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Arkussinus und Arkuskosinus – „Mathe für Nicht-Freaks“

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Arkussinus und Arkuskosinus sind die Umkehrfunktionen der trigonometrischen Funktionen Sinus und Kosinus (wenn man ihren Definitions- und Wertebereich geeignet einschränkt).

Definition und Herleitung

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Arkussinus und Arkuskosinus
  •  arcsin (x)
  •  arccos (x)
  • Wir wissen bereits, dass die Sinus- und Kosinusfunktion sin(x) die Definitionsmenge D= und die Zielmenge Z= haben. Insbesondere sind beide Funktionen nicht bijektiv, da sie weder injektiv noch surjektiv sind. Zur Erinnerung: Eine Funktion ist surjektiv, wenn sie jedes Element der Zielmenge trifft und eine Funktion ist injektiv, wenn unterschiedliche Argumente auf unterschiedliche Funktionswerte abgebildet werden. Eine Funktion ist nur dann bijektiv, sprich: umkehrbar, wenn sie sowohl surjektiv, als auch injektiv ist.

    In der folgenden Grafik der Sinusfunktion sieht man, dass nur Zahlen zwischen 1 und 1 getroffen werden. Damit ist sie nicht surjektiv, da ihre Zielmenge mit viel größer als [1,1] ist. Auch wird jeder Funktionswert durch mehrere Argumente angenommen und somit kann die Funktion nicht injektiv sein:

    Graph der Sinusfunktion
    Graph der Sinusfunktion

    Um die Sinusfunktion surjektiv zu machen, müssen wir ihre Zielmenge auf die Werte einschränken, die auch tatsächlich angenommen werden. Diese Menge ist das Bild der Sinusfunktion, also die Menge [1,1]. Dadurch erhalten wir eine neue Funktion sin2, welche definiert ist als sin2:[1,1]:xsin(x). Beachte, dass sin2sin ist, obwohl die Funktionsvorschrift identisch ist. Beide Funktionen unterscheiden sich nämlich in der Zielmenge.

    Als nächstes überlegen wir uns, wie wir sin2 injektiv machen können. Hierzu schränken wir den Definitionsbereich soweit ein, dass nicht mehr mehrere Argumente auf denselben Funktionswert abgebildet werden. Dies gelingt uns am Besten, wenn wir sin2 auf ein Intervall einschränken, wo die Sinusfunktion streng monoton ist. Dann ist nämlich die Injektivität garantiert. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Zum Beispiel ist der Sinus auf den Intervallen [π2,π2] oder [52π,72π] streng monoton:

    Auf den markierten Bereichen ist der Sinus streng monoton
    Auf den markierten Bereichen ist der Sinus streng monoton

    Es ist dabei grundsätzlich egal, auf welches Monotonieintervall die Definitionsmenge des Sinus eingeschränkt wird. Allerdings ist es in der Literatur üblich, das Intervall [π2,π2] zu nehmen. Dies hat den Grund, dass der Kosinus im Intervall [π2,π2] nichtnegativ ist. Die bijektive, eingeschränkte Sinusfunktion lautet daher:

    sin2|[π2,π2]:[π2,π2][1,1]

    Auf analog Weise wird zunächst cos2:[1,1]:xcos(x) definiert, um eine surjektive Version der Kosinusfunktion zu erhalten. Ihr Definitionsbereich wird dann auf ein Intervall eingeschränkt, wo die Kosinusfunktion streng monoton steigt und die Sinusfunktion nichtnegtaiv ist:

    cos2|[0,π]:[0,π][1,1]

    Beide Funktionen sind sowohl injektiv und surjektiv und können damit umgekehrt werden. Die jeweiligen Umkehrfunktionen sind der Arkussinus und der Arkuskosinus:

    Definition (Arkussinus und Arkuskosinus)

    Wir definieren die Funktionen arcsin (Arkussinus) und arccos (Arkuskosinus) durch

    arcsin:[1,1][π2,π2]:x(sin2|[π2,π2])1(x)arccos:[1,1][0,π]:x(cos2|[0,π])1(x)

    Eigenschaften

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    Übersicht über die Eigenschaften

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      Arkussinus Arkuskosinus
    Funktions-
    Graphen
    Arcsin Arccos
    Definitionsbereich x[1,1] x[1,1]
    Wertebereich π2f(x)+π2 0f(x)π
    Monotonie streng monoton steigend streng monoton fallend
    Symmetrien Ungerade Funktion: arcsin(x)=arcsin(x) Punktsymmetrie zu (x=0,y=π2),
    arccos(x)=πarccos(x)
    Asymptoten f(x)±π2 für x±1 f(x)π2π2 für x±1
    Nullstellen x=0 x=1
    Unstetigkeitsstellen keine keine
    Polstellen keine keine
    Extrema keine keine
    Wendepunkte x=0 x=0

    Symmetrie

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    Satz

    Der Arkussinus arcsin ist punktsymmetrisch zum Ursprung, der Arkuskosinus arccos ist punktsymmetrisch zum Punkt (0,π2).

    Beweis

    Wir nutzen aus, dass arcsin und arccos die Umkehrfunktionen von sin2|[π2,π2]1 und cos2|[0,π]1 sind.

    To-Do:

    Beweis ergänzen

    Stetigkeit

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    Satz

    Der Arkussinus arcsin:[1,1][π2,π2] und der Arkuskosinus arccos:[1,1][0,π] sind stetig.

    Beweis

    Wir wissen bereits aus vorangegangenen Kapitel, dass die Sinus- und Kosinusfunktion stetig sind. Insbesondere folgt daraus auch die Stetigkeit von sin2|[π2,π2] und cos2|[0,π], da die Einschränkung einer stetigen Funktion immer stetig ist (dies folgt direkt aus der Definition der Stetigkeit).

    Es gilt also: sin2|[π2,π2] und cos2|[0,π] sind jeweils stetig, streng monoton und bijektiv. Darüber hinaus ist die Definitionsmenge des eingeschränkten Sinus und Kosinus jeweils ein Intervall. Somit sind alle Voraussetzungen für den Satz von der Stetigkeit der Umkehrfunktion erfüllt und darf hier angewendet werden. Es folgt: Die Umkehrfunktionen arcsin und arccos sind stetig.

    Ableitung

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    In diesem Abschnitt verwenden wir Kenntnisse über die späteren Kapitel Ableitungsregeln und Ableitungen sowie Ergebnisse aus dem Kapitel Ableitung der Umkehrfunktion.


    Satz (Ableitungen des Arkussinus und -kosinus)

    Die Umkehrfunktionen der trigonometrischen Funktionen arcsin, arccos sind differenzierbar, und es gilt

    arcsin(x~)=11x~2 für alle x~(1,1),arccos(x~)=11x~2 für alle x~(1,1),

    Hinweis: Zwar sind arcsin und arccos auf [1,1] definiert und stetig, jedoch nur auf (1,1) differenzierbar.

    Beweis (Ableitungen des Arkussinus und -kosinus)

    Ableitung von arcsin:

    Für die Sinusfunktion sin:(π2,π2) gilt: sin=cos. Also ist die Funktion differenzierbar, und wegen cos(x)>0 für alle x(π2,π2), auf diesem Intervall streng monoton steigend. Weiter ist sin((π2,π2))=(1,1). Also ist sin:(π2,π2)(1,1) surjektiv. Die Umkehrfunktion ist die Arcussinus-Funktion

    arcsin:(1,1)(π2,π2)

    Aus dem Satz über die Ableitung der Umkehrfunktion folgt nun für jedes x~(1,1):

    arcsin(x~)=1sin(arcsin(x~))=1cos(arcsin(x~))=TrigonometrischerPythagoras11sin2(arcsin(x~))=11x~2

    Ableitung von arccos:

    Für die Cosinusfunktion cos:(0,π) gilt: cos=sin. Also ist die Funktion differenzierbar, und wegen sin(x)|(0,π)<0, streng monoton fallend. Weiter ist cos((0,π))=(1,1). Also ist cos:(0,π)(1,1) surjektiv. Die Umkehrfunktion

    arccos:(1,1)(0,π)

    ist nach dem Satz über die Ableitung der Umkehrfunktion differenzierbar, und für jedes x~(1,1) gilt:

    arccos(x~)=1cos(arccos(x~))=1sin(arcsin(x~))=TrigonometrischerPythagoras11cos2(arccos(x~))=11x~2

    Integral

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    In diesem Abschnitt verwenden wir Kenntnisse über Integrale, insbesondere die Substitutionsregel und die Partielle Integration.

    Satz

    Die Funktionen f:(1,1), f(x)=11x2 und g:(1,1), g(x)=11x2 haben arcsin und arccos als Stammfunktion. Es gilt:

    11x2dx=arcsin(x)+C
    11x2dx=arccos(x)+C

    Beweis

    Die Stammfunktionen ergeben sich durch Differenzieren der rechten Seite, mit Hilfe der Ableitung der Umkehrfunktion:

    ddxarcsin(x)=F1(x)+C=1sin(arcsin(x))=1F(F1(x))+0=1cos(arcsin(x) Trigonometrischer Pythagoras:sin2(x)+cos2(x)=1cos(x)=1sin2(x)=11sin2(arcsin(x))=11x2

    Aufgabe

    Zeige:

    11x2dx=arccos(x)+C

    Lösung

    Analog zu oben gilt mit Hilfe der Ableitung der Umkehrfunktion:

    ddxarccos(x)=G1(x)+C=1cos(arccos(x))=1G(G1(x))+0=1sin(arccos(x) Trigonometrischer Pythagoras:sin2(x)+cos2(x)=1sin(x)=1cos2(x)=11cos2(arccos(x))=11x2

    Satz (Stammfunktion des Arkussinus und Arkuskosinus)

    Der Arkussinus arcsin:[1,1][π2,π2] und der Arkuskosinus arccos:[1,1][0,π] haben eine Stammfunktion

    Für alle x[1,1] gilt:

    arcsin(x)dx=xarcsin(x)+1x2+C
    arccos(x)dx=xarccos(x)1x2+C

    Beweis (Stammfunktion des Arkussinus und Arkuskosinus)

    Wir zeigen dies anhand des Arkussinus, für den Arkuskosinus geht das ganze analog.

    Wir beginnen mit Partieller Integration. Schreibe arcsin(x)=1arcsin(x)=fg. Dann folgt nach Anwendung der partiellen Integration:

    arcsin(x)dx=1arcsin(x)dx Partielle Integration von fg=1arcsin(x)=xarcsin(x)fgx11x2fgdx

    Als nächstes wollen wir das Integral x11x2dx bestimmen. Dazu benutzen wir die Substitutionsregel. Wir raten die Substitution t=1x2. Dann gilt dt=2xdx und umgestellt dx=12xdt. Da wir die Stammfunktion herausfinden wollen, ist es hier nicht notwendig, die Grenzen zu ersetzen. Es folgt also:

    x11x2dx Substitution t=1x2=x1t(12x)dt Zusammenfassen=12tdt Integration von 12t=[t] Rücksubstitution=1x2+C

    Insgesamt folgt also:

    arcsin(x)dx=xarcsin(x)+1x2+C

    Aufgabe (Stammfunktion von Arkuskosinus)

    Zeige:

    arccos(x)dx=xarccos(x)1x2+C

    Lösung (Stammfunktion von Arkuskosinus)

    Wir gehen analog zum arcsin vor, indem wir zunächst den Faktor Eins ergänzen, und anschließend partiell zu Integrieren und zu Substituieren:

    arccos(x)dx=1arccos(x)dx Partielle Integration mit (f(x)=1 und g(x)=arccos(x))  (f(x)=x und g(x)=11x2)=xarccos(x)fgx(11x2)fgdxxarccos(x)+x1x2dx Substitution: t=1x2(dtdx=2xdx=dt2x)=xarccos(x)+xt(12x)dt Zusammenfassen=xarccos(x)+12tdt Integration von 12t=xarccos(x)t+C Rücksubstitution=xarccos(x)1x2+C

    Monotonie

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    Satz

    Der Arkussinus arcsin:[1,1][π2,π2] ist streng monoton steigend und der Arkuskosinus arccos:[1,1][0,π] ist streng monoton fallend.

    Beweis

    Aus der Ableitungsfunktion des Arkussinus kann man direkt ablesen, dass arcsin im Intervall ]1,1[ streng monoton steigend ist. Der Arkussinus ist darüber hinaus stetig und springt daher an den Randpunkten 1 und 1 nicht. Daraus folgt, dass der Arkussinus auf der gesamten Definitionsmenge [1,1] streng monoton steigt.

    Mit analoger Argumentation zeigt man, dass der Arkuskosinus streng monoton fällt.

    Maxima und Minima

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    Satz

    Der Arkussinus arcsin hat das absolute Minimum π2 bei x=1 und das absolute Maximum π2 bei x=1.

    Der Arkuskosinus arccos hat das absolute Minimum 0 bei x=1 und das absolute Maximum π bei x=1.

    Beweis

    Die Arkussinusfunktion ist auf dem kompakten Intervall [1,1] definiert. Nach dem Satz vom Minimum und Maximum existiert also eine Maximalstelle und eine Minimalstelle. Da die Funktion arcsin streng monoton steigt, folgt direkt mit der Definition eines Minimums und Maximums, dass die Minmal- und Maximalstellen bei x=1 und x=1 liegen. Da die Arkussinusfunktion die Umkehrfunktion von sin2|[π2,π2] ist, folgt arcsin(1)=π21=sin2|[π2,π2](π2) und arcsin(1)=π21=sin2|[π2,π2](π2).

    Die Arkuskosinusfunktion ist auf dem kompakten Intervall [1,1] definiert und dort streng monoton fallend. Mit analoger Argumentation wie beim Arkussinus folgt die Behauptung.

    Relationen

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    Satz

    Es gilt für alle x[1,1] folgende Relation zwischen den beiden Arkusfunktionen:

    arcsin(x)+arccos(x)=π2

    Beweis

    Sei x[1,1] beliebig. Wir stellen die obige Gleichung nach arcsin(x) um und wenden auf beiden Seiten die Umkehrfunktion sin2|[π2,π2] an. Wir erhalten: x=sin2(π2arccos(x)). Nun nutzen wir die bereits bekannte Relation sin2(π2x)=cos2(x) und erhalten die Gleichung: x=cos2(arccos(x))x=x. Letztere Gleichung ist offensichtlich wahr und mit der ursprünglichen äquivalent (alle vorgenommenen Schritte waren Äquivalenzumformungen!).

    To-Do:

    weitere Eigenschaften?! Nullstellen, Wendepunkte, Asymptoten und Stammfunktion