Wikijunior Europa/ Jugoslawien

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Europa

Einleitung zu Europa
Die Europäische Union

Überblick

Landkarten
Hauptstädte, Sprachen
Europa in Zahlen
Staatliche Strukturen

Anhang

Glossar
Projektdefinition

Die Lage Jugoslawiens in Europa (1989).
Die Flagge des sozialistischen Jugoslawiens (1963–1992).

Jugoslawien (übersetzt: Südslawien) war von 1918 bis 1991/2003 ein Staat in Südosteuropa. Er umfasste die heutigen Länder Serbien, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Mazedonien und Kosovo.

International übernahm Serbien Rechte und Pflichten Jugoslawiens.

Die Hauptstadt war Belgrad. Die Währung war der Dinar.

Ein paar Fakten

Die meisten Angaben über Landschaft und Klima sowie über die Bevölkerung findet ihr in den Kapiteln über die heutigen Länder. Hier stehen Informationen, die für Jugoslawien insgesamt wichtig waren.

Übersichtskarte des Balkan mit den Nachfolgestaaten Jugoslawiens.

Land und Leute

Von 1954 bis 1991 hatte Jugoslawien eine Fläche von 255.804 km². Es grenzte an Italien, Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Griechenland und Albanien und hatte eine lange Küste zur Adria mit zahlreichen Inseln. Der Nordosten des Landes war relativ flach, der Rest des Landes eher gebirgig. Höchster Berg war der Triglav (2864 m, in den Julischen Alpen nahe Jesenice). Die wichtigsten Flüsse waren die Donau sowie ihre Nebenflüsse Drau (Drava), Save (Sava) und Morava.

Jugoslawien hatte 1991 rund 23,5 Millionen Einwohner, es gab 19 Städte mit jeweils mehr als 100.000 Einwohnern. Die größten Städte waren Belgrad, Zagreb, Skopje und Sarajevo. Die verschiedenen Nationalitäten lebten sehr vermischt miteinander. Auch wenn es große kulturelle, wirtschaftliche und politische Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten gab, war das Zusammenleben überwiegend friedlich.

Wichtige Personen

König Alexander I. (1888–1934)

Alexander I. Karađorđević, auch genannt „Der Vereiniger“, war von 1921 bis 1934 König des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen. 1929 löste er die Verfassung auf, proklamierte die Königsdiktatur und benannte das Land in Königreich Jugoslawien um. Im Jahr 1934 kam Alexander durch ein Attentat ums Leben.

Josip Broz Tito (1892–1980)

Tito stammte aus Kroatien. Sein Leben wechselte zwischen krimineller Aktivität, Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg auf Seite der Republikaner und politischer Tätigkeit als Kommunist sowohl im Exil in der Sowjetunion als auch im Untergrund in Jugoslawien zur Zeit der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg. Dort organisierte er den bewaffneten Widerstand in Form eines Partisanenkrieges und übte Ende 1944 schließlich die Macht in ganz Jugoslawien aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zunächst Ministerpräsident und später bis zu seinem Tod Staatspräsident und war die führende Persönlichkeit in Jugoslawien.

Slobodan Milošević (1941–2006)

Seine Eltern waren Montenegriner, aber er verstand sich als Serbe. Von 1989 bis 1997 war er Präsident Serbiens. Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Aufhebung der Autonomie für Kosovo und Vojvodina. Auch unterstützte er serbische radikale Kräfte, die ein Großserbien forderten, und setzte die jugoslawische Armee gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen der Teilrepubliken ein. Von 1997 bis 2000 war er Staatspräsident von der aus Serbien und Montenegro bestehenden Bundesrepublik Jugoslawien. 1999 wurde er vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag der Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt, 2001 ausgeliefert und inhaftiert; während des Prozesses verstarb er.

Geschichte

Das Königreich

Das Land wurde nach dem Ersten Weltkrieg 1918 zusammengesetzt aus den bisher selbständigen Königreichen Serbien und Montenegro sowie Teilen des aufgelösten Habsburgerreiches Österreich-Ungarn, nämlich Kroatien-Slawonien, Vojvodina, Dalmatien, Krain und Südsteiermark sowie Bosnien-Herzegowina. Es hieß zunächst Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen und ab 1929 Königreich Jugoslawien. Staatsoberhaupt wurde 1918 der serbische König Peter I.; Nachfolger wurde 1921 sein Sohn Alexander I.

Von Anfang an gab es Konflikte zwischen serbischen Nationalisten, die ein „Großserbien“ anstrebten, und den anderen Teilstaaten, die nach Autonomie strebten. Der Staat war eher zentralistisch aufgebaut; die Interessen der Nichtserben und anderer Religionen wurden vernachlässigt oder unterdrückt. Hinzu kamen wirtschaftliche Unterschiede zwischen dem entwickelten Norden, nämlich den Teilen, die zu Österreich-Ungarn gehört hatten, und den anderen Landesteilen. Diese Spannungen blieben bestehen und verschärften sich zum Teil noch.

Weil ein Ausgleich der Spannungen nicht erreicht wurde, setzte König Alexander I. schließlich 1929 die Verfassung außer Kraft und errichtete eine Königsdiktatur. Gleichzeitig wurde der Staat in Königreich Jugoslawien umbenannt.

Im Zweiten Weltkrieg

Als das Deutsche Reich Jugoslawien im April 1941 den Krieg erklärte, zerfiel der Staat aufgrund seiner inneren Widersprüche innerhalb weniger Tage, ohne dass den Angreifern Deutschland und Italien großer Widerstand entgegensetzt wurde. Jugoslawien wurde aufgelöst: Serbien blieb besetzt und wurde ein deutscher Satellitenstaat; Slowenien wurde zwischen Deutschland, Italien und Ungarn geteilt; Kroatien wurde (einschließlich Bosnien und Herzegowina) zu einem faschistischen Vasallenstaat, in dem kroatische Nationalisten die Macht hatten; einige südliche Gebiete wurden Albanien zugeschlagen; Albanien und Montenegro wurden italienische Vasallenstaaten. Bald bildeten sich Verbände von Partisanen, die den Besatzern Widerstand leisteten.

Der Zweite Weltkrieg war in Jugoslawien gleichzeitig ein Bürgerkrieg, teilweise auch unabhängig von den ethnischen Grenzen. Serbische und kroatische Nationalisten, Partisanen und Kollaborateure, königstreue und kommunistische Partisanen bekriegten einander. Die meisten Kriegsverbrechen wurden in Jugoslawien nicht von den Besatzern, sondern von den auf verschiedenen Seiten stehenden Jugoslawen selbst begangen. Am Ende setzten sich die Kommunisten durch, und ihr Führer Tito übernahm mit seiner Partei die Macht im wiedererstandenen Jugoslawien.

Die Sozialistische Republik

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Jugoslawien als sozialistischer Bundesstaat aus den sechs Teilrepubliken neu gegründet, wobei das Kosovo Teil Serbiens war. Nachdem Titos kommunistische Volksfront die Wahlen gewonnen hatte, erhielt Jugoslawien 1946 als Föderative Volksrepublik Jugoslawien eine Verfassung nach dem Vorbild der Sowjetunion.

Ab 1948 distanzierte sich Tito immer mehr von der Sowjetunion und dem Ostblock. Er lehnte vor allem Stalins Streben nach Vorherrschaft ab, und es kam zum Bruch. Tito verfolgte einen eigenen jugoslawischen Kommunismus (Titoismus). Jugoslawien näherte sich außenpolitisch immer mehr den blockfreien Staaten und dem Westen an. Seit 1963 hieß der Staat Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien. 1974 wurden die Provinzen Vojvodina und Kosovo zu autonomen Provinzen innerhalb Serbiens.

Der Zerfall Jugoslawiens.
  •  Jugoslawien (1943–1992)
  •  Jugoslawien und Serbien (ab 1992)
  •  Slowenien
  •  Kroatien
  •  Mazedonien
  •  Bosnien und Herzegowina
  •  Kosovo
  •  Montenegro
  • Nach dem Tod Titos 1980 kam es immer mehr zu Unstimmigkeiten zwischen den Vertretern der Teilrepubliken und der autonomen Provinzen; die Unterschiede und Spannungen zwischen den Regionen brachen wieder auf. Außerdem fehlte die Persönlichkeit Titos, der das Land zusammenhalten konnte. Dies alles führte zu Versuchen der serbischen Nationalisten, die Vorherrschaft in Jugoslawien über die anderen Republiken zu erringen, und zu Bemühungen der Teilrepubliken um größere Eigenständigkeit.

    1991/1992 erklärten nach Volksabstimmungen Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien ihre Unabhängigkeit und setzten sie gegen Angriffe der serbisch-jugoslawischen Armee durch. 1999/2008 folgt das Kosovo. Ab 1992 heißt der verbleibende Staat Bundesrepublik Jugoslawien, ab 2003 Serbien-Montenegro. 2006 erklärt auch Montenegro seine Unabhängigkeit; damit endet der Staat Jugoslawien endgültig.

    Innenpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg

    Die kommunistische Diktatur war in Jugoslawien „milder“ als in der Sowjetunion oder den anderen Ostblockländern. Aber es war eine Diktatur mit Unterdrückung Andersdenkender – vor allem in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Auch in Jugoslawien hatte die kommunistische Partei die überragende politische Rolle.

    Der Bund der Kommunisten

    Die Kommunistische Partei Jugoslawiens (KPJ) wurde 1919 gegründet. Im Zweiten Weltkrieg wurde die KPJ etwa 1942 zur beherrschenden Kraft innerhalb der Partisanenbewegung gegen die deutschen und italienischen Besatzer. Nach dem Krieg übernahmen die Kommunisten die Macht und wandelten Jugoslawien in einen Einparteienstaat um. Ab 1952 nannte sich die Partei Bund der Kommunisten Jugoslawiens (BdKJ), was dem föderativen Aufbau des Staates entsprechen sollte.

    Die führende Stellung hatte Tito als Generalsekretär (bis 1963) bzw. als Präsident des Präsidiums des BdKJ. Nach seinem Tode wechselte der Vorsitz jährlich zwischen den Präsidenten der regionalen Parteiorganisationen.

    Die staatliche Struktur

    Staatsoberhaupt war Tito als Staatspräsident und nach Titos Tod das Präsidium der Republik, das sich aus je einem Vertreter der Republiken und Autonomen Provinzen sowie dem Vorsitzenden des BdKJ zusammensetzte; der Vorsitzende wurde jährlich neu bestimmt.

    Der Bundesexekutivrat arbeitete als Bundesregierung. Er setzte sich zusammen aus dem Ministerpräsidenten, den Bundessekretären (Ministern), Vertretern der Republiken und Autonomen Provinzen und Leitern der Bundesverwaltungsorgane.

    Das Bundesparlament war die Bundesversammlung, die aus dem Rat der Republiken und Provinzen (zusammen 88 Delegierte) und dem Bundesrat (Delegierte der Selbstverwaltungsorganisationen und gesellschaftspolitischen Organisationen) bestand.

    Die Teilrepubliken und (ab 1974) Autonomen Provinzen hatten eigene Parlamente und Regierungen. Im Laufe der Zeit erhielten sie immer mehr Kompetenzen.

    Der jugoslawische Weg zum Kommunismus

    Ursprünglich hatten auch die jugoslawischen Kommunisten eine kommunistische Planwirtschaft nach sowjetischem Vorbild angestrebt. Aber anstelle der zentralistischen Planwirtschaft gingen die Jugoslawen ab 1948 zur Arbeiterselbstverwaltung in den Betrieben über. Damit konnten die Mitarbeiter eines jeden Betriebes Einfluss auf die Unternehmensführung nehmen, zum Beispiel durch Wahl des Direktors oder durch Mitbestimmung über Löhne und Gehälter. Der Titoismus verfolgte eine Art sozialistischer Marktwirtschaft, was auch private Klein- und Familienbetriebe ermöglichte.


    Wikipedia hat einen Artikel zum Thema:
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    Siehe auch

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