Pharmakologie und Toxikologie: Analgetika

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Schmerz[Bearbeiten]

Funktion des akuten Schmerzes: Warnfunktion, Hinweis auf Gewebsschädigung, Ruhigstellung des verletzten Körperteils.

Über der Schmerztherapie sollte also keinesfalls die Frage nach der Ursache des akuten Schmerzes vergessen werden. Zur Schmerzbehandlung gehört daher essentiell die kausale Therapie. Neben der medikamentösen Therapie kommen weitere schmerzlindernde Maßnahmen in Frage, z.B. physikalische Maßnahmen (Wärme, Rotlicht, Kälte, Massage, Bewegungstherapie), Ruhigstellung, Lagerung u.s.w..

Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung[Bearbeiten]

Primäre Reize: mechanisch, thermisch, chemisch
Sekundäre Reize: Entzündungsmediatoren wie H+, K+, Histamin, Bradykinin, Substanz P, ATP, TNFα, ACh, 
        ↓                                       Serotonin, Prostaglandine (Sensitizer)
   Nozizeptoren (Ionenkanäle)
        ↓
   Schmerzfasern (v.a. A-δ- und C-Fasern) -> α-Motoneurone -> Reflexe   
        |                               
        ↓                           |+|SP,Prostaglandine, NO                       <---| 
    Umschaltung auf            <=   |+|NMDA-R - Glutamat                        NA <---|   
    Hinterhornneuron                |-|GABA-R - GABA                          GABA <---|
        |       ↑Interneurone       |-|μ,κ,δ-R - Endorphine/Opiate                 <---|
        ↓                                                                              |
   Rückenmarksbahnen (Tractus spinothalamicus, Spinoretikulothalamisches System)       |
        ↓       ↓                                                                      |
|← ThalamusFormatio reticularis                                                     | absteigende
|       ↓|-|μ,κ,δ-R                                                                    | hemmende 
|← Höhere Zentren: Limbisches System, Somatosensorischer Cortex,                       | Bahn
|  Assoziationsgebiete, Frontalhirn (Schmerzwahrnehmung und -bewertung, Reaktion)      | 
|                                                                                      | 
↓                                                         -             -              | 
Modulation der Afferenzen durch efferente Systeme:    μ|------> GABA|------------------                           
Periaquäduktales Grau (Mittelhirn), Locus coeruleus (Pons), Raphekerne (Medulla oblongata)

Absteigende hemmende Bahnen reduzieren im Rückenmark die Erregungsübertragung von der Schmerzfaser auf das aufsteigende Hinterhornneuron. Die absteigenden Bahnen werden ihrerseits von Neuronen des Locus coeruleus und der Raphekerne gehemmt, die von Opioiden über den μ-Rezeptor (cAMP↓) gebremst werden. In der Summe resultiert hier aus der Opioid-Wirkung eine Aktivierung der hemmenden absteigenden Bahnen. Weitere Wirkorte der Opiode sind die Projektionen des Thalamus auf höhere Zentren sowie die genannte Schmerzfaser-Hinterhornneuron-Schnittstelle.

Prostaglandine[Bearbeiten]

Stoffwechsel der Eikosanoide im Überblick:

                           .---> Leukotriene
                           |
Phospholipide -> Arachidonsäure -> PGG2 -> PGH2 -> PGD2, PGE2, PGF, TxA2, PGI2   
              |+                |+                                                                                                     
       Phospholipase A2    Cyclooxygenase      
              |-             ↑-       ↑-
          Lipocortin    COX-Hemmer  COX-Induktionshemmer 
              ↑+          (ASS)      (Kortikosteroide)       
      Induktion durch 
      Kortikosteroide

Prostaglandine (PGD2, PGE2, PGI2) erhöhen peripher die Sensitivität der Nozizeptoren für andere Mediatoren wie Histamin, Bradykinin, Serotonin und fördern auf Rückenmarksebene die Weiterleitung exzitatorischer Impulse durch Reduktion der GABA- und Glycinaktivität.

Weitere Wirkungen der Prostaglandine:

  • Thromboxan A2 (TxA2) (COX1) - Thrombozytenaggregation, Vasokonstriktion
  • Prostacyclin = PGI2 (COX2) - Schmerzsensitivierung, Hemmung der Thrombozytenaggregation, Vasodilatation in der Niere
  • PGD2, PGE2 - Schmerzsensitivierung, Schleimhautprotektion

Pyrogene Wirkung des PGE2[Bearbeiten]

Bakterienbestandteile und IL-1 stimulieren das Epithel des Organum vasculosum laminae terminalis (OVLT) -> Expression von COX-2↑ -> PGE2-Synthese↑ -> Stimulation des Temperaturregulationszentrums im Nucleus preopticus medianus des Hypothalamus über EP3-Rezeptoren -> Erhöhung des Temperatur-Sollwertes -> Aktivierung der Wärmeproduktion (Kältegefühl, Muskelzittern, erhöhte Stoffwechselaktivität).

Schmerzarten[Bearbeiten]

Schmerzart Eigenschaften Rezeptoren und Mediatoren Weiterleitung Behandlungsoptionen
Somatomotorische Schmerzen:
  • Oberflächenschmerz/früher Schmerz
  • Tiefenschmerz/später Schmerz
  • scharf, schneidend, gut lokalisierbar, schnelle Weiterleitung
  • dumpf, bohrend, langsame Weiterleitung
  • A-δ
  • C-Fasern (unmyelinisiert)
NSAR, Opiode
Viszerale Schmerzen krampfartig, nicht gut lokalisierbar vegetative Fasern

Spasmolytika/Anticholinergika (Butylscopolamin), Metamizol

Neuropathische Schmerzen einschießend
  • A-β-Fasern
  • C-Fasern (unmyelinisiert)
Opioide, Na+-Kanalblocker, NMDA-Rezeptorblocker, Trizyklische Antidepressiva, Antikonvulsiva
Entzündungsschmerz H+, K+, Histamin, Bradykinin, SP, ATP, TNFα, ACh, PG NSAR, COX2-Hemmer, Opioide

Chronischer Schmerz[Bearbeiten]

Die Chronifizierung eines Schmerzes stellt ein Lernprozess dar, bei dem verschiedene Mechanismen wirken, wie mikroskopische Umbauprozesse im Bereich des Rückenmarks (Synapsenauf- und -abbau), sympathische Innervation peripherer Nerven, Änderungen in der Expression von Kanal- und Rezeptorproteinen und Sensibiliserung peripherer Nervenzellen.

Im Gegensatz zum akuten Schmerz ist der chronische Schmerz ohne Funktion und schwierig zu behandeln.

Daher wichtig: Akute Schmerzen adäquat therapieren, bevor sie chronisch werden!

Behandlung chronischer Schmerzen: multimodales Therapiekonzept - Analgetika, Physiotherapie, neuropsychologische Methoden (Biofeedback, Entspannungsmethoden, Bewältigungsstrategien) u.a.m.

Ansatzpunkte der medikamentösen Schmerztherapie[Bearbeiten]

Nichtopioid-Analgetika (Cyclooxygenase-Hemmer)[Bearbeiten]

W.: Hemmung der Prostaglandinsynthese durch Hemmung der Cyclooxygenase (COX)

Wirkstoffgruppen[Bearbeiten]

Wirkstoffgruppen im Überblick:

Gruppe Wirkstoffe
Salicylate
  • Acetylsalicylsäure
Arylessigsäuren
  • Diclofenac
  • Indomethacin
Arylpropionsäuren
  • Ibuprofen
  • Naproxen
Pyrazolidin-3,5-dione
  • Phenylbutazon
  • Oxyphenbutazon
Benzothiazine
  • Piroxicam
  • Meloxicam
Anilide
  • Paracetamol
Pyrazolin-5-one
  • Metamizol
  • Propyphenazon
COX2-Hemmer
  • Celecoxib
  • Etoricoxib


Eigenschaften sauerer Wirkstoffe:

Saure Substanzen nehmen in saurer Umgebung vermehrt Protonen auf (A- + H+ -> HA) -> Zunahme der Lipophilie und Membrangängigkeit. Nach Aufnahme in die Zelle wieder Dissoziation in die hydrophilen, schlecht membrangängigen Moleküle (HA -> A- + H+) Folgen:

  • Saure Substanzen reichern sich im saueren entzündeten Gewebe besser an (bessere antiphlogistische Wirkung)
  • Saure Substanzen reichern sich im Magenepithel an und führen dort zur Übersäuerung (Protonen-trapping)


Wirkungsprofile wichtiger Substanzen

Gruppe Wirkstoffe analgetisch antiphlogistisch antipyretisch
Salicylate
  • Acetylsalicylsäure
+ + +
Arylessigsäuren
  • Diclofenac
+ ++ +
Arylpropionsäuren
  • Ibuprofen
  • Naproxen
+

+

++

+

+

+

Nicht-Säuren
  • Paracetamol
  • Metamizol
+

++

0

(+)

+

++

COX2-Hemmer
  • Celecoxib
+ + +


Exemplarisch folgt eine ausführliche Beschreibung der Acetylsalicylsäure. Wirkungen und Nebenwirkungen sind bei den anderen NSAR ähnlich, dort werden nur noch Besonderheiten genannt.

Acetylsalicylsäure[Bearbeiten]

Acetylsalicylsäure.
Weidenbaum (Salix alba).
Mädesüß (Filipendula ulmaria).

Prototyp der NSAR.

Salicylsäure wurde traditionell in Form von Weidenrindenextrakten (Salix alba) verwendet bei Fieber und Schmerzen. Acetylsalicylsäure wurde 1897 von Felix Hoffmann (Bayer) synthetisiert und kam als Aspirin® auf den Markt (Aspirin von Acetylierte Spirsäure, Spirsäure/Salicylsäure ist enthalten in Filipendula (Spiraea) ulmaria (Mädesüß)):

W.:

  • Thrombozytenaggregationshemmung: Hemmung v.a. der TxA2-synthetisierenden COX1 in den Thrombozyten durch irreversible Acetylierung (→Ind. bei Herzinfarkt-Prophylaxe). Das Endothel produziert PGI2 v.a. über COX2, die weniger empfindlich auf ASS reagiert und zudem schneller regeneriert werden kann, was den kernlosen Thrombozyten nicht möglich ist. Das Gleichgewicht zwischen TxA2 und PGI2 wird zugunsten des antithrombogenen PGI2 verschoben.
  • Analgetisch und antiinflammatorisch durch Hemmung der Prostaglandinsynthese

UAW:

  • Erhöhte Blutungsneigung
  • Gastritis, Ulcus, Übelkeit (lokal: Anreicherung saurer Valenzen im Magenepithel, systemisch: die Produktion Schleimhautschützender Prostaglandine ist vermindert)
  • allergische Reaktionen
  • Asthmaanfall (Verlagerung der Mediatorsynthese von der PG- auf die Leukotriensynthese)
  • Einschränkung der Nierenfunktion (Synthesehemmung vasodilatatorischer PG im Nierengefäßbett)
  • Hemmung der Harnsäureausscheidung (Konkurrenz am Tubulus-Transporter für organische Säuren)
  • Vorzeitiger Verschluß des Ductus arteriosus Botalli im letzten Trimenon
  • Reye-Syndrom bei Kindern nach Virusinfekten
  • Analgetikanephropathie bei langjährigem Mißbrauch

Anw: In Niedrigdosis bis 100mg/die Behandlung des Herzinfarktes und (Sekundär)Prophylaxe thrombotischer Ereignisse bei KHK, nach PTCA (perkutane transluminale Coronarangioplastie) und bei erhöhtem Risiko für einen ischämischen apoplektischen Insult. Höher dosiert als Analgetikum bei Kopf- und Zahnschmerzen, rheumatischen Erkrankungen.

KI: letztes Trimenon, Kinder, Ulcus, Gerinnungsstörungen, operative Eingriffe (7 Tage davor absetzen bzw. Präparatewechsel), Vorsicht bei Niereninsuffizienz, eher ungeignet bei Gichtanfall

Intox: Salicylismus - gastrointestinale (Übelkeit, Erbrechen) und zentrale (Unruhe, Hörstörungen, Hyperventilation -> Parästhesien) Symptome. Erst respiratorische Alkalose, dann metabolische Acidose. Kardiale und respiratorische Störungen, Koma, Asphyxie. Th.: symptomatisch, ggf. Aktivkohle, Urinalkalisierung.

Ibuprofen[Bearbeiten]

Ibuprofen

Anwendung:

  • leichte bis mäßig starke Schmerzen
  • rheumatischen Erkrankungen
  • Gichtanfall
  • Fieber

Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Sodbrennen, Erbrechen), Magen- Darmblutungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Störung der Blutbildung, Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Analgetika-Asthma, Nierenschäden, Hautausschlag, Aufhebung der Thrombozytenaggregationshemmung von ASS bei gleichzeitiger Einnahme

Kontraindikation:

  • Blutungsneigung
  • Gastritis oder Ulcus (auch bei Verdacht)
  • Allergische Erkrankungen, Asthma
  • schere Nieren- und Leberfunktionsstörung
  • Schwangerschaft und Stillzeit

Diclofenac[Bearbeiten]

Anwendung:

  • Schmerzen,
  • Entzündungen, vor allem rheumatischen Ursprungs (Der Wirkstoff wird vor allem eingesetzt zu Behandlung von Schmerzen und Entzündungen aufgrund akuter oder chronischer Arthritiden (wie rheumatoide Arthritis), Arthrosen, weichteilrheumatischen Erkrankungen wie Morbus Bechterew (chronisch-entzündlich-rheumatische Erkrankung des Achsenskeletts, vor allem der Wirbelsäule),
  • Schwellungen und Entzündungen nach Verletzungen

Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Sodbrennen, Erbrechen), Magen- Darmblutungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Störung der Blutbildung, Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Analgetika-Asthma, Nierenschäden, Hautausschlag

Paracetamol[Bearbeiten]

Paracetamol

Wirkung: Hemmung der PG-Synthese peripher und auf spinaler Ebene, keine Anreicherung im entzündeten Gewebe -> keine antiphlogistische Wirkung.

Anwendung:

  • Kopf- und Zahnschmerzen,
  • rheumatische Erkrankungen,
  • postoperative Schmerztherapie,
  • Fieber

Nebenwirkung: In höheren Dosen hepatotoxisch (CYP450-abhängige Giftung von Paracetamol zu N-Acetyl-p-Benzochinonimin (NAPQI), Sättigung der Glutathion-abhängigen Entgiftung von NAPQI bei Überdosis) -> Leberzellnekrose, akutes Leberversagen. Durch Überdosierung kann es auch zu tubulären Nekrosen oder interstitieller Nephritis kommen.

Antidot: N-Acetylcystein (NAC/ACC) innerhalb von 8 bis 10 Stunden.

Zu beachten: Kindersicher aufbewahren! Vorsicht bei Leberschaden!

Metamizol (Novaminsulfon)[Bearbeiten]

Metamizol.png

Wirkung: stärkste analgetische und antipyretische Wirkung unter den Nicht-Opioiden, vermutlich durch Hemmung der PG-Synthese, nur gering antiphlogistisch

Nebenwirkungen: selten gastrointestinal, Blutdruckabfall/Schock bei rascher Applikation, erhöhtes Agranulozytoserisiko (selten im Vgl. zu den gastrointestinalen UAW), bei manchen Menschen Allergieauslösend.

Anwendung: Fiebersenkung , starke Schmerzen bei Gallen-, Nieren- oder Darmkoliken (spasmolytisch), zusammen mit Opiaten zur Schmerztherapie bei Tumorerkrankungen (analgetisch), starke sonstige Schmerzen

Kontraindikation: Porphyrie, Unverträglichkeit von Metamizol, Glu-6-P-DH-Mangel, Säuglinge unter drei Monaten, Schwangerschaft und Stillzeit, cave bei Knochenmarksschädigung.

Applikation: Suppositorien (Zäpfchen), Tropfen, Tabletten, intravenöse Gabe

Celecoxib[Bearbeiten]

Wirkung: keine Thrombozytenaggregationshemmung

Nebenwirkung: geringere UAW als bei anderen NSAR bei kurzzeitiger Anwendung, dieser Effekt geht allerdings bei Dauertherapie verloren.

Anwendung: arthrotische/rheumatische Gelenkerkrankungen

Opioide[Bearbeiten]

Morphin.
Papaver somniferum (Schlafmohn).

Opium[Bearbeiten]

Opium ist der getrocknete Saft, der aus den unreifen Porenkapseln des Schlafmohns (Papaver somniferum) gewonnen wird. Schlafmohn wird seit mehreren tausend Jahren kultiviert und genutzt. Opium enthält zahlreiche Alkaloide (Opiate), darunter Morphin, Codein, Noscapin, Papaverin und Thebain. Als Opioide bezeichnet man alle natürlichen und synthetischen Opiate, die morphinartige Eigenschaften haben (Cave: Papaverin gehört somit also nicht dazu!). Einsatzgebiete sind die Schmerztherapie (s.u.), sowie die Behandlung von Husten und Diarrhoe.

Endogenes Opioidsystem[Bearbeiten]

Gene:

  • POMC - Proopiomelanocortin -> Prozessierung zu β-Endorphin, MSH und ACTH
  • Pro-Dynorphin -> Dynorphine, β-Neoendorphin, Leumorphin, Leu-Enkephalin
  • Pro-Enkephalin -> 9 Enkephaline

Gemeinsamkeit: N-terminale Sequenz Tyr-Gly-Gly-Phe-Met/Leu


Übersicht über Rezeptoren, Rezeptorwirkung, natürliche und pharmakologische Liganden

Rezeptor Signal- transduktion Wirkung Nat. Liganden Agonist Anwendung Antagonist Anwendung
μ Gi/0

-> cAMP↓

Analgesie, Atemdepression, Euphorie, Abhängigkeit, Miosis, Antitussive Wirkung,

Obstipation, Erbrechen(früh)/ Antiemesis(spät), Bradykardie

β-Endorphin Morphin, Heroin, Pethidin, Fentanyl, Methadon, Buprenorphin u.a.

Loperamid (kaum ZNS-gängig)

Codein, Dihydrocodein

Analgetika



Antidiarrhoikum


Antitussiva

Naloxon

Pentazocin

Antidot

/

κ Analgesie, Atemdepression, Sedierung, Miosis, Dysphorie Dynorphine Pentazocin Analgetikum Naloxon

Buprenorphin

Antidot

/

δ Analgesie Enkephaline, (β-Endorphin) Naloxon

Rezeptor-Namensgebung: Morphin, Ketocyclazokin, Vas deferens


Signaltransduktion:

Opioidrezeptoren besitzen sieben Transmembrandomänen und sind Gi/0-gekoppelt (cAMP↓) -> Ca2+-Kanäle schließen, K+-Kanäle öffen -> Hyperpolarisation, Exozytosehemmung.


Angriffsorte, Wirkungen und Anwendungen der Opioide

Angriffsort Wirkung Anwendung
  • Spinal: Hemmung der spinalen Übertragung von der Schmerzfaser auf das aszendierende spinothalamische Neuron
  • Supraspinal: Aktivierung absteigender hemmender Bahnen, Hemmung thalamischer Kerne, Hemmung thalamokortikaler Bahnen
Analgesie Analgetika
  • Hemmung des Locus coeruleus
  • Hemmung im Bereich der Formatio reticularis
  • Aktivierung dopaminerger Neurone in der Area tegmentalis ventralis, die in den Nucleus accumbens projizieren
  • Anxiolyse
  • Sedierung, Bewußtlosigkeit
  • Euphorie
Aktivierung des parasympathischen Edinger-Westphalkerns Miosis
Abnahme der Empfindlichkeit der CO2-Sensoren im verlängerten Mark Atemdepression
Hemmung des Hustenreflexzentrums Antitussive Wirkung Antitussiva
Aktivierung von Pyramidenzellen im Hippocampus zerebrale Krampfanfälle
Aktivierung dopaminerger Neurone der Substantia nigra, die in das Striatum projizieren Muskelrigidität
Stimulation der Area postrema (früh) Erbrechen
Dämpfung des Brechzentrums (spät) Antiemesis
Hemmung des Temperaturregulationszentrums im Hypothalamus Absinken der Körpertemperatur
Hemmung des Barorezeptor-Vasomotoren-Regelkreises Blutdrucksenkung
Aktivierung des dorsalen Vaguskerns Bradykardie
Zunahme des Tonus der glatten Muskulatur (Magen, Pylorus, Darm, Gallenblase, Sphinkter Oddi, Sphinkter vesicae), Abnahme der propulsiven Peristaltik (Darm) Spastische Obstipation (->Opioidanalgetika immer mit Laxantien kombinieren!), Gallenentleerungsstörungen, Verzögerung der Magenentleerung, Harnverhalt Antidiarrhoika
Abnahme der uterinen Oxitocinempfindlichkeit Wehenhemmung
Histaminfreisetzung Exanthem, Pruritus, Bronchokonstriktion, Blutdruckabfall

Wirkstoffe[Bearbeiten]

Codein.
Oxycodon.
Methadon.


Wirkstoffe Relative Wirkstärke Kontext- sensitive HWZ Anwendung Applikation

Schwach wirksame Opioide (WHO Stufe II)

Tramadol 0,1-0,2 Schmerztherapie
  • unretardiert: Tbl., Trp., Supp.
  • retard: Tbl., Kps.
  • pro inject: Inj.lös. (i.v.)
Codein 0,1-0,2 Schmerztherapie, Antitussiva
  • unretardiert: Tbl., Trp., Supp.
Dihydrocodein ? Schmerztherapie, Antitussiva
  • unretardiert: Tbl, Trp.
  • retard: Tbl.
Tilidin (plus Naloxon) 0,1-0,2 Schmerztherapie
  • unretardiert: Kps., Trp.
  • retard: Tbl.
  • pro inject: Inj.lös. ohne Naloxon (i.v.)

Stark wirksame Opioide (WHO Stufe III)

Pethidin 0,1-0,2 Schmerztherapie
  • p.o.
Hydromorphon ? Schmerztherapie
  • unretardiert: Kps.
  • retard: Kps.
  • pro inject: Inj.lös. (i.v.)
Morphin 1 Schmerztherapie
  • unretardiert: Tbl., Trp., Supp.
  • retard: Tbl., Kps., Granulat
  • ultra-retard: Kps.
  • pro inject: Inj.lös. (s.c., i.v.)
Oxycodon 1,5 Schmerztherapie
  • retard: Tbl.
Levomethadon 2 Schmerztherapie, Substitutionstherapie
  • unretardiert: Trp.
  • pro inject: Inj.lös. (i.v.)
Heroin (Diacetylmorphin) 2 (?) Kontrollierte Abgabe an Süchtige, (palliative Schmerztherapie)
  • pro inject: Inj.lös. (i.v.)
Buprenorphin (partieller Agonist, hohe Affinität) 30 Schmerztherapie (geeignet bei Schluckstörungen)
  • s.l.: Tbl.
  • TTS
  • pro inject: Inj.lös.
Alfentanil 40 mittel Anästhesie
  • pro inject: Inj.lös. (i.v.)
Fentanyl 100 lang Schmerztherapie
  • TTS
  • transmukosal: Stick
  • pro inject: Inj.lös. (i.v.)
Remifentanil 100 wenige Minuten Anästhesie
  • pro inject: Inj.lös. (i.v.)
Sufentanil 1000 mittel Anästhesie
  • pro inject: Inj.lös. (i.v.)

Kontextsensitive Halbwertszeit: Halbwertszeit hängt von der Infusionsdauer ab, bspw. kumuliert Fentanyl sehr stark, Remifentanil dagegen gar nicht.

Heroin (Diacetylmorphin).
(Asiatisches) Heroin.
Heroin, Anfang 20.Jhdt als Schmerz- und Hustenmittel erhältlich.

Partielle Agonisten (Buprenorphin)[Bearbeiten]

Buprenorphin.

Buprenorphin entwickelt am μ-Rezeptor eine geringere intrinischse Aktivität als Morphin, verdrängt es aber wegen seiner höheren Affinität. Folge: Buprenorphin kann Entzugssyndrome auslösen und eine bestehende Analgesie abschwächen, d.h. Schmerzen verstärken.

Wechselwirkungen[Bearbeiten]

Opiate wechselwirken mit Alkohol, Benzodiazepinen (Cave: Atemstillstand!) und andere zentralwirksamen Substanzen, MAO-Hemmern und Substanzen, die die Krampfschwelle senken.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen[Bearbeiten]

  • bei Dauermedikation: sehr häufig Obstipation (bis zum Ileus), Euphorie, Dysphorie; ferner Erbrechen, Bronchospasmen
  • dosisabhängig: Atemdepression, Sedierung oder Erregung, Übelkeit

Toleranzentwicklung[Bearbeiten]

Auftreten sowohl bei Mißbrauch als auch bei schmerztherapeutischer Anwendung. Betrifft fast alle Wirkungen außer Miosis und Obstipation. Folge: Dosissteigerung und Abhängigkeitsentwicklung.

Entzugssyndrom[Bearbeiten]

S.: Angstzustände, Craving, Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Hyperthermie

Th.: Clonidin

Antagonisten[Bearbeiten]

Naloxon.

Naloxon[Bearbeiten]

W.: Antagonist am μ-, κ- und δ-Rezeptor

UAW.: Auslösung eines Entzugssyndroms, vollständige Aufhebung einer erwünschten Analgesie.

PK.: Hepatisch, hoher First-pass-Effekt.

Anw.: Atemdepression bei Opioidüberdosierung, Diagnose von Opioidintoxikationen, als Kombinationspräparat zusammen mit Tilidin (Naloxon wirkt erst bei hoher oraler Dosierung (FPE gesättigt) und i.v.-Applikation, so soll Missbrauch vorgebeugt werden).

Beachte: kürzere HWZ als Morphin -> Remorphinisierung, kaum wirksam gegen Buprenorphin

Intoxikation[Bearbeiten]

Trias: Bewußtlosigkeit, Miosis, Atemdepression (Todesursache).

Th.: Naloxon (cave: Entzugssymptomatik, Remorphinisierung, Agitation) oder beatmen und ausschlafen lassen.

Triptane[Bearbeiten]

Rizatriptan.
Zolmitriptan.
Naratriptan.

Wirkstoffe: Sumatriptan, Zolmitriptan, Naratriptan, Rizatriptan u.a.m.

W.: Agonisten am 5-HT1B/1D-Rezeptor (Gi/0 -> cAMP↓) -> Hemmung der neurogen-perivaskulären Entzündungsreaktion im Bereich der oberflächlichen Hirnarterien, Vasokonstriktion

UAW.: Angina pectoris, medikamenteninduzierter Dauerkopfschmerz, Serotonin-Syndrom

Anw.: Akute Migräneattacke

KI.: Arterielle Durchblutungsstörungen (KHK, pAVK, Z.n. TIA/ischämisch-apolektischem Insult), Therapie mit SSRI oder MAO-Hemmern (Serotonin-Syndrom!)

WW.: SSRI, MAO-Hemmer (Serotonin-Syndrom)

Cannabinoide[Bearbeiten]

Δ-9-Tetrahydrocannabinol.
Hanf (Cannabis sativa).

Enthalten im Blütenharz von Hanf (Cannabis sativa), Wirkung am Cannabinoidrezeptor (Endogener Ligand ist das Arachidonsäurederivat Anandamid)

Wirkstoffe: Δ-9-Tetrahydrocannabinol (natürlich), Dronabinol (halbsynthetisch)

W.: Agonist an den Cannabinoidrezeptoren CB1 und CB2 (Gi/0 -> cAMP↓) -> analgetisch bei bestimmten Schmerzformen und Wirkungsverstärkung von Opioiden, spasmolytisch, appetitsteigernd, antiemetisch, augeninnendrucksenkend, psychotrop

UAW.: dosisabhängig Sedierung, Stimmungs- und Wahrnehmungsveränderungen, Gewöhnung

Anw.: Neuropathische und/oder chronische Schmerzen, Kachexie bei konsumierenden Erkrankungen (Tumor, AIDS), Übelkeit/Erbrechen unter Chemotherapie, Spastizitätsminderung bei Multipler Sklerose.

KI.: Cave bei psychiatrischen Erkrankungen, ansonsten große therapeutische Breite.

Schmerztherapie mit anderen Wirkstoffgruppen[Bearbeiten]

Nicht immer ist es möglich oder sinnvoll, Schmerzen alleine mit einem systemisch wirkenden Schmerzmittel zu behandeln. Manchmal sind auch Medikamente aus anderen Wirkstoffgruppen in der Schmerztherapie sehr hilfreich.

Umgekehrt kann eine gute Schmerztherapie neben der Schmerzlinderung auch andere erwünschte Effekte haben. So haben Opiate eine sedierende, herzentlastende, hustenstillende Wirkung. Schüttelfrost wird durch Opiate umgehend beseitigt. Eine gute Schmerztherapie kann auch die Blutdruckeinstellung erleichtern, wenn der erhöhte Blutdruck durch den Schmerz verursacht wurde.

Lokalanästhetika[Bearbeiten]

Ist eine Schmerz auf ein lokales Gebiet der Haut oder Schleimhaut begrenzt, können Lokalanästhetika sehr hilfreich bei der Schmerzbekämpfung sein. So kann die Zahnbehandlung durch den Zahnarzt mit Lokalanästhetika weitgehend schmerzfrei erfolgen. Auch andere Schmerzen, die durch den Arzt , beispielsweise bei Punktionen, zugefügt werden müssen, lassen sich sehr gut damit behandeln.

Sedativa[Bearbeiten]

Viele Schmerzen bereiten Angst, insbesondere dann, wenn man sie noch nicht kennt. Deswegen können Beruhigungsmittel sehr erfolgreich mit Schmerzmitteln kombiniert werden. Zu Beachten ist allerdings die unerwünschte dämpfende Wirkung von Sedativa auf das Atemzentrum, die durch die kombinierte Gabe mit Opiaten verstärkt wird. Auch die Verkehrstüchtigkeit wird durch Sedativa stark eingeschränkt.

Antidepressiva und Antiepileptika[Bearbeiten]

v.a. bei ausgeprägtem Schmerzgedächtnis

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