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Gitarre: Der Bb-Dur-Skalentyp (Jazz)

Aus Wikibooks

Lektion 9

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Achtung

Hier wird etwas weiter ausgeholt, und etwas weiter ins Detail gegangen. Das heißt: Langsam lesen, und zur Not zurückblättern und nochmal nachzählen und kontrollieren.

Also ruhig 5 mal hintereinander lesen.

Hier wird sich absichtlich mehrfach wiederholt. Die eigentliche Akkordfolge ist gar nicht mal so schwer. Wichtig ist aber, dass man versteht, worum es hier geht. Dabei muss nichts auswendig gelernt zu werden, denn das kommt mit der Erfahrung und Wiederholung von alleine. Es reicht, wenn man dem Folgenden so halbwegs folgen kann. Dann versteht man hinterher auch, was es mit den Improvisationsskalen auf sich hat.



Auch über die letzte Akkordfolge lässt es sich innerhalb einer Lage improvisieren.

Wieder die Frage: Welche Lage haben wir bzw. welche Töne gehören dazu...

Damit es etwas einfacher wird, transponiere ich die Akkorde einen Ton tiefer.

Cj7 Am7 Dm7 G7 = Original: Bbj7 Gm7 Cm7 F7 = tiefer gesetzt...

Welchen Vorteil hat das Ganze?

Wir haben sofort die richtige Tonleiter die wir für den Skalentyp brauchen. Der folgende Skalentyp sieht nämlich genau so aus wie die Bb-Dur-Tonleiter auf den unteren Bünden.

Ebenso hat man auch gleich die zu der Tonleiter gehörenden Akkorde.

    Bb-Tonleiter        Bb-Typ in der Lage      Intervall-Schema
   |-F-:---:-G-:---|   |---:-Z-:---:-M-:---|   |---:-5-:---:-6-:---|
   |-C-:---:-D-:-Eb|   |---:-Z-:---:-M-:-K-|   |---:-2-:---:-3-:-4-|
 G |---:-A-:-Bb:---|   |-Z-:---:-R-:-K-:---|   |-6-:---:-7-:<1>:---|
 D |-Eb:---:-F-:---|   |-Z-:-M-:---:-K-:---|   |-3-:-4-:---:-5-:---|
 A |-Bb:---:-C-:---|   |-Z-:-M-:---:-K-:---|   |-7-:<1>:---:-2-:---|
   |-F-:---:-G-:---|   |---:-M-:---:-K-:---|   |---:-5-:---:-6-:---|

wir entdecken den ersten Fingersatz wieder

|-Z-:-M-:---:-K-|
|-Z-:<M>:---:-K-|

auch den zweiten...

|---:-Z-:---:-R-:-K-|
|-Z-:---:-R-:-K-:---|

doch der hat noch einen Lagenwechsel zwischen der G- und der H-Saite.

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der Bb-Akkord

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Hier habt ihr den Bb-Dur-Akkord als Grundakkord und als j7er Variante. Beim Grundakkord wurde der 7er-Ton mal in Klammern mit davor gesetzt.


   |-F--:---:----:---|   |-5-:---:---:---|
   |-x--:---:-D--:---|   |-x-:---:-3-:---| 
   |-x--:(A):<Bb>:---|   |-x-:j7-:---:---|
   |-x--:---:-F--:---|   |-x-:---:-5-:---|
   |<Bb>:---:----:---|   |-1-:---:---:---|
   |(F)-:---:----:---|   |(5):---:---:---|
   

Als Grund-Akkord auf der ersten Stufe sind natürlich alle Intervalle des Akkordes auch die Intervalle der entsprechenden Tonleiter.

Also bis hier her nichts Besonderes.

Der Gm7-Akkord-Typ

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Von diesem Akkordtyp gibt es keinen gescheiten einfachen Gm-Akkordtyp. Man kann zwar nach einem suchen, wird aber keinen gescheiten finden. Warum? Dazu schaue man sich an, wie die Akkord-Töne verteilt sein müssten, dammit die in die Skala reinpassen.

Akkord-Töne von einem Gm-Akkord-Typ

|---:---:---:<1>:---|  
|---:---:---:-5-:---|  
|-1-:---:---:-3b:---|  
|-5-:---:---:---:---|-1-|  
|---:-3b:---:---:---|  
|---:---:---:<1>:---|  
   

Wie man es auch anstellt, Man bekommt nicht alle Finger auf das Griffbrett ohne sich über vier Bünde strecken zu müssen. Die 5 auf der D-Saite lässt sich nicht gut.

Man kann zwar versuchen den Akkord abzuspecken, aber dann ginge entweder der Grundton verloren, oder der Grundton würde sich zu weit von den anderen Töne entfernen.

Keine Variante hört sich unbedingt vielversprechend an. Den Akkord kann man auch nur schlecht anschlagen. Man müsste gleich mehrere Saiten abdämpfen.

Man könnten zwar die Lage verlassen, und den Gm einfach als einen Barré-Akkord im 3. Bund spielen (Em-Typ), aber dann wäre man in einer anderen Lage, und müsste sich mit noch einer weiteren Skala herumschlagen.

Später mit genügend Praxis wird es einem egal sein, in welcher Lage man sich gerade mit welchem Akkord befindet, und welche Skala dazu gehört. Aber solange man noch nicht alle Lagen und Skalen und die dazugehörigen Akkorde intus hat, konzentriert man sich einfach auf eine Lage.

Lösungsvorschlag

Bei Moll-Akkorden kann man problemlos die 7 mit hinzu nehmen. bei allen Moll-Akkorden ist die Septim (7b) kein Leitton. Daher kann man diese einfach mitspielen. Der Griff ist mit der kleinen Septime sehr einfach zu greifen.

Die A-Saite lässt sich gut mit dem Zeigefinger dämpfen, und die letzte Saite lässt sich (falls erwünscht) gut mit dem kleinen Finger dämpfen.


                       die Position in der      die Intervalle
    Die Töne von Gm7    Bb-Dur-Tonleiter         des Akkordes
   |----:---:<G>:---|   |---:---:<6>:---|     |---:---:<1>:---|  
   |----:---:-D-:---|   |---:---:-3-:---|     |---:---:-5-:---|  
<G>|----:---:-Bb:---|   |---:---:-1-:---|     |---:---:-3b:---|  
   |----:---:-F-:---|   |---:---:-5-:---|     |---:---:-7b:---|  
   |(Bb):---:---:---|   |-7-:---:---:---|     |-3b:---:---:---|  
   |----:---:<G>:---|   |---:---:<6>:---|     |---:---:<1>:---|  

Nebenbei

Die Grundtöne von dem Gm-Akkord liegen genau auf der Position, wo sie auch beim G-Dur-Akkord liegen. Also heißt hier jede Skala, jede Pentatonik und jeder Akkord-Typ, bei der die Grundtöne genau so angeordnet sind "G-Typ" bzw. "Gm-Typ". Der Vorteil ist, dass man beim einfachen G immer genau weiß wo die Grundtöne sind, und dieses kann man dann auf jede Skala und Pentatonik und Akkordtypen vom G-Typ übertragen.


Der Grundton des Gm-Akkordes liegt auf dem 6. Ton der B-Dur-Tonleiter. (zweites Diagramm) bzw. der Gm-Akkord steht auf der 6. Stufe von der Bb-Dur-Tonleiter.

Wir hatten den Gm-Typ schon mal gehabt, doch da war er nicht auf der 6. Stufe, sondern auf der 2. Stufe von einer 2-5-1-Verbindung.

Und jetzt kommt das, was das Improvisieren so schwer macht. Man hat zwar ein und den selben Akkord bzw. Akkord-Typ, aber wie man jetzt schon sieht, kann er in mindestens zwei verschiedenen Tonleitern vorkommen.

Man darf also nicht auf die Idee kommen, mit der Skala vom F-Dur-Typ, die vorher bei der 2-5-1-Verbindung funktioniert hatte hier zu improvisieren.


Wenn man das Pferd von hinten aufzäumt, also wenn man zuerst die Skala mit dem Grundton und dem Grundakkord hat, und dann erst die Akkorde dazu sucht, dann scheint alles so einleuchtend zu sein (zumindest um einiges einfacher zu verstehen).

Aber wenn man plötzlich in einem Stück über den Akkord Gm (bzw. Gm-Typ) stolpert, und dann sofort wissen soll, welche Skala man hier nehmen muss, das ist, was einen zum Verzweifeln bringt.

Wir wissen jetzt

Dieser Gm-Typ steht hier auf der 6. Stufe. Also sucht man die erste Stufe (schnell abzählen: 6 = G, 7 = A, 1 = Bb).

( Kürzer geht es wenn man die Mollparallelen zu den einzelnen Tonarten kennt: 6. Stufe = Moll-Parallele der 1. Stufe.

Bei C-Dur und Am wäre es wohl leichter gefallen C = 1. Stufe; Am = 6. Stufe, Am = Mollparallele von C-Dur. )

Unser Gm auf der 6. Stufe ist die Mollparallele von Bb-Dur auf der 1.Stufe, also improvisiert man auch mit der Bb-Dur Tonleiter.

Die Profis werden vieleicht schon wissen, dass man genau diesen Zusammenhang "äolisch" nennt.

Gm auf der 2. Stufe war "dorisch" hier auf der 6. Stufe ist es "äolisch".

"äolisch" ist also hier der Fachausdruck für "über einen Moll-Akkord, der auf der 6. Stufe steht, zu improvisieren"

"dorisch" ist der Fachausdruck für "über einen Moll-Akkord, der auf der 2. Stufe steht, zu improvisieren".


Mann muss also immer zwei Intervall-Schemen vor Augen haben. Zum einen die Intervalle des Akkordes (dritte Diagramm) damit man weiß, welche Töne man greifen soll.

Und zweitens braucht man immer noch die Intervalle der aktuellen Tonart. (also die Intervalle von Bb-Dur)


Betrachtet man die Akkordfolge wird man feststellen, dass man von G(m7) aus einen Quintenfall hat. Nach dem G(m7) folgt demnach ein C-Akkord.

Tun wir mal so, als wüssten wir nicht sofort, dass jetzt ein Cm7 folgt.

Beim Gm7 in der 2-5-1-Verbindung war es ein C7, denn Gm7 war die zweite Stufe, und darauf folgte C als die 5. Stufe. Und langam wissen wir, dass die 5. Stufe üblicherweise ein Dur7-Akkord ist.

Hier ist aber Gm7 auf der 6. Stufe. Auch hier ist ein Quintfall vorhanden, Denn jeder Akkord ist von den anderen 5 Töne abwärts entfernt. Doch es geht hier zur 2. Stufe. (Natürlich auch C) (vgl. Rythm-Change I-VI-II-V bzw. 1-6-2-5)

Die 2. Stufe ist normalerweise kein C7-Akkord, sondern (das wissen wir langsam), ein Moll7er. Also folgt ein Cm7.

Schauen wir uns an, wo bei der Bb-Dur-Skala die 2 für den Grundton von Cm7 ist.


    Bb-Tonleiter            Intervall-Schema
   |-F-:---:-G-:---|      |---:-5-:---:-6-:---|
   |-C-:---:-D-:-Eb|      |---:-2-:---:-3-:-4-|
 G |---:-A-:-Bb:---|      |-6-:---:-7-:<1>:---|
 D |-Eb:---:-F-:---|      |-3-:-4-:---:-5-:---|
 A |-Bb:---:-C-:---|      |-7-:<1>:---:-2-:---|
   |-F-:---:-G-:---|      |---:-5-:---:-6-:---|


Hier hat man schon wieder das Umblenden von Akkord-Intervall auf das Tonleiter-Intervall. Der Basston von Gm7 ist ja beim Akkord-Intervall die <1>. Von der <1> des Akkordes aus den nächsten Akkord zu suchen ist ungünstig, da man ja noch keine Vorstellung davon hat, wie es weitergeht.

Also muss man wieder umblenden auf die Bb-Dur-Tonleiter.

Grundton des Akkordes war die 1, aber er ist auf der 6. Stufe der Bb-Dur-Tonleiter. Von der 6. Stufe aus suche man dann die 2. Stufe.

(liest sich zwar schrecklich lang, geht aber in der Praxis nach einiger Übung im Bruchteil einer Sekunde)

Die 2 ist in der einfachen Bb-Tonleiter da wo das C ist. Und den Akkord haben wir in der letzten Lektion schon kennen gelernt. Dort habe ich den vom H7-Akkord abgeleitet, und es wurde der Hm7-Typ daraus.

Wenn man diesen Akkord in dieser Tonleiter jetzt Cm-typ nennen will, dann passt das auch... (vielleicht sogar besser...) . Wieder sind die beiden Grundtöne hier die gleichen, wie beim C-Dur-Akkord, und daher kann ich den auch ruhig C-Typ bzw. Cm-Typ nennen.


   |---:---:---:---|   |---:-x-:---:-K-:---|   |---:---:---:-5-:---|
   |<C>:---:---:---|   |---:<Z>:---:---:---|   |---:<1>:---:---:---|
   |---:---:-Bb:---|   |---:-x-:---:-R-:---|   |---:---:---:-7b:---|
   |-Eb:---:---:---|   |---:-Z-:---:---:---|   |---:-3b:---:---:---|
   |---:---:<C>:---|   |---:-x-:---:<M>:---|   |---:---:---:-1-:---|
   |---:---:---:---|   |---:-x-:---:---:---|   |---:---:---:(5):---|


Von diesem Cm7 zum F7 ist nun wirklich ein winziger Schritt. Und da man beim Cm7- (Hm7)-typ oft die Quinte (5) unter den Tisch fallen lässt, braucht man praktisch nur einen Finger zu verändern


   Cm7                  F7
|---:---:---:---:---|   |---:<1>:---:---:---|
|---:<Z>:---:---:---|   |---:-5-:---:---:---|
|---:-x-:---:-K-:---|   |---:---:-3-:---:---|
|---:-Z-:---:---:---|   |---:-7b:---:---:---|
|---:-x-:---:<R>:---|   |---:---:---:-5-:---|
|---:---:---:---:---|   |---:<1>:---:---:---|


Die Akkordbewegung von F7 nach Bj7 hatten wir schon öfters...

Das ganze in eine höhere Lage zu bringen, und immer mal zwischen Akkordtönen und einer Improvisation auf der Bb-Dur-Typ-Skala zu machen, das überlasse ich euch selber.


Das schöne an der Bb-Typ-Skala ist, dass man nicht unbedingt den ganzen Akkord aufzulösen braucht, um ein paar Töne dazu zu improvisieren.

Die hohen Töne liegen so günstig, das man die einfach an den Akkord dranfrimeln kann.

Wer schon mal mit den Akkorden A D und E-Dur ein Stück gepickt hat, kann die Erfahrungen damit hier in der Skala sofort umsetzen....


So, das war viel Theorie, und sehr viele Details, die nächste Lektion wird wieder praktischer.