Bosnisch, Kroatisch, Montenegrinisch, Serbisch oder Serbokroatisch

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Seitentitel: Wikijunior Sprachen/ Serbokroatisch
(Wikijunior Sprachen/ Serbokroatisch)

Fünf Bezeichnungen für eine Sprache?[Bearbeiten]

Der Begriff Serbokroatisch wurde im Jahr 1824 von Jacob Grimm eingeführt und im Serbokroatischen als srpskohrvatski übernommen. Muttersprachler haben früher die Bezeichnung Illyrisch (ilirski) verwendet. Man sagte aber auch einfach Serbisch oder Kroatisch, meinte damit aber die gleiche Sprache.

Erst nach der Gründung des Staates Jugoslawien im Jahr 1918 gab es häufiger Streit darüber, ob es sich um eine Sprache oder um zwei verschiedene Sprachen handelt. Um sich nicht auf eine Bezeichnung festzulegen, sagte man oft einfach naški (unsere Sprache).

Nach der Aufteilung Jugoslawiens 1992 wurden in den vier hauptsächlich serbokroatischsprachigen Staaten unterschiedliche Bezeichnungen festgelegt, wobei es sich nun offiziell um vier verschiedene Sprachen handelt:

Welche Schriften verwendet diese Sprache?[Bearbeiten]

Für das Serbokroatische werden heute zwei verschiedene Schriften verwendet: Die Lateinschrift (wie zum Beispiel im Deutschen) und die Kyrillische Schrift (wie zum Beispiel im Russischen); allerdings gibt es im Vergleich zum Deutschen und Russischen einige zusätzliche Buchstaben, während andere Buchstaben fehlen.

Die Reihenfolge des Alphabets ist in den beiden Schriften unterschiedlich. Für die Lateinschrift ist die Reihenfolge:

A B C Č Ć D Đ E F G H I J K L Lj M N Nj O P R S Š T U V Z Ž

Die hier gelb unterlegten Buchstaben gibt es im Serbokroatischen, aber nicht im Deutschen. Die Buchstaben Q W X Y gibt es im Serbokroatischen nicht.

Im Montenegrinischen gibt es noch zwei zusätzliche Buchstaben: Ś & Ź.

Für die Kyrillische Schrift gilt folgende alphabetische Reihenfolge (in der rechten Spalte ist jeweils der entsprechende Buchstabe der Lateinschrift):

Kyrillisch Lateinisch   Kyrillisch Lateinisch
А A Н N
Б B Њ Nj
В V О O
Г G П P
Д D Р R
Ђ Đ С S
Е E Т T
Ж Ž Ћ Ć
З Z У U
И I Ф F
Ј J Х H
К K Ц C
Л L Ч Č
Љ Lj Џ
М M Ш Š

Wie wurden und werden die Schriften verwendet?[Bearbeiten]

Glagolithisches Alphabet. Heute können nur noch einige Wissenschaftler diese Schrift lesen.

Als im Jahr 1562 die erste kroatische Übersetzung des Neuen Testamentes gedruckt wurde, wurden zwei Versionen hergestellt: Eine in kyrillischer Schrift und eine in glagolithischer Schrift. Die glagolithische Schrift verlor jedoch rasch an Bedeutung. Lange Zeit war der Gebrauch der Schrift von der Religion abhängig: Katholiken (Kroaten) verwendeten die Lateinschrift, Orthodoxe (Serben und Montenegriner) die kyrillische Schrift. Im 20. Jahrhundert konnten die meisten Jugoslawen beide Schriften lesen. Zwei große Tageszeitungen nutzten beide Schriften abwechselnd in der gleichen Ausgabe. In Kroatien war die Kyrillische Schrift aber kaum gebräuchlich.

Die meisten Bücher erschienen nur in einer der beiden Schriften. Nur Kinderbücher und die Zeitschrift „Mikijev Zabavnik“ (Micky Maus) erschienen in zwei Varianten. In den 1980er Jahren galt die kyrillische Schrift als altmodisch.

Heute wird die kyrillische Schrift an Schulen in Kroatien nicht mehr unterrichtet, so daß jüngere Menschen diese Schrift nicht mehr lesen können. In Serbien kann jeder beide Schriften lesen, allerdings ist nördlich von Belgrad hauptsächlich die Lateinschrift, südlich von Belgrad die Kyrillische Schrift im Gebrauch. In Belgrad selbst werden beide Schriften verwendet. In Montenegro ist hauptsächlich die lateinische Schrift im Gebrauch, genauso wie im bosnisch-kroatischen Landesteil von Bosnien und Herzegowina, während im serbischen Teil hauptsächlich die kyrillische Schrift verwendet wird.

Wie wird Serbokroatisch geschrieben und ausgesprochen?[Bearbeiten]

Im Serbokroatischen schreibt man alles so, wie man es spricht. Es gibt also, anders als zum Beispiel im Englischen oder Französischen, keine Probleme mit der Aussprache, wenn man weiß, wie die einzelnen Buchstaben ausgesprochen werden. Bei manchen Buchstaben ist die Aussprache anders als im Deutschen:

  • Das serbokroatische C wird immer so ausgesprochen wie das deutsche Z.
  • Das serbokroatische H ist stärker hörbar als das deutsche H. Je nach Dialekt wird ein kräftiges Ch (wie in doch) daraus.
  • Das serbokroatische R wird vorne gerollt, so wie im fränkischen Dialekt des Deutschen: Dabei bewegt sich die Zunge ganz schnell auf und ab. Es gibt im Serbokroatischen Wörter, die man nicht aussprechen kann, wenn man das vorne gerollte R nicht hinbekommt, weil diese Wörter keinen Selbstlaut enthalten. Beispielsweise gibt es eine Insel namens Krk, „Garten“ heißt vrt, „schwarz“ heißt crn.
  • Das serbokroatische V wird so ähnlich ausgesprochen wie das deutsche W, niemals als F.
  • Das serbokroatische Z wird ähnlich wie das deutsche S ausgesprochen.
  • Š und Ž ähneln beide dem deutschen Sch.
  • Č, Ć, Đ und ähneln alle dem deutschen Tsch oder Dsch und werden etwas unterschiedlich hart oder weich ausgesprochen. Da die Unterschiede zwischen den vier Buchstaben nicht groß sind, machen auch Muttersprachler oft Fehler, wenn sie das Wort Ćevapčići schreiben.

Namen aus anderen Sprachen werden im Serbokroatischen (außer in Kroatien) meistens in der Schreibung so verändert, dass diese der Aussprache entspricht. So wird in einer serbokroatischen Zeitung zum Beispiel Majkl Džekson, Britni Spirs, Džordž Vašington, Helmut Šmit und Mišlin Kalmi-Re stehen (für: Michael Jackson, Britney Spears, George Washington, Helmut Schmidt und Micheline Calmy-Rey).

Im Serbokroatischen wird alles klein geschrieben. Groß schreibt man nur Namen, und natürlich am Satzanfang.

Wie viele Menschen sprechen Serbokroatisch und wo spricht man diese Sprache?[Bearbeiten]

In dem hellblau markierten Gebiet wird eine der serbokroatischen Standardvarietäten gesprochen

Serbokroatisch bzw. eine der serbokroatischen Standardvarietäten wird von rund 17 Millionen Menschen gesprochen, die in Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien und Montenegro leben.

Etwa 50.000 Menschen in Österreich sind Burgenlandkroaten, deren Vorfahren schon vor langer Zeit dort siedelten, als das Burgenland noch zu Ungarn gehörte.

Mehrere Millionen Menschen aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien leben im Ausland (Deutschland, Österreich, Schweiz, USA, Kanada, Australien usw.). Die im Ausland geborenen Kinder jugoslawischer Auswanderer haben oft nur noch mittelmäßige Serbokroatisch-Kenntnisse. Oft können sie sich gut über Alltagsthemen unterhalten, kennen aber speziellere Wörter nicht.

Welche Dialekte gibt es?[Bearbeiten]

Welche ähnlichen Sprachen gibt es ?[Bearbeiten]

Wer serbokroatisch kann, versteht auch Slowenisch und Mazedonisch ohne große Probleme. Bulgarisch ist schon etwas schwieriger zu verstehen, auch im Russischen versteht man noch einen großen Teil der Wörter.

Wer gehört zu den berühmten Autoren und Dichtern, die in dieser Sprache schrieben?[Bearbeiten]

Welche Redewendungen könnten in dieser Sprache nützlich sein?[Bearbeiten]

Welche Wörter versteht man, ohne die Sprache zu können?[Bearbeiten]

Im Serbokroatischen gibt es viele Fremdwörter aus dem Deutschen, Englischen und Türkischen.

Manche der deutschen Fremdwörter wurden von den Donauschwaben eingeführt, die vor langer Zeit aus dem pfälzischen und schwäbischen Dialektgebiet des Deutschen ausgewandert sind. Daher kommt zum Beispiel krumpir (Kartoffel) von Grumbeere (so heißen Kartoffeln im Pfälzer Dialekt; aus Grundbeere verschliffen). Später wurden technische Begriffe aus dem Deutschen übernommen, zum Beispiel šalter (Schalter) und auspuh (Auspuff). Als in den 1960er Jahren viele Jugoslawen nach Deutschland kamen, wurde das Wort gastarbajter (Gastarbeiter) ins Serbokroatische übernommen.

International verständlich sind beispielsweise die Monatsnamen (januar, februar, mart ...), sowie Begriffe wie restauran (Restaurant), hotel (Hotel) und telefon (Telefon). Diese werden allerdings in Kroatien inzwischen häufig durch andere Wörter ersetzt, die keine Fremdwörter sind.

Welche Wörter bedeuten nicht das, was man vermutet?[Bearbeiten]

Dieses Phänomen nennt man falsche Freunde: Du liest oder hörst ein Wort in einer fremden Sprache und weißt sofort, was es bedeutet. In Wirklichkeit heißt es aber etwas ganz anderes.

  • da gibt keinen Ort an, sondern bedeutet „ja“
  • grad gibt nicht die Temperatur an, sondern bedeutet „Stadt“
  • krug ist kein Gefäß, sondern bedeutet „Kreis“
  • rad ist nicht ein Fahrzeugteil, sondern bedeutet „Arbeit“

Gibt es einen einfachen Text, den ich in dieser Sprache lernen kann?[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Aus der deutschen Wikipedia wurden die folgenden Artikel berücksichtigt: