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Vektorraum: Eigenschaften – „Mathe für Nicht-Freaks“

Aus Wikibooks

In diesem Kapitel werde ich dir Eigenschaften von Vektorräumen vorstellen, die direkt aus den Axiomen der Vektorräume hergeleitet werden können. Jeder Vektorraum muss also diese Eigenschaften erfüllen.

Überblick

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Wir verwenden in diesem Abschnitt wieder die Operationssymbole „“ und „“ zur Unterscheidung der Vektoraddition und der Skalarmultiplikation mit der Körperaddition „+“ und der Körpermultiplikation „“.

Wir wollen nun aus den insgesamt acht Axiomen des Vektorraums einfache Eigenschaften und Rechenregeln ableiten. Da wir in den Axiomen nur die Existenz des Nullvektors und des additiven Inversen gefordert haben, stellen sich zunächst folgende Fragen: Ist der Nullvektor eindeutig oder gibt es mehrere Nullvektoren? Ist das inverse Element der Addition eindeutig oder kann es mehrere geben? Die Antwort auf beide Fragen lautet:

  • In jedem Vektorraum gibt es genau einen Nullvektor 0VV. Es kann also nicht mehr als einen Nullvektor in einem Vektorraum geben.
  • Das Inverse bezüglich der Addition ist eindeutig. Zu jedem Vektor vV gibt es also genau einen anderen Vektor wV mit v+w=0.

Weitere Sätze, die wir im Folgenden beweisen werden, sind:

  • Für jedes vV gilt: 0Kv=0V.
  • Für alle ρK gilt: ρ0V=0V.
  • Aus ρv=0V folgt, dass ρ=0K oder v=0V ist.
  • Für alle ρK und alle vV gilt: (ρ)v=(ρv)=ρ(v).

Sei im Folgenden stets V ein Vektorraum über einem Körper K.

Eindeutigkeit des Nullvektors

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Beweis der Eindeutigkeit des Nullvektors in einem Vektorraum (Youtube-Videovom Youtube-Kanal Maths CA).

Satz (Der Nullvektor ist in einem Vektorraum eindeutig)

Im Vektorraum V ist der Nullvektor 0V eindeutig

Beweis (Der Nullvektor ist in einem Vektorraum eindeutig)

Nehmen wir an, wir haben zwei Vektoren 0V und 0'V mit der Nulleigenschaft, d.h. 0V und 0'V erfüllen für alle Vektoren vV die Gleichung v0V=v beziehungsweise die Gleichung v0'V=v.

Setzen wir in der ersten Gleichung v0V=v für den Vektor v den konkreten Vektor 0'V ein und in der zweiten Gleichung v0'V=v für den Vektor v den Vektor 0V ein, so erhalten wir 0'V0V=0'V und 0V0'V=0V.

Wegen des Kommutativgesetzes der Vektoraddition ist 0V0'V=0'V0V und dementsprechend ist

0V=0V0'V=0'V0V=0'V

Damit ist 0V=0'V.

Wir haben ingesamt gezeigt, dass in einem Vektorraum V zwei Vektoren mit der Nulleigenschaft gleich sind. Damit ist der Nullvektor eindeutig.

Das Inverse ist eindeutig

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Beweis der Eindeutigkeit des additiven Inversen in einem Vektorraum (Youtube-Videovom Youtube-Kanal Maths CA).

Satz (Das Inverse ist eindeutig)

Das Inverse bezüglich der Addition ist eindeutig. Zu jedem Vektor vV gibt es genau einen Vektor wV mit vw=0V.

Beweis (Das Inverse ist eindeutig)

Seien v,w,xV. Wir nehmen an, dass v und w zwei additive Inverse zu x sind. Es sei also xv=0V und xw=0V. Wir zeigen nun, dass v=w sein muss und dass es damit nur ein additives Inverses geben kann.

v=v0V Nullelment im Vektorraum und xw=0V=v(xw) Assoziativgesetz der Vektoraddition=(vx)w Kommutativgesetz der Vektoraddition=(xv)w xv=0V=0Vw=w

Damit sind die beiden additiven Inversen v und w identisch.

Hinweis

Im obigen Beweis haben wir w beziehungsweise v für das additive Inverse von x geschrieben. Wir haben aber gesehen, dass es genau ein additives Inverse gibt. Dieses wird normalerweise mit x notiert und wir werden auch in den folgenden Kapitel diese Schreibweise für das additive Inverse benutzen.

Die Nullskalierung ergibt den Nullvektor

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Nullskalierung ergibt den Nullvektor - Beweis (Youtube-Videovom Youtube-Kanal Maths CA).

Satz (Die Nullskalierung ergibt den Nullvektor)

Für jedes vV gilt: 0Kv=0V.

Beweis (Die Nullskalierung ergibt den Nullvektor)

0V Vektoraddition mit dem Inversen von 0Kv[0.3em]= 0Kv(0Kv) Ersetze 0K durch 0K+0K= (0K+0K)v(0Kv) Skalares Distributivgsetz = (0Kv0Kv)(0Kv) Assoziativgesetz der Vektoraddition= 0Kv(0Kv(0Kv)) 0 ist Add. mit dem Inversen: 0Kv(0Kv)=0V= 0Kv

Damit ist 0V=0Kv.

Verständnisfrage: Kann ein Vektor ρv0 so mit einem Skalar μK skalar multipliziert werden, dass sich wieder der ursprüngliche Vektor v0 ergibt?

Die Antwort ist ja, denn wähle für μ=ρ1, dann gilt nach dem Assoziativgesetz der skalaren Multiplikation

ρ1(ρv)=(ρ1ρ)v=1v Axiom: 1v=v=v

Nun kann ρ1 nur dann gebildet werden, wenn ρ0 ist. Dies ist aber wegen ρv0 der Fall. Für ρ=0 ist nämlich ρv=0 und damit schließt die Prämisse ρv0 den Fall ρ=0 aus.

Dies zeigt, warum es sinnvoll ist, Vektorräume V über einem Körper K zu definieren. In Körpern gibt es nämlich zu jedem Element ungleich der Null ein multiplikatives Inverses. Es gibt also zu allen ρK mit ρ0 ein Inverses μK mit μρ=1. Dass K ein Körper ist, garantiert also, dass jede Skalierung (Streckung) ρv durch die inverse Skalierung (mit den inversen Streckungsfaktor) μ zurückskaliert werden kann, so dass μ(ρv)=v ist.

Jede Skalierung des Nullvektors ergibt den Nullvektor

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Jede Skalierung des Nullvektors ergibt den Nullvektor - Beweis (Youtube-Videovom Youtube-Kanal Maths CA).

Satz (Jede Skalierung des Nullvektors ergibt den Nullvektor)

Für alle ρK gilt: ρ0V=0V.

Beweis (Jede Skalierung des Nullvektors ergibt den Nullvektor)

Sei 0V das neutrale Element der Vektoraddition und ρK beliebig. Es ist:

0V Vektoraddition mit dem Inversen von ρ0V= ρ0V(ρ0V) Ersetze den Nullvektor 0V durch 0V0V= ρ(0V0V)(ρ0V) Vektorielles Distributivgsetz= (ρ0Vρ0V)(ρ0V) Assoziativgesetz der Vektoraddition= ρ0V(ρ0V(ρ0V)) 0 ist Add. mit dem Inversen: ρ0V(ρ0V)=0V= ρ0V

Damit ist 0V=ρ0V.

Nullteilerfreiheit der skalaren Multiplikation

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Beweis der Nullteilerfreiheit der skalaren Multiplikation (Youtube-Videovom Youtube-Kanal Maths CA).

Satz

Sei für ρK und vV die Gleichung ρv=0V erfüllt. Dann ist ρ=0K oder v=0V.

In bereits bewiesenen Sätzen haben wir gezeigt, dass im Fall ρ=0K oder v=0V die Gleichung ρv=0V erfüllt ist. Nun zeigen wir umgekehrt, dass aus ρv=0V folgt, dass ρ=0K oder v=0V ist.

Beweis

Sei ρv=0V. Wenn ρ0K ist, gibt es ein ρ1K mit ρ1ρ=1. Dann ist:

vAxiom: 1v=v= 1v[0.3em]= (ρ1ρ)vAssoziativgesetz für Skalare = ρ1(ρv)ρv=0V= ρ10VBewiesener Satz, dass für alle γK gilt γ0V=0V= 0V

Aus ρ0K folgt also v=0V. Damit muss ρ=0K oder v=0V sein, denn es kann nicht gleichzeitig ρ0K und v0V sein.

Skalierung mit dem Negativem einer Zahl

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Skalierung eines Vektors mit einem negativen Skalar (Youtube-Videovom Youtube-Kanal Maths CA).

Satz (Skalierung eines Vektors mit einem negativen Skalar)

Für alle ρK und alle vV gilt

(ρ)v=(ρv)=ρ(v)

Beweis (Skalierung eines Vektors mit einem negativen Skalar)

Nach dem skalaren Distributivgesetz der skalaren Multiplikation ist zum einen:

(ρv)((ρ)v)(λ+ρ)v=(λv)(ρv)= (ρ+(ρ))v= 0Kv= 0V

Dies zeigt, dass (ρ)v das additive Inverse zu ρv ist. Damit ist (ρ)v=(ρv). Zum anderen ist nach vektoriellem Distributivgesetz

(ρv)(ρ(v))λ(vw)=(λv)(λw)= ρ(v(v))= ρ0V= 0V

Dies zeigt, dass ρ(v) das additive Inverse zu ρv, also gleich (ρv) ist. Damit ist insgesamt

(ρ)v=(ρv)=ρ(v)

Hinweis

Aus dem obigen Satz folgt direkt (1)v=v. Es ist nämlich (1)v=(1v)=v (wobei wir 1v=v benutzt haben).