Wikijunior Alte Zivilisationen/ Historiker

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Die Archäologen versuchen, aus Knochen und Scherben Erkenntnisse über die Lebensweise unserer Vorfahren zu gewinnen. Das ist gewiß nicht einfach. Da scheinen es die Historiker einfacher zu haben, denn immerhin untersuchen sie Schriftstücke, in denen alles klar und deutlich aufgeschrieben ist. Oder?

Aber so einfach ist es denn doch nicht. Mit mindestens vier großen Problemen haben die Historiker zu kämpfen:

  • Die meisten alten Sprachen sind längst vergessen, ihre Sprecher sind seit Jahrtausenden ausgestorben. Die ausgestorbenen Sprachen müssen mühsam neu entschlüsselt werden (z. B. die Ägyptischen Hieroglyphen). Auch die nicht ausgestorbenen Sprachen, wie beispielsweise Griechisch, haben sich sehr verändert. Überlege mal, wie viele Wörter du verwendest, die deine Eltern oder Großeltern nicht verwenden! „Cool“ hat vor nur zwanzig Jahren niemand gesagt.
  • Meist werden nur Bruchstücke von nicht zusammenhängenden Texten gefunden, und selbst die Bruchstücke sind meist beschädigt. Stell dir vor, jemand hat aus vielen Büchern einer Bibliothek je ein Blatt herausgerissen. Die Bibliothek ist abgebrannt, nur diese Blätter sind geblieben. Viele sind beschädigt, die Schrift ist verblasst, einige Blätter zerfallen beim Anfassen in Stücke. Fast alle sind in einer dir unbekannten Sprache. Wie viel Geduld braucht es, um aus diesem Blätterhaufen etwas über die Geschichte zu erfahren?
  • Jeder Herrscher fälschte die Geschichte, um sich selbst als Wohltäter und seine Feinde als bösen Abschaum darzustellen. Die Schreiber wurden vom König bezahlt, natürlich lobten sie ihren König. Kaum ein König verkündete seine wahren Motive, warum er seine Nachbarn mit Tod und Zerstörung überzogen hatte. Die zu verschiedenen Zeiten geschriebenen Bücher widersprechen sich. Deshalb ist es nicht einfach, unter all den Lügen und Lobhudeleien die Wahrheit herauszufinden.
Galileo Galilei
  • Missliebige Bücher zu vernichten und zu verbrennen hat leider eine jahrtausendealte Tradition, die bis in unsere Tage anhält. Im Krieg wurden von den Eroberern oft ganze Bibliotheken verbrannt: Die Bibliothek von Alexandria mit 700 000 Schriftrollen im Jahr 47 v. Chr., die Bibliothek von Sarajevo mit 250 000 Meter Bücherregalen im Jahr 1992. Sogar „Harry Potter“ wurde schon verbrannt: 2001 wegen „Verherrlichung von Hexerei und Zaubertum“. Der große Dichter Heinrich Heine schrieb: „Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Tatsächlich sind nicht wenige Schriftsteller bedroht, eingesperrt und getötet worden. Beispielsweise wurde Giordano Bruno im Jahr 1600 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Galileo Galilei erging es etwas besser: Er wurde von der Inquisition im Jahre 1633 für seine astronomischen Schriften zu lebenslanger Haft verurteilt. Mitunter war es sogar lebensgefährlich, ein verbotenes Buch im Hause zu haben.

In Georg Orwells utopischem Roman 1984 sollen alle Bücher vor dem Jahr 1960 verbrannt werden. In dem bekannten utopischen Roman „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury ist es die hauptsächliche Aufgabe der Feuerwehr, Gefahren (= Bücher) mit Feuer abzuwehren. Bücher sind eine Gefahr, weil Bücher zu selbständigem Denken anregen können. Wer denkt, ist ein Staatsfeind!



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