Zum Inhalt springen

Eigenschaften des Sinus und Kosinus – „Mathe für Nicht-Freaks“

Aus Wikibooks

Dieser Abschnitt ist noch im Entstehen und noch nicht offizieller Bestandteil des Buchs. Gib den Autoren Zeit, den Inhalt anzupassen!

Überblick

[Bearbeiten]

Symmetrieverhalten

[Bearbeiten]

Sinus

[Bearbeiten]

Satz (Antisymmetrie des Sinus)

Für alle x gilt sin(x)=sin(x).

Beweis (Antisymmetrie des Sinus)

Sei x. Mit der Definition durch die komplexe Exponentialfunktion berechnen wir:

sin(x) Definition des Sinus= 12i(ei(x)ei(x))= 12i(eixeix) Minus ausklammern= 12i(eixeix) Definition des Sinus= sin(x)

Kosinus

[Bearbeiten]

Satz (Symmetrie des Kosinus)

Für alle x gilt cos(x)=cos(x).

Beweis (Symmetrie des Kosinus)

Sei x. Mit der Definition durch die komplexe Exponentialfunktion berechnen wir:

cos(x) Definition des Kosinus= 12(ei(x)+ei(x)) Summanden tauschen= 12(eix+eix) Definition des Kosinus= cos(x)

Additionstheoreme

[Bearbeiten]

Im Folgenden untersuchen wir die Additionstheoreme. Diese befassen sich mit sin(x+y) beziehungsweise cos(x+y) für x,y. Veranschaulichen können wir uns diesen Satz, indem wir Sinus und Kosinus am Einheitskreis betrachten.

To-Do:
  • Einführung schreiben
  • Veranschaulichen durch Drehungen in der Ebene durch Drehmatrizen
  • mit Bild

Satz (Additionstheoreme)

Für reelle Zahlen x und y gilt

sin(x+y)=sin(x)cos(y)+cos(x)sin(y)
cos(x+y)=cos(x)cos(y)sin(x)sin(y)

Wie kommt man auf den Beweis? (Additionstheoreme)

Aus der Polardarstellung komplexer Zahlen wissen wir, dass für x gilt eix=cos(x)+isin(x). Dadurch können wir dann auch sin und cos in Abhängigkeit von eix darstellen. Nämlich als sin(x)=Im(eix) und als cos(x)=Re(eix). Also können wir so auch sin(x+y) und cos(x+y) für x,y betrachten.

Außerdem kann es nützlich sein, Re(zw) sowie Im(zw) für komplexe Zahlen z,w zu betrachten.

Beweis (Additionstheoreme)

Zuerst betrachten wir zwei komplexe Zahlen z,w. Dann gilt

zw=(Re(z)+iIm(z))(Re(w)+iIm(w)) Ausmultiplizieren= Re(z)Re(w)+iRe(z)Im(w)+iIm(z)Re(w)+i2Im(z)Im(w) i2=1 und ordnen nach Real- und Imaginärteil.= Re(z)Re(w)Im(z)Im(w)+i(Re(z)Im(w)+Im(z)Re(w))

Somit folgt

Re(zw)=Re(z)Re(w)Im(z)Im(w) und Im(zw)=Re(z)Im(w)+Im(z)Re(w)

Außerdem wissen wir, für x gilt eix=cos(x)+isin(x). Folglich gilt

sin(x)=Im(eix), sowie cos(x)=Re(eix)

Seien nun x und y, dann gilt

sin(x+y) 2.= Im(ei(x+y))= Im(eixeiy) 1.= Im(eix)Re(eiy)+Re(eix)Im(eiy) 2.= sin(x)cos(y)+cos(x)sin(y)

Genauso folgt auch

cos(x+y) 2.= Re(ei(x+y))= Re(eixeiy) 1.= Re(eix)Re(eiy)Im(eix)Im(eiy) 2.= cos(x)cos(y)+sin(x)sin(y)

Alternativer Beweis (Additionstheoreme)

Wir können den Satz ebenso beweisen, indem wir die rechte Seite explizit ausrechnen. Dafür nutzen wir die folgende Definition von sin und cos: Für x gilt

sin(x)=12i(eixeix) und cos(x)=12(eix+eix)

Seien nun x und y dann folgt

sin(x)cos(y)+cos(x)sin(y) Definition von sin und cos= 12i(eixeix)12(eiy+eiy)+12(eix+eix)12i(eiyeiy) Klammern ausmultiplizieren.= 14i(ei(x+y)+ei(xy)ei(xy)ei(x+y)+ei(x+y)ei(xy)+ei(xy)ei(x+y))= 24i(ei(x+y)ei(x+y))= sin(x+y)

Trigonometrischer Pythagoras

[Bearbeiten]

Wir wollen nun eine der wichtigsten Identitäten von Sinus und Kosinus betrachten.

To-Do:
  • Einleitung schreiben
  • anschaulich die Identität erklären

Satz (Trigonometrischer Pythagoras)

Für alle x gilt

sin2(x)+cos2(x)=1
To-Do:

Wie kommt man auf den beweis

Beweis (Trigonometrischer Pythagoras)

Sei x, dann gilt

sin2(x)+cos2(x) sin(x)=sin(x) und cos(x)=cos(x)= cos(x)cos(x)sin(x)sin(x) Additionstheorem des Kosinus= cos(xx)=cos(0) cos(0)=1= 1

Man kann den Satz ebenso beweisen, indem man Sinus und Kosinus mit der Exponentialfunktion ausdrückt und dann die linke Seite ausrechnet:

Alternativer Beweis (Trigonometrischer Pythagoras)

Sei x. Wir nutzen nun folgenden Definitionen von Sinus und Kosinus:

sin(x)=12i(eixeix) und cos(x)=12(eix+eix)

Nun berechnen wir

sin2(x)+cos2(x) Definitionen von Sinus und Kosinus= 1(2i)2(eixeix)2+122(eix+eix)2= 14(e2ix2ei(xx)+e2ix)+14(e2ix+2ei(xx)+e2ix)= 44e0 e0=1=1

Stetigkeit

[Bearbeiten]
To-Do:

Stetigkeit von Sinus und Kosinus aus der Stetigkeit der Exponentialfunktion folgern

Definition von π

[Bearbeiten]

Im letzten Kapitel haben wir Sinus und Kosinus sowohl anschaulich als Funktion eines Winkels definiert, als auch analytisch über eine Reihe bzw. über die Exponentialfunktion. Wie du vielleicht noch aus der Schule weißt, wird bei der ersten Definition der Winkel im Bogenmaß gemessen. Zum Beispiel hat ein rechter Winkel die Größe 90=π2, denn wenn man aus dem Einheitskreis einen Viertelkreis herausschneidet, hat dieser die Länge π2. Somit ist auch anschaulich klar, dass cos(π2)=0 gilt.

Ein Grund der rein analytischen Definition von Sinus und Kosinus ist, die Werte der Sinus- und Kosinusfunktion mathematisch präzise festzulegen, ohne auf die geometrische Anschauung zurückgreifen zu müssen. Daher macht es Sinn, auch die berühmte Kreiszahl π rein analytisch zu definieren. Die bekannte Definition von π als Verhältnis von Umfang zu Durchmesser eines Kreises erweist sich nämlich in der Analysis als nicht geeignet zur strengen Beweisführung.

Die Idee ist nun, π einfach so zu definieren, dass cos(π2)=0 gilt. Genauer gesagt wollen wir festlegen, dass π2 die kleinste positive Nullstelle des Kosinus sein soll (π ist dann das Doppelte davon). Damit diese Definition funktioniert, müssen wir aber erst beweisen, dass eine kleinste solche Nullstelle überhaupt existiert.

Satz

Die Funktion cos: besitzt eine kleinste positive Nullstelle.

Zusammenfassung des Beweises

Wir müssen zuerst zeigen, dass es überhaupt positive Nullstellen gibt. Wir wissen ja, dass cos(0)=1 gilt. Es reicht also, eine positive Stelle zu finden, an der der Kosinus einen negativen Wert annimmt, denn aufgrund der Stetigkeit wird dann nach dem Zwischenwertsatz auch der Wert 0 angenommen. Anschließend muss noch bewiesen werden, dass die Menge aller positiven Nullstellen ein Minimum hat. Dazu verwenden wir erneut die Stetigkeit.

Beweis

Es gilt cos(2)<0, denn

cos(2)=k=0(1)k(2k)!22k=11222+12424+k=3(1)k(2k)!22k=13+k=3k ungerade(1)k(2k)!22k+(1)k+1(2k+2)!22k+2=13+k=3k ungerade22k(2k)!+22k+2(2k+2)!=13+k=3k ungerade22k(2k)!+4(2k+1)(2k+2)22k(2k)!13+k=3k ungerade22k(2k)!+22k(2k)!=13

Weil die Kosinusfunktion stetig ist und cos(0)=1>0 gilt, gibt es nach dem Zwischenwertsatz ein 0<x<2 mit cos(x)=0.

Sei M:={x>0cos(x)=0} die Menge aller positiven Nullstellen des Kosinus. Wir haben gerade M gezeigt. Somit existiert das Infimum ξ:=infM. Wir wollen ξM zeigen. Sei (xn)n eine Folge in M, die gegen ξ konvergiert. Dann gilt

cos(ξ)=cos(limnxn)=limncos(xn)=limn0=0

Hier wurde die Folgenstetigkeit von cos angewandt. Das Infimum ξ ist also ebenfalls eine Nullstelle des Kosinus. Aber ist es auch eine positive Nullstelle? Da 0 eine untere Schranke an M ist und ξ die kleinste untere Schranke ist, gilt ξ0. Doch ξ=0 ist unmöglich, da sonst 0=cos(ξ)=cos(0)=1 wäre. Also ist ξ>0 und daher ξM. Folglich ist ξ das Minimum der Menge M.

Jetzt können wir endlich π definieren.

Definition (Kreiszahl π)

Die Kreiszahl π ist das Doppelte der kleinsten positiven Nullstelle der Kosinusfunktion. In Formeln:

π:=2min{x>0cos(x)=0}

Die Existenz dieses Minimums war gerade die Aussage des vorangegangenen Satzes. Aus dem Beweis dieses Satzes geht auch hervor, dass π2<2 gilt. Wir haben also 0<π<4.

Qualitatives Verhalten der Kosinusfunktion

[Bearbeiten]

Dass π2 die kleinste positive Nullstelle des Kosinus ist, hat eine Fülle von Aussagen über die Kosinusfunktion zur Folge, die es uns erlaubt, ein vollständiges Bild vom qualitativen Verhalten der Kosinusfunktion zu bekommen. Insbesondere werden wir zeigen, dass cos:[0,π2][0,1] bijektiv und streng monoton fallend ist und dass die Funktionswerte auf ganz unmittelbar aus den Funktionswerten auf [0,π2] hervorgehen.

Verhalten auf [0,π2]

[Bearbeiten]
Die Kosinusfunktion auf dem Intervall [0,π2]

Aus dem trigonometrischen Pythagoras folgt cos2(x)[0,1], also cos(x)[1,1], sodass wir den Kosinus als Funktion cos:[1,1] auffassen können. Wäre cos(x)<0 für ein x[0,π2], so gäbe es wegen cos(0)=1>0 nach dem Zwischenwertsatz ein 0<ξ<xπ2 mit cos(ξ)=0, doch das steht im Widerspruch dazu, dass π2 die kleinste positive Nullstelle des Kosinus ist. Also können wir die Einschränkung des Kosinus auf das Intervall [0,π2] sogar als Funktion cos:[0,π2][0,1] auffassen. Wir zeigen nun, dass diese Einschränkung bijektiv und streng monoton fallend ist.

Satz

Die Funktion cos:[0,π2][0,1] ist bijektiv und streng monoton fallend.

Beweis

An den Intervallgrenzen wissen wir schon, was passiert: Es gelten cos(0)=1 und cos(π2)=0. Nach dem Zwischenwertsatz werden also zwischen 0 und π2 alle Werte aus [0,1] angenommen. Damit ist bereits die Surjektivität gezeigt. Wenn wir noch zeigen, dass die Funktion streng monoton fallend ist, sind wir fertig, denn daraus folgt insbesondere die Injektivität. Seien also x,y[0,π2] mit x>y. Wir wollen cos(x)<cos(y) zeigen. Wir führen die Zahlen a:=x+y2 und b:=xy2 ein. Dann sind nämlich a,b[0,π2] und wir haben x=a+b sowie y=ab (damit ist ba). Mithilfe der Additionstheoreme berechnen wir nun

cos(y)cos(x)=cos(ab)cos(a+b)=(cos(a)cos(b)+sin(a)sin(b))(cos(a)cos(b)sin(a)sin(b))=2sin(a)sin(b)

Falls sin(a) und sin(b) beide positiv oder beide negativ sind, folgt wie gewünscht cos(y)>cos(x). Andernfalls gilt sin(a)0sin(b) oder sin(b)0sin(a). Nach dem Zwischenwertsatz gibt es also ein ξ[b,a][0,π2] mit sin(ξ)=0. Damit ist

cos(π2ξ)=cos(π2)=0cos(ξ)+sin(π2)sin(ξ)=0=0

Weil aber π2 die kleinste positive Nullstelle der Kosinusfunktion, sprich die einzige Nullstelle im Bereich [0,π2] ist, muss ξ=0 gelten. Wegen ξ[b,a] ist demnach b=0. Daraus folgt jedoch x=a+b=ab=y im Widerspruch zu x>y.

Fortsetzung auf [π2,π]

[Bearbeiten]

Wir stellen zunächst fest, dass sich aus cos(π2)=0 folgender Zusammenhang ergibt, den man als eine Punktsymmetrie der Kosinusfunktion um die Stelle π2 beschreiben könnte.

Satz

Für alle x gilt

cos(π2+x)=cos(π2x)

Beweis

Es gilt

cos(π2+x)=cos(π2)=0cos(x)sin(π2)sin(x)=sin(π2)sin(x)cos(π2x)=cos(π2)=0cos(x)+sin(π2)sin(x)=sin(π2)sin(x)

Daraus folgt die Behauptung.

Indem wir x[0,π2] in diesem Satz wählen, erkennen wir, dass die Einschränkung des Kosinus auf das Intervall [π2,π] eine Funktion cos:[π2,π][1,0] darstellt, die erneut bijektiv und streng monoton fallend ist.

Die Kosinusfunktion auf dem Intervall '"`UNIQ--postMath-0000009E-QINU`"' geht aus der Kosinusfunktion auf dem Intervall '"`UNIQ--postMath-0000009F-QINU`"' hervor
Die Kosinusfunktion auf dem Intervall [0,π] geht aus der Kosinusfunktion auf dem Intervall [0,π2] hervor

Insgesamt ergibt sich also:

Satz

Die Funktion cos:[0,π][1,1] ist bijektiv und streng monoton fallend.

Dieser Satz wird bei der Definition des Arkuskosinus eine wichtige Rolle spielen.

Fortsetzung auf [π,2π]

[Bearbeiten]

Im Weiteren wird sich eine andere Formulierung des obigen Zusammenhangs als nützlich erweisen.

Satz

Für alle x gilt

cos(x+π)=cos(x)

Beweis

Wir schreiben in obigem Satz x+π2 anstelle von x und erhalten

cos(x+π)=cos(x)

Zusammen mit cos(x)=cos(x) folgt die Behauptung.

Indem wir nun x[0,π] wählen, sehen wir, dass auf dem Intervall [π,2π] die entsprechenden Werte auf dem Intervall [0,π] lediglich gespiegelt werden.

Die Kosinusfunktion auf dem Intervall '"`UNIQ--postMath-000000AB-QINU`"' geht aus der Kosinusfunktion auf dem Intervall '"`UNIQ--postMath-000000AC-QINU`"' hervor
Die Kosinusfunktion auf dem Intervall [0,2π] geht aus der Kosinusfunktion auf dem Intervall [0,π] hervor

Die Einschränkungen cos:[π,3π2][1,0] und cos:[3π2,2π][0,1] sind also jeweils bijektiv und streng monoton steigend.

Fortsetzung auf

[Bearbeiten]

Es stellt sich nun heraus, dass die Kosinusfunktion periodisch ist:

Satz

Für alle x gilt

cos(x+2π)=cos(x)

Beweis

Wir wenden den vorherigen Satz zweimal an und erhalten

cos(x+2π)=cos(x+π)=cos(x)

Auf den Intervallen ,[4π,2π],[2π,0],[0,2π],[2π,4π],[4π,6π], verhält sich der Kosinus also jeweils exakt so, wie wir es bereits für das Intervall [0,2π] untersucht haben.

Die Kosinusfunktion geht aus der Kosinusfunktion auf dem Intervall '"`UNIQ--postMath-000000B5-QINU`"' hervor
Die Kosinusfunktion geht aus der Kosinusfunktion auf dem Intervall [0,2π] hervor

Mit anderen Worten:

Satz

Für alle k ist

  • cos:[2πk,2πk+π2][0,1] bijektiv und streng monoton fallend,
  • cos:[2πk+π2,2πk+π][1,0] bijektiv und streng monoton fallend,
  • cos:[2πk+π,2πk+3π2][1,0] bijektiv und streng monoton steigend,
  • cos:[2πk+3π2,2πk+2π][0,1] bijektiv und streng monoton steigend.

Die folgende Grafik veranschaulicht noch einmal, wie sich alle Funktionswerte des Kosinus auf die Werte im Intervall [0,π2] zurückführen lassen.

Die Kosinusfunktion geht aus der Kosinusfunktion auf dem Intervall '"`UNIQ--postMath-000000BC-QINU`"' hervor
Die Kosinusfunktion geht aus der Kosinusfunktion auf dem Intervall [0,π2] hervor

Nullstellen, Maxima und Minima

[Bearbeiten]

Der vorangegangene Satz erlaubt es uns zu bestimmen, wo die Nullstellen, Maxima und Minima liegen, also die Funktionswerte 0, 1 und 1 angenommen werden.

Satz

Für alle x gilt

  • cos(x)=0x=πk+π2,k
  • cos(x)=1x=2πk,k
  • cos(x)=1x=2πk+π,k
To-Do:

Bild, Beweis

Periodizität

[Bearbeiten]

Wir haben bereits gezeigt, dass cos(x+2π)=cos(x) für alle x gilt. Wir beweisen jetzt, dass 2π die kleinste Zahl mit dieser Eigenschaft ist. Daher macht es Sinn, den Kosinus als 2π-periodische Funktion zu bezeichnen.

Satz

Sei τ>0 mit cos(x+τ)=cos(x) für alle x. Dann gilt τ=2πk für ein k.

Beweis

Wir setzen x=0 und erhalten cos(τ)=cos(0)=1. Somit gilt τ=2πk für ein k. Wegen τ>0 ist k.

Alle möglichen Periodenlängen sind also Vielfache von 2π, womit 2π die kleinste Periodenlänge ist.

Qualitatives Verhalten der Sinusfunktion

[Bearbeiten]

In diesem Abschnitt werden wir erkennen, dass die Sinusfunktion lediglich eine Verschiebung der Kosinusfunktion ist. Auf diese Weise lassen sich alle Eigenschaften der Kosinusfunktion aus dem vorherigen Abschnitt leicht auf die Sinusfunktion übertragen.

Funktionswert bei π2

[Bearbeiten]

Wir überlegen uns zunächst, was sin(π2) ist. Da cos(π2)=0 gilt, folgt aus dem trigonometrischen Pythagoras sofort sin2(π2)=1. Es gilt also entweder sin(π2)=1 oder sin(π2)=1. Um Letzteres auszuschließen, treffen wir für 0<x<2 folgende Abschätzung:

sin(x)=k=0(1)k(2k+1)!x2k+1=k=0k gerade(1)k(2k+1)!x2k+1+(1)k+1(2k+3)!x2k+3=k=0k geradex2k+1(2k+1)!x2k+3(2k+3)!=k=0k geradex2k+1(2k+1)!x2(2k+2)(2k+3)x2k+1(2k+1)!>k=0k geradex2k+1(2k+1)!x2k+1(2k+1)!=0

Wir wissen ja, dass 0<π2<2 gilt. Somit ist sin(π2)>0 und es folgt sin(π2)=1.

Zusammenhang zur Kosinusfunktion

[Bearbeiten]

Satz

Für alle x gilt

sin(x)=cos(xπ2)

Beweis

Nach dem Additionstheorem gilt

cos(xπ2)=cos(x)cos(π2)=0+sin(x)sin(π2)=1=sin(x)

Der Graph der Sinusfunktion (rot) entsteht also aus dem Graphen durch Kosinusfunktion (blau) durch eine Verschiebung um π2 nach rechts.

Übergang von Kosinus zu Sinus und umgekehrt
Übergang von Kosinus zu Sinus und umgekehrt

Verhalten auf

[Bearbeiten]

Da der Sinus nur ein verschobener Kosinus ist, können wir das qualitative Verhalten der Sinusfunktion auf ganz leicht bestimmen.

Satz

Die Sinusfunktion ist periodisch mit kleinstmöglicher Periodenlänge 2π und für alle k ist

  • sin:[2πk,2πk+π2][0,1] bijektiv und streng monoton steigend,
  • sin:[2πk+π2,2πk+π][0,1] bijektiv und streng monoton fallend,
  • sin:[2πk+π,2πk+3π2][1,0] bijektiv und streng monoton fallend,
  • sin:[2πk+3π2,2πk+2π][1,0] bijektiv und streng monoton steigend.
To-Do:

Bild

Nullstellen, Maxima und Minima

[Bearbeiten]

Ebenso leicht lässt sich die Bestimmung von Nullstellen, Maxima und Minima auf die Sinusfunktion übertragen, denn deren Lage verschiebt sich lediglich um π2 nach rechts.

Satz

Für alle x gilt

  • sin(x)=0x=πk,k
  • sin(x)=1x=2πk+π2,k
  • sin(x)=1x=2πkπ2,k
To-Do:

Bild

Ableitung und Integral

[Bearbeiten]

Ableitung Sinus

[Bearbeiten]

Satz (Ableitung vom Sinus)

Der Sinus ist differenzierbar, wobei für alle x~ gilt:

sin(x~)=cos(x~)

Beweis (Ableitung vom Sinus)

Für x~ ist

sin(x~)=limh0sin(x~+h)sin(x~)h sin(x+y)=sin(x)cos(y)+cos(x)sin(y)=limh0sin(x~)cos(h)+cos(x~)sin(h)sin(x~)h=sin(x~)limh0cos(h)1h=0+cos(x~)limh0sin(h)h=1=cos(x~)

Ableitung Kosinus

[Bearbeiten]

Satz (Ableitung des Kosinus)

Die Kosinus-Funktion ist ableitbar mit

cos(x~)=sin(x~)

Beweis (Ableitung des Kosinus)

cos(x~)=limh0cos(x~+h)cos(x~)h cos(x+y)=cos(x)cos(y)sin(x)sin(y)=limh0cos(x~)cos(h)sin(x~)sin(h)cos(x~)h=cos(x~)limh0cos(h)1h=0sin(x~)limh0sin(h)h=1=sin(x~)