Wikijunior Alte Zivilisationen/ Übersicht Alter Orient

Aus Wikibooks
Zur Navigation springen Zur Suche springen


Das Klima im Nahen Osten ist das ganze Jahr über warm genug für urzeitliche Menschen. Der größte Teil des Landes ist allerdings entweder von unwegsamen Gebirgen bedeckt oder viel zu trocken. Pflanzen und Tiere gedeihen nur dort, wo Wasser ist: Am Ufer von Flüssen und an der Mittelmeerküste, wo die Wolken an den Berghängen abregnen. Es gibt vier Zonen, in denen sich Zivilisationen unabhängig voneinander entwickelt haben:

  • Im Westen das Zweistromland mit den Sumerern, Akkadern, Babyloniern und den Assyrern.
  • Am Nordrand des Gebietes, in Anatolien, die Hethiter
  • An der östlichen Mittelmeerküste die Hebräer, die Araber und die Phönizier
  • Im Niltal die Ägypter

Diese Regionen bezeichnet man auch als den „fruchtbaren Halbmond“.

In diesem Gebiet trafen die Verkehrswege dreier Kontinente zusammen: Asien, Südeuropa und Ostafrika. Daraus entstand ein reger Austausch von Waren und Technologien. Die Menschen tauschten nicht nur ihre Erzeugnisse, sondern lernten auch voneinander. Auch religiöse und kulturelle Einflüsse trafen zusammen. Darum entwickelten sich die ersten Hochkulturen in dieser Region.

Alter Orient: Der fruchtbare Halbmond


Mesopotamien, das Zweistromland[Bearbeiten]

Bildausschnitt: Das Zweistromland


Geographie und Landwirtschaft[Bearbeiten]

Das Land ist von Gebirgen und im Südosten vom Meer begrenzt. Sieht man nach Westen, kommt erst eine Wüste und dahinter das Libanon-Gebirge. Die Wolken vom Mittelmeer kommen nur selten bis ins Tal. Im Osten sieht man das Zagros-Gebirge, dahinter folgt das Kuhrud-Gebirge und die weiten Steppen und Wüsten Asiens. Aus dieser Richtung kommt ebenfalls kein Wasser. Fast das einzige Wasser kommt aus dem Norden, aus den Bergen Armeniens. Im Kaukasus entspringen die Flüsse Euphrat und Tigris. Sie werden von Regen- und Schmelzwasser gespeist. Im Gebirge nimmt die reißende Strömung Erde mit. Wenn die Flüsse die Ebene erreichen, fließen sie gemächlich dahin. Dabei setzt sich der mitgeführte Boden ab und bildet ein sehr fruchtbares Ackerland.

Der Euphrat ist der längere, westlichere Fluss. Er fließt fast am Rand der Wüste entlang, verliert dabei viel Wasser und erreicht nur mit Mühe das Meer. Der Tigris, der östlichere Fluss, beschreibt einen kürzeren Weg zum Meer. Er führt das ganze Jahr viel mehr Wasser und ist stellenweise 200 Meter breit.

Der Südosten[Bearbeiten]

Chaldäa heißt der südöstliche Teil des Zweistromlandes. Wie man an dem gleichmäßigen Dunkelgrün der Landkarte sieht, ist Chaldäa völlig eben. Im Verlaufe von Jahrtausenden haben die Flüsse so viel SchwemmlandErde abgelagert, dass die Unebenheiten gleichmäßig ausgefüllt sind. Im Frühjahr, wenn in den Bergen der Schnee schmilzt, brachten die Überschwemmungen neuen Boden. Bald danach war der Boden wieder knochentrocken - kein Wunder bei sommerlichen 40 Grad im Schatten, wenn acht Monate kein Tropfen Regen fällt. Reichlich bewässert wurde aber das Land so außergewöhnlich fruchtbar, dass Chaldäa wahrscheinlich das Vorbild für den biblischen „Garten Eden“ abgab.

Auf den Feldern wuchsen Hirse, Linsen und Sesam. In den Gärten wuchsen Obstbäume, sonst wuchsen vor allem Palmen. Datteln, die Früchte der Palmen, wurden vielseitig verarbeitet: zu Brot, Wein, Essig und Zucker. Die Stämme wurden als Bauholz verwendet. Die Flußwiesen ernährten Rinder, Schafe, Gänse und Enten.

Der Nordwesten[Bearbeiten]

Auf der Karte sieht man an der „gesprenkelten“ Farbe, dass der Nordwesten Mesopotamiens weniger eben ist. Aber auch dort ist das Land sehr fruchtbar und bringt bei Bewässerung hervorragende Erträge.

Kultur und Politik[Bearbeiten]

Fast die gesamte Fläche der arabischen Halbinsel ist Wüste.

Die regelmäßigen Niederschläge in der Küstenregion des Mittelmeeres ermöglichen seit Jahrtausenden den Getreideanbau. In Mesopotamien gibt es nur im Winter einige Niederschläge, den größten Teil des Jahres ist es trocken. Erst nach Erfindung der Bewässerung wurde die Region bewohnbar, und etwa 5000 v. Chr. siedelten die ersten Bewohner, die wahrscheinlich aus der Küstenregion des Mittelmeeres kamen. Verstreute Siedlungen wuchsen zu Städten heran. Die Städte wurden von Priesterkönigen regiert. Aus den frühen Jahrtausenden ist sehr wenig erhalten geblieben. Der Grundwasserstand ist hoch, und Schrifttafeln aus Ton lösen sich auf. Lediglich einige Inschriften auf Stein sind gefunden worden. Hunderte Generationen von Königen haben sich abgelöst, von denen wir nicht mal die Namen wissen.

Durch immer erfolgreichere Bewässerung entstanden große Agrarüberschüsse. Es wurde möglich, einen Teil der Bevölkerung aus der Landwirtschaft herauszulösen und zum Bau von weiteren Bewässerungssystemen, Tempeln und Großbauten einzusetzen. Viertausend Jahre v. Chr. gab es Städte mit zehntausend Einwohnern.

Für die Verwaltung wurde eine Schriftsprache benötigt. Zunächst war die Schrift eine Bilderschrift (ideographisch). Das Zeichnen von Bildern erfordert viel Zeit. Durch allmähliche Vereinfachungen wurden Bildzeichen zu Symbolen.

Gelegentlich unterwarf ein König einige Nachbarstädte, aber ein größeres Reich entstand nicht.

Entwicklung im Südosten des Zweistromlandes (alle Zeitangaben: vor Christus):
Zeitraum Ereignisse
4000 Im Südosten des Zweistromlandes entstehen die sumerischen Stadtstaaten.
2340 bis 2094 Aus der sumerischen Stadt Akkad entsteht und vergeht das erste große Reich.
2047 bis 1939 Die sumerischen Stadtstaaten bilden die Ur III Dynastie
15. Jahrhundert Babylon erreicht Weltgeltung
Entwicklung im Nordwesten des Zweistromlandes
Zeitraum Ereignisse
18. bis 17. Jahrhundert das erste Assyrerreich
13. Jahrhundert Zweites Assyrerreich
883 bis 627 Die Assyrer beherrschen Babylon, Phönizien, Palästina, Israel und sogar Ägypten.

Die Regionen im Osten des Mittelmeeres[Bearbeiten]

Geographie und Landwirtschaft[Bearbeiten]

Zwischen dem Zweistromland und dem Mittelmeer liegen Gebirge und Wüsten. Daher entwickelten sich die Regionen relativ unabhängig voneinander.

Politik[Bearbeiten]

Zeitraum Ereignisse
30. bis 12. Jahrhundert Großreich der Hethiter
1274 v. Chr. Schlacht bei Kadesch endet unentschieden,
weshalb Pharao Ramses II. und der Hethiter-König Hattusili III
den ältesten bekannten Friedensvertrag der Welt schließen.