Zum Inhalt springen

Wikijunior Alte Zivilisationen/ Veden

Aus Wikibooks


Das Gebiet der vedischen Bevölkerung

In welchem Land lebten sie?[Bearbeiten]

Die vedische Bevölkerung, die sich selbst Arya nannte, siedelte sich vor etwa 5.000 bis 4.000 Jahren im Gebiet des heutigen Indiens und Pakistans an. Ihr Gebiet erstreckte sich vom Indus, der zwischen Indien und Pakistan liegt, bis zu den Ebenen des Flusses Ganges in Indien.

Wie sahen ihre Gebäude aus?[Bearbeiten]

Die Arya waren Nomaden. Das bedeutet, dass sie umherzogen und keinen festen Heimatort hatten. Später, als der Ackerbau immer wichtiger wurde, begannen sie, sesshaft zu werden. Sie lebten in Strohhütten und bauten später ihre Häuser aus Holz.

Was aßen sie?[Bearbeiten]

Ihr Essen könnte warmes leckeres Weizenbrot mit Gerste oder Reis serviert gewesen sein. Sie waren offenbar auch gute Bauern. Sie pflanzten Gerste, Erbsen, Melonen, Weizen und Datteln an. Auf den Bauernhöfen bauten sie Baumwolle an und hüteten Schafe, Schweine, Wasserbüffel und Zebus (eine Art Kuh). In den Flüssen fingen sie Fische mit Angelhaken! Jedes Dorf hatte ein großes Gebäude in der Mitte, in dem die Veden Getreide lagerten. Sie bauten Getreide an und bewahrten ihre Ernte in diesem Gebäude auf, so dass jeder im Dorf sich daran erfreuen konnte.

Wie kleideten sie sich?[Bearbeiten]

Ganz am Anfang, vor langer Zeit nähten sich die Veden ihre Kleider aus Tierhaut zusammen. Später woben sie ihre Kleidung aus Baumwolle, Seide und Hanf und verzierten sie mit goldenen, silbernen und bronzenen Fäden.

Ein Sari-Tuch

Im Allgemeinen zogen die Frauen und Kinder der Arya zwei Stück Tuch an. Das eine wickelten sie sich um den Oberkörper, das andere Tuch wickelten sie um ihre Beine. Die Männer trugen andere Arten von Hosen, Dhotis, einen Lendenschurz und verschiedene Hemden, Schals und Tücher um den Hals.

Die Arya kannten viele verschiedene Frisuren und Turbanarten.

Frauen hatten eine große Auswahl an Anziehsachen. Sie trugen auch Dhotis und manchmal sogar Turbane. Wenn sie Dhotis anzogen, zogen sie darüber eine Bluse, eine Choli, an und verschönerten sie mit einem Schal. Sie konnten sich aber auch dazu entscheiden, einen Sari zu tragen. Saris waren lange Tücher, die sie um den ganzen Körper wickelten und deren Enden sie sich um die Schulter banden. Auch die Saris rundeten sie mit einem Choli ab.

Sowohl Männer als auch Frauen schmückten sich mit Gold und Edelsteinen, wenn sie es sich leisten konnten. Viele Sorten von Schmuck standen den Frauen aber auch den Männern zur Verfügung und beide benutzen oft besondere Taschen und seltener auch Umhängetaschen.

Wie sich die Arya nun genau kleideten, hing von ihrem Alter, ihrem Beruf und ihrer Stellung in der Gesellschaft ab.

Die Rig Veda

Wie sah ihre Schrift aus?[Bearbeiten]

Die Arya hatten noch keine eigene Schrift. Sie überlieferten ihr Wissen mündlich von einer Generation zur nächsten. Erst später wurde ihr Wissen aufgeschrieben. Deshalb kann man die Texte der Arya eigentlich in vielen Schriften schreiben. Heutzutage nimmt man aber meistens eine Schrift namens Devanagari. In dieser Schrift werden auch andere indische Sprachen wie das Hindi oder das Sanskrit geschrieben.

Der ältester Text, den wir von den Arya kennen, ist die Rig Veda (siehe Bild). Sie ist die älteste der vier Veden und wurde in einer Sprache namens Vedisch verfasst. Später entwickelte sich aus dem Vedischen das klassische Sanskrit.

Sanskrit ist eine der ältesten Sprachen der Welt. Es ist mit vielen heutigen Sprachen verwandt und gehört zur Gruppe der Indoeuropäischen Sprachfamilie. Diese Sprachen können auf gemeinsame Wurzeln zurückverfolgt werden und sie ähneln sich zumindest bei manchen Wörtern ziemlich. Sprachen aus dieser Familie besitzen auch Wörter, die aus dem Sanskrit kommen:

Englisch Französisch Deutsch Sanskrit Aussprache (+ wissenschaftliche Umschrift)
eight huit acht अष्टन् aschtan (aṣṭan)
father père Vater पितृ pitr (pitṛ)
mother mère Mutter मतृ matr (matṛ)
orange orange Orange नारङ्ग naranga (nāraṅga)
sugar sucre Zucker शर्करा schakara (śarkarā)
wind vent Wind वात wata (vāta)

Woran glaubten sie?[Bearbeiten]

Die Religion der Arya war der Ursprung von einigen sehr alten Religionen der Welt, dem Hinduismus, Buddhismus, dem Glauben der Sikh und dem Jaimismus. Im Mittelpunkt der Religion standen die Brahmanen. Sie waren Priester und opferten den Göttern, halfen den Leuten, wenn sie Fragen zum Glauben hatten. Sie waren für die Gemeinschaft der Arya sehr wichtig. Sie rezitierten die Veden, ihre heiligen Texte. Von diesen Veden gibt es vier Stück: die Rig-, die Yajur-, die Sama- und die Atharvana-Veda.

Die Brahmanen halfen den Menschen, indem sie für sie den Göttern opferten und die heiligen Texte der Veden sangen. Sie beteten für Kinder, besonders für die Jungen, aber auch für Gesundheit und dafür, dass es ihren Tieren gut ging.

Einige Rituale und Opfergaben beinhalteten folgendes:

  • Das Trinken von Soma, einem Saft, der aus dem Stiel einer besonderen Pflanze aus den Bergen gepresst wurde. Welche Pflanze das genau war, weiß man heute nicht mehr.
  • Feuer-Ritualen wie:
    • Das Agnihotra, ein Ritual in dem man Agni, den Feuer-Gott anbetete.
    • Das Agnicayana, ein Ritual das 12 Tage dauerte und in dem man einen großen Altar aus mehr als tausend Ziegeln baute, der die Form eines Vogels hatte
    • Das Agnistoma, ein Feuer-Opfer
  • Das Ashvamedha
  • Das Purushamedha, ein Menschenopfer

Die wichtigsten Götter der Arya waren Indra, Agni, der Feuer-Gott, und Soma. Geringere Götter waren Varuna, Surya, der Sonnengott, Mitra und der Windgott Vayu. Göttinen waren Ushas, die Göttin der Morgendämmerung, Prithvi, die Erd-Göttin, und Aditi. Auch Flüsse, besonders die Saraswati sah man als Göttinen an.

Sind einige von ihnen noch heute berühmt?[Bearbeiten]

Der wahrscheinlich berühmteste der Arya ist ein Grammatiker namens Pāṇini. Er wurde vermutlich im 5. Jahrhundert vor Christus geboren. Bekannt ist er für die Formulierung der 3959 Regeln der Wortbildungslehre des Sanskrit. Diese Regeln heißen Aṣṭādhyāyī. Bei Sprachforschern hat er den Ruf, diese Regeln perfekt beschrieben zu haben. In der Tat haben Computerspezialisten diese Regeln verwendet, um Computern Sanskrit beizubringen!

Einige traditionelle Erzählungen berichten, dass der Mathematiker Pingala der jüngere Bruder von Pāṇini war. Er war der erste Mathematiker, der das binäre Zahlsystem, die Zahlenreihe von Fibonacci und Pascals Dreieck beschrieb.

Was ist von ihnen heute noch übrig?[Bearbeiten]

Hinduismus[Bearbeiten]

Der Einfluss der Veden kann im Hinduismus gesehen werden, der aus der alten vedischen Religion entstand. Man kann nicht genau sagen, zu welcher Zeit oder an welchem Ort er entstand. Die Traditionen und Verhaltensweisen, die sich zu dem zusammenschlossen,was heute Hinduismus genannt wird, begannen ab ca. 3100 bis 1300 vor Christus. Man kann zu Recht behaupten, dass der Hinduismus die älteste Religionen der Welt ist. Der Hinduismus heute ist entscheidend mit dem "Sanatana Dharma" der vedischen Zeit verbunden. Dieser Weg sagt aus, wie man ein gutes, erfülltes und sinnvolles Leben führen kann. Der Name "Hindu" ist tatsächlich ein eher neuzeitliches Artefakt, das Ergebnis des Austauschs mit und der Eroberung der ostasiatischen, zentralasiatischen und europäischen Kriegerclans. Allgemeiner gesprochen wird angenommen, dass der Name "Hindu" von Leuten im Altertum verwendet wurde, um Fremde zu bezeichnen, die östliches des Flusses "Sindhu" lebten, der durch die heutige Punjab-Gegend in Indien und Pakistan fließt.

Lord Vishnu

Hindus (Menschen, die dem Hinduismus folgen), glauben an Dharma, Karma und Moksha. Ganz einfach ausgedrückt, ist Dharma eine bestimmte Art zu leben, den Körper, Geist und die Seele in Harmonie mit der Natur zu bringen.

Karma bedeutet wörtlich "Handlung". Die Veden und die Menschen, die nach ihnen lebten, vertraten eine Philosophie, die das Karma enorm betont, weil es das Einzige ist, über das ein Mensch Macht besitzt. Karma ist die Summe all dessen, was ein Mensch in seinem ganzen Leben gemacht hat. Das Gesetz des Karma ist ähnlich unserem Sprichwort: " Man erntet, was man sät." Guten Taten folgen gute Ereignisse während schlechten Taten böse Ereignisse folgen.

Moksha ist die Befreiung aus dem Rad des Todes und der Wiedergeburt. Das Wort Moksha wird verwendet, um das endgültige Ziel allen intelligenten Leben zu beschreiben: die eigene essentielle Seele (atman) mit der universellen Seelenkraft (Brahman) eins werden zu lassen.

Hindus glauben auch an die Götter und Göttinnen der Veden. Obwohl der Hinduismus und die ihm zu Grunde liegende Philosophie im Laufe der Zeit vielen verschiedenen Einflüssen unterlag, nimmt man an, dass das "Sanatana Dharma" im Grunde noch genauso weitergeführt wird wie zu vedischen Zeiten.

Das Kastensystem[Bearbeiten]

Die Veden teilten die Stellung eines Menschen in der Gesellschaft in vier varnas oder Kasten ein. Die vier 'Kasten waren:

  • Brahmin: Die Priester
  • Kshatriya: Die Krieger
  • Vaishya: Die Händler
  • Shudra: Die Arbeiter

Über die Zeit hinweg führte das Kastensystem zu Missverständnissen und Ausnutzung. Es wurde später zu dem Kastensystem der Hindu.

Die Brahmins wurden zur höchste Kaste. Sie waren Priester und heilige Männer.
Unter ihnen standen die Kshatriyas, die Krieger und Herrscher.
Die Vaishyas waren Händler und Geschäftsleute.
Die unterste Kaste waren die Shudras, die Diener und Arbeiter.

Zusätzlich zu diesen vier Kasten gab es noch Menschen außerhalb dieser Einteilung. Sie mussten Arbeiten erledigen, die als "unrein" angesehen wurden. Menschen aus einer Kaste hatten keinen direkten Kontakt zu diesen "Unberührbaren". Mahatma Ghandi nannte sie harijan, Kinder Gottes. Sie selbst nennen sich heute dalits, die Unterdrückten.

Zu Beginn wurde die Einteilung in die verschiedenen Kasten zur Arbeitsteilung vorgenommen. Nach und nach wurde sie auch benutzt, um das religiöse Leben und das Leben miteinander beherrschen zu können. Obwohl es heute vom Gesetz in Indien verboten ist, kann man seinen Einfluss immer noch im täglichen Leben spüren. Menschen aus niedrigeren Kasten werden immer noch benachteiligt und viele dalits leben in Armut. Die indische Regierung hat aber verschiedene Programme gestartet, um ihnen eine gute Erziehung zu ermöglichen und ihre Armut zu verringern.

Die Bedeutung der Kühe[Bearbeiten]

Kühe waren den Hindus genauso wie den Veden heilig. Im Hinduismus werden alle Tiere als heilig angesehen, besonders die Kühe. Hindus essen kein Kuhfleisch. Es gibt einen regionalen Feiertag, der Mattu Pongal (wörtlich Kuh Pongal auf Tamilisch). Dieser Tag ist ein Erntedankfest für Kühe. Außerdem gibt es einen alten Glauben, nach dem eine heilige Kuh namens Kamadhenu - Schenker der unzähligen Segnungen - als Mutter aller Hindu-Götter angesehen wird.

Sanskrit[Bearbeiten]

Die alte Sprache der Veden wird noch heute in indischen Schulen unterrichtet. Die Wurzeln der meisten heutigen nordindischen Sprachen wie Hindi, Bengalisch und Gujarati liegen im Sanskrit. Die heiligen Texte der Veden sind ebenfalls in Sanskrit geschrieben.

Obwohl es fast keine Leute mehr gibt, die Sanskrit als Muttersprache sprechen, so wie du wahrscheinlich Deutsch als Muttersprache sprichst, singen die Hindus ihre heiligen Lieder bei Ritualen noch heute auf Sanskrit. Es wird noch in einer Stadt, Mattur im Staat Karnataka, in Indien gesprochen. Sogar die südindischen Sprachen wie malayalam sind dem Sanskrit entsprungen. Sie wurden aber auch vom Tamilischen beeinflusst.


Literatur[Bearbeiten]

Der Text wurde aus dem englischen Projekt [1] übernommen, Autoren siehe dort.