Traktorenlexikon: Güldner

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Die Güldner-Motoren-Gesellschaft war ein Hersteller von Dieselmotoren und Traktoren mit Sitz in Aschaffenburg. Seit 1929 gehörte sie zum Linde Konzern. Von 1938 bis ins Jahr 1969 wurden rund 100.000[1] Traktoren gefertigt. Danach wurde sie um strukturiert und es wurden Flurförderzeuge und Hydraulik Komponenten unter dem Markenname Linde gefertigte. Im Jahre 1991 wurde die Firmenbezeichnung Güldner dann endgültig aus dem Handelsregister gestrichen.

Geschichte[Bearbeiten]

Am 15. Februar 1904[1] der Motorenbauer Dr. Hugo Güldner, Dr. Carl von Linde und Dr. Georg von Krauss die Güldner-Motoren-Gesellschaft mbH in München. Nach den Patenten von Hugo Güldner begann man mit der Produktion von Gasmotoren und Gasgeneratoren. Im Jahre 1907 wurde die Fertigung nach Aschaffenburg verlagert. Hergestellt wurden dort Zweizylinder-Dieselmotoren bis zu 300 PS, Gleichdruckölmotoren, Gaskraftanlagen und sogar Motorräder. Ein Hauptabnehmer für die Motoren war damals schon die Gesellschaft für Linde's Eismaschinen (die heutige Linde AG), die Antriebsaggregate für ihre Kältemaschinen benötigte und somit 1908 erste Anteile an der Güldner Motoren Gesellschaft erwarb. Ab 1912 wurden dann auch Drei- und Vierzylindermotoren mit bis zu 600 PS gefertigt.

Im Ersten Weltkrieg kam die zivile Produktion zum Stillstand und es wurde für die Rüstungsindustrie produziert. Nach Kriegsende erwarb Güldner Anteile an der Berliner Moorkultur Kraftpflug GmbH welche Kraftpflüge zur Moorkultivierung produzierte. Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten erhöhte 1925 die Gesellschaft für Linde's Eismaschinen ihre Anteile an der Güldner Motoren Gesellschaft und im Jahre 1929 wurde sie dann ganz von ihr übernommen.

Ab 1933 kamen dann die Fertigung von Kleindieselmotoren mit Leistungen von 7 bis 36 PS hinzu. Da sich diese Motoren auch in Ackerschlepper bei anderen Herstellern sehr gut bewährt hatten, begann man bei Güldner im Jahre 1935 mit der Entwicklung von eigenen Traktoren. 1938 wurde dann der erste eigene Traktor der A 20[1] vorgestellt. Es folgte der A 30 und während der Kriegsjahre ein 25 PS Holzgas-Schlepper. In den letzten Kriegsmonaten der Zweiten Weltkriegs wurde das Werk in Aschaffenburg sehr stark in Mitleidenschaft gezogen, so dass man die Gasmotorenfertigung zur Firma Fahr nach Gottmadingen verlegte.

Bereits ab 1946 konnten in Aschaffenburg wieder Motoren gefertigt werden. Noch im gleichen Jahr wurden auch der erste Nachkriegsschlepper der A 28 vorgestellt. Von diesem Bauernschlepper ausgehend, entstanden in den darauf folgenden Jahren eine umfassenden Modellreihe kleinerer und mittelschweren Traktoren. Bereit im Jahre 1956 waren annähernd 25.000 Güldner Traktoren vom Band gelaufen.

Am 20. Juni 1958 wurde mit der Firma Fahr ein Vertrag geschlossen, welcher die gemeinsame Entwicklung von Traktoren regelte, mit dem Ziel sich im neuen europäischen Markt Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Ab 1959 wurden dann die gemeinsam entwickelten Traktoren der Europa Reihe vorgestellt. Als 1961 die Firma Klöckner-Humboldt-Deutz AG mit 25 Prozent bei Fahr einstieg, beendete Güldner die Kooperation. Die Europa-Baureihe wurde in den darauf folgenden Jahren noch von Güldner alleine weitergeführt. 1962 führte Güldner die G-Reihe ein und konnte damit ihre Verkaufszahlen steigern. Mitte 1965 wurde die Unternehmensbezeichnung in Linde AG, Werkgruppe Güldner, Aschaffenburg geändert.

Mit der zunehmende Sättigung des Schleppermarktes kam es zu Absatzproblemen. Aus dem gleichen Grund und wegen des höheren Preises gegenüber den Deutz Motoren brachen auch die Abnahme von Güldner Motoren anderer Schlepperhersteller stark ein. Als auch noch ZF die Getriebeproduktion für Schlepper unter 80 PS einstellte, war das Ende der Schlepperproduktion bei Güldner nahe. In einer Pressemitteilung der Linde AG vom April 1969 wurde mitgeteilt, dass die Werkgruppe Güldner, Aschaffenburg die Produktion der Güldner Dieselmotoren und Schlepper einstellen wird und sich auf den stark expandierenden Markt der Hydraulik und Flurförderzeuge konzentrieren werde. Erst im Jahre 1991 wurde die Firmenbezeichnung Güldner aus dem Handelsregister gestrichen.

Typen[Bearbeiten]

A-Serie 1938-1962[Bearbeiten]

Die Buchstaben bei den Typen der A-Serie stehen für: A = Ackeschlepper, F = Fünfganggetriebe, D = Diesel, Z = Holzgas, W = Wasserkühlung (alle ohne W auch), L = Luftkühlung, P = Perkinsmotor

1938-1949[Bearbeiten]

Güldner A 20 Baujahr 1938
  • A 20 (20 PS, 1938-1942)
  • A 30 (30 PS, 1941-1942)
  • AZ 25 (25 PS, 1941-1949, Holzgas, Deuliwag-Güldner-Einheitstyp)

1946-1954[Bearbeiten]

Güldner A 28 Baujahr 1948
  • A 28 (28 PS,1946-1948)
  • A 15 (15/16 PS, 1949-1950)
  • AF 15 (15/16 PS, 1950-1954)
  • AF 20 (20/22PS, 1951-1954)
  • AF 30 (30PS, 1948-1951)
  • AF 30P (30,32 PS, 1951-1952)

1952-1959[Bearbeiten]

Güldner ABS Baujahr 1956
  • ADA (20/22 PS, 1952-1955)
  • AFN (35 PS, 1952-1957)
  • AZK (12/14 PS, 1953-1958)
  • ADN (16-18 PS, 1953-1959)
  • AFS (28 PS, 1953-1957)
  • ALD (17 PS, 1954-1959)
  • ADS (18 PS, 1954, ADN mit Schnellgangetriebe)
  • ABN (25 PS, 1954-1959)
  • ALK (12 PS, 1955-1957)
  • ALB (22 PS, 1955-1958)
  • ABS (22 PS, 1955-1958)
  • AK (13/14 PS 1956-1959)
  • AX (11 PS 1956-1959)
  • A 3 P (32 PS, 1957-1959)
  • ADK (15 PS 1958-1959)
  • ADNS (anlegen) (18 PS 1958-1959)
  • AB (25 PS, 1958-1959)
  • ABL (24/25 PS, 1958-1959)

1959-1960[Bearbeiten]

1959–1962 Europa-Reihe[Bearbeiten]

Güldner A 2 KS Spessart
Güldner A 3 KA Burgund

Die Europa-Reihe steht für die Zusammenarbeit von Güldner und Fahr. Diese Zusammenarbeit wurde 20. Juni 1958 vertraglich vereinbart. Es war vorgesehen, die Fertigung einander anzugleichen. Alle Motoren (bis auf den A 4 M) kam von Güldner. Die Schlepper bis 20 PS sollten bei Güldner und die über 20 PS bei Fahr gefertigt werden. Als Getriebe wurde einheitlich die ZF 200-Reihe verwendet. Jeder Hersteller vermarktete die gleichen Typen unter der eigenen Marke mit unterschiedlichen Bezeichnungen. Als 1961 die Firma Klöckner-Humboldt-Deutz AG mit 25 Prozent bei Fahr einstieg, beendete Güldner die Kooperation. In den folgenden Jahren wurde die Europa-Baureihe von Güldner alleine weitergeführt.

Spessart[Bearbeiten]
Tessin[Bearbeiten]
Burgund[Bearbeiten]
Toledo[Bearbeiten]
Gotland[Bearbeiten]

G-Serie 1963-1969[Bearbeiten]

Güldner-G30S
Güldner-G35A
G40-Toledo
Güldner-G50
Güldner-G60
Güldner G 75A

Nach dem sich der Motor der Baureihe L79 seit 1962 in den Typen G 40 Toledo und G 50 Gotland sehr gut bewährt hatte, wurde ab 1963 das gesamte Programm auf diese Motorbaureihe umgestellt.

  • G 15 (14 PS, 1965-1969)
  • G 25 (24/25 PS, 1963-1969)
  • G 30 (30/32 PS, 1963-1969)
  • G 35 (35 PS, 1967-1969)
  • G 35A (35 PS, 1967-1969, Allrad)
  • G 40 (38 PS, 1963-1969)
  • G 40A (38 PS, 1963-1969, Allrad)
  • G 40W (38 PS, 1965-1969, Schmalspur)
  • G 45 (45 PS, 1965-1969)
  • G 45A (45 PS, 1965-1969, Allrad)
  • G 50 (50 PS, 1963-1969)
  • G 50A(50 PS, 1963-1969, Allrad)
  • G 60 (60 PS, 1968-1969)
  • G 60A (60 PS, 1968-1969, Allrad)
  • G 75 (65/70, 70/75 PS, 1965-1969)
  • G 75A (65/70, 70/75 PS, 1965-1969, Allrad)

Exportbezeichnungen[Bearbeiten]

Geräteträger Multitrac 1955-1957[Bearbeiten]

Güldner Multitrac 1958

Um auch einen Geräteträger im Programm zu haben, vertrieb man den von Ritscher gefertigten Multitrac 517 GH, welcher den Güldnermotor 2LD verbaut hatte. Von 1955-1957 wurden davon 486 Stück in Güldner Farbgebung verkauft.

  • Mutitrac (anlegen) (17 PS, 1955-1957)

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Sack: Alle Traktoren von Fahr und Güldner. Klaus Rabe, Köln 1991, ISBN 3-926071-05-2
  • Walter Sack: Güldner Traktoren & Motoren. Podszun Verlag, Brilon 2006, ISBN 978-386133-190-x
  • Bauer/Hüsken/Michel/Vogel: Güldner Schlepper im Einsatz: Die Typen der G-Baureihe 1962-1969. Schwungard-Verlag, 2007, ISBN 978-3-933426-17-8
  • Peter Böhlke: Güldner - Das Typenbuch. Gera Mond Verlag, 2010, ISBN 978-3-86245-610-9

Weblinks[Bearbeiten]

Wikipedia: Güldner – enzyklopädische Informationen
 Commons: Güldner Traktoren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 Linde Hydraulics: Chronik
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