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Dualraum – „Mathe für Nicht-Freaks“

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Wir haben bereits den Vektorraum der linearen Abbildungen HomK(V,W) zwischen zwei K-Vektorräumen V und W kennengelernt. Wir werden hier nun den Fall betrachten, dass der Vektorraum W dem Körper K entspricht.

Motivation

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Betrachten wir folgendes Beispiel: Wir möchten Äpfel und Birnen kaufen. Ein Apfel kostet 2€ und eine Birne 3€. Wenn x die Anzahl der Äpfel und y die Anzahl der Birnen bezeichnen, wie viel müssen wir insgesamt bezahlen? Die Formel des Gesamtpreises ist 2x+3y. Diese Gleichung können wir als -lineare Abbildung

P:2,(x,y)2x+3y

auffassen. Nehmen wir an, dass die Preise sich um die Hälfte erhöhen. Um die Formel zu erhalten, die den neuen Gesamtpreis angibt, müssen wir die alte Formel mit 32 multiplizieren. Die Formel, die diesen Preis angibt, würde dann 32(2x+3y)=3x+92y lauten. Die zugehörige lineare Abbildung ist

Q:2,(x,y)3x+92y.

Wir sehen, dass Q(x,y)=32P(x,y). Angenommen stattdessen steigt der Preis der Äpfel um 2€ und Preis der Birnen um 4€. Die entsprechende Formel für den Gesamtpreis erhalten wir durch Addition 2x+4y auf die ursprüngliche Formel, das heißt (2x+3y)+(2x+4y)=4x+7y. Das kann wie folgt als Addition linearer Abbildungen aufgefasst werden. Wir definieren R,S:2 durch R(x,y)=2x+4y und S(x,y)=4x+7y. Dann gilt (P+R)(x,y)=P(x,y)+R(x,y)=S(x,y). Wir haben in diesem Beispiel also lineare Abbildungen von 2 nach addiert und mit Skalaren multipliziert.

Wir haben also lineare Abbildungen von 2, die den Gesamtpreis angeben. Eine solche Abbildung ordnet jedem Vektor einen Wert, nämlich den Preis, zu. Wir können sagen, dass die Abbildung diese Vektoren misst. Deshalb nennen wir lineare Abbildungen von 2 nach lineare Messfunktionen. Wir haben oben gesehen, dass Summen und skalare Vielfache von solchen Abbildungen wieder lineare Abbildungen sind. In anderen Worten sind Linearkombinationen von linearen Messabbildungen wieder lineare Messabbildungen. Es gibt also eine Vektorraumstruktur auf den linearen Messabbildungen von 2.

Wie sieht es bei anderen Vektorräumen aus? Betrachten wir den -Vektorraum [x]n der komplexen Polynome vom Grad höchstens n. Hier gibt es eine Reihe von einfachen Messabbildungen. Diese können zum Beispiel einem Polynom p seinen Wert an einem Punkt a zuordnen

evala:[x]n,pp(a).

Alternativ kann man einem Polynom den Wert seiner Ableitung im Punkt a zuordnen

Da:[x]n,pp(a).

Da die Koeffizienten von Polynomen Skalare sind, können wir sie benutzen um weitere Messabbildungen zu definieren. Betrachte zum Beispiel für p=anxn++a1x+a0 die Abbildungen f,g:[x]n definiert durch f(p)=an++a1 und g(p)=a0. Dann gilt (f+g)(p)=f(p)+g(p)=an++a1+a0=p(1)=eval1(p). Wir sehen auch hier, dass Summen von Messabbildungen wieder Messabbildungen sind.

Allgemein kann man auch über einem beliebigen K-Vektorraum V den Raum der linearen Messabbildungen VK betrachen. Wir werden sehen, dass dieser, wie in den Beispielen zuvor, ein Vektorraum ist. Diesen nennt man den Dualraum von V.

Definition

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Definition (Dualraum)

Sei V ein Vektorraum über einem Körper K. Dann heißt der Raum der linearen Abbildungen V:=HomK(V,K) zwischen den K-Vektorräumen V und K Dualraum von V.

Der folgende Satz besagt, dass der Dualraum ein Vektorraum ist.

Satz (V ist ein Vektorraum)

Sei V ein Vektorraum über einem Körper K. Dann ist V mit den beiden Verknüpfungen

+:V×VV(f,g)f+g, wobei (f+g)(v):=f(v)+g(v) für alle vV,

und

:K×VV(λ,f)λf, wobei (λf)(v):=λf(v) für alle vV,

ein K-Vektorraum.

Beweis (V ist ein Vektorraum)

Wir wissen aus dem Artikel über Funktionenräume, dass für K-Vektorräume V und W auch HomK(V,W) ein K-Vektorraum ist. Da K ein K-Vektorraum ist, ist für jeden K-Vektorraum V auch V=HomK(V,K) ein K-Vektorraum.

Beispiele für Vektoren im Dualraum

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Beispiel (Charakterisierung von (2))

Der Dualraum von 2 ist der Vektorraum aller linearen Abbildungen von 2 nach . Jede solche lineare Abbildung f(2) ist durch Multiplikation mit einer (1x2)-Matrix, der darstellenden Matrix, gegeben und ist also von der Form

f:2,(xy)(ab)(xy)=ax+by

für gewisse a,b. Also werden die Elemente im Dualraum von 2 durch lineare Gleichungen der Form f(x,y)=ax+by beschrieben.

Allgemeiner ist ein Element von (n) durch eine (1xn)-Matrix (a1an) bzw. eine lineare Gleichung der Form f(x1,,xn)=a1x1++anxn mit Koeffizienten ai gegeben.

Beispiel (Limes von konvergenten Folgen)

Sei c der Raum der konvergenten Folgen (xn)n. Weil Summen und skalare Vielfache konvergenter Folgen wieder konvergente Folgen sind, ist c ein -Vektorraum. Einen Beweis der Vektorraumeigenschaften kannst Du hier nachlesen.

Wir betrachten die Abbildung f:c,(xn)nlimnxn, die eine Folge auf ihren Grenzwert schickt. So ist z.B. f((1)n)=limn1=1 oder f((1n)n)=limn(1n)=0. Aus den Eigenschaften des Grenzwertes wissen wir, dass

limn(an+bn)=limnan+limnbn und limnλan=λlimnan

für alle konvergenten Folgen (an)n,(bn)nc und Skalare λ gilt. Daraus folgt, dass f eine lineare Abbildung und damit gilt fc.

Beispiel (Polynomraum und Auswertungsabbildung)

Sei K ein Körper. Wir betrachten den Polynomring K[X] als K-Vektorraum. Für ein λK definieren wir die Abbildung

evalλ:K[X]K,PP(λ),

die ein Polynom an der Stelle λ auswertet. Zum Beispiel ist eval1(x21)=121=0 und eval0(x21)=021=1.

Wir rechnen nach, dass diese Abbildung K-linear, also ein Element von K[X] ist:

Für P,QK[X] und kK gilt:

evalλ(P+kQ)=(P+kQ)(λ)=P(λ)+kQ(λ)=evalλ(P)+kevalλ(Q).

Beispiel (Ableitung)

Sei C1() der Raum der einmal stetig-differenzierbaren Funktionen . Sei x fest und betrachte die Abbildung

x:C1(),ff(x)

die eine differenzierbare Funktion auf ihre Ableitung im Punkt x schickt. Zum Beispiel ist für x=0 der Wert der Abbildung in f(t)=t21 gegeben durch

0(f)=f(0)=(2t)|t=0=0.

Wir rechnen nach, dass die Abbildung x (für festes x) linear ist: Für f,gC1() und λ gilt

x(f+λg)=(f+λg)(x)=f(x)+λg(x)=x(f)+λx(g).

Dies folgt aus den Eigenschaften der Ableitung. Also ist x ein Element von C1().

Beispiel (Integral)

Sei C0([0,1]) der Raum der stetigen Funktionen [0,1]. Betrachte die Abbildung

I:C0([0,1]),f01f(x)dx

die eine auf [0,1] stetige Funktion auf ihr Integral schickt. Zum Beispiel ist für f(x)=x21

I(f)=01x21dx=[13x3x]x=01=(131)0=23.

Wir rechnen nach, dass die Abbildung I linear ist: Für f,gC0([0,1]) und λ gilt

I(f+λg)=01f(x)+g(x)dx=01f(x)dx+01g(x)dx=I(f)+λI(g).

Dies folgt aus bekannten Eigenschaften des Integrals. Also ist I ein Element von C0([0,1]).

Duale Basis

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Wir wissen nun, was der Dualraum V eines K-Vektorraums V ist: Er besteht aus allen linearen Abbildungen von V nach K. Intuitiv können wir diese Abbildungen als lineare Abbildungen auffassen, die Vektoren aus V messen. Deshalb nennen wir Elemente des Dualraums V in diesem Artikel manchmal "(lineare) Messfunktionen".

Motiviert durch diese intuitive Vorstellung von "Messungen" fragen wir uns: Gibt es eine Teilmenge MV von Messfunktionen, mit der sich Vektoren eindeutig bestimmen lassen? Das heißt, gibt es eine Teilmenge M, sodass wir für jede Wahl von Vektoren v,wV mit vw eine Messfunktion fM mit f(v)f(w) finden?

Wir überlegen uns zuerst an einem Beispiel, was das bedeutet:

Beispiel (Eindeutiges Bestimmen von Vektoren durch Messfunktionen)

Betrachten wir V=2. Dann ist der Dualraum V der Vektorraum aller linearen Abbildungen 2. Betrachte die linearen Abbildungen f,g,hV mit

f(x,y)=2xy,g(x,y)=12yx,h(x,y)=y.

Falls M={f}, können wir Vektoren damit nicht eindeutig bestimmen: Für v=(1,1) und w=(0,1) gilt zwar vw, aber f(v)=21=1=0(1)=f(w).

Auch mit den Messfunktionen in M={f,g} lassen sich (1,1) und (0,1) nicht unterscheiden: Es ist auch g(1,1)=12=g(0,1).

Betrachten wir aber stattdessen die Teilmenge von Messfunktionen M={f,h}, dann sind Vektoren in 2 durch die Messungen in M eindeutig bestimmt: Seien v=(x,y) und w=(x,y) beliebige Vektoren mit vw. Angenommen, es gilt f(v)=f(w) und h(v)=h(w). Aus h(v)=h(w) folgt y=y. Zusammen mit 2xy=f(v)=f(w)=2xy würde dann auch 2x=2x, also x=x folgen. Somit wäre v=w, was ein Widerspruch zu unserer Annahme ist. Also gilt f(v)f(w) oder h(v)h(w) (oder beides). Also liefert für jede Wahl von verschiedenen Vektoren in v,w2 mindestens eine der beiden Messungen in M unterschiedliche Werte für v und w. Vektoren sind also durch die Messungen in M eindeutig bestimmt.

In der kontraponierten Form lautet unsere Frage: Gibt es eine Teilmenge MV, sodass für alle Vektoren v,wV gilt: Wenn f(v)=f(w) für alle Messungen fM gilt, dann muss v=w sein.

Wir versuchen, diese Frage erstmal im Kn zu beantworten.

Messfunktionen zum eindeutigen Bestimmen von Vektoren

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Ein Vektor v=(v1,,vn)Kn ist durch seine Einträge vi eindeutig bestimmt. Wenn wir also Messfunktionen aus (Kn) so auswählen, dass ihre Werte uns die Einträge eines Vektors liefern, haben wir sichergestellt, dass ein Vektor durch diese Werte schon eindeutig bestimmt ist. Betrachten wir also für i{1,,n} die Abbildungen

fi:KnK,x=(x1,,xn)xi.

Man kann überprüfen, dass die Abbildungen fi linear sind. Außerdem gilt fi(v)=vi für jedes i. Die Abbildung fi liefert also den iten Eintrag von Vektoren in Kn. Ein Vektor vKn ist durch die Werte der fi schon eindeutig bestimmt: Angenommen wir haben Vektoren v=(v1,,vn) und w=(w1,,wn) in Kn mit gleichen Funktionswerten unter den fi, also mit fi(v)=fi(w) für alle i. Dann gilt vi=fi(v)=fi(w)=wi für alle i und damit v=w. Also gilt: Sind v,wKn mit fi(v)=fi(w) für alle i, dann folgt v=w.

Es ist intuitiv auch klar, dass wir keine der Messfunktionen fi weglassen können, um einen Vektor durch die Werte eindeutig zu bestimmen. Lassen wir zum Beispiel die fj weg, j{1,,n}, dann gilt für

v=(0,,0) und w=(0,,0,1jte Position,0,,0)

zwar fi(v)=0=fi(w) für alle Messfunktionen mit ij, aber es ist vw. Die Messfunktionen fi mit ij bestimmen einen Vektor also nicht mehr eindeutig.

Wir haben mit den fi mit i=1,n eine Menge an Messfunktionen gefunden, die Vektoren aus Kn eindeutig bestimmen und die minimal ist, weil wir keine der Funktionen weglassen können.

Können wir diese Überlegungen auf einen allgemeinen Vektorraum V verallgemeinern? Im Kn haben wir benutzt, dass ein Vektor v=(v1,,vn)Kn durch seine Einträge vi eindeutig bestimmt ist. Die vi sind aber gerade die Koordinaten von v bezüglich der Standardbasis {e1,,en}Kn: Es gilt

v=v1e1++vnen.

In einem allgemeinen Vektorraum V haben wir keine Standardbasis. Sobald wir aber eine Basis B gewählt haben, können wir genauso wie im Kn von den Koordinaten eines Vektors bzgl. B sprechen. So wie im Kn mit der Standardbasis, so ist dann auch in V mit der gewählten Basis B ein Vektor vV durch seine Koordinaten bzgl. B eindeutig bestimmt. Sobald wir also eine Basis gewählt haben, können wir versuchen, genauso wie im Kn vorzugehen.

Wir nehmen im Folgenden an, dass V endlichdimensional ist, d.h. dimV=n<. Sei B={b1,,bn} eine Basis von V. Dann ist jeder Vektor vV von der Form

v=a1b1++anbn

mit eindeutig bestimmten Koordinaten a1,,anK. Analog zum Kn definieren wir nun für i{1,,n} die linearen Messfunktionen in V

fi:VK,v=a1b1++anbnai.

Eine der Messfunktionen fi bestimmt also gerade die ite Koordinate von Vektoren bzgl. der Basis B. Es gilt also

v=f1(v)b1+f2(v)b2++fn(v)bn.

für jeden Vektor vV.

Warnung

Beachte, dass die Definition der fi von der gewählten Basis B abhängt.

Weil Vektoren in V durch ihre Koordinaten schon eindeutig bestimmt sind, sind Vektoren durch die Werte der fi schon eindeutig bestimmt. Mit anderen Worten, es gilt für alle v,wV

f1(v)=f1(w),f2(v)=f2(w),,fn(v)=fn(w)i=1nfi(v)bi=v=i=1nfi(w)bi=wv=w.

Aus demselben Grund wie bei Kn kann man auf keines der fi verzichten: Fehlt die jte Messfunktion fj, i{1,,n}, dann lassen sich Vektoren, deren jte Koordinate bzgl. B verschieden ist, nicht mehr unterscheiden.

Frage: Welche zwei Vektoren kann man hier wählen?

Wir wählen ein Beispiel analog zum Kn und setzen

v=0b1++0bj1+1bj+0bj+1++0bn=bj

und

w=0b1++0bn=0V.

Dann gilt fi(v)=0K=fi(w) für alle i{1,,j1,j+1,,n}, aber vw. Lässt man die jte Messfunktion weg, sind Vektoren also nicht mehr eindeutig durch die Funktionswerte der fi bestimmt.

Die Messfunktionen bilden eine Basis

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Sei V ein Vektorraum mit gewählter Basis B={b1,,bn} und seien die fi definiert wie oben. Will man Vektoren durch die Werte der fi eindeutig bestimmen, kann auf keines der fi verzichten. Der Grund dafür ist, dass man das Ergebnis einer Messung fj(v) (die jte Koordinate von v bzgl. B) nicht aus den anderen Messungen kombinieren kann. Wir können also keine der Messfunktionen fj als Linearkombination der anderen fi (ij) darstellen. Mit anderen Worten, die Messfunktionen fi sind linear unabhängig.

Auf der anderen Seite verraten uns die Werte der fi bereits alles, was es über einen Vektor vV zu wissen gibt: Seine Koordinaten bzgl. der gewählten Basis B. Lassen sich alle anderen Messfunktionen aus V deshalb aus den f1,,fn kombinieren? Eine beliebige Messfunktion g:VK aus V ist nach dem Prinzip der linearen Fortsetzung schon durch ihre Werte auf den Basisvektoren b1,,bn eindeutig bestimmt. Für i{1,,n} seien λi=g(bi)K diese Werte. Ferner gilt fi(bi)=1 und fi(bj)=0 für ji und alle i{1,,n}. Durch Einsetzen der bi erhalten wir, dass

g=λ1f1++λnfn

die gleichen Werte auf den Basisvektoren annehmen. Nach dem Prinzip der linearen Fortsetzung sind die beiden linearen Abbildungen also gleich. Also lässt sich jedes gV als Linearkombination der fi schreiben. Das bedeutet, die Messfunktionen fi bilden ein Erzeugendensystem von V.

Also ist {f1,,fn}V eine Basis des Dualraums und wir können den folgenden Satz beweisen:

Satz (Existenz der dualen Basis)

Sei V ein endlichdimensionaler Vektorraum und B={b1,,bn} eine Basis von V. Dann existiert eine eindeutige Basis B={f1,,fn} von V, sodass

fi(bj)={1falls i=j0sonst

für alle i,j{1,,n} gilt.

Beweis (Existenz der dualen Basis)

Beweisschritt: Existenz und Eindeutigkeit der fi.

Nach dem Prinzip der linearen Fortsetzung existieren die linearen Abbildungen fi und sind durch die Vorgabe der Werte auf den Basisvektoren von V eindeutig bestimmt.

Beweisschritt: Die fi sind linear unabhängig.

Seien λ1,,λnK mit i=1nλifi=0V. Sei i{1,,n}. Wegen fi(bi)=1 und fj(bi)=0 für ji erhalten wir durch Einsetzen von bi

0K=0V(bi)=(i=1nλifi)(bi)=i=1nλifi(bi)=λi.

Weil i{1,,n} beliebig war, folgt λ1==λn=0K.

Beweisschritt: Die fi bilden ein Erzeugendensystem.

Sei fV beliebig. Für i{1,,n} definieren wir λi=f(bi)K und setzen g=i=1nλifi. Dann folgt wie im Beweis der linearen Unabhängigkeit

g(bi)=(i=1nλifi)(bi)=i=1nλifi(bi)=λi

für jedes i{1,,n}. Weil f(bi)=g(bi) für alle i gilt und eine lineare Abbildung durch die Bilder der Basisvektoren schon eindeutig bestimmt ist, folgt f=gspan{f1,,fn}. Also bilden die fi ein Erzeugendensystem.

Die eindeutig bestimmte Basis B nennen wir die zu B duale Basis und schreiben auch bi=fi für die Basisvektoren.

Definition (Duale Basis)

Sei V ein endlichdimensionaler Vektorraum mit Basis B={b1,,bn}. Die eindeutig bestimmte Basis B={b1,,bn} mit

bi(bj)={1falls i=j0sonst

heißt die zu B duale Basis.

Warnung

Beachte, dass B von der auf V gewählten Basis abhängt. Man kann außerdem nicht einzelne Vektoren aus V "dualisieren".

Was passiert im Unendlichdimensionalen?

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Oben haben wir nur den Fall dimV< betrachtet. Können wir genauso vorgehen, wenn V Unendlichdimensional ist? Um die Messfunktionen fi zu definieren, müssen wir erst eine Basis von V wählen. Sei also B={biiI}V eine Basis von V, wobei I eine (unendliche) Indexmenge ist. Das Prinzip der linearen Fortsetzung gilt auch im Unendlichdimensionalen: Für vorgegebene Werte λiK, iI, gibt es genau eine lineare Abbildung f:VK mit f(bi)=λi für alle iI. Wir können also genau wie im Endlichdimensionalen für iI die Abbildung fi:VK durch die Vorschrift

fi(bj)={1,j=i0,ji

definieren.

Man kann zeigen, dass dann {fiiI} auch im Unendlichdimensionalen eine linear unabhängige Teilmenge von V ist. Der Beweis ist analog zum Beweis der linearen Unabhängigkeit im Satz zur dualen Basis.

Im Unendlichdimensionalen kann aber {fiiI} kein Erzeugendensystem von V sein: Man kann die Funktion

h:VK,bi1 für alle iI,

die den Wert 1 auf allen Basisvektoren annimmt, nicht als endliche Linearkombination der fi darstellen.

Im Unendlichdimensionalen ist die "duale Basis" {fiiI} also keine Basis des Dualraums.

Aufgaben

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Aufgabe (Duale Basisvektoren und ihre Kerne bestimmen)

Sei V ein endlichdimensionaler Vektorraum und sei vV mit v0. Zeige, dass es ein fV gibt mit f(v)0.

Beim Herleiten der dualen Basis haben wir uns von der Idee leiten lassen, dass Vektoren in V durch die "Messungen" in V unterscheidbar sein sollen. In dieser Aufgabe überzeugen wir uns davon: Wir finden immer eine Messung fV, für die f(0V)=0 (das gilt für jede lineare Abbildung), aber f(v)0 gilt. Wir finden also ein Element im Dualraum, mit welchem wir v und den Nullvektor unterscheiden können.

Wie kommt man auf den Beweis? (Duale Basisvektoren und ihre Kerne bestimmen)

Wir müssen eine lineare Abbildung f:VK konstruieren. Das ist genau ein Element von V. Nach dem Prinzip der linearen Fortsetzung, können wir lineare Abbildungen konstruieren, indem wir angeben, was sie auf einer Basis tun. Um das zu nutzen, ist es praktisch eine Basis von V zu haben. Noch praktischer ist es, eine Basis von V zu haben, die v als Basisvektor enthält.

Eine solche Basis können wir mithilfe des Basisergänzungssatzes konstruieren: Nach dem Basisergänzungssatz hat V eine Basis b1,,bn mit b1=v. Damit können wir mit dem Prinzip der linearen Fortsetzung eine lineare Abbildung konstruieren, die b1=v nicht auf 0 schickt. Zum Beispiel können wir das f:VK wählen, das alle b1 auf 1 schickt und bi für i=2,,n auf 0.

Das ist genau der duale Basisvektor b1 der dualen Basis zu b1,,bn.

Lösung (Duale Basisvektoren und ihre Kerne bestimmen)

Laut dem Basisergänzungssatz, existiert eine Basis B={b1,,bn} mit b1=v. Aus der Definition der dualen Basis erhalten wir, dass der duale Basisvektor b1 von B die Eigenschaft b1(v)=b1(b1)=10 hat. Somit erfüllt f=b1 die gewünschte Bedingung.

Aufgabe (Duale Basis bestimmen)

  1. Betrachte die Basis B1={(201),(011),(112)} von 3. Bestimme die zu B1 duale Basis B1={v1,v2,v3}, d.h. bestimme für 1i3 die explizite Funktionsvorschrift
    vi:3,(xyz)vi((xyz)).
  2. Betrachte die Basis B2={t3+t2,t2,t2t,1} von [t]3. Bestimme die zu B2 duale Basis B2={p1,,p4}, d.h. bestimme für 1i4 die explizite Funktionsvorschrift
    pi:[t]3,a3t3+a2t2+a1t+a0pi(a3t3+a2t2+a1t+a0).
  3. Betrachte die Basis B3={(1000),(0110),(0110),(1111)} von 2×2. Bestimme die zu B3 duale Basis B3={M1,,M4}, d.h. bestimme für 1i4 die explizite Funktionsvorschrift
    Mi:2×2,(abcd)Mi((abcd)).

Lösung (Duale Basis bestimmen)

Lösung Teilaufgabe 1:

Setze v1=(2,0,1)T, v2=(0,1,1)T und v3=(1,1,2)T. Wir suchen lineare Abbildungen v1,v2,v3:3, deren Werte wir nur auf den Basisvektoren vi kennen. Wir müssen vi((x,y,z)T) für allgemeine x,y,z definieren.

Per Definition der dualen Basis kennen wir schon die Funktionswerte jedes vi auf den Basisvektoren in B1. Nach dem Prinzip der linearen Fortsetzung können wir daraus alle Funktionswerte bestimmen: Weil B1 eine Basis ist, gibt es für jedes (x,y,z)T3 Koordinaten a,b,c sodass (x,y,z)T=av1+bv2+cv3. Mithilfe der Linearität folgt

vi((x,y,z)T)=vi(av1+bv2+cv3)=avi(v1)+bvi(v2)+cvi(v3).

Die Werte vi(vj) kennen wir per Definition der dualen Basis. Wir müssen also nurnoch die Koordinaten eines beliebigen Vektors (x,y,z)T bzgl. B1 bestimmen. Danach können wir die vi hinschreiben.

Beweisschritt: Koordinaten eines beliebigen Vektors (x,y,z)T bzgl. B1 bestimmen

Wir wollen die Koordinaten bzgl. B1 von einem beliebigen Vektor (x,y,z)T bestimmen. Seien also x,y,z. Wir schreiben

(xyz)=x(100)+y(010)+z(001)=xe1+ye2+ze3.

Die Koordinaten von (x,y,z)T bzgl. der Standardbasis Bst={e1,e2,e3} sind also einfach x, y und z. Wenn wir kBst für die Koordinatenabbildung schreiben, bedeutet das

kBst((xyz))=(xyz).

Wir können diese in Koordinaten a,b,c bzgl. B1 umrechnen, indem wir den Koordinatenvektor bzgl. Bst von links mit der Basisübergangsmatrix TB1Bst von Bst nach B1 multiplizieren. Es gilt also

(abc)=TB1Bst(xyz).

Um die Basisübergangsmatrix TB1Bst zu bestimmen, berechnen wir die Koordinaten der Standardbasisvektoren e1,e2,e3 bzgl. B1. Diese bilden die Spalten von TB1Bst.

Wir beginnen mit e1: Wir suchen a1,b1,c1 sodass

a1v1+b1v2+c1v3=a1(201)+b1(011)+c1(112)=(100)

gilt. Wir lösen also das lineare Gleichungssystem

2a1+c1=1b1+c1=0a1+b1+2c1=0

und erhalten a1=1, b1=1 und c1=1. Genauso bestimmen wir die Koordinaten a2=1,b2=3,c2=2 von e2 bzgl. B1 und die Koordinaten a3=1,b3=2,c3=2 von e3 bzgl. B1. Also gilt

TB1Bst=(a1a2a3b1b2b3c1c2c3)=(111132122).

Beachte: Wir hätten auch alle drei Gleichungssysteme auf einmal lösen können, indem wir die "rechten Seiten" spaltenweise zusammenfassen, d.h. indem wir die Inverse von (201011112) bestimmen. Das macht Sinn, denn diese Matrix ist die Basiswechselmatrix von B1 in die Standardbasis. Ihre Inverse ist somit die gesuchte Basisübergangsmatrix TB1Bst von Bst nach B1.

Die Koordinaten von (x,y,z)T bzgl. B1 sind also

TB1BstkBst((xyz))=(111132122)(xyz)=(x+yzx+3y2zx2y+2z).

Es ist natürlich auch in Ordnung, die Koordinaten von (x,y,z)T bzgl. B1 durch genaues Hinsehen zu erraten, ohne Gleichungssysteme zu lösen.

Beweisschritt: Ergebnis für v1,v2,v3

Wir können nun ein beliebiges (x,y,z)T schreiben als

(xyz)=(x+yz)v1+(x+3y2z)v2+(x2y+2z)v3.

Mit der Linearität der vi und der Definition der dualen Basis erhalten wir

v1((x,y,z)T)=(x+yz)v1(v1)=1+(x+3y2z)v1(v2)=0+(x2y+2z)v1(v3)=0=x+yz.

Genauso berechnen wir v2((x,y,z)T)=x+3y2z und v3((x,y,z)T)=x2y+2z. Insgesamt haben wir also die drei Basisvektoren der dualen Basis bestimmt:

v1:33,(xyz)x+yz,v2:33,(xyz)x+3y2z,v3:33,(xyz)x2y+2z.

Lösung Teilaufgabe 2:

Wir wissen, was die Abbildung pi auf den Basisvektoren piB2 macht. Um herauszufinden, wie die pi auf einem allgemeinen Vektor a3t3+a2t2+a1t+a0 agiert, können wir ihn in der Basis B2 ausdrücken:

a3t3+a2t2+a1t+a0 Mit a3t3a3t3 und a1t2+a1t2 erweitert.=a3(t3+t2)a3t2+a2t2+a1(tt2)+a1t2+a0Umsortiert nach den Basisvektoren p1,p2,p3,p4=a3(t3+t2)+(a1+a2a3)t2a1(t2t)+a0=a3p4+(a1+a2a3)p3a1p2+p1

Damit können wir die Funktionsvorschriften ausrechnen. Für p1 haben wir

p1(a3t3+a2t2+a1t+a0)=p1(a3p4+(a1+a2a3)p3a1p2+p1)p1 ist linear.=a3p1(p4)=0+(a1+a2a3)p1(p3)=0a1p1(p2)=0+p1(p1)=1=1

Für p2 bekommen wir

p2(a3t3+a2t2+a1t+a0)=p2(a3p4+(a1+a2a3)p3a1p2+p1)p2 ist linear.=a3p2(p4)=0+(a1+a2a3)p2(p3)=0a1p2(p2)=1+p2(p1)=0=a1

Die Funktionsvorschrift von p3 ist

p3(a3t3+a2t2+a1t+a0)=p3(a3p4+(a1+a2a3)p3a1p2+p1)p3 ist linear.=a3p3(p4)=0+(a1+a2a3)p3(p3)=1a1p3(p2)=0+p3(p1)=0=a1+a2a3

Für p4 erhalten wir

p4(a3t3+a2t2+a1t+a0)=p4(a3p4+(a1+a2a3)p3a1p2+p1)p4 ist linear.=a3p4(p4)=1+(a1+a2a3)p4(p3)=0a1p4(p2)=0+p4(p1)=0=a3

Zusammengefasst erhalten wir für die Funktionsvorschriften

p1:[t]3,a3t3+a2t2+a1t+a01p2:[t]3,a3t3+a2t2+a1t+a0a1p1:[t]3,a3t3+a2t2+a1t+a0a1+a2a3p1:[t]3,a3t3+a2t2+a1t+a0a3

Lösung Teilaufgabe 3:

Wir kennen die Werte von jedem Mi auf den Basisvektoren M1=(1000),M2=(0110),M3=(0110),M4=(1111) und wollen den Wert für eine beliebige Matrix A=(abcd) bestimmen. Dafür drücken wir A als Linearkombination der Mi aus:

(abcd)=a(1000)+b(0100)+c(0010)+d(0001)=aM1+b12(M2+M3)+c12(M2M3)+d(M4M1M2)=(ad)M1+(b2+c2d)M2+(b2c2)M3+dM4.

Mithilfe der Definition der dualen Basis und der Linearität der Mi können wir nun die Lösung angeben: Es gilt Mi(Mj)=0 für ij und Mi(Mi)=1, also folgt

M1:2×2,(abcd)ad,M2:2×2,(abcd)b2+c2d,M3:2×2,(abcd)b2c2,M4:2×2,(abcd)d,

Aufgabe (Elemente des Dualraums und ihr Kern)

Sei V ein n-dimensionaler K-Vektorraum und seien f,gV. Zeige: Wenn ker(f)=ker(g), dann gibt es ein λK mit g=λf.

Wie kommt man auf den Beweis? (Elemente des Dualraums und ihr Kern)

Für die Elemente v im Kern von f und g gilt g(v)=λf(v) für alle λK. Das heißt, das gesuchte λ hängt nur von den vV ab, die nicht im Kern von f und g liegen. Um das genauer zu verstehen, betrachten wir zunächst die Dimension des Kerns. Mit der Dimensionsformel erhalten wir

dimker(f)+dimim(f)=dimV

und somit gilt dimker(f)=ndimim(f). Nun ist im(f) ein Untervektorraum von K. Weil K eindimensional ist, erhalten wir dass die Dimension vom Bild von f entweder 0 oder 1 ist. Somit ist dimker(f)=n oder dimker(f)=n1.

Nun haben wir ker(f)=ker(g); das heißt, sie haben beide die gleiche Dimension. Wenn dimker(f)=dimker(g)=n ist, haben sie die gleiche Dimension wie V. Somit gilt ker(f)=ker(g)=V und f und g sind die Nullabbildung. Also gilt f=g und wir können λ=1 wählen.

Es bleibt noch der Fall dimker(f)=n1 übrig. In diesem Fall haben wir tatsächlich Vektoren, bei denen λ eine Rolle spielt. Um die Abbildungen zu vergleichen, bietet es sich an, sie auf einer Basis zu betrachten, da wir nach dem Prinzip der linearen Fortsetzung wissen, dass f und g durch ihr Verhalten auf einer Basis schon vollkommen bestimmt sind. Um das zu tun, lohnt es sich eine Basis von V zu wählen, bei der wir schon viel über unsere Abbildungen f und g wissen. Wir wissen schon, was beider auf ker(f)=ker(g). Sei b1,,bn1 eine Basis von ker(f)=ker(g). Dann können wir mit dem Basisergänzungssatz diese Basis zu einer Basis b1,,bn1,bn von V fortsetzen.

Weil bn∉ker(f)=ker(g) ist, wissen wir das f(bn)0 und g(bn)0 gilt. Weiter wissen wir f(bi)=g(bi)=0 für i=1,,n1. Wir brauchen nun einen Kandidaten für λ. Da λ von Elementen aus V abhängt, die nicht auf 0 abgebildet werden, ergibt es Sinn bn für den Kandidaten zu verwenden. Mit λ=g(bn)/f(bn) erhalten wir g(bn)=λf(bn).

Um zu sehen, ob g(v)=λf(v) für alle vV gilt, reicht es nun wieder nach dem Prinzip der linearen Fortsetzung, dies auf unserer Basis b1,,bn zu überprüfen. Für bn wissen wir dies bereits, und für bi mit i=1,,n1 haben wir g(bi)=0=λ0=λf(bi). Damit haben wir die Aussage bewiesen.

Lösung (Elemente des Dualraums und ihr Kern)

Die Funktion f:VK ist eine lineare Abbildung zwischen zwei endlich dimensionalen Vektorräumen. Aus dem Dimensionssatz folgt

dimker(f)+dimim(f)=dimV

Weil das Bild im(f) ein Untervektorraum des K-Vektorraums K ist, gilt dimim(f)dim(K)=1. Außerdem gilt dimV=n. Damit können wir folgern

n=dimV=dimker(f)+dimim(f)dimker(f)+1

Also gilt dimker(f)n1. Andererseits ist dimker(f)dimV=n, weil der Kern ker(f) ein Untervektorraum von V ist. Deshalb gibt es nur zwei Möglichkeiten:

  1. Die Dimension von ker(f) ist n.
  2. Die Dimension von ker(f) ist n1.

Genauso können wir folgern, dass die Dimension vom Kern von g entweder n oder n1 ist.

Wir nehmen an, dass ker(f)=ker(g) und zeigen, dass es dann ein λK gibt mit g=λf. Nun betrachten wir die zwei Fälle dimker(f)=n und dimker(f)=n1.

Fall 1: dimker(f)=n

In diesem Fall ist der Kern von f ein n-dimensionaler Untervektorraum den n-dimensionalen Vektorraums V. Deshalb folgt ker(f)=V und wegen unserer Annahme auch ker(g)=V. Also gilt für alle vV, dass f(v)=0 und g(v)=0. Das bedeutet f und g sind beides die Nullabbildung, also f=0=g. Damit ist die Aussage für λ=1 bewiesen.

Fall 2: dimker(f)=n1

In diesem Fall folgt aus dem Dimensionssatz

dimim(f)=dimVdimker(f)=n(n1)=1

Sei b1,,bn1V eine Basis von ker(f). Wegen ker(f)=ker(g) ist es auch eine Basis von ker(g). Wegen dem Basisergänzungssatz können wir b1,,bn1 ergänzen zu einer Basis von V: b1,,bn1,bn. Wir definieren α:=f(bn)K und β:=g(bn)K. Der Vektor bn liegt nicht in ker(f), folglich gilt α0. Definiere λ:=βα. Wir zeigen, dass g=λf. Wegen dem Prinzip der linearen Fortsetzung reicht es, diese Gleichheit auf der Basis b1,,bn zu zeigen.

Wir betrachten zuerst bi mit i{1,,n1}. Weil biker(f)=ker(g), gilt

g(bi)=0=λ0=λf(bi).

Für den Basisvektor bn gilt

g(bn)=β=βαα=λα=λf(bn).

Für jeden Basisvektor stimmen g und λf überein. Also gilt g=λf.

Aufgabe (Duale Basis und Hyperebenen)

Sei V ein n-dimensionaler K-Vektorraum.

  1. Sei fV mit f0. Zeige, dass dimker(f)=n1 gilt.
  2. Sei U ein n1-dimensionaler Unterraum von V. Zeige, dass es ein Element fV gibt mit ker(f)=U.
  3. Unter der Annahme, dass K𝔽2 gilt, ist das f aus Teilaufgabe 2 durch den Unterraum U eindeutig bestimmt?

Einen n1-dimensionalen Unterraum eines n-dimensionalen Vektorraums V nennt man auch eine Hyperebene in V. Zum Beispiel sind die Hyperebenen im 3 genau die anschaulichen Ebenen durch den Ursprung. Im ersten Teil der Aufgabe wird also gezeigt, dass der Kern eines nicht-Null-Elements im Dualraum eine Hyperebene in V ist.

Lösung (Duale Basis und Hyperebenen)

Lösung Teilaufgabe 1:

Wir können die Dimensionsformel benutzen, um die Dimension vom Kern mit der Dimension von V in Verbindung zu setzen. Das heißt wir wissen

dimKker(f)=dimKVdimKim(f)=ndimKim(f).

Das heißt, wir haben unser Problem verschoben, um dimKim(f) zu berechnen. Nun ist im(f)K, das heißt, dimKim(f)dimKK=1. Das heißt, die Dimension von im(f) ist entweder 0 oder 1.

Wir wissen, dass f0, also gibt es ein vV mit f(v)0. Damit ist im(f)0 und die Dimension von im(f) kann nicht 0 sein. Also ist dimKim(f)=1 und wir erhalten

dimKker(f)=ndimKim(f)=n1.

Lösung Teilaufgabe 2:

Nach dem Prinzip der linearen Fortsetzung ist eine lineare Abbildung dadurch bestimmt, was sie auf einer Basis macht. Um dieses verwenden zu können, wählen wir zunächst eine Basis BU={b1,,bn1} von U. Der Basisergänzungssatz liefert uns nun einen Vektor bnV, sodass B={b1,,bn} eine Basis von V ist.

Nach dem Prinzip der linearen Fortsetzung, können einen Kandidaten für die lineare Abbildung f:VK definieren, indem wir sagen, was auf einer Basis von V passiert. Die Vektoren b1,,bn1 sind Elemente von U. Da U der Kern von f sein soll, müssen wir f(bi)=0 für i=1,,n1 fordern. Der letzte Basisvektor bn ist nicht in U. Damit darf bn nicht im Kern von f liegen. Das heißt, wir können beispielsweise f(bn)=1 fordern. Zusammengefasst definieren wir f:VK als die lineare Abbildung mit

f(bi)={0,i=1,,n11,i=n.

Da U von b1,,bn1 erzeugt wird, ist Uker(f). Wir müssen also nur noch Zeigen, dass ker(f)U gilt. Dafür sei vker(f). Weil B eine Basis von V, finden wir λ1,,λn mit v=λ1b1++λnbn. Nun wissen wir

0=f(v)=f(λ1b1++λnbn)=λ1f(b1)=0++λn1f(bn1)=0+λnf(bn)=1=λn

Somit ist λn=0 und v=λ1b1+λn1bn1U. Das heißt, wir haben ker(f)=U.

Lösung Teilaufgabe 3:

Die Abbildung f ist nicht Eindeutig: Wir wissen, dass f0, weil UV. Somit existiert vV mit f(v)0. Weil K𝔽2 gilt, gibt es ein Element λK mit λ{0,1}. Somit ist λf(v)f(v). Wenn wir nun die lineare Abbildung g:VK;wλf(v). Diese hat den gleichen Kern, weil genau dann g(w)=0 gilt, wenn λf(w)=0 gilt. Dies ist genau dann der Fall, wenn f(w)=0 gilt, weil λ0.

Weiter ist gf, weil f(v)λf(v)=g(v) gilt. Somit ist die lineare Abbildung aus dem zweiten Teil nicht eindeutig.

In der letzten Aufgabe haben wir K𝔽2 gefordert, weil wir im Beweis ein Element benötigt haben, das weder 0 noch 1 ist. Der Körper 𝔽2 besteht nur aus den Elementen 0 und 1. Das heißt, wenn wir eine lineare Abbildung f:VK konstruieren wollen, die einen n1-dimensionalen Untervektorraum U als Kern hat, dann müssen wir sie als

f(v)={0,vU1,v∉U

definieren. Diese Abbildung ist linear, weil es eine lineare Abbildung gibt, deren Kern U ist und die einzige Möglichkeit eine Abbildung Kern U hinzuschreiben, diese Abbildungsvorschrift ist. Insbesondere kommen wir bei der letzten Teilaufgabe zu einem anderen Ergebnis: Die Abbildung ist eindeutig.

Aufgabe (Basis vom Kern von vi)

Sei V ein K-Vektorraum, B={v1,,vn}V eine Basis und B={v1,,vn}V die zu B duale Basis. Zeige: Für jedes i{1,,n} gilt

ker(vi)=span{v1,,vi1,vi+1,,vn}.

Insbesondere ist B{vi} eine Basis von ker(vi).

Lösung (Basis vom Kern von vi)

Per Definition der dualen Basis gilt vi(vj)=0 für ji. Es gilt also vjker(vi) für alle ji und da der Kern ein Unterraum ist, gilt auch

span{v1,,vi1,vi+1,,vn}ker(vi).

Da vi(vi)=1 gilt, ist vi nicht die Nullabbildung. Mit der vorherigen Aufgabe folgt somit dimker(vi)=n1. Da v1,,vn linear unabhängig sind, gilt dimspan{v1,,vi1,vi+1,,vn}=n1, und da dieser Spann im Kern von vi enthalten ist, folgt die Gleichheit der beiden Unterräume.

Aufgabe

Betrachte die Basis

B={v1,v2,v3}={(210),(021),(121)}

von 3.

  1. Bestimme die zu B duale Basis B={v1,v2,v3} mit vi:3 für i=1,2,3.
  2. Bestimme den Kern ker(vi) und zeichne ihn im 3 für i=1,2,3.

Lösung

Lösung Teilaufgabe 1:

Die darstellende Matrix einer linearen Abbildung f:3 bzgl. der Standardbasen {e1,e2,e3} von 3 und {1} von ist die eindeutig bestimmte Matrix (abc) sodass

f((xyz))=(abc)(xyz)=ax+by+cz

für alle (x,y,z)T3 gilt.

Wir suchen die Funktionsvorschrift der linearen Abbildungen vi:3, i=1,2,3. Wir bestimmen also die drei dazugehörigen darstellenden Matrizen (ai,bi,ci) bzgl. der Standardbasen. Per Definition der dualen Basis soll gelten

(a1b1c1)(210)=1,(a1b1c1)(021)=0,(a1b1c1)(121)=0

und analog für i=2,3. Fassen wir diese Gleichungen in Matrixform zusammen erhalten wir

(a1b1c1a2b2c2a3b3c3)(201122011)=(100010001)

Wir müssen also eine Inverse der Matrix auf der linken Seite der Gleichung bestimmen, die die Basisvektoren in B als Spalten hat.

To-Do:

Das macht Sinn, weil man dann die Basisübergangsmatrix von der Standardbasis zu B bestimmt (Zusammenhang von dualer Basis und Kooridnaten)

Die Inverse ist

(201122011)1=(012123124)=(a1b1c1a2b2c2a3b3c3).

Die Zeilen sind die gesuchten darstellenden Matrizen der dualen Basisvektoren. Wir haben also

v1:33,(xyz)(012)(xyz)=y2z,v2:33,(xyz)(123)(xyz)=x+2y3z,v3:33,(xyz)(124)(xyz)=x2y+4z.

Lösung Teilaufgabe 2:

Aus der vorherigen Aufgabe wissen wir, dass ker(v1)=span{v2,v3}, ker(v2)=span{v1,v3} und ker(v3)=span{v1,v2} gilt. Eingezeichnet in 3 erhalten wir jeweils eine von den beiden Vektoren aufgespannte Ebene im 3.

Anstatt die vorherige Aufgabe zu nutzen, können wir auch die Kerne der Matrizen vi berechnen:

Beweisschritt: ker(v1)

Der Kern von v1 enthält alle (x,y,z)T3 mit v1((x,y,z)T)=y2z=0, d.h. mit y=2z. Also gilt

ker(v1)={(a2bb)a,b}=span{(100),(021)}.

Beachte, dass (1,0,0)T=v3v2 ist, also stimmt das Ergebnis für den Kern mit dem aus der vorherigen Aufgabe überein.

Beweisschritt: ker(v2)

Der Kern von v2 enthält alle (x,y,z)T3 mit v2((x,y,z)T)=x+2y3z=0, d.h. mit x=2y3z. Also gilt

ker(v2)={(2a3bab)a,b}=span{(210),(301)}.

Auch hier gilt (3,0,1)T=v32v1 gilt, also stimmt das Ergebnis mit dem vorherigen überein.

Beweisschritt: ker(v3)

Der Kern von v3 enthält alle (x,y,z)T3 mit v3((x,y,z)T)=x2y+4z=0, d.h. mit x=2y4z. Also gilt

ker(v2)={(2a4bab)a,b}=span{(210),(401)}.

Wegen (4,0,1)T=v22v1 stimmt das mit dem vorher bestimmten Ergebnis überein.

Aufgabe (Duale Abbildung)

Sei f:VW eine lineare Abbildung. Wir definieren die Abbildung

f:WV,gf(g):=gf.
  1. Zeige, dass f linear ist.
  2. Zeige: (idV)=idV und (gf)=fg für lineare Abbildungen f:VW und g:WX.
  3. Zeige: Wenn f surjektiv ist, dann ist f injektiv.
  4. Zeige: Wenn f injektiv ist, dann ist f surjektiv.
  5. Zeige: Wenn f bijektiv ist, dann ist f bijektiv und die Inverse ist gegeben durch (f)1=(f1).

Die Abbildung f heißt die zu f duale Abbildung. Per Definition bekommt die duale Abbildung also lineare Abbildungen von W nach K als Input und macht daraus lineare Abbildungen von V nach K. Das wird erreicht durch Präkomposition mit f. Aus einer Abbildung WgK wird also VfWgK. In Worten kann man f beschreiben als "führe f zuerst aus".

Lösung (Duale Abbildung)

Lösung Teilaufgabe 1:

Für mehr Klarheit im Beweis schreiben wir V bzw. W für die Addition linearer Abbildungen in V bzw. W und + für die Addition im Vektorraum K. Außerdem schreiben wir V bzw. W für die skalare Multiplikation in V bzw. W und für die skalare Multiplikation in K.

Seien g,hW und λK. Wir müssen zeigen, dass

f(gWh)=f(g)Vf(h) und f(λWg)=λVf(g)

gilt. Wir müssen also die Gleichheit von Elementen in V, d.h. von Abbildungen VK nachweisen. Dafür zeigen wir

f(gWh)(v)=(f(g)Vf(h))(v) und f(λWg)(v)=(λVf(g))(v)

für alle vV.

Beweisschritt: f(gWh)=f(g)Vf(h)

Sei vV. Es gilt

f(gWh)(v)= Definition von f=((gWh)f)(v) Definition von =(gWh)(f(v)) Definition von W=g(f(v))+h(f(v))[0,3em] Definition von =(gf)(v)+(hf)(v) Definition von f=f(g)(v)+f(h)(v) Definition von V=(f(g)(v)Vf(h))(v).

Weil vV beliebig war, ist damit die Gleichheit der Abbildungen f(gWh) und f(g)Vf(h) gezeigt.

Beweisschritt: f(λWg)=λVf(g)

Sei vV. Es gilt

f(λWg)(v)= Definition von f=((λWg)f)(v) Definition von =(λWg)(f(v)) Definition von W=λg(f(v))[0,3em] Definition von =λ(gf)(v) Definition von f=λ(f(g))(v) Definition von V=(λVf(g))(v).

Weil vV beliebig war, ist damit die Gleichheit der Abbildungen f(λWg) und λVf(g) gezeigt.

Lösung Teilaufgabe 2:

Wir zeigen (idV)(g)=g für alle gV, dann folgt, dass (idV) die Identität auf V ist. Sei also gV. Wir haben per Definition der dualen Abbildung

(idV)(g)=gidV=g.

Weil gV beliebig war, ist die Aussage gezeigt.

Seien nun f:VW und g:WX. Dann gilt gf:VX, also (gf):XV. Außerdem ist f:WV und g:XW und somit fg:XV. Um die Gleichheit der Abbildungen (gf)=fg zu zeigen, zeigen wir, dass (gf)(k)=(fg)(k) für alle kX gilt. Sei also kX, dann gilt

(gf)(k)= Definition von (gf)=k(gf) Assoziativität von =(kg)f Definition von g=g(k)Wf Definition von f=f(g(k)) Definition von =(fg)(k).

Weil kX beliebig war, ist die Aussage gezeigt.

Lösung Teilaufgabe 3:

Sei f:VW surjektiv. Wir wollen zeigen, dass f:WV injektiv ist. Wegen der Linearität von f reicht es zu zeigen, dass ker(f)={0W} ist. Sei also gW mit f(g)=0V. Das heißt, g bildet von W nach K ab und f(g)=gf ist die Nullabbildung von V nach K. Wir wollen folgern, dass g die Nullabbildung in W ist, d.h. dass g(w)=0K für alle wW gilt. Sei also wW beliebig. Weil f surjektiv ist, gibt es vV mit f(v)=w. Es folgt

g(w)=g(f(v))=(gf)(v)=f(g)(v)=0V(v)=0K.

Weil wW beliebig war, folgt g=0W.

Lösung Teilaufgabe 4:

Sei f:VW injektiv. Wir wollen zeigen, dass f:WV surjektiv ist. Sei also gV beliebig. Das heißt, g ist eine lineare Abbildung von V nach K. Wir wollen eine Abbildung hW von W nach K definieren, sodass f(h)=hf=g gilt.

Weil f injektiv ist, ist die Einschränkung von f auf das Bild f(V) von f ein Isomorphismus. Wir bezeichnen diese Einschränkung mit f~:Vf(V). Dann ist f~1:f(V)V und es gilt

f~1f=f~1f~=idV.

Weil g auf V definiert ist, können wir h:=gf~1 definieren und erhalten:

f(h)=hf=(gf~1)f=g(f~1f)=gidV=g.

Weil gV beliebig war, ist die Surjektivität von f gezeigt.

Lösung Teilaufgabe 5:

Sei f:VW bijektiv, dann folgt aus den vorherigen beiden Teilaufgaben, dass f auch bijektiv ist. Wir rechnen nach, dass (f1) die Inverse zu f ist: Mit Teilaufgabe 2 gilt

f(f1)=(f1f)=(idV)=idV.

Genauso zeigt man (f1)f=idW.