Wikijunior Europa/ DDR

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Europa

Einleitung zu Europa
Die Europäische Union

Überblick

Landkarten
Hauptstädte, Sprachen
Europa in Zahlen
Staatliche Strukturen

Anhang

Glossar
Projektdefinition

Die Lage der DDR in Europa.
Die Flagge der DDR.

Die Deutsche Demokratische Republik – meistens nur als DDR abgekürzt – war seit 1949 ein deutscher Staat in Mitteleuropa. Er ist 1990 der Bundesrepublik Deutschland (BRD) beigetreten; seine Länder gehören jetzt gleichberechtigt zum Gesamtstaat Deutschland.

Die Hauptstadt war Berlin (genauer: der Ostsektor Berlins). Die Währung war die Mark[1]

Die DDR gehörte zum Warschauer Pakt unter Führung der Sowjetunion.

Ein paar Fakten

Die Bezirke der DDR.

Die meisten Angaben über Landschaft und Klima sowie über die Bevölkerung findet ihr im Kapitel über Deutschland. Hier stehen Informationen, die für die DDR wichtig waren.

Die DDR umfasste die Gebiete der deutschen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen sowie den Ostteil Berlins.

Land und Leute

Seit 1952 war die DDR eingeteilt in Bezirke. Berlin (Ost) wurde den Bezirken gleichgestellt.

Es gab zwei Varianten bei den Kfz-Kennzeichen: die frühere mit zwei Buchstaben, beispielsweise EF 59 – 96 und die spätere mit drei Buchstaben, beispielsweise IBC 3 – 84. Der erste Buchstabe weist auf den Bezirk hin.

Bei den Einwohnern in der folgenden Tabelle steht in der ersten Zeile jeweils die Zahl etwa von 1961, in der zweiten diejenige von 1989.

Bezirk Nr. Kfz-Kz. Fläche
km²
Einwohner
(Bezirk)
Einwohner
(Bezirksstadt)
Rostock 01 A 7.075 831.900
916.500
161.754
252.956
Schwerin 02 B 8.672 618.900
595.200
92.902
129.227
Neubrandenburg 03 C 10.948 651.651
620.467
33.369
90.471
Potsdam 04 D, P 12.568 1.146.700
1.123.800
114.521
141.430
Frankfurt (Oder) 05 E 7.186 655.500
713.800
56.995
87.126
Cottbus 06 Z 8.262 807.840
884.700
67.733
128.943
Magdeburg 07 H, M 11.526  
1.249.500
262.437
288.355
Halle 08 K, V 8.771  
1.776.500
276.191
[2] 324.000
Erfurt 09 L, F 7.349  
1.240.400
186.369
217.035
Gera 10 N 4.004  
742.000
101.373
132.257
Suhl 11 O 3.856  
549.400
25.497
56.345
Dresden 12 R, Y 6.738 1.875.600
1.757.400
491.699
501.407
Leipzig 13 S, U 4.966  
1.360.900
585.258
530.010
Karl-Marx-Stadt [3] 14 T, X 6.009 2.098.600
1.859.500
286.100
301.918
Berlin 15 I 403   1.055.283
1.279.212
DDR gesamt     108.179 17,188 Mio.
16,675 Mio.
 

In der DDR wurde fast ausschließlich Deutsch gesprochen (mit unterschiedlichen Dialekten). Lediglich in der Lausitz – also in Teilen der Bezirke Cottbus und Dresden – waren die slawischen sorbischen Sprachen als Minderheitensprachen anerkannt. Einwanderer gab es fast nur als politische Flüchtlinge (z. B. aus Chile), aber nicht als „Gastarbeiter“. Vertragsarbeiter dagegen mussten nach maximal sechs Jahren in ihre Herkunftsländer zurückreisen. [4]

Wichtige Personen

Wilhelm Pieck (1876–1960)

Pieck war ein deutscher Politiker: zuerst bei der SPD, 1918 Gründungsmitglied der KPD und führender Funktionär, im Exil ab 1933 (zuerst in Paris, dann in der UdSSR) deren Vorsitzender. 1946 zusammen mit Grotewohl Vorsitzender der SED, ab 1949 bis zu seinem Tode Präsident der DDR. Der eigentliche Machthaber war aber immer Ulbricht.

Walter Ulbricht (1893–1973)

Ulbricht (seit 1919 in der KPD, Exil in Paris und Prag, ab 1938 in der UdSSR) war der führende Funktionär, der in enger Zusammenarbeit mit der Sowjetunion das kommunistische System in Deutschland einführen wollte. Er setzte in der SBZ die Zwangsvereinigung von KPD und SPD zur SED durch, war als Generalsekretär des ZK der SED der führende Mann der SED. Nach Piecks Tod wurde er als Vorsitzender des Staatsrats dessen Nachfolger. Als es zunehmend Differenzen innerhalb des Politbüros und mit der Führung von UdSSR und KPdSU gab, wurde er am 3. Mai 1971 durch Erich Honecker abgelöst.

Otto Grotewohl (1894–1964)

Grotewohl war seit 1912 Mitglied der SPD. Nach dem Dritten Reich, das er in Hamburg und Berlin verhältnismäßig unbeschadet überstand, war er Gründungsmitglied der wiederentstehenden SPD. 1946 setzte er sich (vermutlich auf Druck der sowjetischen Besatzungsmacht) für die Vereinigung mit der KPD ein und wurde (zusammen mit Pieck) deren Vorsitzender. Von 1949 bis 1964 war er Ministerpräsident der DDR. Obwohl formal mit Pieck gleichberechtigt, waren Ulbricht und Pieck mit Unterstützung der sowjetischen Besatzungsmacht wichtiger.

Erich Mielke (1907–2000)

Mielke war ab 1957 Minister für Staatssicherheit der DDR und somit Hauptverantwortlicher für den Ausbau des flächendeckenden Überwachungssystems. Er wurde 1993 wegen Mordes im Jahre 1931 rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt.

Erich Honecker (1912–1994)

Honecker gehörte im Dritten Reich zu Widerstandsgruppen der KPD und wurde fast 10 Jahre lang inhaftiert. Von 1946 bis 1955 leitete er den Aufbau der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Als Sicherheitssekretär des ZK der SED war er der maßgebliche Organisator beim Bau der Berliner Mauer. 1971 löste er Ulbricht als Generalsekretär ab. Diese Funktion behielt er bis zur „Wendezeit“ 1989. Seine Politik in dieser Zeit wird im Abschnitt zur Geschichte behandelt.

Margot Honecker (1927–2016)

Seit 1945 war sie Mitglied der KPD und danach Funktionärin u. a. bei der FDJ. Die Honeckers heirateten 1953. Von 1963 bis 1989 war sie Ministerin für Volksbildung. In dieser Funktion setzte sie sich maßgeblich für das „einheitliche sozialistische Bildungssystem“ mit Politisierung nach den Vorstellungen der SED ein. 1978 führte sie den Wehrunterricht mit Waffenausbildung für Schüler der 9. und 10. Klassen ein. Seit 1992 lebte sie bei ihrer Tochter in Chile.

Lothar de Maizière (* 1940)

Lothar de Maizière ist seit 1975 Rechtsanwalt in (Ost-) Berlin und seit 1956 Mitglied der CDU, einer der vier Blockparteien in der DDR. Obwohl er vorher noch keine Parteifunktion ausgeübt hatte, wurde er in der Wendezeit zum Vorsitzenden der DDR-CDU. In dieser Zeit löste er die Abhängigkeit der CDU von der SED auf. Nach der (ersten und einzigen freien) Wahl zur Volkskammer 1990 wurde er Ministerpräsident und führte in dieser Funktion die DDR in die Bundesrepublik Deutschland.

Einige Daten

24.06.1948 Beginn der Berlin-Blockade: Die Sowjetunion wollte damit einen Rückzug der Westalliierten aus Groß-Berlin erzwingen und ihren Anspruch auf das gesamte Berlin demonstrieren.
Die Blockade scheiterte und wurde am 12. Mai 1949 aufgehoben.
07.10.1949 Gründung der DDR
17.06.1953 Volksaufstand in der DDR
13.08.1961 Bau der Berliner Mauer, vollständige Abriegelung der DDR gegenüber dem Westteil Berlins und der BRD
21.06.1973 Grundlagenvertrag zwischen DDR und BRD
09.11.1989 Öffnung der Grenzen, „Fall der Berliner Mauer“
18.03.1990 Erste (und einzige) freie Wahl zur Volkskammer

Geschichte

Deutschland unter alliierter Besatzung
  •  Sowjetische Besatzungszone
  •  US-Zone
  •  Britische Besatzungszone
  •  Französische Zone
  •  Ostgebiete
  •  Saarland
  • Die Existenz der beiden deutschen Staaten ist eng verbunden mit dem „Kalten Krieg“ nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Westalliierten wollten Deutschland zu einem demokratischen Land machen; die Sowjetunion war an der Sicherung und Ausweitung ihres Machtbereichs interessiert.

    Die Entstehung

    Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs ließen die Besatzungsmächte in Deutschland die Bildung von Parteien zu – zuerst in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Die KPD[5] und die SPD[6] bildeten sich als Fortsetzung der früheren, 1933 verbotenen Parteien. Die CDU[7] und Liberale (unter verschiedenen Namen, vor allem LDP[8] in der SBZ und FDP[9] in anderen Ländern) bildeten sich neu, um die Zersplitterung aus der Weimarer Republik zu vermeiden. In der SBZ und (Ost-) Berlin wurden SPD und KPD zwangsweise zur SED[10] vereinigt. In den Westsektoren Berlins entschieden sich die SPD-Mitglieder in einer Urabstimmung gegen die Vereinigung; daraufhin blieb die SPD nach einer Entscheidung der Alliierten in ganz Berlin bestehen.

    Der Wiederaufbau des zerstörten Deutschlands führte nach und nach unter Aufsicht der Besatzungsmächte zur Gründung der Länder mit Parlamenten und Regierung. Die westlichen Zonen arbeiteten verstärkt zusammen. Eigentlich sollten auch die Regierungen der Länder in der SBZ an den Beratungen zur Gründung eines gemeinsamen demokratischen Staates teilnehmen; aber dies wurde von SED und der Sowjetischen Militär-Administration (SMAD) verboten. CDU-Politiker wie Jakob Kaiser und Ernst Lemmer aus der SBZ, die sich für eine gesamtdeutsche Verfassung einsetzten, wurden von der SMAD abgesetzt.

    Deshalb konnte das Grundgesetz der BRD nur von den Länder der Westzonen erarbeitet werden; es wurde am 23. Mai 1949 verkündet. In der SBZ wurde stattdessen unter Führung der SED die Verfassung für einen eigenen Staat gebildet. Sie wurde am 7. Oktober 1949 in Kraft gesetzt.

    Von 1945 bis 1961

    Verlauf der West-Berliner (gelb) und Ost-Berliner (grau) Stadtgrenzen und Grenzübergangsstellen (Stand: 1989)

    Schon kurz nach dem Krieg begannen die Sowjetunion (unter Führung Stalins) und die SBZ mit KPD und SED (unter Führung Ulbrichts) damit, die Macht über Wirtschaft und Gesellschaft zu übernehmen. Mit der Bodenreform 1946 wurden Großgrundbesitzer, aber auch Bauern mit mittelgroßem Besitz und andere Eigentümer entschädigungslos enteignet, ebenso viele Unternehmer. Entgegen der offiziellen Begründung betraf dies nicht nur Kriegsverbrecher und aktive NSDAP-Mitglieder,[11] sondern viele andere, die den Machtinteressen der Kommunisten im Wege standen. Viele Unternehmen verlagerten in dieser Zeit ihren Sitz von der SBZ in die Westzonen.[12]

    Durch die Enteignung und die Gründung als Volkseigener Betrieb wurden die Unternehmen unter staatliche Kontrolle gestellt. Ebenso wurden die einzelnen Bauernbetriebe in Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) zusammengeschlossen (Kampagne mit Druck auf die einzelnen Bauern ab 1952, abgeschlossen 1960). Handwerksbetriebe mussten zu Einkaufs- und Liefergenossenschaften gehören. Beim Einzelhandel wurde die staatlichen Handelsorganisation (HO) bevorzugt.

    Dies alles entspricht dem Ziel kommunistischer Politik, die Macht über die gesamte Wirtschaft auszuüben. Dazu wurden Fünfjahrespläne aufgestellt, die die Entwicklung der Wirtschaft genau vorschrieben und planten. Diese Pläne enthielten Zuweisungen von Geld und Material sowie Vorgaben für Produktion und Dienstleistungen. Die Festlegung, was und wie viel zu produzieren war, erfolgte nicht nach der Nachfrage, sondern aufgrund zentraler Mengenvorgaben. Diese Planwirtschaft ging fast immer an den Bedürfnissen der Menschen vorbei; Waren des täglichen Bedarfs und Konsumgeräte waren oft nicht erhältlich.[13][14]

    Diese Wirtschaftspolitik wurde durch politische Unterdrückung begleitet: Kritische Meinungen wurden durch Verlust eines Arbeitsplatzes oder Gefängnis bestraft. Den Zeitungen, dem Rundfunk und dem Fernsehen [15] wurde von der SED genau vorgeschrieben, was und wie sie berichten mussten. Die freie Arbeit der Kirchen wurde behindert, sie sollten sich auf reine Glaubensfragen beschränken; statt der Konfirmation wurde die Jugendweihe als staatliche Feier verstärkt.

    Alle diese Maßnahmen führten zu mangelnder Unterstützung in der Bevölkerung. Bis 1956 hatten 1,7 Millionen Menschen die DDR verlassen; danach wurde ein Passgesetz eingeführt und die „Republikflucht“ zu einer Straftat.[16] Dennoch verließen bis 1961 weitere 1,2 Millionen Menschen die DDR.[17]

    Von 1961 bis 1989

    Die Mauer 1980 in Berlin (Bernauer Straße).

    Um weitere Fluchten zu verhindern, wurden die Grenzen zur BRD und Berlin (West) immer stärker bewacht und gesichert. Ab dem 13. August 1961 wurden die Grenzen mit Mauer und Stacheldraht endgültig geschlossen; auf Flüchtlinge sollte der „Schießbefehl“ angewendet werden. Bis 1989 starben zwischen 136 und 245 Menschen bei Fluchtversuchen in Berlin; an der innerdeutschen Grenze insgesamt gab es zwischen 421 und 1245 Todesopfer.

    Diese Abkapselung hat zu einer Konsolidierung innerhalb der DDR, aber auch zur Entspannung zwischen den Blöcken geführt. Die DDR konnte langfristig planen, weil die Menschen nicht mehr weglaufen konnten. Sie mussten sich ihr Leben innerhalb der DDR-Grenzen einrichten. Die Politik der BRD konnte nicht mehr darauf hoffen, dass die DDR bald zusammenbrechen würde. Die Entspannungspolitik unter den Bundeskanzlern Willy Brandt und Helmut Schmidt hat zwar zunächst die DDR als Staat anerkannt und damit gestärkt. Aber die Beziehungen wurden enger, mit der KSZE 1973 musste der Ostblock – also auch UdSSR und DDR – die Freiheit der Gedanken anerkennen.

    Seit der Machtübernahme durch Honecker 1971 hat die SED ihren eigenen Machtbereich gesichert. In der Verfassung von 1971 wird die SED als wichtigste Führungskraft festgeschrieben. Gleichzeitig bemühte sie sich, die Bevölkerung für sich zu gewinnen. Die Wirtschaftspolitik sollte sich mehr um die Bedürfnisse der Menschen kümmern. Vor allem musste die starke Wohnungsnot beseitigt werden. Bis 1990 wurden fast 2 Millionen Wohnungen gebaut – überwiegend in Plattenbauten auf der „grünen Wiese“. Aber das ging einher mit einer Vernachlässigung der vorhandenen Bausubstanz: Altbauten in den Innenstädten konnten nicht erhalten werden und verfielen zunehmend.

    Auch wurde der Ausbau der Wirtschaft immer mehr mit Krediten und Importen aus dem Westen (dem „kapitalistischen Ausland“) bezahlt. Die DDR-Wirtschaft wurde immer unrentabler und stand 1989 kurz vor dem Bankrott.

    Die Auflösung

    Reformvorschläge vom Chef der Plankommission wurden von den alten Politikern um Erich Honecker abgelehnt, wegen der wirtschaftlichen Krise war der Zusammenbruch des Regimes nicht mehr aufzuhalten. Hinzu kam die Entwicklung in der Sowjetunion: Generalsekretär Michail Gorbatschow versuchte eine Politik von Offenheit (Glasnost) und Umbau (Perestrojka), die die DDR-Führung ablehnte. Aber die Bevölkerung der DDR bekam dadurch mehr Mut, sich gegen die Unterdrückung im eigenen Land zu wehren.

    Am 2. Mai 1989 begann Ungarn, die Grenzanlagen zu Österreich abzubauen. Dort und über BRD-Botschaften in verschiedenen Ländern des Ostblocks erreichten viele DDR-Bürger ihre Ausreise. Von Januar bis November dieses Jahres sind insgesamt etwa 225.000 DDR-Bürger in die Bundesrepublik ausgereist.

    Innerhalb der DDR entwickelte sich seit Mitte der 1980er-Jahre eine Bürgerrechtsbewegung, die sich beispielsweise gegen die politische Unterdrückung oder gegen die Militarisierung der Gesellschaft (siehe Wehrkundeunterricht) wehrte und auf die riesigen Umweltschäden durch die Ausplünderung der wirtschaftlichen Möglichkeiten hinwies. Ab Mitte 1989 gab es im ganzen Land Friedensgebete und Demonstrationen; die größten waren die Leipziger Montagsdemonstration am 23. Oktober 1989 (etwa 300.000 Teilnehmer) und die Demonstration von Kulturschaffenden in Berlin am 4. November 1989 (etwa 1 Million Teilnehmer).

    Die SED versuchte, ihre Macht zu retten, und löste Erich Honecker durch Egon Krenz ab. Aber die Entwicklung zur Demokratisierung war nicht mehr aufzuhalten. Die „Blockparteien“ lehnen den Führungsanspruch der SED ab, am 9. November 1989 wird die Berliner Mauer geöffnet, am 18. März 1990 gibt es die ersten und einzigen freien Wahlen in der DDR, am 24. August 1990 stimmt die Volkskammer der DDR (das Parlament) dem Einigungsvertrag zu und tritt damit am 3. Oktober 1990 der Bundesrepublik Deutschland bei.

    Das politische System

    Die SED hat (mit Unterstützung der Sowjetunion) das gesamte Land danach ausgerichtet, dass sie ihre Vorstellungen umsetzen und ihre Macht sichern konnte. In der Anfangszeit sah es noch demokratisch aus;[18] aber immer stärker wurde die führende Stellung der SED betont (ab 1968 auch ausdrücklich in der Verfassung). Die nachfolgenden Informationen beziehen sich hauptsächlich auf die Zeit nach dem Mauerbau, also von 1961 bis 1989.

    SED – „die“ Partei

    Die SED war von ihrem Selbstverständnis und ihrem inneren Aufbau her eine „Kaderpartei“ nach dem Vorbild der KPdSU[19]. Für ihr Ziel – die Errichtung und Erhaltung der Diktatur des Proletariats – wollte sie alle gesellschaftlichen Bereiche ständig kontrollieren und beeinflussen. Damit war die Partei wichtiger als die staatlichen Einrichtungen, als Regierung und Parlament.

    Die SED hatte zuletzt etwa 2,3 Mio. Mitglieder. Davon waren über 300.000 hohe leitende Partei- und Wirtschaftsfunktionäre. Viele Berufe (Lehrer, Professor) und Führungspositionen konnte man in den meisten Fällen nur ausüben, wenn man Mitglied der SED war.

    An der Spitze stand der Generalsekretär des Zentralkomitees (ZK). Er war gleichzeitig Vorsitzender des Politbüros. Der Generalsekretär hatte die führende Position inne. Die laufende Arbeit übte er zusammen mit dem Politbüro und den Sekretären des ZK aus. Das ZK trat nur ein paar Mal im Jahr zusammen; eigentlich sollte es die Arbeit der SED bestimmen, segnete aber unter Honecker nur noch die Beschlüsse des Politbüros ab. Der Parteitag, der eigentlich das höchste Organ der Partei war, trat nur alle vier bis fünf Jahre zusammen.

    Die staatliche Struktur

    Sämtliche staatlichen Einrichtungen standen unter der Herrschaft der SED. Beispielsweise waren die ZK-Sekretäre gegenüber den Ministern weisungsberechtigt.

    Der Vorsitzende des Staatsrats, der zugleich der ZK-Generalsekretär war (Ulbricht bzw. Honecker), übte die Funktion des Präsidenten aus. Der Ministerrat war zuständig für die Verwaltung; dabei gab es für viele Wirtschaftszweige eigene Ministerien. Die Volkskammer als Parlament hat den Gesetzen immer einstimmig ohne ernsthafte Diskussion zugestimmt.[20] Durch das Ministerium für Staatssicherheit gab es einen umfassenden Überwachungs- und Unterdrückungsapparat. Presse, Buchverlage, Hörfunk und Fernsehen wurden zensiert, politisch Andersdenkende litten unter Repressalien.

    Die Behörden in der DDR wurden als Organe bezeichnet. Gegen ihre Entscheidungen bestand kein Rechtsschutz, nur ein (unverbindliches) Petitionsrecht. Die Gerichte waren nicht unabhängig, sondern unterlagen ebenso wie die gesamte Verwaltung den Vorgaben der SED.

    „Blockparteien“ und Massenorganisationen

    Die Parteien und Massenorganisationen wurden in der Nationalen Front zusammengeschlossen. Bei Wahlen gab es nur eine Einheitsliste der Nationalen Front. Ein Wähler konnte nur einzelne Kandidaten (oder jeden einzeln) durchstreichen; alles andere galt als Zustimmung. So kamen Wahlergebnisse von 99,7 % Zustimmung zustande.

    Die anderen Parteien (neben der SED) dienten dazu, den Anschein eines Mehrparteiensystems zu erwecken und die kommunistische Regierungspolitik Nichtkommunisten nahezubringen. Sie erkannten die führende Rolle der SED an. Wegen der Mitarbeit in der Nationalen Front wurden sie als Blockparteien bezeichnet. Es handelte sich um: Christlich-Demokratische Union Deutschlands (CDU), Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDPD), Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD), Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NDPD).

    Die Massenorganisationen sollten unter der Vorherrschaft der SED möglichst große Teile der Bevölkerung beeinflussen und kontrollieren und sie in das gesellschaftliche System der DDR eingliedern. Zur Nationalen Front gehörten: Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (FDGB), Freie Deutsche Jugend (FDJ), Demokratischer Frauenbund Deutschlands (DFD), Kulturbund (KB).

    Die Mehrzahl der Abgeordneten aus den Massenorganisationen gehörten zur SED. Auch wenn die SED über die Nationale Front nur einen Teil der Abgeordneten stellte, bekam sie über die Massenorganisationen die Mehrheit in der Volkskammer.[21]

    Der DDR-Sozialismus

    Das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche System der DDR geht aus vom Ziel einer kommunistischen Gesellschaftsordnung; der Weg dahin führte über eine sozialistische Gesellschaft. Vorbild war der Marxismus-Leninismus der KPdSU (siehe den betreffenden Abschnitt über die Sowjetunion); der aktuelle Stand der Entwicklung wurde in der DDR als „real existierender Sozialismus“ bezeichnet.

    Die wichtigsten Bestandteile waren:

    • Volkseigentum an den Produktionsmitteln, Ablehnung jedes Privateigentums in der Wirtschaft
    • Vorrang der „gesellschaftlichen Bedürfnisse“ vor den Bedürfnissen und Interessen der einzelnen Menschen
    • Vorrang der politischen Ziele – nämlich der Entwicklung zum Kommunismus – vor allen anderen Überlegungen, Zielen und privaten Wünschen

    Dies sicherte die SED als „Speerspitze des Fortschritts“. Der staatliche Apparat (unter Einschluss der Sicherheitsdienste) diente in erster Linie dazu, diese Ziele umzusetzen und abzusichern.


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    Siehe auch

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    Allgemein

    Zur Geschichte

    Zum geschichtlichen Hintergrund

    Weitere Einzelthemen


    Hinweise

    1. Der genaue Name wurde mehrfach geändert: ab 1948 Deutsche Mark, ab 1964 Mark der Deutschen Notenbank, ab 1967 Mark der DDR.
    2. Ab 1967 war Halle-Neustadt eine selbständige Stadt, die ab Mitte 1990 wieder zu Halle gehört. Halle-Neustadt hatte 1989 etwa 93.000 Einwohner, Halle selbst etwa 231.000 Einwohner.
    3. Die Stadt Chemnitz wurde am 10. Mai 1953 auf Beschluss der DDR-Regierung in „Karl-Marx-Stadt“ umbenannt. Am 1. Juni 1990 erhielt die Stadt nach einer Volksabstimmung wieder ihren eigentlichen Namen Chemnitz.
    4. Familienangehörige durften nicht mitkommen. Sie wohnten überwiegend in getrennten Wohnheimen o. ä. Es gab fast keine Kontakte mit der deutschen Bevölkerung. Im Falle einer Schwangerschaft drohte umgehende Ausweisung.
    5. Kommunistische Partei Deutschlands.
    6. Sozialdemokratische Partei Deutschlands.
    7. Christlich-Demokratische Union Deutschlands.
    8. Liberal-Demokratische Partei Deutschlands.
    9. Freie Demokratische Partei.
    10. Sozialistische Einheitspartei Deutschlands.
    11. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) war die Partei des Dritten Reichs.
    12. Beispiele für Unternehmen: Carl Zeiss in Jena und Oberkochen; der Brockhaus-Verlag in Leipzig und Wiesbaden; der Landkartenverlag Justus Perthes in Gotha und Darmstadt. – Auch einzelne Unternehmensteile wurden enteignet und als eigene Unternehmen fortgeführt: die Eisenacher Fabrik von BMW; das Werk Ludwigsfelde von Daimler-Benz; das Persil-Werk von Henkel in Genthin.
    13. Beispiele: Südfrüchte gab es in Berlin und in Leipzig zur Messe, aber in vielen anderen Regionen nur äußerst selten. Kühlschränke wurden mit einer Bestellfrist von zwei Jahren verkauft. Auf ein Auto musste man bis zu fünfzehn Jahren warten.
    14. Die Mängel führten auch zu einer besonderen Form von Kriminalität, dem „Diebstahl sozialistischen Eigentums“. Beispiel: Baumaterialien waren Mangelware. Wer Heizkörper o. a. zum Ausbau eines eigenen Hauses benötigte, wurde selten beliefert, weil der staatliche Wohnungsbau bevorzugt wurde. Man „besorgte“ sie sich deshalb von Baustellen; das Unrechtsbewusstsein war gering, weil sowieso alles als „Volkseigentum“ angesehen wurde.
    15. Die wichtigste Informationssendung für die DDR-Bürger war die „Tagesschau“ der ARD (also des „West-Fernsehens“); die „Aktuelle Kamera“ des DDR-Fernsehens wurde erheblich seltener eingeschaltet.
    16. Ursprünglich bis zu 2 Jahre Freiheitsstrafe, ab 1979 bis zu 8 Jahre Haft.
    17. Über die Sektorengrenzen in Berlin gab es erheblich weniger Kontrollen. Es war deshalb relativ einfach, mit der Eisenbahn nach Berlin (Ost) und mit der S-Bahn nach Berlin (West) zu fahren. Dort wurde man mit einem „Behelfsmäßigen Personalausweis“ zum Bürger von Berlin (West) und gehörte damit faktisch zur BRD. So ist (als Kind) auch der Autor dieser Zeilen von Leipzig nach Stuttgart umgezogen.
    18. Walter Ulbricht sagte 1945: „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“ Zitiert in: Wolfgang Leonhard: Die Revolution entlässt ihre Kinder. Leipzig 1990. S. 406. Zitate Walter Ulbricht
    19. Kommunistische Partei der Sowjetunion.
    20. Die einzige Abstimmung der Volkskammer, in der Konflikte öffentlich bekannt wurden, war 1972 die Einführung der Fristenlösung bei Schwangerschaftsabbrüchen, bei der 14 Abgeordnete der CDU nach Absprache mit ihrer Parteiführung gegen das Gesetz stimmten.
    21. Die Anzahl der Abgeordneten ist nachzulesen unter Volkskammer: Zusammensetzung.