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Lineare Abbildung: Bild – „Mathe für Nicht-Freaks“

Aus Wikibooks

Das Bild einer linearen Abbildung f:VW ist die Menge aller Vektoren in W, die von f getroffen werden. Diese Menge von Vektoren bildet einen Untervektorraum von W und kann benutzt werden, um die lineare Abbildung f surjektiv zu machen.

Herleitung

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Bild der linearen Abbildung f:23;(x,y)T(x,y,0,5x)T
Visualisierung der linearen Abbildung f:22;(x,y)T(x+y,0)T

Wir betrachten eine lineare Abbildung f:VW zwischen zwei K-Vektorräumen V und W. Ein Vektor vV wird von f in einen Vektor f(v)W überführt. Die Abbildung f trifft nicht zwingend alle Elemente aus W, denn f ist nicht unbedingt surjektiv. Die abgebildeten Vektoren f(v) bilden die Teilmenge {f(v)|vV}W. Diese Menge heißt Bild von f.

Weil f linear ist, erhält f die Struktur der Vektorräume V und W. Deshalb vermuten wir, dass f den Vektorraum V wieder auf einen Vektorraum abbildet. Folglich sollte das Bild von f, also die Menge {f(v)|vV} ein Untervektorraum von W sein. Das werden wir unten in einem Satz beweisen.

Definition

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Definition (Bild einer linearen Abbildung)

Es seien V und W zwei K-Vektorräume und f:VW eine lineare Abbildung. Dann nennen wir im(f):={f(v)|vV} das Bild von f.

Hinweis

In der Literatur wird auch oft die Notation f(V) statt im(f) für das Bild von f verwendet.

In der Herleitung haben wir uns schon überlegt, dass im(f) ein Untervektorraum von W sein sollte. Das beweisen wir nun formal.

Satz (Das Bild ist ein Untervektorraum)

Sei f:VW eine lineare Abbildung zwischen den K-Vektorräumen V und W. Dann ist im(f) ein Untervektorraum von W.

Beweis (Das Bild ist ein Untervektorraum)

Um zu zeigen, dass im(f) ein Untervektorraum ist, müssen wir die Untervektorraumkriterien überprüfen:

  1. im(f)W
  2. 0Wim(f)
  3. Für alle w1,w2im(f) gilt w1+w2im(f).
  4. Für alle wim(f) und für alle ρK gilt ρwim(f).

Beweisschritt: im(f)W

Für jedes vV gilt f(v)W. Also ist im(f)={f(v)|vV}W.

Beweisschritt: 0Wim(f)

Da f eine lineare Abbildung ist, gilt f(0V)=0W. Somit ist 0Wim(f).

Beweisschritt: Für alle w1,w2im(f) gilt w1+w2im(f).

Hierzu seien w1,w2im(f) gegeben. Es gibt Vektoren v1 und v2 aus V mit f(v1)=w1 und f(v2)=w2. Wir zeigen, dass w1+w2im(f) gilt. Dafür müssen wir einen Vektor aus V finden, der von f auf w1+w2 abgebildet wird. Es gilt:

w1+w2 f(v1)=w1 und f(v2)=w2= f(v1)+f(v2) f ist linear= f(v1+v2)

Wegen f(v1+v2)=w1+w2 und v1+v2V liegt w1+w2 im Bild von f.

Beweisschritt: Für alle wim(f) und für alle ρK gilt ρwim(f).

Sei wim(f) und ρK. Dann gibt es einen Vektor vV mit f(v)=w. Wir müssen zeigen, dass es einen Vektor in V gibt, der auf ρw abgebildet wird. Es gilt:

ρw w=f(v)= ρf(v) f ist linear= f(ρv)

Weil ρvV ist, gilt ρwim(f).

Bild und Surjektivität

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Wir wissen bereits, dass eine Abbildung f:VW genau dann surjektiv ist, wenn die Abbildung alle Elemente von W trifft. Formal heißt das: f:VW ist genau dann surjektiv, wenn im(f)=W. Wenn f eine lineare Abbildung ist, dann ist im(f) ein Untervektorraum von W. Ist zusätzlich W endlich-dimensional, dann ist f genau dann surjektiv, wenn dimW=dim(im(f)) gilt.

Beispiel

Die Identität id:22,(x,y)(x,y) ist eine lineare Abbildung. Sie ist surjektiv, da jedes Element (x,y)T2 das Urbild (x,y)T2 hat. Damit ist im(id)=2 und insbesondere dim(im(id))=2=dim(2).

Die Abbildung f:32,(x,y,z)(x,y) ist ebenfalls linear. Weiter hat jedes Element (x,y)T2 ein Urbild, beispielsweise (x,y,0)T3. Damit haben wir im(f)=2 gezeigt und f ist surjektiv. Es gilt dim(im(f))=2=dim(2).

Die Einbettung e:23,(x,y)(x,y,0) ist auch linear, aber nicht surjektiv. Der Vektor (0,0,1)T ist nicht in im(f)={(x,y,0)x,y} enthalten. Damit muss dim(im(e))<dim(3) gelten: Tatsächlich ist dim(im(e))=2<3=dim(3).

Manchmal ist es nützlich die Surjektivität von f zu zeigen, indem man dim(im(f))=dimW beweist.

Beispiel

Wir betrachten die lineare Abbildung f:32;(x,y,z)(2x7y+3z,2y3z) und fragen uns, ob f surjektiv ist. Wir wollen die Frage beantworten, indem wir die Dimension von im(f) bestimmen und diese mit dim(2)=2 vergleichen. Dafür suchen wir zunächst linear unabhängige Vektoren im Bild von f. Die Vektoren f((1,0,0)T)=(2,0)T und f((0,1,0T))=(7,2) sind linear unabhängig. Damit muss dim(im(f))2=dim(2) gelten. Nun ist im(f)2 und somit gilt auch dim(im(f))dim(2). Wir erhalten dim(im(f))=dim(2) und somit ist f surjektiv.

Der Zusammenhang von Bild und Erzeugendensystemen

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Wir haben im Artikel über Epimorphismen gesehen, dass eine lineare Abbildung f:VW genau dann Erzeugendensysteme von V erhält, wenn sie surjektiv ist. In diesem Fall erzeugt das Bild jedes Erzeugendensystems von V den ganzen Zielvektorraum W. Insbesondere erzeugt das Bild jedes Erzeugendensystems von V das Bild im(f) von f. Die letzte Aussage gilt auch für nicht-surjektive lineare Abbildungen:

Satz (Das Bild ist der Spann der Bilder eines Erzeugendensystems)

Sei f:VW eine lineare Abbildung zwischen zwei K-Vektorräumen V und W. Sei EV ein Erzeugendensystem von V. Dann gilt:

span(f(E))=im(f).

Beweis (Das Bild ist der Spann der Bilder eines Erzeugendensystems)

Wir zeigen die beiden Inklusionen.

Beweisschritt:

Sei wspan(f(E)). Dann gibt es n, b1,,bnf(E) und Koeffizienten λ1,,λnK, sodass

w=i=1nλibi.

Da die bi in f(E) liegen, existieren eiE mit f(ei)=bi für 1in. Dann gilt wegen der Linearität von f

w=i=1nλibi=i=1nλif(ei)=f(i=1nλiei)im(f).

Beweisschritt:

Sei wim(f). Dann gibt es ein vV mit f(v)=w. Da E ein Erzeugendensystem von V ist, gibt es ein n, e1,,enE und Koeffizienten λ1,,λnK, sodass

v=i=1nλiei.

Dann folgt wegen der Linearität von f:

w=f(v)=i=1nλif(ei)f(E)span(f(E)).

Bild und lineare Gleichungssysteme

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Sei A eine (n×m)-Matrix und bKn. Das dazugehörige lineare Gleichungssystem ist Ax=b. Wir können die Matrix A auch als eine lineare Abbildung fA:KmKn, xAx auffassen. Insbesondere ist das Bild im(fA) von fA eine Teilmenge von Kn.

Ist bim(fA), so gibt es ein x0Km, so dass fA(x0)=b gilt. Nach Definition von fA folgt Ax0=b. Das lineare Gleichungssystem Ax=b ist also lösbar. Wenn umgekehrt Ax=b lösbar ist, so existiert ein x0Km mit Ax0=b. Für dieses x0 gilt nun fA(x0)=b. Somit ist bim(fA).

Damit gibt uns das Bild ein Kriterium zur Lösbarkeit von linearen Gleichungssystemen: Ein lineares Gleichungssystem Ax=b ist genau dann lösbar, wenn b im Bild von fA liegt. Das Kriterium macht allerdings keine Aussage über die Eindeutigkeit von Lösungen. Dafür kann man den Kern nutzen.

Beispiele

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Wir wollen uns nun ansehen, wie man das Bild einer linearen Abbildung bestimmen kann.

Beispiel

Wir betrachten die lineare Abbildung

f:22,(x1x2)(x10).

Das ist eine Projektion auf die x-Achse. Intuitiv sollte also das Bild von f die x-Achse sein, d.h.

im(f)={(x0);x}.

Dies wollen wir jetzt beweisen:

Wenn (x1,x2)Tim(f) ist, dann gibt es (z1,z2)T2 mit (x1,x2)T=f((z1,z2)T)=(z1,0)T. Also ist x2=0.

Umgekehrt hat wegen f((x1,0)T)=(x1,0)T jeder Vektor der Form (x1,0)T ein Urbild unter f. Also liegt jeder solche Vektor in im(f).

Damit ist die Aussage bewiesen.

Beispiel

Sei K ein Körper. Wir betrachten die lineare Abbildung

f:K2K3,(xy)(x+yxy).


Wir wollen das Bild von f bestimmen. Dafür nutzen wir aus, dass {e1=(1,0)T,e2=(0,1)T} eine Basis von K2 ist – insbesondere also ein Erzeugendensystem. Wir haben im letzten Abschnitt gesehen, dass dann im(f)=span(f(e1),f(e2)) gilt.

Wir können diesen Raum explizit angeben, indem wir den Spann ausrechnen:

im(f)=span(f(e1),f(e2)) Definition des Spann einsetzen={λ(110)+μ(101);λ,μK} Zusammenrechnen={(λ+μλμ);λ,μK} λ durch x und μ durch y ersetzen={(yxxy);x,yK}

Nachdem wir zwei Beispiele in endlich-dimensionalen Vektorräumen betrachtet haben, können wir uns an ein Beispiel mit einem unendlich-dimensionalen Vektorraum wagen. Wir haben die gleiche Funktion bereits bei den Beispielen zur Bestimmung des Kerns einer linearen Abbildung kennengelernt.

Beispiel

Unser Ziel ist, das Bild der linearen Abbildung der Ableitung d von Polynomen über zu bestimmen. Die Menge {1,X,X2,X3,} ist eine Basis von [X]. Die Ableitungsfunktion d:[X][X] ist durch d(Xi):=iXi1 für alle i definiert.

Wir wollen nun wissen, ob d surjektiv ist. Dafür bemerken wir, dass d(1i+1Xi+1)=Xi für jedes i0 gilt. Damit wird jedes Basiselement von [X] getroffen. Also ist im(f)span(1,X,X2,)=[X] und d ist surjektiv.

Beim Lösen von linearen Gleichungssystemen werden wir viele weitere Beispiele sehen. Außerdem werden wir einen methodischen Lösungsweg für die Bestimmung von Bildern kennenlernen.

To-Do:

verlinken, sobald es geschrieben ist.

Lineare Abbildungen episch machen

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Wir wollen nun aus einer linearen Abbildung f:VW eine surjektive lineare Abbildung konstruieren. Wenn wir f als eine Abbildung von Mengen ansehen, wissen wir schon, wie wir dies erreichen können: Wir schränken das Ziel von f auf im(f) ein und erhalten die Abbildung f:Vim(f);vf(v). Wir müssen nur noch checken, dass f linear ist. Dies wissen wir aber, da im(f)W ein Untervektorraum von W ist. Alles, was wir noch tun müssen, um f surjektiv zu machen (also zu einem Epimorphismus) ist, das Ziel von f auf im(f) einzuschränken.

Diese Methode liefert uns auch einen Ansatz, wie wir Abbildungen zwischen anderen Strukturen surjektiv machen können: Wir müssen checken, dass die Einschränkung auf das Bild wieder die Struktur erhält. Beispielsweise können wir für einen Gruppenhomomorphismus φ:GH zeigen, dass im(φ) wieder eine Gruppe ist und φ:Gim(φ);gφ(g) wieder ein Gruppenhomomorphismus ist.

Ausblick: Wie surjektiv ist eine lineare Abbildung? – Der Kokern

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Im Kern-Artikel sehen wir, dass der Kern genau diejenige Information speichert, welche eine lineare Abbildung f:VW "verliert". Weiter ist f genau dann injektiv ist, wenn ker(f)=0 ist und der Kern stellt intuitiv ein Maß für die nicht-Injektivität von f dar.

Wir wollen jetzt ein ähnliches Maß für die Surjektivität von f konstruieren. Das Bild von f reicht hierfür nicht aus: Beispielsweise sind die Bilder von g:22;(x,y)T(x,y)T und h:23;(x,y)(x,y,0) isomorph, aber g ist surjektiv und h ist es nicht. Allein aus dem Bild lassen sich keine Rückschlüsse darauf ziehen, ob f surjektiv ist, denn die Surjektivität hängt auch vom Zielraum W ab. Um die "Nicht-Surjektivität" zu messen, benötigen wir hingegen einen Vektorraum, der den Anteil von W misst, welcher von f nicht getroffen wird.

Der Raum im(f) enthält die Information, welche Vektoren von f getroffen werden. Ziel ist es, aus W "diese Information zu entfernen". Dieses "Entfernen von Informationen" haben wir im Artikel zum Faktorraum bereits durch die Konstruktion eines Raums W/im(f) realisiert. Diesen Raum W/im(f) nennen wir den Kokern von f. Er eignet sich tatsächlich für die Charakterisierung der "Nicht-Surjektivität" von f, denn W/im(f) ist genau dann gleich dem Nullraum {0}, wenn f surjektiv ist: Ein Vektor in W, der nicht von f getroffen wird, liefert ein nichttriviales Element in W/im(f) und umgekehrt liefert ein nichttriviales Element in W/im(f) ein Element in W, welches nicht von f getroffen wird.

Der Kokern misst sogar, wie nicht-surjektiv f genau ist: Wenn W/im(f) größer ist, werden mehr Vektoren von W nicht getroffen. Wenn W endlichdimensional ist, können wir die Größe von W/im(f) mit Hilfe der Dimension messen. Damit ist dim(W/im(f))=dim(W)dim(im(f)) eine Zahl, mit der wir die Nicht-Surjektivität von f beziffern können. Diese Zahl erlaubt im Gegensatz zu W/im(f) allerdings keine Rekonstruktion der genauen Vektoren angibt, die nicht von f getroffen werden.

Aufgaben

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Aufgabe (Zuordnung von Abbildung und Bild)

Wir betrachten die folgenden vier Unterräume vom Vektorraum 2, gegeben als Bilder der linearen Abbildungen

  1. f:22, (x,y)T(2(x+y),x3y)T
  2. g:22, (x,y)T(x,2x)T
  3. h:22, (x,y)T(3(xy),(xy))T
  4. k:22, (x,y)T(x,0)T


Ordne diese vier Unterräume den Unterräumen U1,U2,U3,U4 auf den Abbildungen unten zu.

Lösung (Zuordnung von Abbildung und Bild)

Zuerst suchen wir das Bild von f: Um im(f) zu finden, können wir einen Satz von oben anwenden: Wenn E ein Erzeugendensystem von 2 ist, dann gilt im(f)=span(f(E)). Wir nehmen die Standardbasis {(1,0)T,(0,1)T} als Erzeugendensystem des 2. Dann gilt

im(f)=span(f(10),f(01)).

Wenden wir nun f auf die Standardbasis an.:

f(10)=(21)f(01)=(23)

Die Vektoren (2,1)T,(2,3)T erzeugen das Bild von f. Außerdem sind sie linear unabhängig und damit eine Basis von 2. Deshalb ist im(f)=2. Also im(f)=U3.


Als nächstes wollen wir das Bild von g finden. Es ist aber auch möglich, das Bild im(g) direkt per Definition auszurechnen, was wir hier demonstrieren werden.

im(g)={g(xy)(xy)2}={(x2x)(xy)2}={x(12)(xy)2} Die linke Seite hängt nicht von y ab={x(12)x}=span((12))

Also wird das Bild von g von dem Vektor (1,2)T aufgespannt. Somit ist im(g)=U1.


Nun bestimmen wir das Bild von h z.B. mit der gleichen Methode wie bei f. Das bedeutet, wir wenden h auf die Standardbasis an.

h(10)=(31)h(01)=(31)

Beide Vektoren sind linear abhängig. Also folgt im(h)=span((3,1)T) und somit im(h)=U2.


Als letztes bestimmen wir noch das Bild von k. Dazu gehen wir beispielsweise vor wie bei g.

im(k)={k(xy)(xy)2}={(x0)(xy)2}={x(10)(xy)2} Die linke Seite hängt nicht von y ab={x(10)x}=span((10))

Das Bild von k wird also vom Vektor (1,0)T aufgespannt. Somit ist im(k) die x-Achse, also im(k)=U4.

Aufgabe (Surjektivität und Dimension von V und W)

Seien V und W zwei endlichdimensionale Vektorräume. Zeige, dass es genau dann eine surjektive lineare Abbildung f:VW gibt, wenn dim(V)dim(W) gilt.

Wie kommt man auf den Beweis? (Surjektivität und Dimension von V und W)

Wir wollen die Dimensionen von V und W gegeneinander abschätzen. Die Dimension ist über die Kardinalität einer Basis definiert. Das heißt, wenn b1,,bn eine Basis von V und c1,,cm eine Basis von W ist, müssen wir zeigen, dass nm genau dann gilt, wenn eine surjektive lineare Abbildung existiert. "Genau dann wenn" bedeutet, dass zwei Richtungen zu zeigen sind.

Wenn wir eine surjektive lineare Abbildung f:VW haben, müssen wir zeigen, dass die Dimension von V mindestens m ist. Nun sind Basen maximal linear unabhängige Teilmengen. Das heißt, um die Dimension nach unten abzuschätzen müssen wir eine linear unabhängige Teilmenge mit m Elemente konstruieren. Im Bild haben wir bereits eine m-elementige, linear unabhängige Teilmenge gegeben: die Basis c1,,cm. Weil f surjektiv ist, können wir diese zu Vektoren ĉ1,,ĉmV mit f(ĉi)=ci liften. Nun müssen wir überprüfen, dass ĉ1,,ĉm in V linear unabhängig sind. Dies sehen wir, indem wir eine Linearkombination λ1ĉ1+λmĉm=0 mit f in eine Linearkombination 0=f(λ1ĉ1+λmĉm)=λ1c1+λmcm überführen und die lineare Unabhängigkeit von c1,,cm ausnutzen.

Wenn umgekehrt nm gilt, müssen wir eine surjektive lineare Abbildung f:VW konstruieren. Nach dem Prinzip der linearen Fortsetzung können wir die lineare Abbildung f konstruieren, indem wir angeben, was f auf einer Basis von V macht. Dafür brauchen wir Elemente von W, auf die wir b1,,bn schicken können. Wir haben oben schon eine Basis von W gewählt. Daher bietet es sich an, f wie folgt zu definieren:

f(bi)={ciim0i>m

Dann wird das Bild von f durch die Vektoren f(b1)=c1,,f(bm)=cm,f(bm+1)=0,,f(bm)=0 aufgespannt. Diese Vektoren spannen jedoch auch ganz W auf und somit ist f surjektiv.

Lösung (Surjektivität und Dimension von V und W)

Beweisschritt: ""

Angenommen, es gebe eine geeignete surjektive Abbildung f. Wir zeigen, dass die Dimension von im(f)=f(V) nicht größer sein kann als die Dimension von V (das gilt für jede lineare Abbildung). Wegen der Surjektivität von f folgt, dass dim(V)dim(im(f))=dim(W).

Seien also w1,,wnim(f) linear unabhängig. Es gibt v1,,vnV mit f(vi)=wi für i{1,,n}. Wir zeigen, dass v1,,vn ebenfalls linear unabhängig sind: Seien λ1,,λnK mit i=1nλivi=0. Dann gilt auch

0=f(i=1nλivi)=i=1nλif(vi)=i=1nλiwi,

woraus wegen der linearen Unabhängigkeit der w1,,wn folgt, dass λ1==λn=0. Also sind auch v1,,vn linear unabhängig. Insgesamt haben wir also gezeigt:

w1,,wnim(f) linear unabhängigv1,,vn linear unabhängig für jede Wahl von Urbildern vif1(wi).

Insbesondere gilt, dass eine Basis von V (eine maximale linear unabhängige Teilmenge von V) mindestens so viele Elemente enthalten muss wie eine Basis von im(f), also dim(V)dim(im(f)).

Beweisschritt: ""

Es gelte umgekehrt dim(V)dim(W). Wir benutzen, dass eine lineare Abbildung durch die Bilder der Basisvektoren schon eindeutig bestimmt ist. Sei {v1,,vm} eine Basis von V und {w1,,wn} eine Basis von W. Definiere die gesuchte surjektive lineare Abbildung f:VW durch

f(vi)={wi falls in0 sonst.

Das geht, da nach Annahme mn gilt. Die so konstruierte Abbildung ist surjektiv, da per Konstruktion {w1,,wn}im(f) gilt. Da das Bild von f ein Unterraum von W ist, liegt auch der von diesen Vektoren erzeugte Unterraum, also W, im Bild von f. Dementsprechend gilt Wim(f)W und f ist surjektiv.

Aufgabe (Bild einer Matrix)

  1. Betrachte die Matrix (1,2)1×2 und die davon induzierte Abbildung f:2,x(1,2)x. Was ist das Bild im(f)?
  2. Sei nun A=(a1,,am)Kn×m eine beliebige Matrix über einem Körper K, wobei a1,,amKn die Spalten von A bezeichnen. Betrachte die davon induzierte Abbildung fA:KmKn,xAx. Zeige, dass im(fA)=span{a1,,am} gilt. Das Bild einer Matrix ist also der Spann ihrer Spalten.

Lösung (Bild einer Matrix)

Lösung Teilaufgabe 1:

Wir wissen, dass das Bild im(f) der linearen Abbildung f ein Unterraum von ist. Da der -Vektorraum die Dimension 1 hat, kann ein Unterraum nur die Dimension 0 oder 1 haben. Im ersten Fall ist der Unterraum der Nullvektorraum, in zweiten Fall ist er schon ganz . Also hat nur die beiden Untervektorräume {0} und . Da (1,2)(1,0)T=10 gilt, ist im(f){0}. Damit muss im(f)= sein.

Lösung Teilaufgabe 2:

Beweisschritt: ""

Sei yim(fA). Dann gibt es x=(x1,,xm)TKm mit Ax=y. Wir können x schreiben als x=i=1mxiei. Setzen wir das in die Gleichung Ax=y ein, erhalten wir

y=Ax x=i=1mxiei=A(i=1mxiei) Anwenden von A ist linear=i=1mxiAei Aei=ai, die i-te Spalte von A=i=1mxiai.

Da i=1mxiaispan{a1,,an}, folgt yspan{a1,,an}.

Beweisschritt: ""

Sei y=i=1myiaispan(fA) mit yiK für i=1,,m. Wir wollen xKm finden mit Ax=y. Wir definieren x:=i=1myiei. Dieselbe Rechnung wie im ersten Beweisschritt zeigt dann

Ax=A(i=1myiei)=i=1myiAei=i=1myiai=y.