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Wikijunior Sprachen/ Einleitung

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Was ist das, eine Sprache?

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Das Wort „Sprache“ kommt von „Sprechen“. Wenn von einer Sprache die Rede ist, meint man damit aber nicht nur die Ordnung und die Regeln, die beim Sprechen, sondern auch die, die etwa beim Hören befolgt werden. Die Tätigkeiten Lesen und Schreiben dagegen beziehen sich auf die Form der Sprache, in der sie dauerhaft aufbewahrt wird. Manche Sprachen haben keine solche Schriftform.

Sprache ist nur eine Form der Kommunikation. Mit „Kommunikation“ meint man, dass Menschen Nachrichten, Gefühle und ähnliche Dinge austauschen. Die Kommunikation geht entweder über die gesprochenen oder gehörten Laute oder das „Visuelle“ (das heißt etwas Bildliches) oder über irgendwelche Zeichen (z. B. die Zunge rausstrecken). Jetzt sollten wir noch ein Wort dazu lernen: das Wort Kode. Ein Kode ist eine Folge von solchen Zeichen, mit denen wir eine Nachricht übermitteln. Und nun können wir uns ganz gelehrt ausdrücken und kurz und bündig sagen, was Sprache ist:

Die Sprache ist ein Kode von Lauten und/oder Symbolen, der der Kommunikation dient.

Was ist keine Sprache?

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Es gibt einige Dinge, die wie eine Sprache funktionieren. Zum Beispiel: Eine Ampel steht auf Rot. Dann ist das so, als ob jemand sagt: „Du darfst jetzt nicht die Straße überqueren!“. Genauso funktionieren die Verkehrszeichen: Die Fahrer bekommen gewissermaßen gesagt, wann sie nach rechts oder links fahren müssen und ob sie langsamer fahren sollen. Das ist also auch ein Kommunikationssystem. Aber können wir das eine Sprache nennen, etwa die „Straßenverkehrssprache“?

Das wäre nicht so passend. Zwar funktioniert diese Sprache für bestimmte Aufgaben, aber ihre Zeichen reichen nicht aus, um den einfachen Satz zu formulieren: „Ich habe heute eine Pizza gegessen.“ Die Zahl der Gedanken, die man mit ihren Zeichen ausdrücken kann, ist sehr begrenzt. Bei wirklichen Sprachen ist das ganz anders. Ganz gleich, ob man Deutsch, Englisch, Russisch oder Japanisch spricht, man kann immer einen sehr weiten Bereich von verschiedenen Gedanken formulieren. Und man kann sogar ganz neue Gedanken in Worte fassen, und die neuen, noch nie da gewesenen Sätze kann jeder sofort verstehen.

Wer hat eigentlich die Sprachen erfunden?

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Es ist nicht so, dass die Menschen sich eines Tages entschlossen haben zu sprechen. Die Sprache hat sich im Laufe einer langen Zeit entwickelt. Es wurden ständig Worte aus anderen Sprachen übernommen und neue geschaffen. Das Deutsch, wie die Menschen es vor 600 Jahren sprachen, würden wir heute kaum noch verstehen! Sogar die Großeltern haben Mühe, die Sprache ihrer Enkel zu verstehen.

Sprachentwicklung – das langsame Wachsen und Sich-Verändern der Sprache. Mehr als tausend Jahre dauerte es, bis eine eigenständige Sprache wie das heutige Deutsch entstehen konnte.

Anthropologen sind die Wissenschaftler, die alles erforschen, was zur Entwicklung des heutigen Menschen geführt hat. Sie erforschen auch die Entstehung der menschlichen Sprache. Zurzeit gibt es verschiedene Theorien, die ganz unterschiedlich sind. Man geht zum Beispiel davon aus, dass Tiere instinktiv verschiedene Laute ausstoßen, wenn sie eine Futterquelle entdecken oder eine mögliche Bedrohung erkennen, ebenso wenn sie auf einen Artgenossen oder auf einen Rivalen treffen. Möglicherweise begann die menschliche Sprache damit, dass man diese instinktiven Ausdrucksweisen etwas verfeinerte. Es ist aber auch möglich, dass die frühen Menschen die Töne nachmachten, die sie in ihrer Umgebung hörten.

An den Fossilien (Knochenteilen) der Frühmenschen entdeckte man, dass sich der Kehlkopf-Bereich, in dem wir die Sprache erzeugen, vor 70 000 Jahren eine Veränderung durchmachte, die es den Menschen ermöglichte, eine größere Anzahl von Lauten zu erzeugen. In derselben Zeit wuchs auch das Gehirn auf die Größe wie beim heutigen Menschen. Mit diesen Entwicklungen sollte der Mensch in der Lage gewesen sein, komplexe (verwickelte) Gedanken zu denken und sie anderen mitzuteilen.

Archäologen (Altertumsforscher) weisen darauf hin, dass die Zeugnisse früher Kulturen, wie zum Beispiel Bestattungsriten und Höhlenmalerei, relativ plötzlich aufgetaucht sind. Sie vermuten daher, dass die komplexe Sprache und diese höher entwickelte Kultur in kurzer Zeit Hand in Hand entstanden sind.

Wie sich die Sprache der Frühmenschen anhörte, werden wir wohl niemals herausfinden, denn sie entstand lange, bevor es schriftliche Berichte gab.

Der Turm zu Babylon von Pieter Bruegel dem Älteren, ein vierhundert Jahre altes Bild aus dem Jahr 1563, zu sehen im Kunsthistorischen Museum Wien

Neben dieser wissenschaftlichen Erklärung zur Entwicklung der Sprache gibt es auch - nicht wissenschaftlich bewiesene, aber von vielen Menschen geglaubte - Erzählungen und Berichte darüber, wie Sprache entstanden sein soll, z. B. die biblische Erzählung des Turmbaus zu Babel.

Was ist Grammatik und warum ist sie wichtig?

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Grammatik nennt man die Regeln, die angeben, wie man die Wörter gebrauchen soll, damit jeder verstehen kann, was man sagen wollte. Wenn man die Wörter als Bausteine versteht, dann ist die Grammatik der Bauplan, der sagt, wie man mit den Bausteinen ein Haus baut. Wie wir gleich sehen werden, gibt es zwei Arten, in der Grammatik funktioniert: die Wörter in eine bestimmte Reihenfolge setzen oder die Wörter verändern.

Wenn du an Sprache denkst, wirst du sicher zuerst an Wörter denken. Logisch: Du hörst Wörter! Du spürst die einzelnen Wörter in deinen Ohren, aber nicht die Grammatik, jedenfalls nicht so direkt. Trotzdem ist die Grammatik nicht weniger wichtig als die Wörter. Eine Sprache nur aus Wörtern und ohne Grammatik würde nicht funktionieren. Leuchtet das ein? Lieber noch ein Beispiel:

Du hörst folgende Wörter: „Ich, Papa, meinen, mag“. Wenn du wirklich nur diese Wörter hast und keine Grammatik, dann ist jede Reihenfolge erlaubt: „Papa, ich, meinen, mag“, „ich, Papa, meinen, mag“, „meinen, ich, Papa, mag“ und so weiter. Es gibt 24 Möglichkeiten, und keiner versteht auf Anhieb, was du sagen willst. Wenn alle dich verstehen sollen, musst du die richtige Reihenfolge wählen: „Ich mag meinen Papa“.

Ein anderes Beispiel ist „Peter hilft Anja“. An der grammatischen Wortform lässt sich nicht erkennen, wer wem hilft. Also nehmen wir (unbewusst) an, dass Peter der Helfende ist. Hier sehen wir, wie wichtig in der deutschen Sprache die Reihenfolge ist: Wenn wir die Reihenfolge in „Anja hilft Peter“ ändern, wird ein ganz anderer Sinn ausgedrückt, auch wenn die Wörter dieselben sind.

Ein anderes Beispiel: „Anna hilft der Mutter“ und „der Mutter hilft Anna“. Hier hängt der Sinn nicht von der Wortreihenfolge ab. Allerdings wirkt die Wortreihenfolge der zweiten Variante etwas ungewöhnlich.

Die Reihenfolge der Wörter ist nicht für alle Sprachen gleichermaßen wichtig. Im Russischen kann man die Reihenfolge der Wörter frei wählen, ohne dass sich der Sinn des Satzes ändert. Wie ist das möglich? Dadurch dass im Russischen die Wörter Markierungen haben, die zeigen, ob ein Wort Subjekt (Satzgegenstand) ist oder Objekt (Satzergänzung).

Warum sprechen wir nicht alle dieselbe Sprache?

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Eigentlich scheint das auf der Hand zu liegen, für alle Menschen eine einzige Sprache zu entwickeln. Einige Linguisten (Sprachforscher) hatten diesen schönen Einfall. Sie erfanden sogenannte künstliche Sprachen. Doch Sprachen sind tief in der jeweiligen Kultur verwurzelt. Sie sind für die meisten Menschen ein wichtiger Teil ihrer Persönlichkeit (man sagt, sie ist ein „Teil ihrer Identität“). Sprachen haben eine lange und interessante Geschichte. Und aus diesen Gründen wollen die wenigsten Menschen ihre Muttersprache aufgeben. Außerdem ist es schwer, in einer erlernten Sprache im Stillen zu denken und flüssig zu reden. Für dich ist es einfach, Deutsch zu sprechen, aber für viele Erwachsene anderer Länder ist Deutsch eine schwer zu erlernende Sprache.

Linguist – jemand, der Sprachen erforscht
künstliche Sprache oder Kunstsprache – eine von Wissenschaftlern erfundene Sprache
flüssig sprechen – ohne Stocken und ohne Fehler sprechen

Warum gibt es verschiedene Sprachen? Bei Stämmen und Völkern, die Tausende von Jahren getrennt lebten, hat sich die Sprache unterschiedlich weiterentwickelt. Kleine Unterschiede in der Entwicklung häuften sich immer mehr, und schließlich konnten sich die unterschiedlichen Stämme und Völker nicht mehr verstehen.

Die Linguisten untersuchen Ähnlichkeiten zwischen den Sprachen. Deutsch, Englisch, Dänisch und einige andere Sprachen werden zur germanischen Sprachgruppe zusammengefasst. Zur slawischen Sprachgruppe gehören Russisch, Polnisch, Ukrainisch und andere. Es gibt noch indoiranische, baltische und andere Sprachgruppen, die alle zusammen die indoeuropäische Sprachfamilie bilden. Außer der indoeuropäischen Sprachfamilie gibt es die Sinotibetische, Afroasiatische, Eskimo-Aleutische, Tungusische und mehr als fünfzig weitere Sprachfamilien.

Welche Sprachen gibt es?

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Auf der Erde werden heute etwa 5500 Sprachen benutzt, und die Linguisten wissen von weiteren 800 ausgestorbenen Sprachen. Aber nicht alle Sprachen sind weit verbreitet. Manche werden von mehreren Hundert Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, andere in sehr vielen Ländern und wieder andere nur von ein paar Tausend. In diesem Buch teilen wir die Sprachen so ein:

  • Weltsprachen sind diejenigen, die von mehr als 100 Millionen als Muttersprache oder als Zweitsprache gesprochen werden.
  • Sprachen in Europa umfasst diejenigen Sprachen, die in den europäischen Ländern als Hauptsprache gesprochen werden.
  • Dann gibt es Weitere Sprachen, die aus verschiedenen Gründen interessant sind. Beispielsweise war Latein die Sprache des antiken Römischen Reiches und lebt in vielen europäischen Sprachen weiter; Sorbisch ist die Sprache einer kleinen Minderheit in Deutschland.
Fremdsprache – eine Sprache, die nicht die Muttersprache ist, sondern die man zusätzlich erlernt.
Zweitsprache – eine Sprache, die nicht die Muttersprache ist, die man aber im Alltag ähnlich oft benutzt.

Künstliche Sprachen

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Künstliche Sprachen sind eigenartige Sprachen. Sie haben sich nicht auf „natürliche“ Weise entwickelt, sondern wurden von Menschen entwickelt. Gründe dafür, Sprachen zu erfinden, gibt es mehrere. Manche dachten, mit einer internationalen Sprache würden sich die Menschen aus verschiedenen Ländern besser verstehen und weniger streiten. Esperanto ist das bekannteste Beispiel für diese Art von Sprachen. Es ist die einzige künstliche Sprache, die von einer größeren Zahl von Menschen gesprochen wird. Geschätzt wird, dass zwei Millionen sie sprechen.

Einige Kunstsprachen sind Fantasieprodukte wie das Klingonische, das die Klingonen in der Science-Fiction-Serie „Star Trek“ sprechen und das nur für diesen Zweck erfunden wurde. Auch für die Trilogie (dreiteilige Serie) „Der Herr der Ringe“ wurden verschiedene Kunstsprachen für die unterschiedlichen Völker erfunden. Künstliche Sprachen wurden mitunter auch nur zum Spaß erfunden wie zum Beispiel das Toki Pona.

Ungewöhnliche Sprachen

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Einige Sprachen haben keine Zeitform (lateinisch tempus). Das bedeutet, das Verb (das Zeitwort) kommt nur in einer einzigen Form vor. Es gibt also nur „gehen“, nicht „ging“ und „gegangen“. Stell dir vor, man würde dich fragen: „Gehst du gestern zur Schule?“ In den Sprachen ohne Zeitform genügt das Wort „gestern“, um die Zeit auszudrücken. Andere Sprachen arbeiten mit Bildern, um die Zeit auszudrücken. Im Deutschen können wir allerdings auch sagen „Ich gehe gestern zur Schule“, zum Beispiel in dem Satz „Ich gehe gestern zur Schule, da sehe ich einen Verkehrsunfall“. Im Englischen geht das nicht, da kann man die Gegenwartsform „gehen“ niemals mit „gestern“ oder „morgen“ verbinden.

Die Zeitform (das tempus) ist die Form eines Verbs (Zeitwort), die zum Ausdruck bringt, wann eine Handlung oder ein Ereignis stattfindet. Das kann in der Gegenwart, in der Vergangenheit oder in der Zukunft sein: „ich gehe“, „ich ging“, „ich werde gehen“.
Das Verb (Zeitwort) ist ein Wort, das eine Handlung oder ein Ereignis beschreibt (ich „gehe“, es „knallt“)

Siehe auch

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Bei Wikipedia gibt es weitere Hinweise: