Gitarre: Akkorde heraushören

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To-Do:

Dieser Workshop ist in einem Gitarrenforum entstanden, und muss korrekturgelesen werden, stilistisch noch überarbeitet und nachformatiert werden. Ebenfalls auf Fehler überprüft werden.

Workshop Akkorde heraushören[Bearbeiten]

In diesem Workshop beschreibe ich euch mal, wie ich üblicherweise Akkorde eines halbwegs einfachen Liedes heraushöre. Also Lieder, die man in handelsüblichen Liederbüchern findet, wie beispielsweise die Liederbuchreihe "Das Ding" oder "Hit Session". Es geht um Lieder, die mit gewöhnlichen Dur- und Moll-Akkorden begleitet werden (egal ob mit oder ohne Barré-Akkorde).

Ich gehe davon aus, dass es sich nicht gerade um ein schweres Jazz-Stück oder ähnliches handelt, sondern eher um ein einfaches Pop- oder Rocklied. Ich rechne in diesem Workshop nicht damit, dass du dich sehr gut in Musiklehre auskennst, erwarte aber, dass du wenigstens eine grundlegende Ahnung von Akkorden und Tonleiter hast, und dass du schon ein paar Lieder in deinem Repertoire hast. Und ich gehe einfach mal davon aus, dass du Barré-Akkorde lieber meidest. Ab und zu verweise ich auf andere Artikel, wo du dein Wissen vertiefen kannst.

Da es vom Konzept des Gitarrenkurses hier auf den Wikibooks egal ist, ob man nach dem Folkdiplom lieber mit dem Rockdiplom oder zuerst mit dem Balladendiplom weiter macht, kann es durchaus sein, dass du hier auf ein paar Informationen stößt, mit denen du jetzt noch nicht so viel anfangen kannst. Jedoch gehe ich davon aus, dass du diese Wissenslücken früher oder später schließen wirst. Ab und zu verweise ich auf andere Artikel, wo du dein Wissen vertiefen kannst.

Dieser Workshop geht auf eine konkrete Anfrage von Ute zurück, welche mich per E-Mail nach Akkorden zu einem bestimmten Lied gefragt hat. Eigentlich antwortet kaum ein Mitglied eines Gitarrenforums gerne auf private E-Mail-Anfragen, da diese Information und damit verbundene Arbeit nur einer Person zugute kommt. In einem Forum oder ähnlichem sozialem Medium nutzt die Antwort gleich vielen Personen, und man kann auf die erstellte Antwort immer wieder zurückgreifen und auf die Mitarbeit anderer hoffen. Wie dem auch sei, aufgrund dieser Anfrage ist der Impuls zu diesem Workshop entstanden.

Der Workshop mag durch einige Wiederholungen recht langatmig erscheinen, aber es bleiben dadurch hoffentlich kaum Fragen offen. Du wirst sehen, dass es lange nicht so schwer ist, wie du jetzt noch glaubst.

Wenn du noch gar keine Ahnung von Harmonielehre hast, weil du die entsprechenden Lektionen hier im Gitarrenkurs vernachlässigt hast, oder als Quereinsteiger diesen Artikel im Netz gefunden hast, dann mache langsam und nimm dir nur eine Lektion nach der andern vor. Sobald es dir zu viel wird, mach eine Pause.

Lektion 1 - Suche nach Tabs im Netz[Bearbeiten]

Wenn du diesen Artikel hier lesen kannst, dann kann ich wohl davon ausgehen, dass du ein Internetzugang hast. Also gebe den Titel des Liedes und den Interpreten in die Suche (Google oder ähnliches) ein.

Ein Student aus Upsala war die tatsächliche Anfrage von Ute und soll hier als Beispiel dienen. Meist hat man Glück damit. Aber bei diesem Lied hatte ich zu dem Zeitpunkt der Anfrage mal ausnahmsweise kein Glück gehabt. Jedoch habe ich mittels Suchmaschine den Text gefunden.

Oft lohnt es sich auch mal bei Youtube oder ähnlichen Portalen nach einer Live-Aufnahme, einem Cover oder sogar ein Tutorial des Liedes zu suchen. Mitunter kann man dem Gitarrenspieler auf die Finger schauen und so einen Anhalt für die Akkorde bekommen. Im konkreten Fall fand ich die Originalversion des Liedes auf Youtube. Um Akkorde von den Fingern abzuschauen, half es mir nicht weiter.

Manchmal hilft die Homepage vom Midi- und Karaokeplayer vanBasco weiter

Hätte die Suche Erfolg gehabt, dann hätte ich das Tempo des Midis mit dem VanBasco-Player so langsam schalten können, dass ich die einzelnen Noten am Klavier des Programmes ablesen kann. Zur Not hätte ich das Midi auch ein paar Halbtonschritte höher oder tiefer stellen können, um eine gefälligere Tonart zu bekommen. Ein paar Grundlegende Kenntnisse über die Klaviertastatur sind hierbei schon hilfreich. Bei diesem Lied hab ich leider keinen Erfolg gehabt.

Bei dem Lied "Ein Student aus Upsalla" haben wir jetzt keinen wirklichen Erfolg mit der Suche. Und es gibt auch kein Tab dazu. Für die folgenden Lektionen gehe ich also einfach mal davon aus, dass wir überhaupt keine Hilfe im Netz gefunden haben.

Lektion 2 - Probiere alle einfachen Akkorde aus[Bearbeiten]

Das erste, was man ausprobieren kann, sind alle einfachen Akkorde. Als einfache Akkorde sehe ich die Akkorde an, die man im Lagerfeuerdiplom und im Folkdiplom lernt.

Merke dir dazu einfach mal folgenden Merksatz:

  • Fähige Clevere Gitarristen Denken An Einen Barré

Damit habe ich alle Akkorde beisammen, die ich zu den einfachen Grundakkorden zähle.

F C G D A E B

D-, A- und E-Dur gibt es natürlich auch in der Moll-Form.

F C G D(m) A(m) E(m) B

Und für das englische B spielen wir den H7

F C G D(m) A(m) E(m) H7

Was macht man mit diesen Akkorden? Lasse das Stück abspielen, und probiere aufs Geratewohl einfach die Akkorde aus, und höre selbst, ob der Akkord passen könnte. Dass deine Gitarre richtig gestimmt sein muss, versteht sich hoffentlich von selbst.

  • E-Dur ??? Passt irgendwie, aber nicht ganz. Es ist leicht daneben.
  • G-Dur ??? Passt gar nicht.
  • D-Dur ??? Passt ebenfalls nicht.
  • C-Dur passt manchmal !!!
  • F-Dur passt am Anfang !!!

Wenn wir einen passenden Akkord gefunden haben, dann stehen die anderen Akkorde im Qintenzirkel meist in unmittelbarer Nachbarschaft. In Lektion 4 siehst du, dass du ihn mit dem gerade gelernten Merksatz schon fast auswendig kannst. Wenn die Tonart sehr einfach ist, sollte deine Erfahrung schon ausreichen, die übrigen zugehörigen Akkorde der Tonart zu finden.

Tipp

Sollte mal gar kein Akkord passen, kann es sich um eine B-Tonart oder eine Kreuztonart mit vielen Vorzeichen handeln. In dem Fall nimm dir ein Capo zur Hilfe und setze diesen in den ersten Bund. Du musst zwar später etwas herumrechnen, aber du hast gleich mehr Treffer bei Kreuz- und B-Tonarten (Lieder, bei denen normalerweise Unmengen von Barré-Akkorden gespielt werden müssten.) Siehe dazu weiter unten: Tipps im Umgang mit Tonarten.

Lektion 3 - Grenze die Tonart ein[Bearbeiten]

Wenn man den Anfangs- oder Schlussakkord gefunden hat, so grenzt das die Möglichkeiten extrem ein. Meist gibt der Anfangsakkord und der Endakkord einer Strophe oder des Refrains auch die Tonart mit an. Hier bei diesem Lied wäre es also F-Dur.

Exkurs Tonart mittels Improvisationsskalen ermitteln[Bearbeiten]

Was mache ich aber, wenn ich keinen bekannten Akkord finde? Da muss ich versuchen, die Tonart aus den Tönen des Interpreten herauszufinden. Damit das klappt, muss ich mich ein wenig mit dem Improvisieren beschäftigen. Das Thema wird genauer im Band Sologitarre: "Tonart mittels Skalen bestimmen" beschrieben. Hier als Kurzfassung die Anwendung am Beispiel "Ein Student aus Upsala":

Klimpere ein paar Töne auf dem Griffbrett herum. Meide die Töne, die nicht zum Lied passen wollen, die anderen verwende weiter. Suche nach den kleinen Sekunden.

Scala Carree.svg

Dort wo die "1" ist, befindet sich der Grundton der zugrundeliegenden Dur-Tonleiter. Sie finden sich meist in dem ersten oder zweiten Fintersatz wieder.

|Scala ZM K.svg
|Scala Z RK.svg

Finde ich diese nicht auf Anhieb, muss ich ein paar Bünde weiterrücken, oder die Saitenlage wechseln. Wenn ich die Methode mit den Improvisationsskalen auf das Lied anwende, dann finde ich mit ein wenig Versuch und Irrtum folgende Töne, mit denen ich über das Lied improvisieren kann.

             III      V    
E ||---|---|-Z-|---|-M-|-K-|---|
H ||---|---|-Z-|---|-M-|-K-|---|
G ||---|-Z-|-M-|---|-K-|---|---|
D ||---|-Z-|-M-|---|-K-|---|---|
A ||---|---|---|---|---|---|---|
E ||---|---|---|---|---|---|---|

oder

             III      V      VII   
E ||---|---|---|---|-Z-|-M-|---|-K-|---|
H ||---|---|---|---|-Z-|-M-|---|-K-|---|
G ||---|---|---|---|-Z-|---|-R-|---|---|
D ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|
A ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|
E ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|

Ich suche das Karré (die kleinen Sekunden bzw. die Töne, die direkt nebeneinander liegen)

             III      V   
E ||---|---|---|---|-M-|-K-|-
H ||---|---|---|---|-M-|<1>|-
G ||---|-Z-|-M-|---|---|---|-
D ||---|-Z-|<1>|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|-

Von denen weiß ich, welche Intervalle das in einer Tonleiter sind (der wievielte Ton dieses in einer Tonleiter ist). Wichtig ist vor allem: Aus der Sicht des Gitarrenspielers ist die <1> (also der Startton der Dur-Tonleiter) rechts oben. (Nicht vergessen, in der Tabulatur steht ja alles auf dem Kopf!)

Mit der <1> habe ich auch den Grundton der Dur-Tonleiter. Den kann ich einfach abzählen. Entweder von der D-Saite aus:

  • D ||-D#|-E-|<F>|-

Oder ihr versucht es vom 5. Bund aus. Im 5. Bund der H-Saite ist der Stimmton der hohen E-Saite. Ein Bund daneben ist das F.

            III      V 
H ||---|---|---|---|-E-|<F>|---|

Die C-Dur-Tonleiter auf den ersten drei Bünden sollte man schon auswendig können oder in nächster Zeit lernen.

Also ich weiß, dass die <1> der Ton F ist, also liegt die Tonart F-Dur vor, oder falls es die Mollparallele Dm ist, so würde diese das selbe Tonmaterial und damit die selben Akkorde der F-Dur-Tonleiter verwenden. Um genau zu sein, gibt es bei Molltonarten doch einen kleinen Unterschied, den man in der entsprechenden Lektion genauer erläutern muss, aber für diese Lektion reicht die grob vereinfachte Darstellung völlig aus.

Lektion 4 - Grenze die Akkorde ein[Bearbeiten]

Hierbei hilft euch der Merkspruch aus Lektion 2:

Fähige Clevere Gitarristen Denken An Einen Barré

Schreibt euch die Tonfolge 3 mal hintereinander auf einen Zettel!

F C G D A E B | F C G D A E B | F C G D A E B

fügt den ersten 7 Tönen ein "b" bei, und den letzten 7 ein "#"

Fb Cb Gb Db Ab Eb Bb | F C G D A E B | F# C# G# D# A# E# B#

Das ist die englische Form des Quintenzirkels ausgerollt als eine Linie. Den müsst ihr nur die erste Zeit aufschreiben. Wenn du den Quintenzirkel mal etwas häufiger anwendest, dann wird er dir genauso geläufig sein, wie das Alphabet, oder die Tonleiter, die man auch auswendig können sollte, oder wie die Reihenfolge der Monate etc. Alles nur eine Frage der Übung und der stetigen Wiederholung.

Im deutschen müsste man eigentlich aus dem B ein H machen, und aus dem Bb ein B

Fb Cb Gb Db Ab Eb B | F C G D A E H | F# C# G# D# A# E# H#

Du siehst hoffentlich, dass die englische Variante viel einfacher und übersichtlicher ist. Von daher verwende ich diese weiter.

Finde den Grundton der Dur-Tonleiter

Ich habe meinen Grundton F (bzw. Grundakkord F-Dur) gefunden, und suche diesen nun im Quintenzirkel:

Fb Cb Gb Db Ab Eb Bb | F C G D A E B | F# C# G# D# A# E# B#

Auch bei einer Moll-Tonleiter würde ich zuerst die Dur-Parallele Suchen. Also auch bei der Tonart Dm würde ich mit dem Ton F für F-Dur anfangen. Finde ich halt einfacher, weil ich ja den Grundton der zugrunde liegenden Dur-Tonleiter im Karré gefunden habe. Ginge aber auch anders rum.


Bestimme die Dur-Akkorde

Ich nehme jetzt einfach die beiden Nachbarn mit hinzu, und habe die drei Dur-Akkorde gefunden, die üblicherweise in einem Lied in F-Dur vorkommen.

Fb Cb Gb Db Ab Eb Bb | F C G D A E B | F# C# G# D# A# E# B#

Also Bb-Dur F-Dur und C-Dur


Bestimme den typischen Dominant-Sept-Akkord

Der linke Akkord dieser Dreiergruppe nennt man die Dominante. Und der kommt oft als 7er-Akkord (Dominant-Sept-Akkord) vor

Fb Cb Gb Db Ab Eb Bb | F C7 G D A E B | F# C# G# D# A# E# B#

Aus dem Lagerfeuerdiplom wissen wir aber, dass man Ziffern bei Akkorden meist problemlos weglassen kann. Vergleiche dazu: (Wikibooks) Die Dur-Kadenz - Das große Dreigestirn.

Bestimme die üblichen Moll-Akkorde

Die nächsten drei Töne gehören auch noch mit zur F-Dur-Tonleiter, und sie sind gleichzeitig die Grundtöne der Moll-Akkorde

Fb Cb Gb Db Ab Eb Bb | F C7 Gm Dm Am E B | F# C# G# D# A# E# B#

Wenn es sich bei diesem Lied um ein Stück in Moll handelt, so wäre die Tonart der mittlere der Moll-Akkorde.

... Gm Dm Am ...

Also Dm.


Bestimme die Dominante der Moll-Tonart

Wenn es sich um eine Moll-Tonart handelt, so kommt es oft vor, dass man aus dem rechten der drei Nachbarn einen Dur- oder Dur7-Akkord

... Gm Dm A7 ...

Wenn du schon ein paar Lieder in Moll gespielt hast, sollte es dir schon bekannt sein. Wenn nicht, solltest du dich ein wenig mit Liedern in Moll beschäftigen. Aus dieser Moll-Dominante ergibt sich übrigens der kleine Unterschied, auf den oben hingewiesen wurde.

Jetzt hast du alle üblichen Akkorde der Tonart beisammen

Wir erwarten also folgende Akkorde bei der F-Dur-Tonleiter.

Bb F C Gm Dm Am

Wir rechnen dabei eventuell noch mit folgenden Dur7-Akkorden

Bb F C(7) Gm Dm Am (A7)

Natürlich müssen nicht alle 6 Akkorde vorkommen. Es gibt ja auch Lieder mit 2, 3 oder 4 Akkorden.

Kurz zusammengefasst
  • Grundton der Dur-Tonleiter und die beiden Nachbarn im Quintenzirkel ergeben die Dur-Akkorde.
  • Die nächsten drei rechten Nachbarn sind die Moll-Akkorde.
  • Der rechte Akkord der drei Dur-Akkorde und auch der rechte Nachbar der drei Moll-Akkorde (bei einer Moll-Tonart) kann auch mal als Dur7-Akkord erscheinen.

Die Methode lässt sich schnell lernen und leicht anwende und funktioniert bei jeder Tonart und den allermeisten Liedern. Zudem erspart man sich das lästige Abzählen der Halbtonschritte.

Du brauchst dazu nur einen einzigen Merkvers auswendig zu lernen.

Fähige Clevere Gitarristen Denken An Einen Barré

Ausführlichere Informationen kannst du noch einmal im Buch Musiklehrer: "Der Quintenzirkel" nachlesen.

Nach dieser Methode hast du alle Akkorde beisammen, die man am ehesten bei einem Lied in einer bestimmten Tonart üblichersweise erwartet. Allerdings musst du gelegentlich mal mit ein paar Ausnahmen rechnen. Einige Tipps dazu findest du in der nachfolgenden Lektion Tonleiter-fremde Akkorde.

Fehlt noch der 7. Ton bzw. der 7.Akkord

Der Vollständigkeit halber muss man nun noch den nächsten Nachbarn der Moll-Akkorde mit hinzunehmen (das E) um alle Töne bzw. Akkorde der F-Dur-Tonleiter beisammen zu haben.

Alle 7 Töne der F-Dur-Tonleiter sind:

Bb F C G D A E

und alle 7 Akkorde die man üblicherweise in F-Dur verwendet sind

Bb F C(7) Gm Dm Am(A7) und Em7b5

Allerdings kommt der Moll7-Akkord mit verminderter Quinte (b5) doch eher selten vor, sodass wir den Em7b5 vorerst vernachlässigen können. Der wird nur dann mal interessant, wenn du dich mehr für verjazzte Stücke interessierst.

Bei einfachen Rock- und Popsongs und wie hier bei Schlagern kommt der so gut wie nicht vor, also erwarten wir nach wie vor die Akkorde

Bb F C(7) Gm Dm Am (A7)

Lektion 5 - Vereinfache die Tonart[Bearbeiten]

Wir haben ein Problem: In den Vorgaben haben wir angenommen, dass ihr nach Möglichkeit Barré-Akkorde meiden wollt. Auch Profis spielen nicht unbedingt gerne Barré-Akkkorde. Wenn mal einer oder zwei mit dabei sind, ist das kein Problem. Aber wenn mehrere dabei sind, dann wird die Begleitung nicht unbedingt einfacher. Viele Hammering-On und Pull-Offs, viele Bassläufe und andere Akkordverziehrungen (sus4 add9 etc.) klappt halt in den Tonarten mit weniger Barré-Akkorden viel leichter.

In der Tonart F-Dur haben wir einige Barré-Akkorde

Bb F C Gm Dm Am

Gut, den F-Dur könnte man zur Not noch vereinfachen, und das kleine F-Dur spielen, aber der Bb-Dur und Gm kann man nur schlecht vereinfachen. Besser ist es da, gleich die ganze Tonart zu wechseln.

Mal einen Versuch:

Original-Tonart F-Dur

Bb F C Gm Dm Am

Einen Ton höher nach G-Dur

C G D Am Em Bm

G-Dur hat nur einen Barré mit dabei. Den Bm (auf deutsch Hm). Oft kommt der aber gar nicht im Lied vor, denn es müssen ja nicht unbedingt alle 6 möglichen Akkorde auch im Lied vorkommen. Und wenn er doch mal vorkommt, so gibt es den Trick, dass man einfach versucht, den Bm durch ein D-Dur (Mollparallele) auszutauschen.

(Wikibooks) Mollparallelen

Das blöde an G-Dur ist hier, dass man dazu erst mal die Akkorde des Liedes kennen muss. In unser Vorgabe haben wir aber gesagt, dass wir nur das Lied in F-Dur haben und aus diesem die Akkorde heraushören wollen. Es bringt also nicht viel, zu versuchen die Akkorde von G-Dur heraushören.

Also wenden wir hier einen Trick an. Wir setzen die Tonart nicht rauf, sondern runter. Jetzt haben wir zwar wieder die Tonart geändert, aber dagegen können wir etwas machen: Wir nutzen einfach das Capo und setzen damit die Tonart wieder rauf.

Um ein Capo optimal zu nutzen, musst du dich natürlich mit dem Transponieren (ein Lied höher oder tiefer setzen) und dazu die chromatische Tonleiter auswendig können. Jeder Musiker (auch der Hobby-Musiker) sollte sich mit dem Aufbau von Tonleitern und mit Halbtonschritten auskennen. Solltest du dies nicht können, so ist es ratsam, über kurz oder lang diese Wissenslücken zu schließt.

Wiederholung
chromatische Tonleiter der Kreuztonarten lautet wie folgt:
A A# B C C# D D# E F F# G G# A A# B C C# D D# E F F# G G# A A# B C...

Die Töne der Bb-Tonarten kann man sich von den Kreuztonarten ableiten.

A# = Bb | C# = Db | D# = Eb | F# = Gb | G# = Ab

(nicht vergessen engl. B = deutsches H.)

Weiter im Text

Die Tonart F-Dur von dem Lied gefällt mir nicht, weil da zu viele Barrés mit dabei sind.

  • Capo im 0. Bund = Bb F C(7) Gm Dm Am

Also setze ich den Capo einfach in den 1. Bund, und nehme die Akkorde, die einen Halbtonschritt vor den F-Dur-Akkorden sind, also die Akkorde von E-Dur.

  • Capo im 1. Bund = A E B(7) F#m C#m G#m

Wären jetzt bei dem Lied nur Dur-Akkorde mit dabei (wie im Refrain), dann könnte ich das Lied ganz einfach mit den Akkorden E A und H7 (engl. B7) begleiten. Aber auch wenn ich das Lied noch nicht vollständig gehört habe rechne ich in der Tonart E-Dur mit weiteren Moll-Akkorden, die ich als Barré-Akkorde lieber umgehen möchte. Also weiter probieren. Du kannst davon ausgehen, dass alle Dur- und Moll-Akkorde, die nicht in Lektion 2 genannt wurden, Barré-Akkorde sind.

Ein Halbtonschritt vor dem E kommt das D# bzw. Eb. Merke dir mal, dass man beim Grundton einer Dur-Tonleiter die B-Tonarten bevorzugt. Also kommt vor E-Dur die Tonart Eb-Dur und nicht D#-Dur. Allein schon, weil der Akkord D# die Durterz F## = Fisis hat. (Nein, bei F## handelt es sich nicht um einen Druckfehler) Wenn es nicht unbedingt sein muss, sollte man solche Intervalle lieber meiden.

Die vollständige Aufzählung für dieses Lied
  • Capo im 0. Bund = F-Dur mit den Akkorden: Bb F C(7) Gm Dm Am
  • Capo im 1. Bund = E-Dur mit den Akkorden: A E B(7) F#m C#m G#m
  • Capo im 2. Bund = Eb-Dur mit den Akkorden: Ab Eb Bb(7) Fm Cm Gm (wenig hilfreich)
  • Capo im 3. Bund = D-Dur mit den Akkorden: G D A(7) Em Bm F#m (evtl. möglich aber 2 Barrés)
  • Capo im 4. Bund = Db-Dur mit den Akkorden: Gb Db Ab(7) Ebm Bbm Fm (wenig hilfreich)
  • Capo im 5. Bund = C-Dur mit den Akkorden: F C G(7) Dm Am Em (Keine Barrés !!!)

Also setzen wir doch für das Lied einfach den Capo in den 5. Bund, und probieren an dieser Position die folgenden Akkorde der C-Dur-Tonart aus F C G(7) Dm Am Em Mehr zum Thema Transponieren:

Lektion 6 - Bestimme die Akkorde[Bearbeiten]

Jetzt wissen wir, dass bei dem Lied in F-Dur hauptsächlich die Akkorde F C G Dm Am Em (rein grifftechnisch gesehenn) vorkommen, wenn man den Capo in den 5. Bund setzt. Mit den Akkorden einer einfacheren Tonarten, in der man viel mehr Erfahrung hat, fällt es viel einfacher diese Akkorde durch Versuch und Irrtum sowie aus Erfahrung herauszuhören.

Wende hierbei alles an, was du beim Lagerfeuerdiplom über die Durkadenz und beim Folkdiplom über die Moll-Parallelen gelernt hast. Insbesondere über die "Charakter" der Akkordfunktionen Tonika, Subdominante und Dominante (s.Lektion 11).

Rechne aber immer damit, dass doch einmal ein Akkord aus der Reihe tanzt, und ein anderer als die 6 beschriebenen mit dabei ist. Jedoch wirst du feststellen, dass du meist mit diesen 6 Akkorden Erfolg haben wirst. Der Rest sind halt die Ausnahmen von der Regel.

Versuche es bei dem Lied:

Vorspiel und Refrain
  • C F G C
  • C F G C
Strophe
  • C C F C
  • Dm Dm G G7
  • C C F C
  • C F G7 C

Das Lied würde sich so singen lassen. Aber es gibt hier eine kleine Ausnahme, die man kennen sollte. Der Dm, den wir üblicherweise erwarten, wird hier zu einer sogenannten Zwischendominante. Vielleicht erinnerst du dich noch an die Abschluss-Lektion vom Lagerfeuerdiplom über die Zwischendominante.

Ich warnte dich ja schon vor, dass du mit kleinen Ausnahmen rechnen musst. Aber bei nur einem Akkord hält sich die Suche nach den Ausnahmen doch sehr in Grenzen.

Also spielt man die Strophe folgendermaßen
  • C C F C
  • D7 D7 G G7
  • C C F C
  • C F G7 C

Damit hätten wir unser Ziel fast erreicht. Wenn du aber das Originalstück weiter anhörst, haben wir noch ein Problem. Bei der zweiten Strophe funktionieren unsere ganzen Akkorde nicht mehr. Die wandern einfach jede Strophe einen Halbton rauf. Das ist eine Frechheit! (Zumindest für all die Gitarristen, die Barrés lieber so gut es geht reduzieren oder ganz meiden wollen. ;))

Aber weißt du was? Für den Hausgebrauch bleiben wir doch einfach in einer Tonart und machen die Steigerung nicht mit. Solche Spielereien können warten, bis du dich mit den Barré-Akkorden viel besser auskennt.

Lektion 7 - Rechne die Originaltonart aus[Bearbeiten]

und finde evtl. eine geeignetere Tonart.

Auch wenn die meisten ihr Ziel erreicht haben dürften, will ich doch noch ein paar Schritte weiter gehen. Wir wissen, die Original-Tonart war F-Dur, und nicht C-Dur. Also transponieren wir unsere Akkorde wieder zurück in die Original-Tonart.

Wir wissen noch

  • Capo im 5. Bund = C-Dur mit den Akkorden: _F C G(7) Dm Am Em
  • Capo im 0. Bund = F-Dur mit den Akkorden: Bb F C(7) Gm Dm Am

Ich kann nur empfehlen, Akkorde einer Tonart immer in der Reihenfolge des Quintenzirkels zu notieren. Wenn du einmal den Merksatz kannst, ist dieses wirklich der einfachste Weg, zumal das lästige Ausrechnen der Vorzeichen wegfällt. Ich kann dir den Quintenzirkel nur allerwärmstens ans Herz legen! Er ist schnell notiert, und die Akkorde müssen nur abgelesen werden. Auch wenn du die Akkorde eines Liedes direkt vom Blatt im Kopf 4 Töne höher bzw. 5 Töne tiefer spielen willst, so brauchst du nur jeden Akkord im Quintenzirkel eines nach links zu rückt. Will man sie im Kopf 5 Töne Höher bzw. 4 Töne tiefer spielen rückt man im Quintenzirkel einfach einen Platz nach rechts. Dieses ist die häufigste Anwendung. Wenn man eine einfache Tonart hat, aber die Tonlage viel zu hoch oder viel zu tief ist, dann liegt die nächste einfache Tonart, die ehr zur benötigten Stimmlage passt, eine Quinte höher oder tiefer. Das selbe solltest du auch die Tonleiter rauf oder runter können. Diese Fähigkeit ist auch hier für unser Lied sehr praktisch.

aus
  • C F G C | C F G C
  • C C F C | D7 D7 G G7
  • C C F C | C F G7 C
wird
  • F Bb C Bb | F Bb C Bb
  • F F Bb F | G7 G7 C C7
  • F F Bb F | F Bb C7 F

Solange du dich noch nicht so gut mit dem Quintenzirkel auskennst, kannst du natürlich auch eine Transponier-Tabelle verwenden.

Finde eine geeignetere Tonart für den Hausgebrauch

Wir hören, dass Kirsti im Video die Tonleiter bei jeder Strophe um einen Halbtonschritt erhöht. Sie fängt mit F-Dur an, geht dann weiter nach Gb-Dur und dann kommt sie bei G-Dur an. G-Dur ist wieder eine recht einfache Tonart. Also versuchen wir, jetzt, da wir die Akkorde herausgefunden haben, doch einfach mal die F-Dur-Verson nach G-Dur zu transopnieren.

aus
  • F Bb C Bb | F Bb C Bb
  • F F Bb F | G7 G7 C C7
  • F F Bb F | F Bb C7 F
wird
  • G C D C | G C D C
  • G G C G | A A7 D D7
  • G G C G | G C D7 G

Das ich hier A A7 und nicht A7 A7 spiele, ist eine gängige Variante, die man immer ausprobieren kann, wenn ein 7er Akkord angezeigt wird. Wurde näher im Folkdiplom beim G7-Akord beschrieben.

Hätte man also schon bei der F-Dur-Variante machen können

  • F F Bb F | G G7 C C7

Spult mal das Originale Musikstück auf 1 Minute und 20 Sekunden vor, und versucht mal die G-Dur-Akkorde

Die G-Dur-Variante wäre jetzt wohl die Variante, die ich für den Hausgebrauch ohne Capo verwenden würde.

Zusammenfassung

Wenn ich also irgendeine Tonart habe, die mir nicht so ganz gefällt, dann wandere ich einfach die chromatische Tonleiter rauf oder runter, und suche mir die nächste Tonart, die für mich leichter spielbar ist, aber die immer noch singbar ist. Wenn es eine gut spielbare Tonart gibt, die aber nicht singbar ist, dann nutze ich das Capo. Dazu sollte man sich aber erst mal grundsätzlich mit den 12 Tonarten beschäftigen, um zu wissen, welche brauchbar sind, und welche einfacheren in der Nähe sind.

Lektion 8 - Tipps im Umgang mit Tonarten[Bearbeiten]

Du hast dir hoffentlich ein Herz gefasst und den Quintenzirkel auswendig gelernt. Man braucht dazu ja nur den einen Merkspruch:

Fähige Clevere Gitarristen Denken An Einen Barré

Die Anfangsbuchstaben 3 mal hintereinander aufschreiben, die ersten 7 mit "b" die letzen 7 mit "#"

Fb Cb Gb Db Ab Eb Bb | F C G D A E B | F# C# G# D# A# E# B#

Wie schon gesagt, kannst du davon ausgehen, dass alle Akkorde die nicht in Lektion 2 aufgeführt wurden, Barrè-Akkorde sind. Du siehst selbst, dass, je mehr die Tonart in der Mitte ist, desto einfacher ist diese. Je weiter sie nach rechts oder links wandert, desto komplizierter (wegen Barrés) wird sie.

C-Dur[Bearbeiten]

Die einfachste Tonart ist C-Dur/Am, da dafür keine Barrés und keine Vorzeichen gebraucht werden

  • C-Dur = F C G(7) Dm Am Em (E7 bei der Tonart Am)

Die Kreuztonarten[Bearbeiten]

Wende bei jedem Beispiel den gelernten Merksatz an und überprüfe, ob du auch die Akkorde der Tonarten auch selbständig finden kannst. Was Vorzeichen sind und wie man sie im Notenbild bestimmt, findest du genauer im Quintenzirkel erklärt.


G-Dur / E-Moll

Die nächst einfachste Tonart ist G-Dur/Em

  • G-Dur = C G D(7) Am Em Bm (H7)

Bm kann man hier oft durch ein D oder manchmal auch durch ein H7 umgehen. Es klappt oft genug. Die Lieder, bei denen es nicht gelingen will, geben dir einen Anstoß, dich in nächster Zeit mit den Barré-Akkorden zu befassen.

Die Tonart G-Dur kann man auch mit den Akkorden der C-Dur-Tonleiter im 7. Bund spielen

  • G-Dur im 0. Bund = C G D(7) Am Em Bm (H7)

Entspricht mit Capo

  • C-Dur im 7. Bund = F C G(7) Dm Am Em (E7)

G-Dur ist aber so eine einfache Tonart, dass ein Capo im 7. Bund kaum notwendig ist.


Die nächsten beiden einfachen Tonarten sind D-Dur und A-Dur.

D-Dur / B-Moll
  • D-Dur/Bm im 0. Bund = G D A(7) Em Bm F#m (F#7) (Bm=Hm)

Entspricht mit Capo

  • C-Dur im 2. Bund = F C G(7) Dm Am Em (E7)

A-Dur / F#-Moll
  • A-Dur/F#m im 0. Bund = D A E(7) Bm F#m C#m (C#7)

Entspricht mit Capo

  • G-Dur im 2. Bund = C G D(7) Am Em Bm (H7)

Für den Hausgebrauch könnte man das Lied auch einfach ohne Capo einen Ton tiefer in G-Dur singen


Die nächsten beiden einfachen Tonarten sind D-Dur und A-Dur.

E-Dur / C#-Moll

E-Dur/C#m zählt immer noch zu den einfachen Tonarten, wenn keine Moll-Akkorde mit dabei sind.

  • E-Dur im 0. Bund = A E B(7) F#m C#m G#m (G#7) (B7=H7)

Entspricht mit Capo

  • C-Dur im 4. Bund = F C G(7) Dm Am Em (E7)

B-Dur / G#-Moll

B-Dur (=H-Dur) meidet man gerne als Gitarrenspieler

  • B-Dur/G#m im 0. Bund = E B F#(7) C#m G#m D#m (D#7)

Entspricht mit Capo

  • G-Dur im 4. Bund = C G D(7) Am Em Bm (B7)

Für den Hausgebrauch singe ich das Lied einen Halbton höher in C-Dur.

  • C-Dur im 0. Bund = F C G(7) Dm Am Em (E7)

Randbemerkung: man bezeichnet das häufig als Capo -1. Es wird kein Capo verwendet, sondern singt das Lied nur einen Halbton höher als das Original.


F#-Dur / A#-Moll

F#/A#m-Dur finden die meisten Gitarristen furchtbar

  • F#-Dur im 0. Bund = H F# C#(7) G#m D#m A#m (A#7)

Entspricht mit Capo

  • C-Dur im 6. Bund = F C G(7) Dm Am Em (E7)

Für den Hausgebrauch singe ich das Lied einen Halbton höher. (Capo -1)

  • G-Dur im 0. Bund = C G D(7) Am Em Bm (B7)

Zusammenfassung Kreuztonarten
  • C-Dur : F C G Dm Am Em (Nimmt man gerne bei Hammering und Bassläufen)
  • G-Dur : C G D Am Em Bm (Nimmt man gerne bei Akkorderweiterungen)
  • D-Dur : G D A Em Bm F#m (Nimmt man gerne bei Lieder nur mit Dur-Akkorden)
  • A-Dur : D A E Bm F#m C#m (Nimmt man gerne bei Lieder nur mit Dur-Akkorden)
  • E-Dur : A E H7 F#m C#m G#m (nimmt man auch gerne bei Blues und Gospel)
  • B-Dur : E B F#7 C#m G#m D#m (meidet man oder verwendet ein Capo.)
  • F#-Dur : B F# C#7 G#m D#m A#m (meidet man oder verwendet ein Capo.)

Auch wenn die Tonart G-Dur bei Gitarristen einen Tick beliebter ist, als die Tonart C-Dur, so erkennt man hier doch, dass die Beliebtheit der Tonleitern abnimmt, je weiter man nach rechts im Quintenzirkel wandert, weil immer mehr Barré-Akkorde hinzukommen. Du siehst auch, warum es sich lohnt Barré-Akkorde in der Reihenfolge Bm F#m C#m G#m zu lernen, weil man sich so mit jedem neuen Barré-Akkord eine neue Tonart erobert und schlagartig alle Lieder in dieser Tonart begleiten kann. (Sofern keine ungewöhnliche Ausnahme mit dabei ist.)

Die B-Tonarten[Bearbeiten]

Die B-Tonarten werden gerne von Blechbläsern verwendet, da deren Instrumente oft in einer B-Tonart gestimmt sind. Von daher findet man oftmals Kirchenlieder oder Volksmusik (so genannte Backenmusik) in B-Tonarten gesetzt.

Allgemeiner Tipp

Spiele das Stück einfach einen Halbton höher, übersehe die Bes als Vorzeichen, und füge den Akkorden ohne Vorzeichen ein # an.


F-Dur / D-Moll
  • F-Dur/Dm im 0. Bund = Bb F C Gm Dm Am (wird gerne von Blockflötenspielern verwendet)

Entspricht mit Capo

  • E-Dur im 1. Bund = A E H7 F#m C#m G#m (G#7) (nimmt man, wenn nur Dur-Akkorde vorkommen)

Entspricht mit Capo

  • C-Dur im 5. Bund = F C G(7) Dm Am Em (E7)

oder einen Ganzton höher (Capo -2)

  • G-Dur (Capo -2) = C G D(7) Am Em Hm (H7)

Bb-Dur / G-Moll
  • Bb-Dur/Gm im 0. Bund = Eb Bb F(7) Cm Gm Dm (D7)

Entspricht mit Capo

  • G-Dur im 3. Bund = C G D(7) Am Em Bm (H7)

Für den Hausgebrauch versuche ich es entweder einen Halbton tiefer

  • A-Dur im 0. Bund = D A E(7) Bm F#m C#m (C#7) (wenn nicht zu viele Barrés vorkommen)

oder einen Ganzton höher (Capo -2)

  • C-Dur im 0. Bund = F C G(7) Dm Am Em (E7)

Eb-Dur / C-Moll
  • Eb-Dur/Cm im 0. Bund = Ab Eb Bb(7) Fm Cm Gm (G7)

Für den Hausgebrauch lasse ich die "b" weg, und setze ein "#" bei den anderen Akkorden (Capo -1) E-Dur im 0. Bund = A E H7 F#m C#m G#m (G7) (wenn nicht so viele Barrés vorkommen) Eb-Dur entspricht mit Capo

  • C-Dur im 3. Bund = F C G(7) Dm Am Em (E7)

Ab-Dur / F-Moll
  • Ab-Dur/Fm im 0. Bund = Db Ab Eb(7) Bbm Fm Cm (C7)

Für den Hausgebrauch lasse ich die "b" weg, und setze ein "#" bei den anderen Akkorden (Capo -1)

  • A-Dur im 0. Bund = D A E(7) Bm F#m C#m (C#7) (wenn nicht zu viele Barrés vorkommen)

Ab-Dur entspricht mit Capo

  • G-Dur im 3. Bund = C G D(7) Am Em Bm (H7)

Db-Dur / Bb-Moll
  • Db-Dur/Bbm im 0. Bund = Gb Db Ab(7) Ebm Bbm Fm (F7)

Für den Hausgebrauch lasse ich die "b" weg, und setze ein "#" bei den anderen Akkorden (Capo -1)

  • D-Dur im -1. Bund = G D A(7) Em Bm F#m (F#7)

Db-Dur entspricht mit Capo

  • C-Dur im 1. Bund = F C G(7) Dm Am Em (E7)

Gb-Dur / Eb-Moll
  • Gb-Dur/Ebm im 0. Bund = Cb Gb Db(7) Abm Ebm Bbm (Bb7)

Für den Hausgebrauch lasse ich die "b" weg, und setze ein "#" bei den anderen Akkorden (Capo -1)

  • G-Dur im 0. Bund = C G D(7) Am Em Bm (H7)

Gb-Dur entspricht mit Capo

  • C-Dur im 6. Bund = F C G(7) Dm Am Em (E7)

Anhand der vielen roten Barré-Akkorden erkennst du, warum die B-Tonarten bei Gitarristen so unbeliebt sind. Aber jetzt weißt du, wie du dir die B-Tonarten mittels Capo vereinfachen kannst.


Das wären alle 12 Tonarten

Lektion 9 - Lerne Standard-Akkordkombinationen[Bearbeiten]

Bestimmte Akkordkombinationen werden viel häufiger gebraucht als andere. Von daher besteht die Chance, dass man diese viel eher bei unbekannten Stücken wiederfindet. Bei bestimmte Musikrichtungen erwartet man oftmals bestimmte typische Akkordfolgen eher als bei anderen Musikstilen. Oft sind sie nicht ganz vollständig vorhanden, aber oft helfen diese einem enorm weiter.

Mal ein paar für die Tonarten C und G ausgeführt:

Dur-Kadenz

  • C F G(7) C
  • G C D(7) G

Moll-Kadenz

  • Am Dm E7 Am
  • Em Am H7 Em

Andalusische Kadenz (der Spanier)

  • Am F G E7
  • Em D C H7

Blues-Kadenz

  • C C C C | F F C C | G F C G7
  • G G G G | C C G G | D C G D7

(Auch ausschließlich mit 7er-Akkroden zu spielen)

Kirchenschluss

  • (C) F C
  • (G) C G

Schlusswendung

  • (F) G7 C
  • (C) D7 G

II-V-I-Schlusswendung

  • Dm G7 C
  • Am D7 G

Auch als Jazz-Kadenz

  • Dm7 G7 Cj7 Cj7
  • Am7 D7 Gj7 Gj7

erweiterte Schlusswendung

  • Am Dm G7 C
  • Em Am D7 G

Mit Zwischendominanten

  • (Am) D7 G7 C oder sogar A7 D7 G7 C
  • (Em) A7 D7 G oder sogar E7 A7 D7 G

Letztere Varianten kommen gerne bei Ragtime vor.

  • Dm D7 G7 C
  • Am A7 D7 G

Doo Wop (50er-Kadenz oder Ice-Creme-Progression)

  • C Am F G
  • G Em C D

Rhyhtm-Change

  • C Am Dm G
  • G Em Am D

Popformel

  • C G Am F oder auch Am F C G
  • G D Em C oder auch Em C G D

Pachelbel-Folge

  • C G Am Em | F C F G
  • G D Em Bm | C G C D

Diatonischer Basslauf

  • C C/H Am Am/G | F D7/F# G 7
  • G G/F# Em Em/D | C A7/C# D7

Weitere Akkordfolgen und ausführlichere Erklärungen: (Rockballadendiplom) Akkordprogressionen Das hilft dir bei vielen Standard-Situationen weiter. (Nicht nur beim Raushören.)

Was die Ausnahmen von der Regel angeht, da solltest du dich bei Gelegenheit mal mit folgendem beschäftigen:

und auch die nachfolgenden Kapitel

Ersteres ist mehr eine Aufzählung bzw. Zusammenfassung, letzteres arbeitet an einem praktischen Beispiel.

Lektion 10 - Letzte Tipps[Bearbeiten]

Das ist so das Grundhandwerkzeug, mit dem ich arbeite. Viel mehr steckt oftmals nicht dahinter. Wenn du diesen Workshop an konkreten Beispielen anwendest, siehst du bald, dass es in der Praxis meist viel einfacher ist, da man nicht mit allen Eventualitäten rechnen muss, die ich hier im Workshop beschrieben habe.

Oft reicht es oft aus, eine schwerere Tonart mit einem Capo zu erhöhen, und dann wie eine einfache Tonart in C- oder G-Dur zu behandeln. Die Akkorde verhalten sich zueinander nämlich in jeder Tonart gleich.

Jede Tonart hat eine Subdominante, Tonika und Dominante in Dur, und deren Vertreter in Moll. (vgl. Folkdiplom: Mollparallelen - Das 2 x 3 Schema )

Natürlich ist es von Vorteil, wenn du dich ein wenig mehr mit der Musiktheorie befasst. Aber wie du siehst, ist das, was man fürs Überleben braucht gar nicht mal so viel.

Damit bekommst du die meisten Lieder herausgehört. Aber es gibt eben auch Ausnahmen und manchmal klappt das Schema nicht mehr.

Wenn du vor hast, schwerere Akkordfolgen und schrägere Akkorde herauszuhören, dann hilft es nur, dass du die Akkorde erst mal lernst zu spielen, und anzuwenden. Jazz-Akkorde hört man nur raus, wenn man selbst Jazz spielt, und lange genug in die Musikstile hineinschnuppert. (Gilt ebenso für Blues Rock'n'Roll, Bossa-Nova etc., wo sich ein eigenes Lehrbuch empfiehlt. )

Sus4, Add9, maj7-Erweiterungen, sowie Slash-Akkorde sind mitunter schwer herauszuhören. Man erkennt sie erst, wenn man sie selbst spielt und anwendet. Das wirst du möglicherweise schon bei den Lektionen hier im Balladendiplom gesehen bzw. gehört haben. Mitunter muss man Kompromisse eingehen und sich mit einfachen Dur- und Moll-Akkorde begnügen.

Aber ich sagte eingangs ja schon: Hier soll es um das Heraushören von (einfachen) Akkorden bei einfachen Lieder gehen.

Du solltest keine Probleme damit haben, ein sogenanntes Original zu vereinfachen, auf Bassläufe, Slash-Akkorde und Akkorderweiterungen zu verzichten, oder auch umgekehrt eine Akkordfolge noch auszubauen, um diese ggf. an eine Standard-Akkordfolge anzupassen. Solange es sich dadurch noch halbwegs gut anhört, ist alles erlaubt. Einige Begleitungen von Originalen wirken auf einer akustischen oder klassischen Gitarre nicht, weil einfach die Technik mit Verstärker, Effektgeräte und Mischpult fehlt. Andere Sachen wollen nicht klappen, weil eine einzelne Gitarre nur bedingt eine ganze Band ersetzen kann.

Vereinfachungen sind also erlaubt. Und es sollte klar sein, dass es einige Lieder gibt, wo man die Akkorde nicht so leicht raushören kann, oder wo sich die Akkorde nicht so schön brav an das 2x3-Dur-Moll-Schema halten. Hier sei man auf die erste Lektion (Recherche im Internet) verwiesen, oder auf die fortschreiteten Lektionen.

Aber irgendwie muss man ja anfangen. Wenn man das Heraushören von Stücken übt, dann doch lieber bei den einfachen Liedern mit einfachen Akkorden. Wie du siehst, schafft man die Grundlagen in 10 Lektionen.

Also wenn es dann doch nicht gleich klappt, gilt folgende Durchhalteparole:

Das sollst du nicht können, das sollst du lernen.

Und wenn alle Stricke reißen, dann frage einfach in einem Forum nach. Vielleicht hilft dir ja ein freundlicher Member

Lektion 11 - Akkorde haben Charakter[Bearbeiten]

Als Anhang zu diesem Workshop vergegenwärtige ich hier noch einmal die Lerninhalte aus dem Lager- und Folkdiplom.

Wie oben bereits erwähnt, verhalten sich Akkorde in jeder Tonart gleich. Jede Tonart hat eine Tonika, Subdominante und Dominante, sowie deren Vertreter in Moll. Will man die einzelnen Akkorde eines Stückes nur am Melodieverlauf heraushören, muss man den typischen Höreindruck der Tonika, Subdominante und Dominante in Dur und in Moll kennen. Dabei sollte man sich nicht zu schade sein, auf vergleichende Bilder zurückzugreifen. Auch wenn die Beispiele an einigen Stellen doch sehr hinken. Aber auch Mathematik hat man am Anfang mit Äpfeln und Birnen gelernt.


die ruhige Tonika

Die Tonika ist der Grundakkord in einem Lied. Die Tonika gibt also den Ton an. Sie ist meist der Start- und Zielakkord in einem Lied.

  • Die Tonika in der Tonart C-Dur ist der Akkord C-Dur
  • Die Tonika in der Tonart G-Dur ist der Akkord G-Dur

Der Melodieverlauf ist bei der Tonika meist ruhig bzw. zur Ruhe kommend. Die Melodie kommt zu einem Endpunkt, oder sie hält einen Zwischenstopp. Man kann das Adjektiv "stabil" (wie bei einem Würfel) verwenden. Müsste ich der Tonika ein Zimmer zuordnen, wo würde ich die Tonika ins Wohnzimmer stecken. Müsste ich einen kleinen Werbeclip mit einer Wanderung mit Akkorden unterlegen, so wäre die Tonika sowohl der Start- als auch das Ziel.
Die Dominante baut eine Spannung auf. Die Dominante dominiert, oder besser sie präsentiert sich. Es klingen einem die Hörnerquinten und Fanfahren beim Einzug der Ritter oder des Königs in den Ohren. Die Dominante wirkt am Ende eines Motives oft als Rausschmeißer, der zum Schluss hin drängt. Als Adjektiv würde wohl "gespannt" passen (wie ein Bogen, oder wie ein sich drehender Kreisel) Die Dominante kann die ihr eigene Spannung noch durch eine kleine Septime (7er-Akkord) erhöhen, und drängt dann noch stärker zum Schluss.


die spannungsreiche Dominante
  • Die Dominante in der Tonart C-Dur ist der Akkord G-Dur oder G7
  • Die Dominante in der Tonart G-Dur ist der Akkord D-Dur oder D7

Der Melodieverlauf ist bei der Dominante meist spannungsreich, zu einem Höhepunkt kommend, strebt aber wieder zurück zum Grundakkord. Müsste ich der Dominante ein Zimmer zuordnen, wo würde ich die Dominante in die Küche stecken, wo viel gearbeitet und vorbereitet wird. Müsste ich einen kleinen Werbeclip mit einer Wanderung mit Akkorden unterlegen, so wäre die Dominante der Gipfel einer Bergwanderung, oder der Aussichtsturm, eben der Höhepunkt einer Wanderung. Aber da verweilt man nicht auf Dauer. Irgendwann wird es Langweilig, man wird ungeduldig, und der Dominante wird noch eine Septime zugeführt, und als 7er-Akkord will er unbedingt wieder zurück gehen.


die fließende Subdominante

Die Subdominante hat etwas Verbindendes. Sie fließt von der Tonika zur Dominante oder von der Dominante zurück zur Tonika.

  • Die Subdominante in der Tonart C-Dur ist der Akkord F
  • Die Subdominante in der Tonart G-Dur ist der Akkord C

Die Subdominante ist weder so spannungsreich wie die Dominante, aber auch nicht so ruhig wie die Tonika. Sie hat etwas nach vorne treibendes. Das Adjektiv "fließend" wurde ja schon genannt, und erinnert mich an einen rollenden Reifen oder eine rollende Kugel. Müsste ich der Subdominante ein Zimmer zuordnen, wo würde ich die Subdominante in den Flur stecken, welcher die Zimmer verbindet, oder vielleicht die Aula einer Schule oder eines Büros. Müsste ich einen kleinen Werbeclip mit einer Wanderung mit Akkorden unterlegen, so wäre die Subdominante der Weg zum Aussichtspunkt der Wanderung, oder der Weg wieder zurück.


Hört euch noch einmal die Beispiele im Lagerfeuerdiplom noch einmal an und achtet auch weiterhin bei jedem neuen Lied auf die Funktion der einzelnen Akkorde. Ein Lied hat meist nur 3 Dur-Akkorde. Wenn man einmal die Tonika (den Grundakkord) gefunden hat, gibt es gar nicht so viele Möglichkeiten, wie es weitergehen kann. Suche dir einfach ein paar Volkslieder oder ganz einfache Schlager raus, von denen du weißt, das sie mit nur 3 Dur-Akkorden begleitet werden, und übe es, diese nur nach dem Gefühl zu begleiten. Das muss man einfach üben. Aber das kann man schon ab der dritten oder vierten Lektion üben, also als ganz blutiger Anfänger.

Auch wenn die Beschreibungen nur Bilder sind, die oftmals ein wenig hinken, so ist es doch erstaunlich, dass meine 9-jährigen Schülerinnen selbst in der Lage waren, mit ihren ersten vier Akkorden, die sie kannten (A D G C) bei einigen ihrer Lieder aus der Schule selbst die Akkorde zu finden. Natürlich war ein wenig Versuch und Irrtum dabei, aber sie übertrumpften dabei schon einige langjährige Gitarristen, den man einfach nie gesagt hat, auf was sie achten sollen.

Wie gesagt: Übt das mit einfachen Liedern in Dur, wo nur 3 Akkorde vorkommen, und baut euch damit ein Grundverständnis auf, wie Akkorde zusammenspielen.

Die faule Tonika-Parallele

Die Tonikaparallele ist der Vertreter der Tonika. Sie ist ebenfalls einen Ruhepol, doch die Melodie hat einen etwas traurigeren Verlauf. Sie kann das Musikstück klanglich etwas ausbremsen. Aber wie wir schon gehört haben klingen Mollakkorde nicht immer traurig. Sie können auch zum "Schwung holen" für die lebhafteren Dur-Akkorde verwendet werden.

  • Die Tonikaparallele in der Tonart C-Dur ist der Akkord Am
  • Die Tonikaparallele in der Tonart G-Dur ist der Akkord Em

Bleiben wir beim Bild mit der Wanderung, dann wäre die Tonikaparallele die Herberge oder Rastplatz, wo man sich ausruht oder einen Imbiss einnimmt. In einer Wohnung würde ich die Tonikaparallele ins Schlafzimmer stecken. Entweder zum Ausruhen, oder um sich für die nächste Party umzuziehen.


Die abwartende Subdominantenparallele

Die Subdominantenparallele hat ebenfalls wie die Subdominante einen weiterleitenden Charakter. Sie klingt in meinen Ohren aber eher abwartend, bis es weitergeht. "Auf dem Sprung sein". Sie bereitet gerne die Dominante vor. Wie du bestimmt noch weißt, kann man die Dominante durch die Kombination aus Subdominantenparallele - Dominante ersetzen. Also aus einem G C wird oft ein (Dm G) C.

  • Die Subdominantenparallele in der Tonart C-Dur ist der Akkord Dm
  • Die Subdominantenparallele in der Tonart G-Dur ist der Akkord Am

Bei der Wanderung würde ich einen Sammelplatz wie etwa den Busbahnhof oder den Bahnhof als Vergleich heranziehen. Oder die Kasse kurz vorm Aussichtspunkt, wo sich alles noch mal versammelt, und man auf die Nachzügler wartet. In einer Wohnung wäre es wohl die Garderobe vor dem Ausgang.


Die quengelige Dominantenparallele

Die Dominantenparallele hat - wie die Dominante - ebenfalls spannungsreichen Charakter. Der Moll-Akkord kann etwas energisch und sogar quengelnd klingen. So wie die Dominante G zur Tonika C weiterleitet, leitet die Dominantenparallele Em gerne zur Tonikaparallele Am weiter.

Nicht selten plustert sie sich hierzu der Moll-Akkord zu einem Dur(7)-Akkord auf und verhält sich genau so wie eine Zwischendominante, was schon oben in Lektion 4 beschrieben wurde.

  • Die Dominantenparallele in der Tonart C-Dur ist der Akkord Em (E7)
  • Die Dominante in der Tonart G-Dur ist der Akkord Bm (B7)

Auf einer Wanderung wäre es wohl der Spielplatz, auf den man für eine Weile die quengelnden Kinder unterbringt. Und in der Wohnung wäre es wohl das Kinderzimmer.


Macht euch eure eigenen Bilder

Ich weiß nicht, wie gut ihr meine Beispiele nachvollziehen könnt. Im Gitarrenunterricht vermittle ich diese meist sehr theatralisch, und spiele diese vor, und gehe dabei auf die Zuschauer bzw. Schüler ein. Klappt natürlich hier im geschriebener Form nicht so gut. Charakterisiert euch selbst eure Akkorde und findet eigene Bilder und Beispiele für eure Akkorde. Denkt euch selbst kleine Szenen aus, um die Funktion einiger Akkorde in einer Standard-Akkordfolge zu beschreiben, die ihr schon in der Lektion 9 kennengelernt habt.

Mit euren eigenen Eindrücken aus den vergleichenden Bildern lassen sich oftmals bestimmte Entscheidungen nachvollziehen, warum man mal diesen, und nicht den anderen Akkord genommen hat. Oder man kommt selbst auf die Idee, dass für das eigene Ohr ein anderer Akkord hier besser passen würde.

So was lernt man jedoch nicht durch das Heraushören von Akkorden, sondern indem man versucht, bestimmte Akkordfolgen in einem Lied einfach auswendig zu lernen. Man spielt nicht einfach eine Buchstabenfolge ab, sondern man fragt sich, warum man an einer Stelle eine bestimmte Akkordfunktion bevorzugt, und nicht eine andere nimmt. Dabei muss man bedenken, dass es manchmal mehrere Möglichkeiten gibt, und der Geschmack entscheidet, welchen der Akkorde man nimmt. Nachdem man so einen Höreindruck gewonnen hat, und nachdem man den Höreindruck einer Akkordfunktion zuordnen kann, hilft es einem natürlich enorm beim Heraushören der Akkorde von unbekannten Liedern.

Wer das (noch) nicht kann, der hangelt sich halt von Akkord zu Akkord, von Liedzeile zu Liedzeile, und macht alles mit Versuch und Irrtum. Der wird auch an sein Ziel kommen. Je mehr man sich aber mit Akkordfunktionen auskennt, desto einfacher fällt es einem.

Letztlich steckt da einfach eine Menge Spielerfahrung mit drin. Die Bilder und Vergleiche sind nur anfängliche Hilfsmittel und Krücken, um sich der Materie überhaupt anzunähern. Mit mehr Erfahrung hört man es einfach, ob eine bestimmte Akkordfunktion jetzt kommen muss, oder ob man die Wahl zwischen mehreren Möglichkeiten hat.

Auch hier wieder die Durchhalteparole:

Das sollst du nicht können, das sollst du lernen.

Lektion 12 - Achte auf die Töne[Bearbeiten]

Gehen wir zum Abschluss noch mal für die Leute, die Noten können, ein wenig ins Eingemachte. Heraushören von Akkorden geht natürlich auch ohne große Notenkenntnisse. Wenn man aber Noten lesen kann, ist dieses natürlich auch für das Finden von Akkordfolgen hilfreich. Glücklicherweise haben ja einige die Grundlagen in der Schule gelernt.

Für die Leute mit Notenkenntnissen hier noch mal ein paar weitere Tipps, die ihnen weiterhelfen können.

Oftmals geben einem die Töne der Melodie oder auch die von Begleitinstrumenten wie der Bass bzw. die Basstöne, die man gut heraushören kann, einen Hinweis darauf, welcher Akkord passen könnte.

Wir haben gesehen, dass man die meisten Tonarten mittels Kapodaster vereinfachen und auf die Tonleiter C-Dur und G-Dur zurückführen kann. Wer schon ein wenig Melodiepicking gemacht hat oder wer sich schon ein wenig in der Improvisation mit Dur- und Moll-Tonleitern beschäftigt hat, dem fällt es natürlich viel leichter, eine gehörte Melodie auf Gitarre nachzuspielen.

Wenn man die Melodie einer Passage herausgefunden hat, sollte man darauf achten, ob der Melodieton auf eine betonte Zählzeit fällt (meist auf 1 und 3) oder auf eine unbetonte Zählzeit (auf 2 und 4). Wer im Deutschunterricht aufgepasst hat, kennt das von den Hebungen und Senkungen bei dem Metrum eines Gedichtes. Wer das nicht hat: "Die Töne, auf denen man klatschen würde".

Die Töne auf den schweren Zählzeiten sind meist Akkordtöne. Die auf den unbetonten Zählzeiten sind oft nur Durchgangstöne.

Du weißt inzwischen, dass sich ein Akkord aus Grundton (1), Dur- (3) oder Mollterz (3b) und Quinte (5) und manchmal noch eine Septime (7) zusammensetzt. Daher exerzieren wir für alle Töne der C-Dur und allen Tönen der G-Dur-Tonleiter die möglichen Akkorde durch. Da sich die C- und G-Dur-Tonleiter nur durch den Ton F und F# unterscheiden, verzichte ich auf Wiederholungen, und handle gleich beide Tonarten in einem Abwasch ab.

Der Ton C kann
  • der Grundton des Akkordes C sein,
  • die Mollterz des Akkordes Am
  • die Quinte des Akkordes F (in der Tonart C-Dur)
  • die Septime des Akkordes Dm7 (in C-Dur) oder D7 (in G-Dur oder als Zwischendominante in C-Dur)
Der Ton D kann
  • der Grundton des Akkordes Dm (in C-Dur) oder D (in G-Dur) sein,
  • die Mollterz des Akkordes Bm (in G-Dur)
  • die Quinte von G-Dur
  • die Septime von Em7 oder E7 (welcher nach Am weiterleitet)
Der Ton E kann
  • der Grundton von Em (oder E das nach A weiterleitet)
  • die Dur-Terz von C-Dur
  • die Quinte von Am. (oder evtl. A-Dur, der als Zwischendominante nach D weiterleitet)
  • Die Septime von F#m7b5 (in G-Dur) kommt nur ganz selten mal vor und leitet dann meist über B7 nach Em weiter.
Der Ton F kann
  • der Grundton von F-Dur sein
  • die Moll-Terz von Dm
  • Als verminderte Quinte von Bm7b5 kommt er nur ganz selten mal in C-Dur vor. Leitet dann aber meist über E7 nach Am weiter.
  • oder die Septime von G7.
Der Ton F#
  • kommt als Grundton so gut wie nie vor (F#m7b5 ==> B7 ==> E)
  • kann die Durterz von D-Dur sein (in G-Dur)
  • die Quinte von Hm (in G-Dur) oder H7 das weiter nach Em leitet
  • Kommt als Septime praktisch nicht in G-Dur oder C-Dur vor.
Der Ton G kann
  • der Grundton von G sein,
  • die Moll-Terz von Em,
  • die Quinte von C-Dur
  • Die Septime von Am7 (oder seltener von A7, das nach D weiterleitet)
Der Ton A kann
  • Der Grundton von Am oder seltener A-Dur (das nach Dm oder D weiterleitet) sein
  • Die Dur-Terz von F-Dur
  • Die Quinte von D-Dur oder Dm
  • Die Septime von Bm7 (in G-Dur) oder B7 (das zu Em oder E weiterleitet)
Der Ton B kann
  • der Grundton von Bm (in G-Dur) oder HB (das zu Em oder E weiterleitet)
  • die Durterz von G-Dur
  • die Quinte von Em oder E-Dur
  • die Septime von C7, wenn diese in C-Dur als Zwischendominante nach F-Dur weiterleitet.

Das wären alle 8 Töne, die man üblicherweise in der Tonart C- und/oder G-Dur findet. Grenzt man jetzt noch die Tonart ein, reduzieren sich wieder die Möglichkeiten.

Bestimmte Akkorde (A-Dur, B7, Bm7b5, E-Dur) tauchen nur in bestimmten Zusammenhängen ausnahmsweise mal in den Tonarten auf. Sie sind dann meist Zwischendominanten, die zum nächsten Akkord, der eine Quinte abwärs ist, weiterleitet.

  • A ==> D
  • B7 ==> Em
  • Bm7b5 ==> E7 ==> Am
  • E ==> Am

Dies sind typische Standard-Akkordfolgen, die man schnell wiedererkennt, wenn man sie schon mal bei ein paar Liedern gespielt hat.


Ausschlussverfahren

Hat man zwei Töne im beisammen, so grenzt das die Möglichkeiten weiter ein.

Beispiel C und E
Der Ton C kann
  • der Grundton von C sein,
  • die Mollterz von Am
  • die Quinte von F
  • die Septime von Dm7 oder D7
Der Ton E kann
  • der Grundton von Em sein,
  • die Dur-Terz von C
  • die Quinte von Am oder A
  • Die Septime von F#m7b5
E und C zusammen
  • Em kann es nicht sein, denn da passt kein C mit dazu.
  • F-Dur kann es nicht sein, denn da passt üblicherweise kein E mit dabei.
  • Dm oder D7 kann es nicht sein, denn da passt üblicherweise kein E mit dazu.
  • Bleiben also nur noch C und Am übrig.

Natürlich könnte es sich jetzt auch um irgendeine besondere Akkorderweiterung handeln, von denen wir einige hier im Balladendiplom kennengelernt habe, wie beispielsweise sus4, add9 oder dergleichen. Auf alle möglichen Eventualitäten kann hier in diesem Workshop natürlich nicht eingegangen werden, denn schließlich richtet sich dieser Lehrgang an Hobby-Gitarristen. Hier soll es bloß um die elementaren Grundlagen gehen, wo wir mit einfachen Akkorden arbeiten. Für das erste Heraushören von Akkorden braucht man Akkorderweiterungen die nicht unbedingt. Man kann sich auf Grundakkorde (Dur, Moll, Dur7) begrenzen, und diese ggf. hinterher noch ein wenig erweitern

Wenn sich die letzte Lektion für dich wie böhmische Dörfer anhört, dann hast du dich mit der entsprechenden Musiklehre was Terzschichtung und Intervalle angeht, einfach noch nicht beschäftigt, und solltest es irgendwann mal nachholen. Die Sache ist aber gar nicht so trocken, wie sie dir jetzt gerade vorkommen mag. Meist lernt man die ganze Theorie nebenbei, wenn man sich mit Melodiepicking und Fingerstyle auseinandersetzt. Wenn man das lange genug spielt, bekommt man einfach die Erfahrung, was für Töne zu welchen Akkorden passt, und umgekehrt.

Die ganze Theorie spiegelt eigentlich nur wider, was man vorher geübt hat, und was man in der Praxis anwendet. Mit einiger Übung weiß man dann einfach, was für Akkorde am besten zu welchen Tönen passen.

Natürlich muss man nicht unbedingt genau wissen, wie die Töne im einzelnen heißen, um einfach durch Zuhören herauszufinden, welcher der 6 Akkorde einer Tonart gerade gebraucht wird. Aber eines dürfte wohl klar sein: Je mehr man weiß, desto einfacher fällt einem das Heraushören von Akkorden.

Wie meine Lehrerin immer zu sagen pflegte: Man sieht (bzw. hört) nur das, was man schon kennt.

Weblink[Bearbeiten]

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