Pathologie: Angeborene ZNS-Erkrankungen
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[Bearbeiten] Genetische Stoffwechselerkrankungen
Klinik: Nach primär altersgerechter Entwicklung kommt es in den ersten Lebensjahren zu einem progessiven Zerfall der psychomotorischen und kognitiven Fähigkeiten. Weitere Symptome sind zunehmende Sehstörungen bis zur Erblindung, zerebrale Krämpfe und Oligophrenie.
[Bearbeiten] Lysosomale Speicherkrankheiten
Ät.: Genetisch bedingter Enzymdefekt mit Akkumulation der nicht verstoffwechselten Substrate.
Mikro: Ballonierte PAS-positive Nervenzellen, Markscheidenzerfall
[Bearbeiten] Globoidzell-Leukodystrophie (Morbus KRABBE)
Ät.: Defekt der Galactocerebrosid-β-Galaktosidase, ein Enzym im Sphingolipid-Stoffwechsel.
Weblinks: OMIM - Krabbe disease
[Bearbeiten] Metachromatische Leukodystrophie
Ät.: Defekt der Cerebrosidsulfatase, ein Enzym im Sphingolipid-Stoffwechsel.
Weblinks: OMIM - Metachromatic leukodystrophy
[Bearbeiten] Morbus TAY-SACHS
Syn.: GM2-Gangliosidose, infantile amaurotische Idiotie
Ät.: Defekt der β-Hexosaminidase
Pg.: Gestörter Abbau von GM2-Gangliosiden (Glycosphingolipide).
Weblinks: OMIM - Tay-Sachs disease
[Bearbeiten] Peroxismale Erkrankungen
[Bearbeiten] Adrenoleukodystrophie
Ät.: X-chromosomal erblicher Defekt des ABCD1-Gens, der für einen ABC-Transporter codiert -> Störung der beta-Oxidation langkettiger Fettsäuren im Peroxisom -> Akkumulation.
Pg.: Schädigung der zentralen Myelinscheiden, der NNR (-> Morbus ADDISON) und der LEYDIG-Zellen.
Weblinks: OMIM - Adrenoleukodystrophy
[Bearbeiten] Mitochondriale Erkrankungen
[Bearbeiten] Morbus LEIGH
Subakute nekrotisierende Enzephalopathie
Ät.: Defekte von Enzymen der Atmungskette.
Weblinks: OMIM - Leigh syndrome
[Bearbeiten] Phakomatosen
Etym.: phakos: Muttermal, Fleck.
Def.: Genetisch bedingte meist autosomal-dominante neurokutane Hyperproliferationssyndrome der ektodermalen Gewebeanteile. Hauptmanifestationen an Haut, Auge und Nervensystem.
[Bearbeiten] Neurofibromatose Typ 1
Syn.: Morbus VON RECKLINGHAUSEN
Ep.: 1:3000 - 1:4000
Ät.: Mutation im Neurofibromin-Gen (17q11.2, Tumorsuppressorgen).
Erbgang: Autosomal-dominant erblich, in 50 % Neumutation. Fast 100 % Penetranz, Expressivität sehr variabel.
Manifestationen: Cafe-au-lait-Flecken (> 5 %), axilläre/inguinale Sommersprossen, Keilbeinflügeldysplasie, LISCH-Knoten in der Iris, multiple sich mit dem Alter entwickelnde periphere Neurofibrome, die vom perineuralen Bindegewebe ausgehen (30 %), andere Tumoren möglich: 15 % Optikusgliom, Aderhauthamartome, melanozytäre Tumoren, maligne Tumoren bei 4 % der Patienten!
Weblinks: OMIM - Neurofibromatosis type I (NF1)
[Bearbeiten] Neurofibromatose Typ 2
Ep.: 1:30.000-1:40.000, 10 mal seltener als NF1
Erbgang: Autosomal-dominant erblich
Ät.: Mutation im Schwannomin-Gen (22q12, Tumorsuppressorgen).
Manifestationen: Zentrale Neurodghjj fibrome/Neurinome, typisch beidseitiges Akustikusneurinom (85 %), Meningeome (Merke: MISM - Multiple intrakranielle Schwannome und Meningeome), > 40% juvenile posterior-subkapsuläre Katarakt.
Weblinks: OMIM - Neurofibromatosis type II
[Bearbeiten] Tuberöse Hirnsklerose
tuberous sclerosis
Syn.: Morbus PRINGLE-BOURNEVILLE
Ät.: Mutationen in den Genen TSC1 (9q34), TSC2 (16p13), TSC3 oder TSC4. Autosomal-dominanter Erbgang.
Makro: Vergrößerte, verbreiterte, weißere/hellere Gyri von fester Konsistenz umrahmt von normalen Gyri, verstrichene Mark-Rinden-Grenze.
Klinik: Mentale Retardierung, Epilepsie (BNS-Krämpfe), hypopigmentierte Hautareale (Leukoderme) des Rumpfes, KOENEN-Tumoren (Nagelfalzfibrome), Adenoma sebaceum, gehäuft Rhabdomyome im Herzen.
Weblinks: OMIM - Tuberous sclerosis
[Bearbeiten] VON HIPPEL-LINDAU-Syndrom (VHL)
Syn.: Retino-zerebelläre Angiomatose
Ep.: 1:40.000, 3. Lebensdekade
Erbgang: Autosomal-dominant erblich.
Ät.: Versch. Mutationen bekannt.
Manifestationen: Retinale Hämangiome und Hämangioblastome (20 %), Netzhautablösung, unbehandelt Erblindung. Zerebelläre Hämangioblastome, Nierenzellkarzinome (25 - 45 %), Pankreaszysten, Phäochromozytome, Polyzythämie.
Weblinks: OMIM - Von Hippel-Lindau syndrome
[Bearbeiten] STURGE-WEBER-Weber-Syndrom
Syn.: Angiomatosis encephalofacialis, Encephalo-trigeminale Angiomatose
Erbgang: I.d.R. sporadisch, autosomal-dominante Mutation im Mosaik.
Klinik: Nävus flammeus („Portwein-Nävus“) im Gesicht und Schädel meist im Bereich HN.V1, einseitig mit Zunahme der Intensivität. Glaukom, choroidales kavernöses Hämangiom, Epilepsie.
Weblinks: OMIM - Sturge-Weber syndrome
[Bearbeiten] KLIPPEL-TRENAUNAY-Syndrom
Erbgang: I.d.R. sporadisch, autosomal-dominante Mutation im Mosaik.
Klinik: Venöse Malformationen, seltener auch der Lymphgefäße (Shunts, AV-Fisteln). Naevus flammeus und Längenriesen- oder -minderwuchs der betroffenen Körperregionen (Extremitäten). Schwere Durchblutungsstörungen, zum Teil enorme Schwellungen der Extremitäten.
Weblinks: OMIM - Klippel-Trenaunay-Weber syndrome
[Bearbeiten] Fehlbildungen
[Bearbeiten] Neuralrohrdefekte
neural tube defect
Syn.: Dysraphische Störungen
Ep.: 1:1000 (Mitteleuropa) bis 8:1000 (Irland)
Ät.: Genetische Prädisposition (homozygote MTHFR-Mutation), Folsäuremangel in der Frühschwangerschaft.
Formen:
- Rücken: Spina bifida - „Offener Rücken“ (oft kaudal, Neuroporus posterior)
- Spina bifida occulta - Wirbel ist hinten offen, darüber evtl. Behaarungsanomalien
- Meningozele - Aussackung der Rückenmarkshäute
- Meningomyelozele - Aussackung der Rückenmarkshäute und Rückenmark
- Rachischisis - Fehlende Einstülpung des Rückenmarks zum Neuralrohr
- Syringomyelie (primäre Form) - Pathologische Erweiterung des Zentralkanals mit Schädigung der Schmerzbahnen -> Dissoziierte Empfindungsstörung mit Schmerzunempfindlichkeit
- Gehirn:
- Meningozele - Aussackung der Hirnhäute
- Meningoenzephalozele - Aussackung von Hirnhäute mit darin enthaltenem Hirngewebe
- Anenzephalie - Fehlender Verschluß des Neuroporus anterior -> Fehlen von Schädel-, meningealen Anteilen und großen Teilen des Gehirns (Fruchtwasser ist neurotoxisch)
- DANDY-WALKER-Syndrom - Kleinhirnwurmhypoplasie/-aplasie und große Zyste in der hinteren Schädelgrube.
- ARNOLD-CHIARI-Fehlbildung - Hypoplastische hintere Schädelgruppe, Kleinhirnverlagerung durch das Foramen magnum.
D.: Sonographie i.R.d. Schwangerschaftsvorsorge. Amniozentese: α-Fetoprotein (AFP) und Acetylcholinesterase (ACHE) erhöht. Serum: AFP erhöht.
[Bearbeiten] Tethered-Spinal-Cord-Syndrom
Syn.: Occult Spinal Dysraphism Sequence
Ät.: Assoziiert mit der Spina bifida.
Pg.: Das Filum terminale ist über einen fibrösen Strang mit der Rückenmarkshaut verbunden -> Zugwirkung auf das Myelon während des Wachstums, Konus-Tiefstand -> LWS-Schmerzen, Zunehmende Lähmungen der unteren Extremiät, Inkontinenz.
[Bearbeiten] Holoprosencephalie
holoprosencephaly
Ät.: Gehäuft bei Trisomien
Makro: Fehlende Trennung der Hemisphären, Arhinenzephalie, Balkenagenesie, Verwachsung von Hirnanteilen in der Mittellinie, oft faziale Defekte.
[Bearbeiten] Lissencephalie
lissencephaly
Makro: Fehlende Gyrierung
[Bearbeiten] Gefäßfehlbildungen
[Bearbeiten] Arterio-venöse Malformation (AVM)
[Bearbeiten] Prä- und Perinatalschäden des ZNS
Intrauterin:
- Porenzephalie (zystische, trichterförmige Substanzdefekte im Marklager), Hydranencephalie (Schädelhöhle und dünne Resthirnschicht komplett mit klarer Flüssigkeit gefüllt) - Ät.: Z.B. intrauterine Okklusion einer hirnversorgenden Arterie.
Perinatal:
- Morbus LITTLE/Infantile Zerebralparese/„frühkindlicher Hirnschaden“ - Ät.: Hypoxie unter der Geburt, Klinik: Strabismus, Ataxie, Spastik, kognitive Beeinträchtigung.
- Periventrikulär-subepidymale Einblutung - Ät.: Zerebrale Minderperfusion. RF: Frühgeburt < 35. SSW und < 1500 g. Klinik: Spastische Diplegie. Kompl.: Ventrikeleinbruch (sehr schlechte Prognose).
Neonatal:
- Kernikterus: Starke Hyperbilirubinämie, z.B. bei Erythroblastose
- Hirnblutung bei Morbus haemorrhagicus neonatorum. Ät.: Vitamin K-Defizit.
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