Gitarre: Was ist eine II-V-I-Verbindung (2-5-1)

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Jazzworkshop für Gitarre (Lektion 1b )[Bearbeiten]

Theorie-Teil

Was ist eine II-V-I-Verbindung (2-5-1)?[Bearbeiten]

Eigentlich ist eine II-V-I-Verbindung nichts Besonderes, sondern in der Musik etwas völlig alltägliches. Und ich wette, du hast es schon 1000 Mal gehört.


populäre Beispiele[Bearbeiten]

Für unsere drei Beispiele oben aus dem Übungsbeispiel habe ich ein paar bekannte "Schlussformeln" mit einer II-V-I-Verbindung herausgesucht.

  • (Am7) Ich will zu- (D7) rück nach WESTER- (G) LAND
  • And I (Dm7) think to myself: (G7) WHAT A WONDERFUL (C) WORLD
  • (C) LOLLIPOP, (Am7) Lollipop, (Dm7) oh, la la, (G7) lolli, lolli, (C) Lollipop.
  • I'll be (Dm7) gone 500 (G7) MILES when the day is (C) done City of new Orleans
  • Tell me (Em7) dear ARE YOU (A7) LONESOME TO- (D) NIGHT
  • (Dm7) SUMMER FEELING (G7) with Bacardi (C) Rum
  • (Am7) saying SOMETING (D7) STUPID like I (G) love you
  • um so (Em) leichter um so (Dm7) leichter (G7) wird's für (C) mich. (Flugzeuge im Bauch)
  • and I (Am7) mean it from the (D7) bottom of my (G) heart (I just call to say I love you)
  • DON'T (Am7) WORRY, (D7) BE (G) HAPPY
  • It's (Em7) just another (A7) MANIC (D) MONDAY
  • … to (Dm7) say I (G) love you. WORDS DONT COME (C) EASY


Und das sind nur eine Handvoll Beispiele, und es waren nur die Schlussformeln. Wenn man nur ein wenig darauf achtet, dann stolpert man laufend über eine II-V-I-Verbindung

Wenn man nur ein wenig darauf achtet, dann findet man diese Akkord-Kombination auch mitten in Liedern.

  • … I just can't (Am7) stand the pain. (D7) --- (G) Girl, Im (Easy)
  • ... Seems it (Am) never rains in (D7) Southern Cali-(G) fornia
  • … it seemed for- (Am7) ever stopped today, all the (D7) lonely hearts in London cought a (Gj7) Plane and flew away… (Supreme)

oder was auch immer wieder vorkommt ist, das II-V der Schluss eines Abschnittes ist, und die I der beginn des nächsten…

  • I try to (Am7) fake it! (D7) No! ------- That's why I'm (G) EASY

eine einfache Reharmonisierung[Bearbeiten]

Reharmonisierung
Eigentlich: Ein Jazz-Stück, von dem nur die Melodie mit minimalen Akkord-Angaben vorhanden ist (die typische Real-Book-Variante), wieder ein komplettes Jazzstück zu arangieren. Ein geübter Jazzspieler schafft dies ,ohne lange zu überlegen, während des Spielens. Anfänger müssen da noch etwas länger überlegen und sich einen Stift und Zettel Zuhilfe nehmen.
Hier im Besonderen versteht man unter Reharmonisierung: aus einer x-beliebige Melodie (also nicht unbedingt ein Jazz-Standard) mit einfachen Harmonien die Akkorde so zu ersetzen oder zu ergänzen, dass das gesamte Stück jazziger klingt.

Manchmal ist ein Lied recht dicht an einer 2-5-1-Verbindung dran.

z.B. Das Original von Stings "Englishman in New York" hat keine 2-5-1-Verbindung.

(Em) I don't drink (A) coffee, I take (Bm) tea my dear(A) ...
  • Tauscht man aber das Bm(7) durch ein Dj7 (Mollparallelen)
  • und man denkt sich, das A am Ende jeder Zeile könnte man sich auch schenken, da ja der D(j7) den Ton A als Wechselbass zur Verfügung stellt

...dann lässt sich aus einem Pop-Song ein Jazz-Stück machen.

  • (Em7) I don't drink (A7) coffee, I take (Dj7) tea my dear
    (Em7) I like my (A7) toast done on the (Dj7) side
    (Em7) And you can (A7) hear it in my (Dj7) accent when I talk
    I'm an (Em7) Englishmen (A7) in New (Dj7) York.

(Aus Copyright-rechtlichen Gründen werden nur die ersten vier Zeilen des Liedes angegeben)

II-V-I[Bearbeiten]

Aber was ist das jetzt - eine 2-5-1-Verbindung? Um das zu erklären braucht man erst einmal eine Tonleiter.

Theorie (Wiederholung)

Weil es für das Erklären am einfachsten ist, nimmt man wieder die C-Dur-Tonleiter.

Die C-Dur-Tonleiter besteht aus den Tönen C D E F G A H. Diese werden schlicht und ergreifend durchnummeriert.

C=1, D=2, E=3, F=4, G=5, A=6, H=7

Jedem einzelnen Ton wird ein Akkord zugeordnet. Dieser Akkord steht dann auf der gleichen Stufe wie der Grundton.

  • C = 1. Stufe = C(j7)
  • D = 2. Stufe = Dm(7)
  • E = 3. Stufe = Em(7)
  • F = 4. Stufe = F(j7)
  • G = 5. Stufe = G(7)
  • A = 6. Stufe = Am(7)
  • H = 7. Stufe = Hm5b bzw. Hdim (Hm7/b5 bzw. Hdim7) (b5=verm.Quinte)

Die Akkordbezeichnungen ergeben sich automatisch durch die Terzschichtungen. Zu einem Grundton (welcher immer der erste Ton ist) kommt die Terz hinzu (der dritte Ton vom Grundton aus). Diese erste Terz entscheidet über Dur oder Moll (was in den entsprechenden Kapiteln noch einmal nachzulesen ist). Zu dieser Dur- oder Mollterz kommt eine weitere Terz. Vom Grundton aus ist dieses eine Quinte. Und zu der Quinte wird wieder eine Terz geschichtet. Dieses ist vom Grundton aus eine Septime. Ob es sich bei der Terz um eine Dur- oder Mollterz handelt, oder ob es sich bei der Quinte um eine reine oder übermäßige Quinte handelt, oder ob die Septime eine kleine oder große ist, das hängt von der Anzahl der Halbtöne vom Grundton ab. Dieses sollte man gegebenenfalls noch einmal beim Thema Intervalle nachlesen.

Für den ersten Akkord wird es noch einmal etwas ausführlicher erklärt:

  1. Der Akkord C-Dur steht auf der ersten Stufe, weil C der erste Ton der C-Dur-Tonleiter ist.
  2. Es ist ein Dur-Akkord, weil man aus den Tönen C-E-G nur einen Dur-Akkord bilden kann.
  3. Von C nach E ist eine große (Dur-)Terz.
  4. Eine Terz ist der Abstand von drei Tönen in einer Tonleiter.
  5. Die Quinte G ist wiederum einen Terzabstand von der Terz E entfernt.
  6. Dass vom E aus gesehen nur eine kleine Terz zur Quinte besteht, interessiert uns praktisch gesehen (!) nicht. Es reicht zu wissen, dass G die Quinte zum Grundton C ist.
  7. Von der Quinte (G) zur Septime (H) ist wieder der Abstand einer Terz.
  8. Vom Ton C ausgehend ist der siebte Ton ein H, und dieses ist eine große Septime.
  9. Damit leiten sich alle Töne von Cj7 (C-E-G-H) aufgrund einer Terzschichtung ab.
  10. Eine große Septime hat einen Halbtonschritt (Bund) mehr als eine kleine Septime.
  11. Groß heißt lateinisch major, also erhält man aus den Tönen C-E-G-H ein Cmaj7 oder kurz Cj7.

Für Dm7 geht es etwas kürzer:

  • D steht auf der zweiten Stufe.
  • Die Akkordtöne sind D F A + C.
  • Von D nach F ist eine Mollterz
  • von D nach C ist eine kleine Septime.
  • Daraus ergibt sich ein Dm7.

und für G ganz kurz:

  • G steht auf der fünften Stufe.
  • Die Töne G H D + F ergibt ein G7.
Weitere Tonarten im Vergleich
Tonleiter:   Töne               Akkorde
           1 2 3  4 5 6 7  1    II   V    I 
    C-Dur: C D E  F G A H  C    Dm7  G7  Cj7

    G-Dur: G A H  C D E F# G    Am7  D7  Gj7

    D-Dur: D E F# G A H C# D    Em7  A7  Dj7

Man nimmt also einfach die Töne einer Tonleiter und bildet daraus Drei- bzw.Vierklänge. Wer nicht weiß, wie man die Drei- und Vierklänge aus einer Tonleiter bildet, der schreibe die Tonleiter einfach zweimal hin, wähle sich einen Ton heraus, und füge diesem jeweils einen über den anderen Ton hinzu.

Unsere nächste Übung steht in D-Dur. Die Töne der D-Dur-Tonleiter sind

1  2  3  4  5  6  7  1  2  3  4  5  6  7  1
D  E  F# G  A  H  C# D  E  F# G  A  H  C# D

Daraus ergibt sich

D = 1. Stufe, E = 2. Stufe, A = 5. Stufe

Die Töne von Dj7 (1. Stufe oder kurz I)

1  -  3  -  5  -  7   
D  E  F# G  A  H  C# D  E  F# G  A  H  C# D

Die Töne von Em7 (2. Stufe oder kurz II)

   1  -  3  -  5  -  7   
D  E  F# G  A  H  C# D  E  F# G  A  H  C# D

Die Töne des A7 (5. Stufe oder kurz V)

            1  -  3  -  5  -  7   
D  E  F# G  A  H  C# D  E  F# G  A  H  C# D

Solange man nur die Töne einer Tonleiter verwendet, werden für die Septim-Akkorde (Akkorde mit großer oder kleiner Septim) immer folgende Endungen angehangen:

  • I = j7 (oder maj7)
  • II = m7
  • III = m7
  • IV = j7
  • V = 7
  • VI = m7
  • VII = m7b5 (oder halbverm.)

Gebraucht werden von den Stufenakkorden vorerst jedoch nur die Zweite, Fünfte und Erste - genau in dieser Reihenfolge. 2-5-1 oder wie es üblich ist mit römischen Ziffern II-V-I. Also einen II-m7, V-7 und I-j7 (wobei die römischen Ziffern durch den entsprechenden Stufenton der Tonleiter ersetzt werden müssen.)

Typische Eigenschaften von Jazz-Stücken[Bearbeiten]

Erweiterungen mit der Septime[Bearbeiten]

Damit hätten wir noch etwas typisch jazziges kennengelernt, das wir auch für die Übung einsetzen:
Alle Akkorde sind 7er Akkorde. Das sind, vereinfacht gesagt, die einfachsten "Jazz-Akkorde". Später kommen noch andere Akkordmonster mit dazu, aber fürs erste begnügen wir uns mit den Sept-Akkorden.

Wir haben gesehen, wie es zu einer kleinen Septime (7) oder einer großen Septime (j7) kommt. Die Verteilung von m7, 7, j7 und m7b5 hängt zumeist von den einzelnen Stufen in den entsprechenden Tonleitern ab, und sind für viele Stücke so typisch, dass man mit ein wenig Erfahrung allein von der Verteilung der Akkordendungen auf die Tonleitern rückschließen kann.

Faustformel

In den meisten Fällen wird die 7 bzw. j7 genommen, die auch zu der Tonart passt.

Es gibt natürlich Ausnahmen von der hier vorgestellten Regel. Gerade der Jazz durchbricht sehr oft diese Regeln. Dennoch braucht man einen ersten Orientierungspunkt, von dem aus man sich an die Ausnahmen annähern kann.

Übung
  • Finde für alle 7er-Akkorde heraus, wie der 7. Ton tatsächlich heißt.
    Tipp: gehe die Tonleiter nicht 7 Töne vorwärts, sondern einfach einen rückwärts.

Wenn du dieses noch nicht kannst solltest du zumindest mal alle Töne der C-Dur-Tonleiter in den ersten drei Bünden lernen!

Den Themenbereich C-Dur-Tonleiter in den ersten drei Bünden vertiefen...


Start mit der 2. Stufe[Bearbeiten]

Noch etwas typisches, bei der Übung und auch beim Englishman in New York...

  • (Em7) I don't drink (A7) coffee, I take (Dj7) tea my dear
    (Em7) I like my (A7) toast done on the (Dj7) side
    (Em7) And you can (A7) hear it in my (Dj7) accent when I talk
    I'm an (Em7) Englishmen (A7) in New (Dj7) York.

Was für eine Tonart würdest du auf den ersten Blick sagen?

Sei ehrlich!

Auf auf den ersten Blick hätten die meisten auf Em getippt.

Wäre es Em, dann könnte man versuchen mit den Tönen der G-Dur-Tonleiter (Dur-Parallele zu Em) darüber zu improvisieren.

Klappt aber nicht...

Jetzt mit dem bisschen Vorwissen weist du aber, dass es Em als Tonart nicht sein kann. Denn Em wäre die 6. Stufe von einer G-Dur-Tonleiter...

Aber im Stück ist Em7 nicht die 6. Stufe von G-Dur sondern die 2.Stufe von der D-Dur-Tonleiter (eben eine 2-5-1-Verbindung). Also improvisiere ich mit den Tönen der D-Dur-Tonleiter und es passt.

Ebenso typisch an Jazz-Stücken ist, dass man sehr oft mit der 2. Stufe in das Stück hineinstolpert (wie mit der Türe ins Haus fallen) und erst später auf dem Grund-Akkord landet.

Einmal ein Vergleich:
Jazz-Stücke sind nicht wie eine Rede aufgebaut:

  • mit Anfang (Tonika)
  • Hinführung (Subdominante)
  • Hauptteil bzw. Höhepunkt (Dominante)
  • Ende (Tonika)

Also nicht wie eine klassische Kadenz

//: C F G7 C :// I-IV-V-I (1-4-5-1)

Sondern Jazz ist vergleichbar mit einem Smalltalk in einem Bistro, wo man einfach losplappert und erst hinterher sieht, was rauskommt... "hab ich dir eigentlich schon erzählt, dass"
Eben eine 2-5-1-Jazz-Kadenz:

//: Dm7 G7 Cj7 Cj7 ://

...

Modulationen[Bearbeiten]

... und beim Smalltalk kann sich das Gesprächsthema auch plötzlich ändern. Und damit wären wir schon bei einer weiteren typischen Sache beim Jazz. In der ersten Übung wird mitten im Stück die Tonart gewechselt.

Aber nicht einfach so aufs Geratewohl. Oft hat die neue Tonart irgendetwas gemeinsam mit der vorherigen (vgl. den Smalltak).

für unser Beispiel aus der letzten Lektion:

  • Em7 ist(mit der die zweite Zeile beginnt) die Mollparallele von G-Dur (mit der die erste Zeile endet).
  • Dmaj7 und Dm7 (Ende 2. Anfang 3. Zeile) haben den gemeinsamen Grundton und Quinte (aus Dur wird Moll)
  • Am7 (vom Ende wieder zurück zum Anfang) ist wieder die Moll-Parallele zu C... (Der Schlussakkord der Akkordfolge)

Der Am-Akkord, welcher als 6. Stufe der C-Dur-Tonleiter eine guter Folgeakkord wäre, wird umgedeutet in die zweite Stufe der G-Dur-Tonleiter, und man befindet sich plötzlich in einer völlig anderen Tonart wieder.

Das ist wirklich typisch Jazz.

Spielt einfach noch ein wenig die Übung nach und lest das ganze später noch einmal... Dann gibt es viele Aha-Erlebnisse...