Traktorenlexikon: Kramer

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KL 360, ein Ende der 1960er Jahre gebauter Kramer-Traktor

Kramer (Gebrüder Kramer, Gutmadingen bzw. Kramer-Werke GmbH Überlingen) ist ein ehemaliger, 1925 gegründeter deutscher Traktorenhersteller. Die Standardschlepperfertigung wurde Anfang der 1970er Jahre zugunsten der Baumaschinenproduktion eingestellt. Nach mehreren Zusammenschlüssen und Umbenennungen sind die Kramer-Werke und die Marke Kramer Allrad seit 2007 Teil des Wacker-Neuson-Konzerns.

Geschichte[Bearbeiten]

1925 gründeten die Brüder Emil, Hans und Karl Kramer ihr Maschinenfabrik Gebrüder Kramer genanntes Unternehmen im kleinen Ort Gutmadingen an der Donau. Bereits im selben Jahr stellten sie ihren ersten Kleinschlepper mit 4-PS-Benzinmotor vor.[1] Dieses Gefährt wurde weiterentwickelt und 1928 erfolgreich bei einer Landwirtschaftsausstellung präsentiert.[1] Anschließend begann die Serienfertigung auch mit 8-PS-Motoren.[1]

Kramer K 18 (Baujahr 1939)

1932 (?) wurde der auch als Kleinschlepper bezeichnete Vierradmäher „A 31“ eingeführt. 1933 folgten mit der GL-Reihe weitere, mit sparsamen Güldner-Motoren ausgestattete Schleppermodelle und 1934 begann der Großserienbau am Fließband. 1936 kam mit dem „Allesschaffer“ K 18 ein wegweisendes Modell auf den Markt. Die Bezeichnung „Allesschaffer“ wurde später auf weitere Modelle übertragen. Bis 1940 wurden 10.000 Kramer-Schlepper ausgeliefert.[1] Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs musste die Dieselschlepper-Herstellung erst reduziert und dann 1942 eingestellt werden. Produziert wurde dafür ab 1942 das Modell K 25 mit Holzgas-Generator. Nach Kriegsende lief die Produktion Ende 1945 mit den Vorkriegsmodellen K 12 und K 18 wieder an.

1952 wurde ein Teil der Produktion nach Überlingen am Bodensee verlagert. Im Jahr 1957 umfasste die Kramer-Produktpalette 9 Schleppertypen. Produziert wurde sowohl in Gutmadingen als auch in Überlingen; an Hand der Fahrgestellnummern lassen sich die Schlepper dem jeweiligen Werk zuordnen (erster Buchstabe G oder Ü). 1957/58 wurde mit der Produktion von Industrie- und Baumaschinen begonnen.[1] 1959 zog die Hauptverwaltung des Unternehmens nach Überlingen um und mit dem KS 510 kam der erste deutsche Radlader mit Allradantrieb auf den Markt.[1]

Ende der 1960er Jahre hatte die Baumaschinenproduktion dann wirtschaftlich größere Bedeutung für das Unternehmen erlangt[1] und nachdem sich abzeichnete, dass die 1970 eingeführte 14er-Reihe nur geringe Verkaufszahlen erreichte, wurde entschieden, die Produktion von Standardtraktoren 1973 einzustellen und sich auf den Baumaschinen-Sektor zu konzentrieren. Bis dahin hatte Kramer insgesamt gut 100.000 Schlepper der verschiedenen Typen gefertigt.

Zweiwege-Trac 1014 (Baujahr 1980), letztes Schleppermodell von Kramer

1974 kam als letztes Schleppermodell noch ein Spezialfahrzeug für den land- und forstwirtschaftlichen Einsatz auf den Markt. Der Allrad-Systemtraktor 1014, ein Zweiwege-Trac für Zug- und Schubfahrt, wurde bis zum Juli 1980 gebaut. Das Gutmadinger Werk wurde anschließend (?) aufgegeben.

Als reinem Baumaschinenhersteller erzielte Kramer mehrere wirtschaftliche Erfolge insbesondere im Bereich der Allradlenkung bei Kompaktradladern. Seit 2007 gehört die Kramer-Werke GmbH als Tochtergesellschaft und damit auch die Marke KramerAllrad zum börsennotierten Wacker-Neuson-Konzern. Die Kramer-Produktionsstätten und der Firmensitz wurden 2008 von Überlingen nach Pfullendorf verlagert.[1]

Im landwirtschaftlichen Bereich ist Kramer seit 2005 durch die Zusammenarbeit mit Claas zumindest indirekt wieder präsent.[2] Die von Kramer gefertigten Teleskoplader werden je nach Verkaufsbereich unter den Markennamen Wacker Neuson oder KramerAllrad angeboten – und für die Landwirtschaft weltweit unter dem Markennamen Claas (Modellreihe Scorpion).[3]

Typen[Bearbeiten]

Es wurden Schlepper mit folgenden Typenbezeichnungen vertrieben (Liste noch überarbeitungswürdig):

Vorab ein Wort zu den Typenbezeichnungen:

  • Die ersten Kramer-Modelle ab 1925 wurden einfach nach ihrer Funktion, z.B. „Motorgrasmäher“, benannt.
  • Die ersten Großserienmodelle ab 1933 wurden nach den verwendeten Güldner-Motoren benannt (GL 9 bzw. GL 14).
  • Ab 1936 verwendete Kramer eigene Bezeichnungen mit K xx. Der GL 9 wurde zum K 12, der GL 14 zum K 18.
  • Die Nachfolgemodelle ab 1951 mit wassergekühlten Güldnermotoren wurden KB xx genannt. Hatte dieser Typ eine Doppelkupplung, wurde er KA xx genannt. Schleppermodelle mit luftgekühlten Deutz- oder Güldnermotoren benannte man mit KL xx. Aber: Die Modelle mit luftgekühlten MWM-Motoren hießen sinnigerweise auch KB, bekamen nach der Zahl aber noch ein L, also KB xx L.
  • Erst 1957 wurde vereinfacht, alle wassergekühlten Modelle hießen nun KW xx, alle luftgekühlten KL xx. Mit Doppelkupplung erhielten sie ein D als dritten Buchstaben, also KWD xx oder KLD xx. Sukzessive wurde auch die bisher zweistellige Zahl ab September 1956 auf dreistellig umgestellt (mit dem KA 250).

Die Anfänge[Bearbeiten]

  • 1925 – Kramer-Kleinschlepper und Motormäher, der „Kleine Kramer“, erster selbstfahrender Motormäher
  • 1929 – Kramer-Motorgrasmäher Modell 31
  • 1929 - Kramer-Handmotormäher, Einachser

Der „Allesschaffer“[Bearbeiten]

Die Modelle der GL- und K-Reihe – überwiegend mit den charakteristischen Verdampfermotoren auf einem Tragerahmen ausgerüstet – wurden von 1933 bis 1952 produziert.

GL[Bearbeiten]

Die GL-Reihe wurde von 1933 bis 1936 produziert. Ihre Benennung mit dem Kürzel „GL“ orientierte sich an den eingesetzten Güldner-Motoren.

K[Bearbeiten]

Kramer K 12 V (Baujahr 1952)
Kramer K 18 (Baujahr 1937, 16 PS, bis 1952 gebaut)

Ab 1936 wurden statt „GL“ eigene Typenkennungen mit „K“ für Kramer verwendet. Der mögliche Zusatz „M“ kennzeichnet Ausführungen mit Mähwerk; diese werden hier nicht gesondert aufgeführt.

KB[Bearbeiten]

Kramer KB 22 (1951–1957 gebaut)

Die KB-Reihe umfasst zwischen 1951 und 1959 produzierte Modelle mit wasser- oder luftgekühlten (Zusatz „L“) Motoren ohne Doppelkupplung.

KC[Bearbeiten]

KA[Bearbeiten]

Kramer KA 110 (Bj. 1957)

Die KA-Reihe umfasst mit Doppelkupplung ausgestattete Modelle. Die Benennung „KA“ wurde etwa 1951 eingeführt.

KL[Bearbeiten]

Kramer KL 600 (Bj. 1969)

Die KL-Reihe umfasst, beginnend 1953 mit dem KL bzw. KL 11 Modelle mit hauptsächlich luftgekühlten Motoren.

KLD (KL mit Doppelkupplung)

KLS (längerer Radstand)

Kramer KLS 140 (Baujahr 1959)

KW[Bearbeiten]

Die KW-Reihe umfasst Modelle mit wassergekühlten Motoren (Benennung ab 1957).

Export[Bearbeiten]

Pionier[Bearbeiten]

Kramer Pionier S (Bj. 1960)

Die beiden Pionier-Modelle wurden 1959 vorgestellt.

KT[Bearbeiten]

Tragschlepper (1961–63)

14[Bearbeiten]

Kramer 514 S (Bj. 1972)

Die 14er-Reihe wurde 1970 eingeführt.


Schmalspur[Bearbeiten]

Folgende Modelle wurden (auch) als Schmalspurschlepper ausgeliefert:

Tremo[Bearbeiten]

Hilfe zur Restauration[Bearbeiten]

RAL-Farben zum Lackieren von Kramer-Schleppern:

  • patinagrün – RAL 6000
  • moosgrün – RAL 6005 (dunkelgrün)
  • karminrot – RAL 3002 (Felgen)
  • blaugrau – RAL 7031
  • kieselgrau - RAL 7032 (Fritzmeier-Überrollbügel)
  • weiß-aluminium – RAL 9006 (silber)

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 neuson.com: Seit mehr als 80 Jahren machen die Kramer-Werke mobil – und sind dabei selbst immer in Bewegung geblieben. 25. September 2008
  2. claas.de: Claas produziert Teleskoplader mit neuem Partner. 2005
  3. neusonkramer.com: KramerAllrad Teleskopen.

Weblinks[Bearbeiten]