Wikijunior Alte Zivilisationen/ Archäologie

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Das Wort Archäologie ist aus den griechischen Wörtern für alt (archaios) und Wissenschaft zusammengesetzt, also Wissenschaft vom Alten. Die moderne Archäologie untersucht Werkzeuge, Wohnstätten, Gräber und Waffen.

Durch Wind und Sturm werden ständig Sand, Erde und manchmal auch Vulkanasche rund um die Erde verteilt und setzt sich in Tälern ab. So versinkt in manchen Gegenden allmählich alles, was auf dem Boden liegt, immer tiefer im Staub (das geht dir in den Ecken des Kinderzimmers sicher ebenso). In zehntausend Jahren kommen da an manchen Orten mehrere Meter zusammen. Auf dem Grund von Seen lagern sich abgestorbene Pflanzen und Tiere ab und werden zugedeckt von Ablagerungen, welche von den Flüssen mitgebracht werden. Geologische Vorgänge heben Seen hoch und falten sie zu Gebirgen, während andere Gegenden im Meer versinken. Dadurch können die Archäologen an vielen Stellen der Erde Entdeckungen machen. Leider wird auch Erde abgetragen und durchmischt, zum Beispiel durch den Pflug. Daher findet man oft nur noch solche Dinge, die besonders tief im Erdboden vergraben sind.

Wie finden die Archäologien die Stellen, wo es sich lohnt zu graben?
Es werden Fotos aus der Luft oder dem Weltraum untersucht und Einwohner befragt. Manchmal wird mit einem Spezial-Röntgenapparat der Erdboden durchleuchtet. Viele Funde werden durch Bauarbeiten gemacht. Wenn ein Haus oder eine Strasse gebaut wird und man die oberste Erdschicht entfernt, kommen oft alte Scherben, Knochen und Steinwerkzeuge zu Tage. Das ist ein Zeichen, dass hier einmal Menschen gelebt haben und vielleicht hier Häuser gebaut oder ihrer Toten begraben haben. Dann graben die Archäologen diese Stelle aus, damit sie nicht zerstört wird. In der vorgeschichtlichen Zeit kannten die Menschen noch keine Schrift, deshalb sind diese Funde das einzige, mit dem wir etwas über diese ferne Vergangenheit herausfinden können.

Je nach dem, wieviel Zeit und Geld sie haben und wie gut die Funde erhalten sind, tragen die Archäologen den Boden mit Bagger, Spaten, Schaufel und Kelle ab, bis die Funde freigelegt sind. An kritischen Stellen wird mit Spateln und Pinsel weitergearbeitet, damit man die Funde nicht mit groben Werkzeugen beschädigt. Archäologen sind bewundernswürdig ausdauernd - hättest auch du die Geduld, eine Baugrube mit einer Kelle auszuschachten? Am Ende des Artikels erfährst du mehr zum Verlauf einer Grabung.

Jedes Fundstück wird nummeriert, gezeichnet, vermessen und beschrieben. Erst dann nimmt man es von der Stelle weg, an der es gefunden wurde. Oft ist nicht der Fund als solcher wichtig, sondern wo er gelegen hat. So können die Archäologen zum Beispiel feststellen, wo die Menschen gearbeitet haben, woraus ihr Abfall besteht und wohin sie ihn brachten, und wer welche Dinge aß. Nicht alles hat sich über die Jahrtausende erhalten, Fleisch, Stoff und Haare vergehen sehr schnell. Aber wenn man z.B. ein Grab ganz genau ausgräbt, kann man aus der Lage von Schmuck und Gürtelschnallen oder Nadeln aus Metall schließen, wie die Kleidung aussah, und wie reich der Tote war. Wenn die Menschen der Vorzeit Löcher in den Boden gegraben haben, zeichnen sie sich oft als dunkle Stellen ab. Von den Häusern, die aus Holz gebaut waren, sind oft nur noch die Pfostenlöcher übrig. Aber aus ihrer Anordnung kann man den Plan eines Hauses und des ganzen Dorfes ablesen. Die Scherben versucht man zu Gefäßen zusammenzusetzen, und die Knochenstücke zu Skeletten. Die Archäologen analysieren die Asche einer Feuerstelle, die Pollen von jahrtausendealten Pflanzen und die Fasern der Bekleidung. Wichtige Funde werden in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht, und die Fachleute der Welt diskutieren darüber, manchmal jahrzehntelang und länger, bis sie sich einigermaßen einig sind. Dann erst finden ihre Erkenntnisse den Weg in die Geschichtsbücher der Schulen.

Seit mehr als 300 Jahren werden archäologische Funde systematisch gesammelt. Einige interessante Funde werden in Museen ausgestellt. Viel, viel mehr aber liegt in den Archiven der Museen. Die Funde wurden in der Vergangenheit schon untersucht. Es gibt aber immer neue, modernere Untersuchungsmethoden. Heute können die Wissenschaftler Röntgenapparaten und Computertomographen verwenden, um beispielsweise Mumien zu untersuchen. Gerichtsmedizinern untersuchen die Skelette und führen genetische Vergleiche durch.
1991 wurde die Gletschermumie „Ötzi“ gefunden - vielleicht hast du davon gehört. Im Eis blieb sie vergleichsweise gut erhalten. Ihre Untersuchung ist bis heute noch nicht abgeschlossen.

Sicher hast du schon mal an einem Puzzle gesessen. Die Archäologie ist ein unvollständiges Puzzle aus Millionen Teilen, an dem tausende Wissenschaftler aus der ganzen Welt gemeinsam arbeiten. Immer wieder können sie ein weiteres Stück vom Puzzle unserer Vergangenheit fertigstellen, und dadurch erfahren wir heute immer mehr über unsere fernen Vorfahren. Aber die meisten Puzzleteile fehlen leider, und auf jeder Baustelle, auf der Funde ohne Ausgrabung zerstört werden, geht ein weiteres Puzzlestück verloren.

Wie schön wäre es, wenn unsere Vorfahren vor hunderttausend Jahren sich die Zeit genommen hätten, in deutlich lesebaren Buchstaben über ihr Leben zu erzählen, möglichst in gut verständlichem Deutsch! Konnten sie aber leider nicht: Die Sprache war noch im Entstehen, die Schrift noch nicht erfunden. Alles wichtige wurde mündlich überliefert, oder vielleicht gezeichnet. Einige wenige dieser Zeichnungen haben an Höhlenwänden die Zeit überdauert. Andererseits berichten Funde von Werkzeugen und Gegenständen des täglichen Lebens vom Leben aller Menschen, nicht nur der Könige, die in den Geschichtsbüchern gewöhnlich beschrieben werden, und sie sind nicht bewußt entstellt, wie viele Geschichtsquellen.


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