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Wikijunior Alte Zivilisationen/ Hunnen

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Attilas Reich und seine Hauptstadt im Jahr 450


Woher kamen sie?

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„Hunnen“ war eine Sammelbezeichnung für Nomadenstämme, die aus den asiatischen Steppen kamen. Es ist wenig über ihre Ursprünge bekannt. Die Namen von hunnischen Größen sind aber Turkvölkischer Herkunft. Schon die Chinesen litten unter den Überfällen der Hunnen und anderer räuberischer Nomadenstämme und bauten die Große Mauer, um sich zu schützen. Etwa im Jahr 370 verließen die Hunnen ihre Heimat und zogen nach Westen. Ob sie ihre Heimat aus Raubgier, wegen einer Hungersnot, oder wegen einer Bedrohung verlassen haben ist nicht bekannt. Vielleicht hat es mit einer Klimaabkühlung zu tun, so dass für ihre Herden das Futter knapp wurde. Sicher ist aber: Ein Nomadenvolk lebt von seinen Viehherden. Ein oder zwei harte Winder mit Tiersterben, und es herrscht Hunger in den Jurten. Es ist logisch, dass sie dann nach Westen ins reiche Europa zogen. Etwa im Jahr 374 zerschlugen sie das Reich der Alanen (ein Nomadenvolk im Wolga- und Kaukasus-Gebiet) und gingen mit ihnen ein Bündnis ein. Im Jahr 375 besiegten sie die Ostgoten am schwarzen Meer und später die Westgoten und lösten damit letztendlich die Völkerwanderung aus. Sie galten lange Zeit als unbesiegbar.

Im Jahr 409 zogen die Hunnen plündernd durch die römische Provinz Thrakien. Um sie von weiteren Raubzügen abzuhalten, schlossen die Römer im Jahr 425 einen Bündnisvertrag und zahlten den Hunnen Gold und Weizen, ebenso wie den verbündeten Germanen. Im Jahr 436 vernichtete der römische Feldherr Aetius mit Hilfe der Hunnen das Burgunderreich. Aus diesem Ereignis entstand die Nibelungensage, in der Attila als König Etzel bezeichnet wird.

Leo I: und Attila auf einem Gemälde von Raphael

450 rüstete Attila erneut zum Krieg, um seine Macht auszuweiten und Gallien zu erobern. Allerdings wurde er 451 auf den katalaunischen Feldern vom römischen Feldherrn Aetius mit Unterstützung der Westgoten besiegt. Es soll eine der schrecklichsten Schlachten des Altertums gewesen sein. Die Sieger geben an, 200 000 bis 300 000 Hunnen getötet zu haben. Das ist vermutlich stark übertrieben, denn schon im nächsten Jahr war Attila kampfstark genug, um sich auf den Weg nach Italien zu machen und Norditalien zu plündern. Rom wurde nur deshalb nicht erobert, weil der Papst Leo I. den Hunnen entgegenzog und dem abergläubigen Attila prophezeite, ein Jahr nach einem Einfall in Rom zu sterben. Daraufhin kehrten die Hunnen um.

Wie kämpften sie?

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Als Reiterhirten verbrachten die Hunnen einen großen Teil ihres Lebens im Sattel und waren fast „verwachsen“ mit ihrem Pferd. Sie hatten keine „Infanterie“ und kämpften in Abteilungen von 500 bis 1000 Kriegern. Durch ihre hohe Geschwindigkeit kamen ihre Überfälle meist völlig überraschend, denn kein Bote schaffte es, rechtzeitig vor ihrem Angriff zu warnen. Die Hunnen waren die Ersten, die stabile Sättel mit eingearbeiteten Steigbügeln (ledernen Schlaufen) verwendeten. Kein anderes Volk saß so sicher im Sattel. Sie konnten die Pferde mit den Schenkeln lenken und hatten dadurch beide Hände frei zum Kämpfen. Ihre Komposit-Bögen (Reflex-Bögen) waren aus Holz und Knochen gefertigt, die Herstellung eines Bogens dauerte mehrere Jahre. Als Bogenschützen waren die Hunnen unübertroffen. Sie konnten 150 m weit schießen, im vollen Galopp konnten sie noch auf 50 m treffen. Ihre Pfeilhagel waren vernichtend, denn gegen die Wucht der schweren Pfeile schützten die damaligen Körperpanzer nicht. Im Nahkampf benutzten sie Dolche und 90 cm lange zweischneidige Schwerter. Ihre Lassos benutzten sie, um die Gegner umzureißen. Belagerungen waren nicht ihre Stärke, stark befestigte Städte umgingen sie.

Die Hunnen waren harte, genügsame Krieger. Sie zeigten keinen Schmerz. Männlichen Babys zerschnitt man die Wangen, um sie frühzeitig an Schmerz zu gewöhnen und den Bartwuchs zu verhindern.

Wie sahen Ihre Gebäude aus?

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Als Nomadenvolk wohnten die Hunnen in runden Zelten aus Filz und Schafhäuten. Sie waren geräumig und bequem. Teppiche dienten als Raumteiler. Wenn sie für eine Weile sesshaft wurden, errichteten sie feste Holzhäuser. Wenn sie unterwegs waren, luden sie Hausrat, Vorräte und Zelte auf Wagen. Nachts stellten sie die Wagen als Wagenburg auf, wie es mehr alt tausend Jahre später auch die amerikanischen Siedler auf den Trecks machten.

Was aßen sie?

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Sie züchteten hauptsächlich kleine, zähe, widerstandsfähige Pferde, aber auch Schafe und einige wenige Rinder. Die Hauptnahrung war Hammelfleisch, das in großen Kesseln gekocht wurde, sowie Milch und Käse. Sie tranken gern Stutenmilch, die mit Pferdeblut vermischt wurde. Das wichtigste alkoholische Getränk war vergorene Stutenmilch. Mit Ackerbau beschäftigen sie sich nicht.

Auf ihren Beutezügen nahmen sie sich nur selten die Zeit, Feuer zu machen. Sie ernährten sich hauptsächlich von rohem oder halbrohem Fleisch, aber auch von Brot sowie von wilden Kräutern.

Wie kleideten sie sich?

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Die Reiterkrieger trugen Hosen aus derbem Leder und zottelige Felljacken. Durch Bandagieren im Kindesalter verformten sie ihre Schädel. Diese „Turmschädel“ waren auch bei anderen Reitervölkern üblich.

Die Hunnen bekamen zeitweise Unmengen von Gold von den römischen Kaisern. Sie nutzen das Gold wohl kaum als Zahlungsmittel, sondern fertigten Schmuck und Geschirr und Gefäße daraus, die wohl auch für religiöse Zwecke wichtig waren. Frauen nähten Goldplättchen auf Kleidungsstücke. Sie trugen farbige Kleider und stellten schöne Stickereien her. Perlen wurden für Halsketten, Armbändern und Fußspangen verwendet. Keramikgefäße benutzten die Hunnen nur selten, denn bei ihrem Wanderleben ging vermutlich viel zu Bruch.

Woran glaubten sie?

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Sie waren Anhänger einer Naturreligion, die von Schamanen vermittelt wurde. Sie verehrten einen Kriegsgott. Die Führer ließen sich von Sehern durch Eingeweideschau von Opfertieren voraussagen, wie eine Schlacht ausgehen wird. Wenn ein bedeutender Hunne starb, bauten sie eine Grabkammer, legten den geschmückten Toten hinein und schütteten einen Hügel, den sogenannten „Kurgan“ darüber auf.

Die Hunnen waren vermutlich religiös tolerant. Sie gliederten viele Fremde ein. Sogar Gefangene konnten es weit bringen. Es zählte nicht die Herkunft, sondern ihre Nützlichkeit.

Attila empfängt Gesandte, gemalt 1870

Sind einige von Ihnen heute noch berühmt?

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Der berühmteste Führer der Hunnen war Attila. Unter seiner Herrschaft erreichte das Hunnenreich seine größte Ausdehnung. Durch eine geschickte Politik hatte er viele Verbündete, auch unter germanischen Stämmen. Die Völker im Hunnenreich konnten ihre Sprache, ihre Religion und ihre Anführer behalten. Von seinen europäischen Feinden wurde er als „Geißel Gottes“ bezeichnet.

Attila starb 453 in einer Hochzeitsnacht an einem Blutsturz. Danach versuchten einige seiner Söhne zu regieren (Attila hatte angeblich 150 Söhne nur aus seinen offiziellen Verbindungen), aber sie waren uneinig und das Hunnenreich verlor seine frühere Macht.

Was ist heute noch von ihnen übrig?

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In den Jahren zwischen 454 bis 469 wurden die Hunnen in mehreren verlustreichen Schlachten geschlagen, teils sogar von ihren früheren Vasallen. Ein Teil der Überlebenden zog zurück an den Dnepr und nach Asien, andere vermischten sich mit der örtlichen Bevölkerung und wurden sesshaft.

Im Jahr 910 zogen die Nachfahren der Hunnen noch einmal nach Westen: Sie nannten sich „Magyaren“ und kamen auf kurzbeinigen, stämmigen Pferden mit den hochentwickelten Reflexbögen und der Taktik der Hunnen. Als sie im Jahr 955 den Fehler machen, Augsburg zu belagern, kam König Otto mit einem Heer aus Franken, Sachsen, Bayern, Schwaben und Böhmen der Stadt zu Hilfe. Die Magyaren hatten gegen die schwer gepanzerten Ritter und eine kluge Taktik keine Chance und wurden fast völlig niedergemetzelt. Viele der Überlebenden wurden in dem Gebiet sesshaft, das wir heute „Ungarn“ nennen. Otto I., der „Retter des Abendlandes“, wurde zum Dank im Jahr 962 vom Papst zum römischen Kaiser ernannt.


Literatur

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Hunnen

en:COSTP World History Project: Eastern Civilization and Its Impact