eine grobe Einteilung der Plektrendicke in Härtekategorien. Diese Einteilung ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich und hängt auch vom verwendeten Material ab.

Beschreibung Dicke in Zoll Dicke in Millimeter
extra light (sehr weich) 0,015 0,38
light (weich) 0,020 0,51
light-medium (mittel-weich) 0,025 0,64
medium (mittel) 0,030 0,76
medium-heavy (mittel-hart) 0,035 0,89
heavy (hart) 0,040 1,01
extra-heavy (sehr hart) 0,045 1,14

Einfluss auf den Klang

[Bearbeiten]

Häufig wird unterschätzt, wie wichtig das Plektrum für die Klangbildung ist. Material, Stärke und Form des Plektrums haben neben Korpus, Hals, Tonabnehmer und Saiten einen großen Einfluss auf den Klang. Nicht umsonst haben viele Musiker einer Musikrichtung auch ähnliche Plektren. Auch die Exaktheit des Spiels kann ein Plektrum beeinflussen. So ist z. B. ein sehr weiches Plektrum keine gute Wahl, wenn man sehr schnelle Soli spielen möchte. Das Problem ist folgendes: Berührt das Plektrum während eines Anschlages die Saite, so würde ein weiches sich zuerst verbiegen und erst dann, wenn ein bestimmter Grad der Verbiegung erreicht ist, auf die andere Seite überspringen, um endlich den Ton entstehen zu lassen. Das erfordert Zeit, die auf Kosten der Schnelligkeit geht. Man darf daraus aber nicht schließen, dass weiche Plektren generell schlecht sind - im Gegenteil. Sollen mehrere Saiten (z. B für Akkorde) gleichzeitig und mit häufigem Wechsel von Auf- und Abschlägen gespielt werden, ist es häufig einfacher, ein weicheres Plektrum zu verwenden. Für sanfte Lieder ist ein weiches Plektrum vom Klang her besser als ein hartes. Das harte benutzt man für Soli oder harte, schnelle Lieder.


4 Non Blondes - What's Up (2. Gitarre, sanft) , Europe - The Final Countdown (beide Gitarren, hart / schnell)

Wahl des Plektrums

[Bearbeiten]

Leider oder zum Glück kann man niemandem sagen, welches Plektrum er wählen soll. Das muss ganz einfach jeder für sich entscheiden. Oft kommt es darauf an, wie sich das Plektrum beim Spielen anfühlt. Es hilft, in den Laden zu gehen und sich einfach mal eine breite Palette an Plektren zu kaufen und auszuprobieren. Irgendwann einmal merkt man dann, welches Plektrum für einen das beste ist. Viele derjenigen Musiker, die häufig die Musikrichtung wechseln, (z. B. für Covermusik) haben für ihre Auftritte unterschiedliche Plektren parat. Mit steigender spielerischer Erfahrung bleiben aber viele Musiker bei einem bestimmten Plektrum, weil sie dadurch immer das selbe Spielgefühl erreichen können. Und dann kann es durchaus vorkommen, dass ein 30er, 50er oder gar 100er Pack der selben Sorte gekauft wird.

Für Einsteiger, die auch Soli spielen wollen, ist es sicher ratsam, harte Plektren in einer Stärke von ca. 1mm zu verwenden. So übt man sein Fingerspitzen- und Spielgefühl am besten. Auch wenn das Spielen damit am Anfang nicht leicht ist.

Wem die große Auswahl an Plektren Kopfschmerzen bereitet, der kann sich für den Anfang an seinen Vorbildern orientieren. Und deshalb folgt jetzt eine Auflistung von Musikern, deren Plektren und der Musikrichtungen, die sie spielen.

Haltung des Plektrum

[Bearbeiten]
Im Grunde ist es gleich, wie man ein Plektrum hält. Wenn man das Plektrum nur verwendet, um bei einem einfachen Anschlag die eigenen Fingernägel zu schonen, dann kann man das Plektrum so greifen, wie es einem am besten in den Fingern liegt. Wenn man jedoch eine schnelle Tonfolge für irgendein Solo spielen möchte, dann hat sich die nebenstehende Haltung bewährt. Sie erlaubt es bei minimaler Bewegung eine sehr schnelle Folge von Anschlägen auf der Gitarre auszuführen.

Bekannte Musiker und ihre Plektren

[Bearbeiten]
Musiker Band Musikrichtung Plektrum
James Hetfield Metallica Thrash Metal Dunlop Tortex Standard 0.88 mm
Slash Guns N' Roses Hardrock Dunlop Tortex Standard 1.14 mm
Jerry Cantrell Alice In Chains Grunge Dunlop Tortex Standard 0.73 mm
Yngwie Malmsteen Yngwie Malmsteen Heavy-Metal Dunlop Delrin Custom >1.5 mm
Lorenz Reichelt clearocks Rock-pur Schaller Medium 0,55 mm
Annegret Reichelt Danzig Rock-pur Schaller Medium 0,55 mm
Mick Thomson Slipknot Nu-Metal Dunlop Jazz III picks
John Petrucci Dream Theater Progressive-Metal Jim Dunlop JP Shield Black Jazz III

Es gibt einige Hilfsmittel, die Plektren aufzubewahren. Weit verbreitet ist es, sie im Portmonnaie zu deponieren. Andere klemmen sie zwischen die Saiten, oder werfen sie ins Schallloch. Es gibt auch einige Halterungen, die man an der Gitarre anbringen kann.

Eine elegante Lösung kann man in der Haushaltswarenabteilung einiger Geschäfte finden. Es gibt runde Klettverschlüsse. Den weichen Filzteil klebt man an das Plektrum. Den anderen Teil mit den Widerhaken klebt man unter das Griffbrett, wo man dann das Plektrum nach dem Gebrauch festkleben kann, und es nahezu unsichtbar verschwindet. Der Filzteil macht das Plektrum zudem handlicher.

Daumenpick

[Bearbeiten]

Genau genommen ist auch das Daumenpick ein Plektrum. Der Unterschied liegt darin, dass es über den Daumen gesteckt wird um Bassnotationen auf den tiefen Saiten präziser als mit dem blanken Daumen anschlagen zu können. Anfänger sollten ein Daumenpick erst dann einsetzen, wenn sie bereits solide Rhythmusgitarre spielen können! Das Daumenpick bietet nur dann Vorzüge, wenn eine Bassnotation entweder besonders definiert gespielt werden soll oder wenn ein Daumenwechselschlag erforderlich wird. Normalerweise kann eine Bassnotation aber auch mit dem blanken Daumen gut gespielt werden. Das gilt selbst dann, wenn der Basslauf einen Wechselschlag erfordert, der mit dem bloßen Daumen immernoch einfacher auszuführen ist, als mit Daumenpick.

Fingerpick

[Bearbeiten]

Das Fingerpick ist dem Daumenpick sehr ähnlich, man verwendet es nur nicht für den Daumen. Auch die anderen Finger können mit Picks ausgestattet werden. Die Fingerpicks sind eher Accessoires für fortgeschrittene Gitarristen, da man bereits sehr sicher spielen muß, bevor man solche Hilfsmittel verwendet. Wie beim Daumenpick erzielt man eine bessere Definition der einzelnen Noten, aber auch hier geht dieser Gewinn auf Kosten der Variabilität im Bezug auf die Dynamik.

Siehe auch

[Bearbeiten]
 Commons: Plektren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien