Gitarre: Pentatonik und Bluesworkshop

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Wie lernt man eine Pentatonik[Bearbeiten]

Pentatonik braucht man zum Improvisieren. Es sind genau die Töne, die beim Improvisieren "richtig" klingen. Es gibt verschiedene Pentatonik-Griffmuster (Skalen). Das sind Module (Skalen), die man wechseln muss, wenn sich im Stück, zu dem man improvisiert, der Begleitakkord ändert. Es genügt also nicht, nur den "Key" des Stückes zu kennen (Das Stück ist in E-Dur z. B.), sondern man muss wissen, an welcher Stelle man gerade ist und welcher Akkord gerade gespielt wird. Dazu sucht man sich dann die passende Skala aus. Welche Skala zu welchem Akkord passt erfahrt ihr hier.

(Anmerkung: Genau genommen kann man auch über das ganze Stück nur in einer Skala (Modul) improvisieren, besser klingt's jedoch mit Wechsel! Vorausgesetzt die Akkorde wechseln nicht zu schnell)

Wenn man eine Pentatonik richtig lernen will, dann kommt man um das "Büffeln" von Skalen nicht herum. Jedoch wollen wir hier nicht einfach irgendwelche Punktbilder vorsetzen.

Pentatonic xxxxx.svg

Vielleicht hast du schon mal solche Punktbilder gesehen. Vielleicht auch schon Ausschnitte von solchen Skalen rauf- und runtergenudelt. Vielleicht hattest du sogar Glück und es hat irgendwie ganz gut geklungen. So lernen viele den Einstieg in die Improvisation. Doch erfahrungsgemäß dauert es sehr lange, bis man weiß, wann und wie und warum man die Pentatoniken irgendwo einsetzen kann.

Es gibt Dur- und Moll- und Blues-Pentatoniken, die alle irgendwie gleich aussehen, aber immer anders heißen. Dazu kann man sich in verschiedenen Büchern auch nie einigen, wie man eine bestimmte Skala richtig bezeichnet. Damit das Improvisieren mit einer Pentatonik nicht nur auf Versuch und Irrtum beruht, holen wir in diesem Workshop etwas weiter aus.

Um mit Pentatoniken sinnvoll arbeiten zu können, sollte man sich grundlegend mit Barré-Akkorden (Rockdiplom) und Intervallen (Gitarre:_Balladendiplom) auskennen, oder man sollte zumindest in nächster Zeit die Wissenslücken schließen. [1]

Eine komplette Übersicht der Pentatoniken findet man im Index des Gitarrenbuches Pentatoniken (Übersicht). Darin steht alles, was in den Lektionen vorkommt, zusammengefasst als Überblick. Diese Lektionen schreiten etwas langsamer und ausführlicher voran, so dass sie sich besser zum Lernen und für den Unterricht der Pentatonik-"Anfänger" eignen. Eine Lektion ist etwa für eine Unterrichtsstunde konzipiert.

Bevor es aber ans richtige Lernen geht, zuerst eine erfreuliche Nachricht:

Es gibt nur 5 Fingersätze für die Pentatoniken.

Pentatonic Typ G Em.svg   Pentatonic Typ D Bm7.svg   Pentatonic Typ C Am.svg   Pentatonic Typ Bb Gm7.svg   Pentatonic Typ F Dm.svg

Die Ziffern in den Skalen geben die Intervalle vom Grundton einer Dur-Pentatonik (1) an. (Sekunde = 2, Terz = 3, Quinte = 5, Sexte = 6). Es sind die Intervalle, die du schon von den Akkorden aus dem Balladendiplom her kennst.

Für alle Pentatoniken muss man sich eigentlich nur zwei Grundbausteine merken:

Scala 3 5-6 1.svg und Scala 2 3-5 6-1 2.svg

Von diesen Grundbausteinen leiten sich alle Dur-, Moll- und Bluespentatoniken ab. Was es alles damit auf sich hat, das wird Stoff der nächsten Lektionen sein.

Pentatonic 12356.svg

Wozu benötigt man eine Pentatonik überhaupt?[Bearbeiten]

Eine Pentatonik wird zur Improvisation benötigt.

Wenn man ein Musikstück begleiten möchte, dann hat man die Möglichkeit eine freie Melodie als zusätzliche Ausschmückung zu dem Stück zu spielen. Diese Melodie muss nicht unbedingt auskomponiert sein, sondern der Spieler kann diese Melodie oft frei dazu erfinden.

Nun hat aber der Musiker das Problem, dass nicht alle Töne gleich gut passen. Als Orientierung steht dem Musiker lediglich die Tonart des Stückes und die verwendeten Akkorde zur Verfügung.

Doch es gibt insgesamt nur 12 verschiedene Töne, die sich nach einer Oktave wiederholen.

Hier einmal an einer Klavier-Tastatur verdeutlicht
Klaviatur.svg

Dieses entspricht in etwa dem kompletten Griffbrett. Am Anfang einer Improvisation muss man mit allen möglichen Noten auf dem Griffbrett rechnen. Aber für eine Improvisation benötigt man nur eine Auswahl dieser Töne. Sobald man irgendeinen Anhalt gefunden hat, lassen sich die Töne voneinander in ihrer Wichtigkeit unterscheiden.

Töne kann man grob unterteilen in
  1. Den Grundton einer Tonleiter, Skala oder eines Akkordes. Du solltest wenigstens die Grundtöne der Akkorde ermitteln können.
  2. 3 Akkordtöne, aus denen sich ein Dur- oder Moll-Akkord zusammensetzt. Die meisten kennt man ja schon vom Greifen der Akkorde her.
  3. 5 Töne der Pentatonik, die so gut wie immer zu einem bestimmten Akkord passen und die man frei verwenden kann. Das sind die Töne, um die wir uns hier kümmern wollen.
  4. Leit- und Strebetöne ändern sich je nach Tonart. Da kann es leicht mal vorkommen, dass man einen von denen verwechselt. Sie sind ein Grund, warum man als Anfänger lieber mit einer Pentatonik improvisiert als mit einer vollständigen Dur- oder Moll-Tonleiter.
  5. Tonleiterfremde Töne, passen wiederum nur in Ausnahmefällen oder unter ganz bestimmten Umständen zum Stück. Meist hören sie sich aber schlecht an. Allerdings muss man immer damit rechnen, dass sich doch mal der ein oder andere mit dazumogelt, denn er könnte ja unter gewissen Umständen vielleicht doch passen. Doch wann das der Fall ist und wann nicht würde hier zu weit führen.
  6. Ein Beispiel, das man sich dennoch merken sollte, sind die Blues-Notes. Das sind Töne, die sich trotz ihres schrägen Klangs gut anhören, vorausgesetzt, es handelt sich um Blues oder eine vom Blues beeinflusste Musikrichtung.
Zusammenfassend
  • Der Grundton ist gleichzeitig einer der 3 Akkordtöne und diese 3 Akkordtöne sind wiederum Bestandteil der Pentatonik. Die anderen beiden Töne der Pentatonik kann man "Optionstöne der Pentatonik" nennen. (Optionstöne können mit bei einem Akkord auftauchen, müssen es aber nicht.)

Der Pentatonik fehlen die Leit- und Strebetöne einer vollständigen Dur- oder Molltonleiter.

Der Blues mit seinen Tönen fällt hier etwas aus dem Rahmen und wird daher extra behandelt.

Beispiel am Akkord G-Dur[Bearbeiten]

Eine Methode bei der Improvisation ist es, nur die Töne einer bestimmten Tonleiter zu verwenden. Das sind dann nur 7 der 12 möglichen Töne. Ein Problem dabei ist, dass ein bestimmter Akkord gleich in mehreren Tonleitern vorkommt.

G-Dur kann beispielsweise der Grundakkord der Tonart G-Dur sein. Eine typische Akkordfolge (nicht Tonfolge!) ist: G C D7 G. Die einzelnen Töne der G-Dur-Tonleiter sind

1 2 3 4 5 6 7
G A H C D E F#

In diesem Kontext (bei dieser Akkordfolge, nämlich G C D7 und G) klingt es daher gut, wenn man tatsächlich zur Improvisation die Töne der G-Dur Tonleiter verwendet, WENN an einer Stelle gerade mit G-Dur begleitet wird.

G-Dur kann aber auch die Subdominante der Tonart D-Dur sein. Eine typische Akkordfolge ist: D G A7 D. Die einzelnen Töne der D-Dur-Tonleiter sind

1 2 3 4# 5 6 7
G A H C# D E F#

Bei so einem Musikstück (D G A7 D) klingt es jedoch richtig, wenn man die D-Dur Töne zur Improvisation verwendet, wenn gerade mit G-Dur begleitet wird.

G-Dur kann aber ebenfalls die Dominante der Tonart C-Dur sein. Eine typische Akkordfolge ist: C F G7 C. Die einzelnen Töne der C-Dur-Tonleiter sind

1 2 3 4 5 6 7b
G A H C D E F

Und hier wiederum müsste man die C-Dur Töne zur Improvisation verwenden, wenn gerade G-Dur dran ist.

Wenn man also nur einen Akkord als Anhaltspunkt hat, weiß man noch nicht, welche Tonleiter man zur Improvisation nehmen muss, man muss das "aus dem Kontext" heraus eintscheiden. Nämlich welche "Bedeutung" (Grundakkord, Dominante oder Subdominante) ein Akkord an einer bestimmten Stelle im Stück hat. Das ist ähnlich wie mit Wörtern in einem Gedicht. Das Wort "schnell" kann an einer Stelle Adverb, an einer anderen Stelle Adjektiv sein, das ergibt sich aus dem Kontext. (4# = übermäßige Quarte; 7b = kleine Septime)

Du siehst also, dass du über ein und denselben Akkord mit verschiedenen Tönen improvisieren kannst. Und genau da liegt das Problem. Zum G-Dur-Akkord könnten gleich drei Tonleitern passen [2]

Doch nehmen wir uns diese drei Beispiele mal genauer unter die Lupe: Die drei Akkordtöne G H und D (schwarz) kommen selbstverständlich in allen drei Tonarten vor. Diese drei Töne kann man also gefahrlos in allen drei Tonarten für die Improvisation verwenden. Weiterhin kommen die Töne A und E in allen drei Tonarten vor. Also sind auch diese beiden Töne für die Improvisation immer im grünen Bereich. Diese drei Akkordtöne und die beiden Töne, die in jeder Tonart vorkommen in der auch der G-Dur-Akkord gespielt wird, ergeben zusammen die Pentatonik.

Nur bei den Leit- und Strebetönen (der besseren Lesbarkeit wegen nur in orange) F und C bzw. beim F# und C# muss man vorsichtig sein. Je nachdem in welcher Tonart man über den G-Dur-Akkord improvisieren will, kommt entweder ein Vorzeichen hinzu oder nicht. Mit den Leit- und Strebetönen ist eine eindeutige Zuordnung zu einer bestimmten Tonart möglich, oder aber eine bestimmte Tonart wird durch den Ton ausgeschlossen.

Die Leit- und Strebetöne F und C bzw. F# und C# können in bestimmten Situationen passen. Jedoch kann man sich bei denen auch mal vertun. Wenn man genau die Tonart kennt, in der man sich befindet und immer die richtige Skala weiß, die man verwenden muss, dann müsste man sich keine Gedanken machen. Aber es ist für die meisten Anfänger noch eine recht große Herausforderung, alle Tonleiter-Skalen im Kopf zu haben, und dann auch noch die richtige auszuwählen. Damit einem dabei keine Fehler unterlaufen, meidet man einfach die Leit- und Strebetöne und verwendet nur die übrig 5 Töne, mit denen man fast immer auf der richtigen Seite ist.

Zum G-Dur-Akkord kann man also die 5 Töne G A H - D E - zuordnen. Diese kann man immer verwenden, wenn der G-Dur-Akkord auftaucht (Ausnahme Blues, aber wie gesagt, der wird später behandelt). Mit den 5 Tönen der Pentatonik (penta steht für 5) kann man in jeder Tonart (in jedem Musikstück) in der G-Dur vorkommt gefahrlos Improvisieren. G-Dur kommt in den Tonarten C- D- und G-Dur sowie deren Mollparallelen Am, Hm und Em vor.

Das heißt natürlich nicht, dass man die Leit- und Strebetöne F und C bzw. F# und C# auf keinen Fall verwenden darf, doch man kann sich bei denen eher mal vertun.

Der Fingersatz ist viel einfacher als die Theorie. Wie wir noch sehen werden, sind diese 5 Töne immer im gleichen Schema angeordnet, so dass sich die Pentatoniken der einzelnen Akkorde ähneln. Es gibt nur 5 Hauptformen der Pentatonik-Fingersätze, die man genau wie Barré-Akkorde quer über das Griffbrett verschieben kann. Diese 5 Hauptformen gilt es zu lernen, und von diesen muss man wissen, in welchem Bund sie welchem Dur- bzw. Mollakkord zugeordnet werden.

Lektionen[Bearbeiten]

Der Theorieteil ist vom Konzept her fertig. Die Übungsstücke und Anwendungen werden noch folgen. Wer gute Ideen für Übungen, oder passende Lieder kennt, die zu den einzelnen Theorie-Teilen passen, der möge uns doch bitte einen Tipp zukommen lassen.


  1. Das Rockdiplom ist noch nicht fertig, und auch beim Balladendiplom fehlt noch einiges.
  2. Die Tonart Cm wird der Einfachheit halber außen vor gelassen, obwohl dort der G-Dur-Akkord die Dominante der Moll-Tonart sein kann.
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