Zum Inhalt springen

Eigenschaften des Riemannintegrals – „Mathe für Nicht-Freaks“

Aus Wikibooks

Dieser Abschnitt ist noch im Entstehen und noch nicht offizieller Bestandteil des Buchs. Gib den Autoren Zeit, den Inhalt anzupassen!

Übersicht: Eigenschaften des Riemannintegrals

[Bearbeiten]
  • Stetige Funktionen sind riemannintegrierbar.
  • Monotonie: Aus f(x)g(x) für alle x[a,b] folgt abf(x)dxabg(x)dx.
  • Summenregel: Wenn f und g riemannintegrierbar sind, dann sind auch f+g riemannintegrierbar und es gilt ab(f(x)+g(x))dx=abf(x)dx+abg(x)dx.
  • Faktorregel: Wenn f riemannintegrierbar ist, dann ist es auch die Funktion λf mit λ und es gilt abλf(x)dx=λabf(x)dx.
  • Additivität der Grenzen: Seien a,b,c mit acb und sei f:[a,b] eine Funktion. Dann ist f genau dann riemannintegrierbar auf dem Intervall [a,b], wenn f auf den Intervallen [a,c] und [c,b] jeweils riemannintegrierbar ist. In diesem Fall gilt abf(x)dx=acf(x)dx+cbf(x)dx.
  • Dreiecksungleichung: Sei f:[a,b] eine riemannintegrierbare Funktion, wobei a und b reelle Zahlen mit ab sind. Dann ist die Funktion |f|:[a,b],x|f(x)| riemannintegrierbar und es gilt |abf(x)dx|ab|f(x)|dx.
  • Produktregel: Seien f:[a,b] und g:[a,b] zwei riemannintegrierbare Funktionen, wobei a und b reelle Zahlen mit ab sind. Dann ist die Funktion (fg):[a,b],xf(x)g(x) riemannintegrierbar.
  • Monotone Funktionen sind riemannintegrierbar.
  • Wenn sich eine Funktion von einer riemannintegrierbaren Funktion nur an endlich vielen Stellen unterscheidet, dann ist auch sie riemannintegrierbar und ihr Integral ist gleich dem Integral der anderen Funktion.

Herleitung und Beweis der Eigenschaften

[Bearbeiten]

Stetige Funktionen sind riemannintegrierbar

[Bearbeiten]

Anschaulich ist das Integral einer Funktion f:[a,b] der Flächeninhalt zwischen dem Graphen der Funktion und der x-Achse. Es macht Sinn, dass man diesen Flächeninhalt bei einer stetigen Funktion ausrechnen kann, d.h., dass das Integral abf(x)dx existiert. Das wollen wir nun beweisen.

Satz (Stetige Funktionen sind riemannintegrierbar)

Seien a,b und ab. Sei f:[a,b] stetig. Dann ist f riemannintegrierbar.

Beweis (Stetige Funktionen sind riemannintegrierbar)

f ist stetig auf dem kompakten Intervall [a,b]. Also ist f beschränkt und gleichmäßig stetig. Das heißt, für alle ϵ>0 gibt es ein δ>0, so dass für alle x,y[a,b] mit |xy|<δ gilt |f(x)f(y)|<ϵba. Sei Δ=(x0,,xn) eine Zerlegung von [a,b]. Wenn |Δ|<δ, dann gilt für alle k{0,,n1}, dass

supx[xk,xk+1]f(x)infx[xk,xk+1]f(x) f ist stetig= maxx[xk,xk+1]f(x)minx[xk,xk+1]f(x) Für alle x,y[xk,xk+1] gilt |xy|<δ< ϵba

Folglich gilt

O(Δ,f)U(Δ,f)= k=0n1(xk+1xk)supx[xk,xk+1]f(x)k=0n1(xk+1xk)infx[xk,xk+1]f(x)= k=0n1(xk+1xk)(supx[xk,xk+1]f(x)infx[xk,xk+1]f(x))< k=0n1(xk+1xk)ϵba= (ba)ϵba= ϵ

Damit ist f riemannintegrierbar.

Monotonie des Riemannintegrals

[Bearbeiten]

Nun betrachten wir zwei riemannintegrierbare Funktionen f:[a,b] und g:[a,b] mit fg, d.h. f(x)g(x) für alle x[a,b], wobei a,b mit ab.

To-Do:

Bild von f und g, Funktionen müssen nicht stetig sein

Anschaulich macht es Sinn, dass abf(x)dxabg(x)dx gilt. Denn die Fläche unter dem Graphen von f ist kleiner oder gleich der Fläche unter dem Graphen von g.

Dass abf(x)dxabg(x)dx, können wir auch folgendermaßen begründen:

Wir betrachten die Ober- und die Untersumme für eine beliebige Zerlegung Δ~ des Intervalls [a,b].

To-Do:

Bild von davor mit Ober- und Untersummen

Wir sehen, dass

O(Δ~,f)O(Δ~,g)U(Δ~,f)U(Δ~,g)

Da dies für alle Zerlegungen Δ~ gilt, folgt I+(f,[a,b])I+(g,[a,b]) und I(f,[a,b])I(g,[a,b]). Also gilt abf(x)dxabg(x)dx.

Wir haben uns gerade anschaulich überlegt, warum der folgende Satz gilt. Nun werden wir diesen auch beweisen.

Satz (Monotonie des Riemannintegrals)

Seien f,g:[a,b] zwei riemannintegrierbare Funktionen und a,b mit ab. Weiter gelte fg, d.h. für alle x[a,b] ist f(x)g(x). Dann gilt

abf(x)dxabg(x)dx

Beweis (Monotonie des Riemannintegrals)

Es sei Δ~=(x0,,xn) eine beliebige Zerlegung des Intervalls [a,b]. Wir vergleichen O(Δ~,f) und O(Δ~,g).

O(Δ~,f)= k=0n1(xk+1xk)supx[xk,xk+1]f(x) f(x)g(x) für alle x[a,b] k=0n1(xk+1xk)supx[xk,xk+1]g(x)= O(Δ~,g)

Folglich gilt

I+(f,[a,b])= infΔ ZerlegungO(Δ,f) O(Δ,f)O(Δ,g) für alle Zerlegungen Δ infΔ ZerlegungO(Δ,g)= I+(g,[a,b])

Somit ist

abf(x)dx f riemannintegrierbar= I+(f,[a,b]) I+(g,[a,b]) g riemannintegrierbar= abg(x)dx

Die Summe zweier riemannintegrierbarer Funktionen ist riemannintegrierbar

[Bearbeiten]

Satz

Seien f:[a,b] und g:[a,b] zwei riemannintegrierbare Funktionen, wobei a und b reelle Zahlen mit ab sind. Dann ist die Funktion (f+g):[a,b],xf(x)+g(x) riemannintegrierbar und es gilt

ab(f(x)+g(x))dx=abf(x)dx+abg(x)dx

Beweis

Seien Δ1 und Δ2 Zerlegungen des Intervalls [a,b]. Bezeichnet Δ~=(x0,x1,,xn) eine gemeinsame Verfeinerung von Δ1 und Δ2, so gilt

O(Δ1,f)+O(Δ2,g) O(Δ~,f)+O(Δ~,g)= k=0n1(xk+1xk)supx[xk,xk+1]f(x)+k=0n1(xk+1xk)supx[xk,xk+1]g(x)= k=0n1(xk+1xk)(supx[xk,xk+1]f(x)+supx[xk,xk+1]g(x)) k=0n1(xk+1xk)supx[xk,xk+1](f(x)+g(x))= O(Δ~,f+g) I+(f+g,[a,b])

sowie

U(Δ1,f)+U(Δ2,g) U(Δ~,f)+U(Δ~,g)= k=0n1(xk+1xk)infx[xk,xk+1]f(x)+k=0n1(xk+1xk)infx[xk,xk+1]g(x)= k=0n1(xk+1xk)(infx[xk,xk+1]f(x)+infx[xk,xk+1]g(x)) k=0n1(xk+1xk)infx[xk,xk+1](f(x)+g(x))= U(Δ~,f+g) I(f+g,[a,b])

Folglich gilt

I+(f,[a,b])+I+(g,[a,b])= infΔ1 ZerlegungO(Δ1,f)+infΔ2 ZerlegungO(Δ2,g)= infΔ1,Δ2 Zerlegungen(O(Δ1,f)+O(Δ2,g)) O(Δ1,f)+O(Δ2,g)I+(f+g,[a,b]) für alle Zerlegungen Δ1,Δ2 I+(f+g,[a,b])

Genauso zeigen wir I(f+g,[a,b])I(f,[a,b])+I(g,[a,b]):

I(f,[a,b])+I(g,[a,b])= supΔ1 ZerlegungU(Δ1,f)+supΔ2 ZerlegungU(Δ2,g)= supΔ1,Δ2 Zerlegungen(U(Δ1,f)+U(Δ2,g)) U(Δ1,f)+U(Δ2,g)I(f+g,[a,b]) für alle Zerlegungen Δ1,Δ2 I(f+g,[a,b])

Bisher haben wir damit folgendes bewiesen:

I+(f+g,[a,b])I+(f,[a,b])+I+(g,[a,b])I(f+g,[a,b])I(f,[a,b])+I(g,[a,b])

Nach Voraussetzung sind die Funktionen f und g riemannintegrierbar. Also gilt:

I+(f+g,[a,b]) I+(f,[a,b])+I+(g,[a,b]) I+(f,[a,b])=I(f,[a,b]) und I+(g,[a,b])=I(g,[a,b])= I(f,[a,b])+I(g,[a,b]) I(f+g,[a,b])

Außerdem wissen wir, dass I+(f+g,[a,b])I(f+g,[a,b]) und somit gilt I+(f+g,[a,b])=I(f+g,[a,b]). Also ist f+g riemannintegrierbar. Weiter gilt

ab(f(x)+g(x))dx=I+(f+g,[a,b])=I+(f,[a,b])+I+(g,[a,b])=abf(x)dx+abg(x)dx

Faktorregel

[Bearbeiten]

Satz (Faktorregel)

Sei f:[a,b] eine riemannintegrierbare Funktion, wobei a und b reelle Zahlen mit ab sind. Sei weiter λ. Dann ist die Funktion (λf):[a,b],xλf(x) riemannintegrierbar und es gilt

abλf(x)dx=λabf(x)dx

Beweis (Faktorregel)

Sei Δ~=(x0,,xn) eine beliebige Zerlegung des Intervalls [a,b]. Wir betrachten zwei Fälle:

  1. λ0
  2. λ<0

Fall 1: λ0

Es gilt:

O(Δ~,λf)= k=0n1(xk+1xk)supx[xk,xk+1]λf(x) λ0= k=0n1(xk+1xk)λsupx[xk,xk+1]f(x)= λk=0n1(xk+1xk)supx[xk,xk+1]f(x)= λO(Δ~,f)

und

U(Δ~,λf)= k=0n1(xk+1xk)infx[xk,xk+1]λf(x) λ0= k=0n1(xk+1xk)λinfx[xk,xk+1]f(x)= λk=0n1(xk+1xk)infx[xk,xk+1]f(x)= λU(Δ~,f)

Somit gilt

I+(λf,[a,b])= infΔ ZerlegungO(Δ,λf) O(Δ~,λf)=λO(Δ~,f) für alle Zerlegungen Δ~= infΔ ZerlegungλO(Δ,f)= λinfΔ ZerlegungO(Δ,f)= λI+(f,[a,b])

und

I(λf,[a,b])= supΔ ZerlegungU(Δ,λf) U(Δ~,λf)=λU(Δ~,f) für alle Zerlegungen Δ~= supΔ ZerlegungλU(Δ,f)= λsupΔ ZerlegungU(Δ,f)= λI(f,[a,b])

Also:

I+(λf,[a,b])= λI+(f,[a,b]) f ist riemannintegrierbar, d.h. I+(f,[a,b])=I(f,[a,b])= λI(f,[a,b])= I(λf,[a,b])

Damit ist die Funktion λf riemannintegrierbar und es gilt

abλf(x)dx= I+(λf,[a,b])= λI+(f,[a,b])= λabf(x)dx

Fall 2: λ<0

Es gilt:

O(Δ~,λf)= k=0n1(xk+1xk)supx[xk,xk+1]λf(x) λ<0= k=0n1(xk+1xk)λinfx[xk,xk+1]f(x)= λk=0n1(xk+1xk)infx[xk,xk+1]f(x)= λU(Δ~,f)

und

U(Δ~,λf)= k=0n1(xk+1xk)infx[xk,xk+1]λf(x) λ<0= k=0n1(xk+1xk)λsupx[xk,xk+1]f(x)= λk=0n1(xk+1xk)supx[xk,xk+1]f(x)= λO(Δ~,f)

Somit gilt

I+(λf,[a,b])= infΔ ZerlegungO(Δ,λf) O(Δ~,λf)=λU(Δ~,f) für alle Zerlegungen Δ~= infΔ ZerlegungλU(Δ,f) λ<0= λsupΔ ZerlegungU(Δ,f)= λI(f,[a,b])

und

I(λf,[a,b])= supΔ ZerlegungU(Δ,λf) U(Δ~,λf)=λO(Δ~,f) für alle Zerlegungen Δ~= supΔ ZerlegungλO(Δ,f) λ<0= λinfΔ ZerlegungO(Δ,f)= λI+(f,[a,b])

Also:

I+(λf,[a,b])= λI(f,[a,b]) f ist riemannintegrierbar, d.h. I+(f,[a,b])=I(f,[a,b])= λI+(f,[a,b])= I(λf,[a,b])

Damit ist die Funktion λf riemannintegrierbar und es gilt

abλf(x)dx= I+(λf,[a,b])= λI(f,[a,b])= λabf(x)dx

Additivität der Grenzen beim Riemannintegral

[Bearbeiten]

Satz

Seien a,b,c mit acb. Sei weiter f:[a,b] eine Funktion. Dann ist f genau dann riemannintegrierbar auf dem Intervall [a,b], wenn f auf den Intervallen [a,c] und [c,b] jeweils riemannintegrierbar ist. In diesem Fall gilt

abf(x)dx=acf(x)dx+cbf(x)dx

Beweis

Wir beweisen zunächst I+(f,[a,c])+I+(f,[c,b])I+(f,[a,b]) und I(f,[a,c])+I(f,[c,b])I(f,[a,b]). Sei Δ1=(x0,x1,,xn) eine Zerlegung des Intervalls [a,c] und Δ2=(w0,,wl) eine Zerlegung des Intervalls [c,b]. Es gelten also a=x0, xn=c=w0 und wl=b. Damit ist Δ:=(x0,x1,,xn,w1,,wl) eine Zerlegung des Intervalls [a,b]. Es gilt

O(Δ1,f)+O(Δ2,f)= k=0n1(xk+1xk)supx[xk,xk+1]f(x)+k=0l1(wk+1wk)supx[wk,wk+1]f(x)= O(Δ,f) I+(f,[a,b])

sowie

U(Δ1,f)+U(Δ2,f)= k=0n1(xk+1xk)infx[xk,xk+1]f(x)+k=0l1(wk+1wk)infx[wk,wk+1]f(x)= U(Δ,f) I(f,[a,b])

Folglich gilt

I+(f,[a,c])+I+(f,[c,b])= (infΔ1 ZerlegungO(Δ1,f))+(infΔ2 ZerlegungO(Δ2,f))= infΔ1,Δ2 Zerlegungen(O(Δ1,f)+O(Δ2,f)) O(Δ1,f)+O(Δ2,f)I+(f,[a,b]) für alle Zerlegungen Δ1,Δ2 von [a,c] bzw. [c,b] I+(f,[a,b])

und

I(f,[a,c])+I(f,[c,b])= (supΔ1 ZerlegungU(Δ1,f))+(supΔ2 ZerlegungU(Δ2,f))= supΔ1,Δ2 Zerlegungen(U(Δ1,f)+U(Δ2,f)) U(Δ1,f)+U(Δ2,f)I(f,[a,b]) für alle Zerlegungen Δ1,Δ2 von [a,c] bzw. [c,b] I(f,[a,b])

Als Nächstes zeigen wir I+(f,[a,b])I+(f,[a,c])+I+(f,[c,b]) und I(f,[a,b])I(f,[a,c])+I(f,[c,b]). Sei Δ=(x0,x1,,xn) eine beliebige Zerlegung des Intervalls [a,b]. Wir wollen eine Verfeinerung Δ~=(y0,y1,,ym) von Δ finden, in der c vorkommt, also c=yi für ein 0im gilt. Falls c bereits in der Zerlegung Δ vorkommt, so können wir einfach Δ~=Δ wählen. Andernfalls gibt es ein 0i<n mit xi<c<xi+1 und dann ist Δ~=(x0,x1,,xi,c,xi+1,,xn) eine Verfeinerung mit der gewünschten Eigenschaft (in diesem Fall gilt m=n+1). Sei nun also Δ~=(y0,y1,,ym) eine Verfeinerung von Δ mit c=yi. Dann sind Δ1:=(y0,y1,,yi) und Δ2:=(yi,yi+1,,ym) Zerlegungen der Intervalle [a,c] bzw. [c,b]. Da Δ~ eine Verfeinerung von Δ ist, gilt

O(Δ,f) O(Δ~,f)= k=0m1(yk+1yk)supx[yk,yk+1]f(x)= k=0i1(yk+1yk)supx[yk,yk+1]f(x)+k=im1(yk+1yk)supx[yk,yk+1]f(x)= O(Δ1,f)+O(Δ2,f) I+(f,[a,c])+I+(f,[c,b])

Genauso ist

U(Δ,f) U(Δ~,f)= k=0m1(yk+1yk)infx[yk,yk+1]f(x)= k=0i1(yk+1yk)infx[yk,yk+1]f(x)+k=im1(yk+1yk)infx[yk,yk+1]f(x)= U(Δ1,f)+U(Δ2,f) I(f,[a,c])+I(f,[c,b])

Folglich gilt

I+(f,[a,b])= infΔ ZerlegungO(Δ,f) O(Δ,f)I+(f,[a,c])+I+(f,[c,b]) für alle Zerlegungen Δ von [a,b] I+(f,[a,c])+I+(f,[c,b])

und

I(f,[a,b])= supΔ ZerlegungU(Δ,f) U(Δ,f)I(f,[a,c])+I(f,[c,b]) für alle Zerlegungen Δ von [a,b] I(f,[a,c])+I(f,[c,b])

Insgesamt haben wir I+(f,[a,b])=I+(f,[a,c])+I+(f,[c,b]) und I(f,[a,b])=I(f,[a,c])+I(f,[c,b]) gezeigt.

Ist nun f riemannintegrierbar auf den Intervallen [a,c] und [c,b], so wissen wir I+(f,[a,c])=I(f,[a,c]) und I+(f,[c,b])=I(f,[c,b]). Daraus folgt I+(f,[a,b])=I(f,[a,b]), d.h. f ist riemannintegrierbar auf [a,b]. Ist hingegen f auf [a,c] oder [c,b] nicht riemannintegrierbar, so gilt I+(f,[a,c])>I(f,[a,c]) oder I+(f,[c,b])>I(f,[c,b]), da die Ungleichungen I+(f,[a,c])I(f,[a,c]) und I+(f,[c,b])I(f,[c,b]) stets erfüllt sind. Daraus folgt I+(f,[a,b])>I(f,[a,b]), d.h. f ist nicht riemannintegrierbar auf [a,b]. Hiermit wurde die zu zeigende Äquivalenz bewiesen.

Im Falle der Integrierbarkeit gilt zudem

abf(x)dx=I+(f,[a,b])=I+(f,[a,c])+I+(f,[c,b])=acf(x)dx+cbf(x)dx

Dreiecksungleichung für das Riemannintegral

[Bearbeiten]

Satz

Sei f:[a,b] eine riemannintegrierbare Funktion, wobei a und b reelle Zahlen mit ab sind. Dann ist die Funktion |f|:[a,b],x|f(x)| riemannintegrierbar und es gilt

|abf(x)dx|ab|f(x)|dx

Beweis

Um zu zeigen, dass |f| riemannintegrierbar ist, verwenden wir das dazu äquivalente ϵ-Kriterium, welches wir bereits bewiesen haben. Sei also ϵ>0. Wir müssen eine Zerlegung Δ~ mit O(Δ~,|f|)U(Δ~,|f|)<ϵ finden. Weil f riemannintegrierbar ist, gibt es eine Zerlegung Δ~=(x0,x1,,xn) mit O(Δ~,f)U(Δ~,f)<ϵ. Wir wollen zeigen, dass für diese Zerlegung Δ~ auch O(Δ~,|f|)U(Δ~,|f|)<ϵ gilt. Dazu beweisen wir zunächst supx[c,d]|f(x)|infx[c,d]|f(x)|supx[c,d]f(x)infx[c,d]f(x) für jedes Intervall [c,d][a,b] mit cd. Wir führen die Abkürzungen A:=infx[c,d]f(x), B:=supx[c,d]f(x), C:=infx[c,d]|f(x)| und D:=supx[c,d]|f(x)| ein und unterscheiden zwischen drei Fällen:

  1. 0AB
  2. A<0B
  3. AB<0

Zu zeigen ist jeweils DCBA.

Fall 1: 0AB

Für alle x[c,d] gilt f(x)infx[c,d]f(x)=A0 und daher |f(x)|=f(x). Somit ist C=A und D=B, also DC=BA.

Fall 2: A<0B

Für alle x[c,d] gilt 0|f(x)|=max{f(x),f(x)}max{B,A}. Daher ist C0 und Dmax{B,A}. Wegen B,A0 gilt max{B,A}BA. Folglich erhalten wir DCmax{B,A}0BA.

Fall 3: AB<0

Für alle x[c,d] gilt f(x)supx[c,d]f(x)=B<0 und daher |f(x)|=f(x). Somit ist C=B und D=A, also DC=BA.

Damit ist supx[c,d]|f(x)|infx[c,d]|f(x)|supx[c,d]f(x)infx[c,d]f(x) für alle Intervalle [c,d][a,b] mit cd gezeigt. Dies wenden wir jetzt auf die Intervalle [xk,xk+1] unserer Zerlegung Δ~ an:

O(Δ~,|f|)U(Δ~,|f|)= k=0n1(xk+1xk)supx[xk,xk+1]|f(x)|k=0n1(xk+1xk)infx[xk,xk+1]|f(x)|= k=0n1(xk+1xk)(supx[xk,xk+1]|f(x)|infx[xk,xk+1]|f(x)|) k=0n1(xk+1xk)(supx[xk,xk+1]f(x)infx[xk,xk+1]f(x))= k=0n1(xk+1xk)supx[xk,xk+1]f(x)k=0n1(xk+1xk)infx[xk,xk+1]f(x)= O(Δ~,f)U(Δ~,f)< ϵ

Nun haben wir gezeigt, dass die Funktion |f| riemannintegrierbar ist. Da f(x)|f(x)| für alle x[a,b] gilt, können wir die Monotonie des Riemannintegrals auf die riemannintegrierbaren Funktionen f und |f| anwenden und erhalten

abf(x)dxab|f(x)|dx

Gemäß der Faktorregel ist die Funktion f:[a,b],xf(x) ebenfalls riemannintegrierbar und es gilt

abf(x)dx=abf(x)dx

Für alle x[a,b] gilt f(x)|f(x)|, sodass wir die Monotonie des Riemannintegrals auch auf die riemannintegrierbaren Funktionen f und |f| anwenden können:

abf(x)dxab|f(x)|dx

Schließlich ist

|abf(x)dx|=max{abf(x)dx,abf(x)dx}=max{abf(x)dx,abf(x)dx}ab|f(x)|dx

Hinweis

Aus der Riemannintegrierbarkeit von |f| kann im Allgemeinen nicht die Riemannintegrierbarkeit von f geschlossen werden.

Beispiel

Sei f:[0,1] definiert durch

f(x)={+1x1x

Dann gilt |f(x)|=1 für alle x[0,1]. Deshalb ist die Funktion |f| riemannintegrierbar (denn konstante Funktionen sind stetig). Jedoch ist die Funktion f nicht riemannintegrierbar, da in jedem Intervall [c,d][0,1] mit c<d sowohl rationale als auch irrationale Zahlen liegen und daher O(Δ,f)=1, aber U(Δ,f)=1 für alle Zerlegungen Δ des Intervalls [0,1] gilt.

Das Produkt zweier riemannintegrierbarer Funktionen ist riemannintegrierbar

[Bearbeiten]

Satz

Seien f:[a,b] und g:[a,b] zwei riemannintegrierbare Funktionen, wobei a und b reelle Zahlen mit ab sind. Dann ist die Funktion (fg):[a,b],xf(x)g(x) riemannintegrierbar.

Im Allgemeinen gibt es keine einfache Möglichkeit, das Integral abf(x)g(x)dx aus den Integralen abf(x)dx und abg(x)dx auszurechnen. Dennoch ist dieser Satz hilfreich, um die Integrierbarkeit einer Funktion nachzuweisen.

Beweis

Um zu zeigen, dass fg riemannintegrierbar ist, verwenden wir das dazu äquivalente ϵ-Kriterium, welches wir bereits bewiesen haben. Sei also ϵ>0. Wir müssen eine Zerlegung Δ~ mit O(Δ~,fg)U(Δ~,fg)<ϵ finden. Da die Funktionen f und g beschränkt sind, existieren reelle Zahlen S,T>0 mit |f(x)|S und |g(x)|T für alle x[a,b]. Weil f und g riemannintegrierbar sind, gibt es Zerlegungen Δ1 und Δ2 mit O(Δ1,f)U(Δ1,f)<ϵ2T und O(Δ2,g)U(Δ2,g)<ϵ2S. Sei Δ~=(x0,x1,,xn) eine gemeinsame Verfeinerung von Δ1 und Δ2. Wir wollen zeigen, dass O(Δ~,fg)U(Δ~,fg)<ϵ gilt. Dazu beweisen wir zunächst supx[c,d]f(x)g(x)infx[c,d]f(x)g(x)S(supx[c,d]g(x)infx[c,d]g(x))+T(supx[c,d]f(x)infx[c,d]f(x)) für jedes Intervall [c,d][a,b] mit cd. Es gilt

supx[c,d]f(x)g(x)infx[c,d]f(x)g(x)= supx,y[c,d](f(x)g(x)f(y)g(y))= supx,y[c,d](f(x)(g(x)g(y))+g(y)(f(x)f(y))) supx,y[c,d](f(x)(g(x)g(y)))+supx,y[c,d](g(y)(f(x)f(y))) Ssupx,y[c,d](g(x)g(y))+Tsupx,y[c,d](f(x)f(y))= S(supx[c,d]g(x)infx[c,d]g(x))+T(supx[c,d]f(x)infx[c,d]f(x))

Dies wenden wir jetzt auf die Intervalle [xk,xk+1] unserer Zerlegung Δ~ an:

O(Δ~,fg)U(Δ~,fg)= k=0n1(xk+1xk)supx[xk,xk+1]f(x)g(x)k=0n1(xk+1xk)infx[xk,xk+1]f(x)g(x)= k=0n1(xk+1xk)(supx[xk,xk+1]f(x)g(x)infx[xk,xk+1]f(x)g(x)) k=0n1(xk+1xk)(S(supx[c,d]g(x)infx[c,d]g(x))+T(supx[c,d]f(x)infx[c,d]f(x)))= Sk=0n1(xk+1xk)(supx[xk,xk+1]g(x)infx[xk,xk+1]g(x))+Tk=0n1(xk+1xk)(supx[c,d]f(x)infx[c,d]f(x))= S(k=0n1(xk+1xk)supx[xk,xk+1]g(x)k=0n1(xk+1xk)infx[xk,xk+1]g(x))+T(k=0n1(xk+1xk)supx[xk,xk+1]f(x)k=0n1(xk+1xk)infx[xk,xk+1]f(x))= S(O(Δ~,g)U(Δ~,g))+T(O(Δ~,f)U(Δ~,f)) Δ~ ist Verfeinerung von Δ1 und Δ2 S(O(Δ2,g)U(Δ2,g))+T(O(Δ1,f)U(Δ1,f))< Sϵ2S+Tϵ2T= ϵ

Somit ist fg riemannintegrierbar.

Monotone Funktionen sind riemannintegrierbar

[Bearbeiten]
Ober- und Untersumme einer monoton steigenden Funktion bei Aufteilung in gleich große Teilintervalle

Ist unsere Funktion f monoton, so werden die Suprema und Infima auf den Teilintervallen einer Zerlegung stets am Rand der Teilintervalle angenommen. In der Abbildung sieht man, dass die Fläche zwischen Ober- und Untersumme deshalb aus Rechtecken zusammengesetzt ist, die sich nur über Eck berühren. Haben alle Rechtecke die gleiche Breite h, können wir sie zu einem einzigen Rechteck mit Breite h und Höhe f(b)f(a) zusammenschieben. Das bedeutet, die Differenz zwischen Ober- und Untersumme kann beliebig klein gemacht werden, wenn wir die Breite h genügend klein wählen. Damit haben wir uns anschaulich überlegt, dass die monotone Funktion f riemannintegrierbar sein muss. Dies wollen wir nun beweisen.

Satz

Sei f:[a,b] eine monoton steigende oder monoton fallende Funktion, wobei a und b reelle Zahlen mit ab sind. Dann ist f riemannintegrierbar.

Beweis

Wir nehmen an, dass f monoton steigend ist. Wäre f monoton fallend, so können wir stattdessen die monoton steigende Funktion f betrachten und anschließend die Faktorregel mit dem Faktor 1 anwenden. Weil f monoton steigend ist, gilt infx[c,d]f(x)=f(c) sowie supx[c,d]f(x)=f(d) für alle Intervalle [c,d][a,b] mit cd. Ist a=b, so ist f konstant und daher riemannintegrierbar. Andernfalls ist Δn:=(x0,x1,,xn) mit xk:=a+kban für jedes n eine Zerlegung des Intervalls [a,b]. Anschaulich handelt es sich dabei um die Zerlegung von [a,b] in n gleich große Teilintervalle. Wir berechnen die zugehörige Ober- und Untersumme:

O(Δn,f)=k=0n1(xk+1xk)supx[xk,xk+1]f(x)=k=0n1banf(xk+1)=ban(f(x1)++f(xn1)+f(b))U(Δn,f)=k=0n1(xk+1xk)infx[xk,xk+1]f(x)=k=0n1banf(xk)=ban(f(a)+f(x1)++f(xn1))

Wir stellen fest:

O(Δn,f)U(Δn,f)=ban(f(b)f(a))

Daraus folgt die Riemannintegrierbarkeit von f mithilfe des ϵ-Kriteriums, denn für alle ϵ>0 können wir ein n mit ban(f(b)f(a))<ϵ finden. Für die zugehörige Zerlegung Δn gilt also O(Δn,f)U(Δn,f)<ϵ.

Fast überall gleiche Funktionen haben das gleiche Riemannintegral

[Bearbeiten]

Satz

Seien f,g:[a,b] zwei Funktionen, die fast überall übereinstimmen, d.h. es gibt nur endlich viele x[a,b] mit f(x)g(x). Dann gilt: Ist f riemannintegrierbar, so ist auch g riemannintegrierbar. Ferner ist dann

abg(x)dx=abf(x)dx

Beweis

Wir dürfen annehmen, dass f0 gilt. Andernfalls können wir nämlich f durch die Nullfunktion und g durch gf ersetzen. Wenn wir gezeigt haben, dass gf riemannintegrierbar ist mit ab(g(x)f(x))dx=0, folgt aus der Summenregel, dass g=(gf)+f riemannintegrierbar ist mit

abg(x)dx=ab(g(x)f(x))dx+abf(x)dx=abf(x)dx

Sei nun also f0. Die Stellen, an denen sich g von f unterscheidet, nennen wir x1,x2,,xn. Es gilt also

g(x)={0xxk für alle k{1,2,,n}ykx=xk für ein k{1,2,,n}

wobei yk:=g(xk)0 irgendwelche Funktionswerte sind. Wir sehen, dass sich g als Summe der n Funktionen g1,,gn schreiben lässt, die durch

gk(x)={0xxkykx=xk

definiert sind. Indem wir erneut auf die Summenregel zurückgreifen, können wir uns also auf den Fall k=1 beschränken. Haben wir nämlich bereits gezeigt, dass jede der Funktionen gk, die sich nur an der einen Stelle xk von der Nullfunktion unterscheidet, riemannintegrierbar ist und ihr Integral gleich 0 ist, so gilt genau das gleiche auch für ihre Summe g. Sei daher g=g1. Wir dürfen ferner voraussetzen, dass x1{a,b} ist. Falls nämlich a<x1<b wäre, so können wir die Aussage zunächst separat auf den beiden Intervallen [a,x1] und [x1,b] beweisen, wo x1 jeweils eine der Intervallgrenzen ist, und anschließend die Additivität der Grenzen beim Riemannintegral benützen. Sei nun also x1{a,b}. Wir können uns auf den Fall y1>0 beschränken. Denn andernfalls betrachten wir stattdessen die Funktion g und wenden danach die Faktorregel für den Faktor 1 an. Sei daher y1>0. Auch dürfen wir annehmen, dass a<b ist, da für a=b die einzige Zerlegung durch Δ=(a) gegeben ist und deshalb die einzige Ober- und Untersumme zu einer beliebigen Funktion stets leer ist und daher den Wert 0 hat. Wir unterscheiden jetzt zwei Fälle:

Fall 1: x1=a

Wir betrachten die Zerlegungen Δn=(a,a+ba2n,b) für n. Es gilt

O(Δn,g)= ba2nsupx[a,a+ba2n]g(x)+(baba2n)supx[a+ba2n,b]g(x) g(a)=y1>0=g(x) für x>a= ba2ny1+(baba2n)0= (ba)y12n

sowie

U(Δn,g)= ba2ninfx[a,a+ba2n]g(x)+(baba2n)infx[a+ba2n,b]g(x) g(a)=y1>0=g(x) für x>a= ba2n0+(baba2n)0= 0

Fall 2: x1=b

Wir betrachten die Zerlegungen Δn=(a,bba2n,b) für n. Es gilt

O(Δn,g)= (bba2na)supx[a,bba2n]g(x)+ba2nsupx[bba2n,b]g(x) g(b)=y1>0=g(x) für x<b= (bba2na)0+ba2ny1= (ba)y12n

sowie

U(Δn,g)= (bba2na)infx[a,bba2n]g(x)+ba2ninfx[bba2n,b]g(x) g(b)=y1>0=g(x) für x<b= (bba2na)0+ba2n0= 0

In beiden Fällen erkennen wir, dass

I+(g,[a,b])=infΔ ZerlegungO(Δ,g)infnO(Δn,g)=0

und

I(g,[a,b])=supΔ ZerlegungU(Δ,g)supnU(Δn,g)=0

gelten. Folglich ist g riemannintegrierbar mit abg(x)dx=0.