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Supremum und Infimum bestimmen und beweisen – „Mathe für Nicht-Freaks“

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Allgemeine Vorgehensweise

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Um das Supremum oder Infimum einer Menge zu finden, kannst du folgendermaßen vorgehen:

  1. Menge veranschaulichen: Überlege dir, wie die Menge aussieht. Hierzu kannst du Skizzen anfertigen oder ggf. auch Computerprogramme verwenden.
  2. Hypothese über Supremum und Infimum anstellen: Ist die Menge nach oben beschränkt? Wenn ja, dann überlege dir, welche Zahl das Supremum sein kann. Wenn nein, dann besitzt die Menge kein Supremum. Analog schaue, ob die Menge nach unten beschränkt ist oder nicht, und überlege dir gegebenenfalls, welche Zahl das Infimum sein könnte.
  3. Beweise für Supremum und Infimum finden: Überlege dir auf einem Schmierblatt den Beweis dafür, dass die gefundene Zahl ein Supremum oder ein Infimum ist. Die notwendige Beweisstruktur findest du im nächsten Abschnitt.
  4. Beweis ins Reine schreiben: Zum Schluss musst du den Beweis aufschreiben. Dabei kannst du dich an der im nächsten Abschnitt folgenden Beweisstruktur für Supremum und Infimum orientieren.

Allgemeine Beweisstrukturen

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Die hier aufgelisteten Beweisstrukturen sollten dir helfen, deine Beweise richtig und sauber aufzuschreiben. Sie zeigen dir aber auch, worauf du in der Beweisfindung achten musst.

Supremum: Beweisstruktur

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Um zu zeigen, dass eine Zahl s Supremum einer Menge M ist, kannst du folgendermaßen vorgehen:

  1. Beweise, dass s eine obere Schranke von M ist: Zeige hierzu, dass ys für alle yM ist.
  2. Beweise, dass keine Zahl x<s obere Schranke von M ist: Nimm hierzu ein beliebiges x<s und zeige, dass es ein yM gibt mit y>x.

Infimum: Beweisstruktur

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Beweise, dass s~ Infimum einer Menge M ist, können so aussehen:

  1. Beweise, dass s~ eine untere Schranke von M ist: Zeige hierzu, dass ys~ für alle yM ist.
  2. Beweise, dass keine Zahl x>s~ untere Schranke von M ist: Nimm hierzu ein beliebiges x>s~ und zeige, dass es ein yM gibt mit y<x.

Maximum: Beweisstruktur

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Hier kann man direkt der Definition des Maximums folgen:

  1. Beweise, dass m eine obere Schranke von M ist: Zeige hierzu, dass ym für alle yM ist.
  2. Zeige, dass mM ist.

Minimum: Beweisstruktur

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Um zu zeigen, dass m~ Minimum der Menge M ist, kann man analog zum Maximum vorgehen:

  1. Beweise, dass m~ eine untere Schranke von M ist: Zeige hierzu, dass ym~ für alle yM ist.
  2. Zeige, dass m~M ist.

Beispielaufgaben für Supremum und Infimum

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Endliche Mengen

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Bei endlichen Mengen reeller Zahlen ist die Bestimmung des Infimums und Supremums einfach. Diese Mengen müssen nämlich immer ein Maximum und ein Minimum besitzen. Das Maximum der Menge ist automatisch Supremum und das Minimum ist automatisch Infimum der Menge.

Beispiel (Supremum und Infimum einer endlichen Menge)

Gegeben sei die Menge M={23,42,1,5}. Das Maximum der Menge ist 42 und das Minimum ist 1. Es ist nämlich 42 Teil der Menge und gleichzeitig ist 42 größer gleich jedem anderen Element der Menge (Analoges gilt für das Minimum 1).

Damit ist 42 Supremum der Menge M (weil es dessen Maximum ist). Analog ist 1 Infimum der Menge.

Verständnisaufgabe: Bestimme das Supremum und das Infimum der folgenden Mengen:

  1. M1={4,72,5,99,42}
  2. M2={(1)k2k:1k5k}
  3. M3={π,2,1}{2,1,4}

Lösung:

  1. Das Supremum von M1 ist 99 und das Infimum dieser Menge ist 5.
  2. Es ist {(1)k2k:1k5k}={12,14,18,116,132}. Damit ist das Supremum dieser Menge gleich 14 und das Infimum ist 12.
  3. Es ist {π,2,1}{2,1,4}={2}. Also ist das Supremum und das Infimum von M3 gleich 2.

Intervalle

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Für jedes Intervall in den reellen Zahlen ist der linke Rand das Infimum und der rechte Rand das Supremum.

Die Bestimmung des Infimums und Supremums bei Intervallen ist recht einfach, da der untere Randpunkt stets das Infimum und der obere Randpunkt stets das Supremum ist:

Satz (Supremum und Infimum von Intervallen)

Sei I ein Intervall. Es gibt also a,b mit a<b, so dass I eine der folgenden Formen besitzt:

  1. I=[a,b]
  2. I=(a,b]
  3. I=[a,b)
  4. I=(a,b)

Es ist dann a das Infimum und b das Supremum des Intervalls.

Wie kommt man auf den Beweis? (Supremum und Infimum von Intervallen)

Die obigen Intervalle unterscheiden sich darin, ob die Endpunkte a, b enthalten sind oder nicht. In jedem Fall wissen wir, dass für jedes xI gilt: axb. Wir wissen also, dass a eine untere Schranke ist und b eine obere. Damit ist ainfI, bsupI und wir müssen noch zeigen, dass a die größte untere Schranke und b die kleinste obere Schranke ist.

Dazu nehmen wir also an, es gäbe ein a~>a, so dass a~ auch eine untere Schranke ist, und führen dies zu einem Widerspruch.

Um zu zeigen, dass a~ keine untere Schranke sein kann, finden wir ein xI, so dass x<a~. Um so ein x zu konstruieren, bilden wir den Mittelwert zwischen a und a~, der nach Definition größer als a ist. Es könnte passieren, dass a~ so groß ist, dass der Mittelwert größer als b wird. Hier bietet sich eine Fallunterscheidung an. Wenn a~ so groß ist, dann liegt das komplette Intervall zwischen a und a~ und wir können einen beliebigen Punkt des Intervalls für x nutzen. So können wir den Mittelwert von a und b für x wählen. Analog verfährt man dann mit der oberen Schranke b.

Beweis (Supremum und Infimum von Intervallen)

Sei I ein Intervall. Wir legen uns nicht fest, ob die Randpunkte in I enthalten sind. Damit decken wir alle Intervalltypen auf einmal ab. Für jedes solche Intervall gilt: ax. Also ist a eine untere Schranke. Wir zeigen nun durch Widerspruch, dass a die größte untere Schranke ist.

Sei also a~>a. Angenommen a~ wäre eine untere Schranke von I. Dann existiert kein xI, so dass x<a~. Wir machen nun eine Fallunterscheidung:

Fall 1: a~>b

Sei x:=a+b2. Mit unseren Voraussetzungen können wir abschätzen

a=a+a2 a<b<a+b2=x a<b<b+b2=b.

Folglich gilt a<x<b und damit xI. Aus a~>b folgt

x=a+b2<b<a~.

Das ist aber ein Widerspruch zu unserer Annahme, dass a~ eine untere Schranke von I ist.

Fall 2: a~b

Wir betrachten x:=a+a~2. Aus unseren Annahmen folgt

a=a+a2 a<a~<a+a~2=x a<a~b<b+b2=b.

Also gilt a<x<b. Daraus folgt xI.

Weil a<a~ gilt, folgt x=a+a~2<a~+a~2=a~. Das ist aber wieder ein Widerspruch zu a~ ist eine untere Schranke von I.

To-Do:

Skizze, um die Lage von x im Intervall zu veranschaulichen, für die beiden Fälle.

In beiden Fällen haben wir ein Widerspruch dazu, dass a~ eine untere Schranke von I ist. Also ist a das Infimum des Intervalls I.

Um zu zeigen, dass b das Supremum ist, kann man analog vorgehen. Ist b~ eine kleinere obere Schranke von I, betrachtet man x:=a+b2 für den Fall b~<a und x:=b+b~2 für den Fall b~a.

Alternativ kann man auch mit den Rechenregeln für Supremum und Infiumum folgenden Trick benutzen: Benutzen wir sup(I)=inf(I), können wir den obigen Beweis auf das Intervall I=[b,a] anwenden.

Verständnisaufgabe: Bestimmen Sie das Supremum und das Infimum der folgenden Mengen:

  1. M1=(1,3]
  2. M2={x:22x8}
  3. M3={x:|x1|<4}
  4. M4={sin(x):x} (bei dieser Aufgabe darfst du dein Schulwissen zum Sinus verwenden :))

  1. Das Supremum ist 3 und das Infimum ist 1.
  2. Wegen 22x81x4 entspricht M2 dem Intervall [1,4]. Damit ist das Infimum gleich 1 und das Supremum gleich 4.
  3. M3 entspricht der Menge aller x deren Abstand zu 1 kleiner als 4 ist. Damit entspricht diese Menge dem offenen Intervall (14,1+4)=(3,5). Das Infimum ist also 3 und das Supremum ist 5.
  4. M4 ist die Menge aller reellen Zahlen, die durch die Sinus-Funktion getroffen werden. Damit ist M4 gleich [1,1]. Das Infimum von M4 ist damit 1 und das Supremum ist 1.

Intervalle in den ganzen Zahlen

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Verständnisaufgabe: Obiger Satz ist eine Besonderheit der reellen Zahlen. Es sei a,b mit a<b. Unter welchen Bedingungen existieren Suprema beziehungsweise Infima folgender Intervalle? Welchen Wert haben sie?

  1. [a,b]
  2. (a,b]
  3. [a,b)
  4. (a,b)

Es handelt sich in allen Fällen um endliche Mengen. Es ist nämlich:

  1. [a,b]={x:axb}={a,a+1,a+2,,b1,b}
  2. (a,b]={x:a<xb}={a+1,a+2,,b1,b}
  3. [a,b)={x:ax<b}={a,a+1,a+2,,b2,b1}
  4. (a,b)={x:a<x<b}={a+1,a+2,,b1}

In den ersten 3 Fällen ist wegen a<b die Menge nicht leer, und damit ist

  1. sup([a,b])=b und inf([a,b])=a
  2. sup((a,b])=b und inf((a,b])=a+1
  3. sup([a,b))=b1 und inf([a,b))=a

Im vierten Fall kann es passieren, dass (a,b) leer ist. Das ist genau dann der Fall, wenn a+1=b. In diesem Fall existiert weder ein Supremum noch ein Infimum der Menge. Die leere Menge hat zwar das uneigentliche Supremum sup= und das uneigentliche Infimum inf=. Diese sind aber keine reellen Zahlen und damit keine Suprem / Infimum nach der Definition. Ist aber a+1b, dann ist im vierten Fall das Supremum gleich b1 und das Infimum gleich a+1.

Menge von Folgengliedern

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Die Menge M={5+2n:n}.

Wir werden nun folgende Aufgabe beweisen:

Aufgabe (Menge von Folgengliedern)

Bestimme das Supremum und das Infimum der Menge M={5+2n:n}. Handelt es sich bei dem Supremum um ein Maximum und beim Infimum um ein Minimum? Beweise deine Behauptungen!

Wie kommt man auf den Beweis? (Menge von Folgengliedern)

Wir gehen nun schrittweise nach dem obigen Beweisverfahren vor:

Beweisschritt: Veranschauliche die Menge M.

Die ersten Elemente der Menge M lauten:

  1. 5+21=77M
  2. 5+22=66M
  3. 5+23=523523M
  4. 5+24=512512M

Die Menge M hat also die Gestalt M={7,6,523,512,525,}, wobei sich die fehlenden Elemente immer mehr der 5 annähern.

Beweisschritt: Stelle eine Hypothese an, welche Zahlen Supremum bzw. Infimum der Menge sind.

Wir sehen, dass die Menge nach oben durch 7 beschränkt ist. Gleichzeitig ist 7 ein Element der Menge, womit 7 Maximum der Menge sein muss. Außerdem ist die Menge nach unten durch 5 beschränkt. Da sich die Elemente der Menge immer mehr der 5 annähern, kann es keine untere Schranke größer als 5 geben. Es folgt, dass 5 wahrscheinlich das Infimum der Menge ist. Beachte, dass wir hier nur Vermutungen anstellen, weil wir intuitiv argumentieren. Es fehlt noch der handfeste Beweis.

Beweisschritt: Finde einen Beweis für das Supremum / Maximum.

Wir haben bereits festgestellt, dass 7 wahrscheinlich das Maximum der Menge ist. Wir müssen also zwei Dinge zeigen:

  • 7M
  • 7x für alle xM

Wir haben bereits im ersten Schritt gesehen, dass 7 Element von M ist, denn für n=1 ist 5+2n=7. Um zu zeigen, dass 7 eine obere Schranke von M ist, müssen wir zeigen, dass 75+2n. Stellen wir diese Ungleichung schrittweise um:

75+2n22n2n2n1

Nun ist n1 eine für natürliche Zahlen offensichtliche Aussage. Im Beweis müssen wir aber den umgekehrten Weg gehen: Da wir die Ungleichung 75+2n zeigen wollen, müssen wir bei n1 anfangen und diese Ungleichung schrittweise in 75+2n umformen. Dies können wir machen, weil wir oben nur Äquivalenzumformungen verwendet haben.

Im letzten Kapitel haben wir gesehen, dass jedes Maximum einer Menge automatisch auch das Supremum der Menge ist (nur umgekehrt ist es nicht immer der Fall). Daraus folgt, dass 7 Supremum von M ist.

Beweisschritt: Finde einen Beweis für das Infimum / Minimum.

Um zu zeigen, dass 5 Infimum ist, müssen wir zeigen:

  • 5x für alle xM
  • Für alle y>5 gibt es ein xM mit x<y

Um auch zu zeigen, dass 5 kein Minimum ist, haben wir außerdem zu beweisen, dass 5M. Zunächst muss ein Beweis für 55+2n für alle n gefunden werden:

55+2n02n

Nun ist 02n eine offensichtlich wahre Aussage, da 2n positiv ist. Im späteren Beweis können wir also aus 02n die Ungleichung 55+2n beweisen, indem wir obige Umformung rückwärts durchführen (also zu beiden Seiten 5 addieren).

Sei nun weiterhin y>5 beliebig. Wir müssen nun ein x mit x=5+2N mit N finden, so dass y>x=5+2N ist. Wir wählen hier die Variable N und nicht n, weil wir ein konkretes Element der Menge M finden wollen (in der Mathematik wird oft N verwendet, wenn man ein konkretes n sucht). Formen wir diese Ungleichung nach N um, um so ein passendes N zu finden:

y>5+2Ny5>2Ny52>1N

Wegen y>5 ist y5>0, also auch y52>0. Das archimedische Axiom garantiert uns nun, dass wir ein passendes N finden, da nach dem archimedischen Axiom der Bruch 1N kleiner wird als jede positive reelle Zahl.

Als Letztes fehlt noch die Beweisidee dafür, dass 5M ist. Hier müssen wir zeigen, dass 55+2n für alle n gilt. Doch wegen 2n>0 ist 5+2n>5 und somit 55+2n.

Beweis (Menge von Folgengliedern)

Es ist 7 Maximum (und damit Supremum) der Menge M und 5 ist Infimum, aber kein Minimum der Menge M.

Beweisschritt: 7 ist Maximum der Menge M

Beweisschritt: 7 ist Element der Menge M

Für n=1 ist 5+2n=7. Damit ist 7M.

Beweisschritt: 7 ist eine obere Schranke der Menge M

Für alle n gilt

n12n222n75+2n

Damit ist 7 größer gleich jedem Element von M.

Beweisschritt: 5 ist Infimum der Menge M

Beweisschritt: 5 ist untere Schranke der Menge M

Für alle n gilt

02n55+2n

Damit ist 5 kleiner gleich jedem Element von M.

Beweisschritt: Keine Zahl größer 5 ist untere Schranke der Menge M

Sei y>5 beliebig. Es ist damit y52>0 und somit gibt es nach dem archimedischen Axiom ein N mit y52>1N. Es ist

y52>1Ny5>2Ny>5+2N

Weil 5+2NM ist, gibt es damit ein Element aus M, welches kleiner als y ist. Somit ist y keine untere Schranke von M.

Beweisschritt: 5 ist kein Minimum von M

Es ist 2n>0 und damit 2n+5>5. Somit ist 5 kein Element und damit auch kein Minimum von M.

Menge von Funktionswerten

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Supremum beweisen - Vorgehen anhand eines Beispiels erklärt (Youtube-Video vom Youtube-Kanal „MJ Education“)

Aufgabe

Bestimmen Sie Supremum und Infimum der Menge

M={11+x2:x}

Wie kommt man auf den Beweis?

Sei im Folgenden f::x11+x2. Gehen wir nun schrittweise vor:

Schritt 1: Veranschauliche die Menge M.

Die Funktion f(x)=11+x2 hat den Graphen:

Der Graph der Funktion f(x)=1/(1+x²)
Der Graph der Funktion f(x)=1/(1+x²)

Die Menge M ist nun die Menge aller tatsächlich durch f getroffenen Werte, also das Bild der Funktion f.

Schritt 2: Stelle eine Hypothese an, welche Zahlen Supremum bzw. Infimum der Menge sind.

Wir können vermuten, dass 1 das Supremum von M ist. Weil f(0)=11+02=1 ist, wird 1 auch durch die Funktion f getroffen. Damit liegt diese Zahl in M und müsste demnach Maximum dieser Menge sein.

Außerdem liegt die Vermutung nahe, dass 0 das Infimum von M ist. Die Funktion scheint immer positiv, also größer gleich null zu sein. Je größer bzw. je kleiner x, desto näher gehen die Funktionswerte gegen null (so sieht es zumindest auf den ersten Blick aus). Es sollte also insgesamt 0 Infimum der Menge M sein, wobei es nicht direkt in M liegt und somit kein Minimum sein sollte.

Schritt 3: Finde einen Beweis für das Supremum / Maximum.

Wir vermuten, dass 1 das Maximum der Menge M ist. Weil 11+02=1 ist, können wir beweisen, dass 1M sein muss. Es fehlt jetzt nur noch der Beweis, dass 1 eine obere Schranke der Menge M ist. Hierzu müssen wir beweisen, dass für alle reellen Zahlen x wir folgende Ungleichung haben:

11+x21

Formen wir diese Ungleichung durch Äquivalenzumformungen um:

11+x21 11+x2 0x2

Wir wissen bereits, dass die letzte Ungleichung für alle x erfüllt ist. Da wir nur Äquivalenzumformungen verwendet haben, können wir aus dieser später die Ungleichung 11+x21 wieder herleiten.

Schritt 4: Finde einen Beweis für das Infimum / Minimum.

Hier müssen wir zunächst zeigen, dass alle Elemente aus M größer gleich null sind. Jedoch ist 11+x2 der Quotient von zwei positiven Zahlen, welches damit wieder positiv ist. Alle Elemente aus M sind somit positiv und damit insbesondere größer gleich 0.

Fehlt noch der Beweis, dass 0 auch die größte untere Schranke von M ist. Sei hierzu y>0 beliebig. Wir müssen nun ein Element aus M finden, welches kleiner als y ist. Es muss also ein x geben, so dass

11+x2<y

ist. Formen wir diese Ungleichung durch Äquivalenzumformungen um:

11+x2<y 1<y(1+x2) 1<y+yx2 1y<yx2 y ist positiv 1yy<x2

Um die Wurzel ziehen zu können, muss 1yy0 also y1 sein. Für die weitere Beweisfindung ist es aber kein Problem 0<y1 anzunehmen, denn für y>1 ist die letzte Ungleichung immer erfüllt. Die Quadratzahl x2 ist dann nämlich immer größer als die negative Zahl 1yy.

Sei also 0<y1. Wir erhalten weiter:

1yy<x21yy<|x|

Für 0<y1 müssen wir also nur ein x mit |x|>1yy wählen. Dieses x erfüllt dann automatisch

11+x2<y

was zeigt, dass y keine untere Schranke von M ist.

Beweis

1 ist Maximum (und damit Supremum) der Menge M und 0 ist Infimum, aber kein Minimum der Menge M.

Beweisschritt: 1 ist Maximum der Menge M

Beweisschritt: 1 ist Element der Menge M

Für x=0 ist 11+x2=1. Damit ist 1M.

Beweisschritt: 1 ist eine obere Schranke der Menge M

Es ist

0x2 11+x2 11+x21

Damit ist 1 eine obere Schranke von M.

Beweisschritt: 0 ist Infimum der Menge M

Beweisschritt: 0 ist untere Schranke der Menge M

Es ist für alle x:

x20 1+x2>0 11+x2>0

Damit ist null eine untere Schranke von M.

Beweisschritt: Keine Zahl größer 0 ist untere Schranke der Menge M

Sei y>0 beliebig. Für y>1 ist

1yy<x2

für jedes reelle x, weil 1y dann negativ ist. Für 0<y1 wähle x so, dass |x|>1yy ist. Dann ist nämlich auch obige Ungleichung erfüllt.

Für jedes y>0 gibt es also mindestens eine reelle Zahl x mit x2>1yy. Für diese reelle Zahlen haben wir

1yy<x2 1y<yx2 1<y+yx2 1<y(1+x2)11+x2<y

Damit kann aber y keine untere Schranke von M sein, was beweist, dass 0 die größte untere Schranke von M ist.