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Inkscape/ Pfade

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Operationen: Auswählen | Kopieren und klonen | Transformieren | Ordnen | Messen | Schneiden | Füllung und Kontur gestalten | Mischen | Filtern | Pfadeffekte anwenden | Ausblenden und löschen

Elemente: Objekte | Pfade | Striche und Linien | Quadrate | Würfel | Kreise | Farben | Farbverläufe | Muster | Text

Hilfsmittel: Leinwand | Seite, Hilfslinien und Seitengitter | Einrasten | Ebenen

Inkscape Handbuch

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Ein Pfad (engl. path) ist eine Abfolge von Liniensegmenten (gerade Linien oder Bézierkurven), der – wie jedem anderen Objekt in Inkscape – beliebige Füllungs- und Konturmerkmale zugewiesen werden können.

Unterschiede zwischen Pfaden und Objekten

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Oben Objekte, unten Pfade (im Knotenmodus gesehen)

Von einem Objekt (z. B. einem mit dem Ellipsenwerkzeug erzeugten Kreis) unterscheidet ein Pfad sich zweifach:

  • Statt vordefinierter (Form-)Anfasser hat ein Pfad frei verschiebbare Knoten, von denen jeweils zwei ein Pfadsegment tragen. Durch Verschieben oder andere Manipulationen mindestens eines seiner Knoten kann die Form des Segments individuell verändert werden.
  • Anders als bei einem Objekt können auch die Segmente selbst – etwa mit dem Mauszeiger – beliebig verformt werden.

Anatomie eines Pfades

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Ein offener (oben) und ein geschlossener Pfad (unten)

Für jemanden, der sich zum ersten Mal mit Inkscape beschäftigt, kann es nützlich sein, sich einen Pfad wie eine Schnur vorzustellen, auf der Perlen (= Knoten) aufgefädelt sind. Die Schnur ist entweder offen oder geschlossen, wobei die Endknoten eines offenen Pfades spezielle Fähigkeiten haben, die normale Knoten nicht besitzen (sie können an anderen Endknoten andocken und verwandeln sich dabei in normale Knoten). Wie bei einer einfachen Perlenkette sind Verzweigungen nicht möglich; die Knoten eines Pfades liegen alle in einer Folge. (Um Formen wie z. B. ein T, ein Y oder ein K zu erzeugen, braucht man mindestens zwei Pfade.)

Wenn man tiefer in die Materie eindringt, entdeckt man mehr Komplexität:

Funktion der Knoten
Je zwei Knoten enthalten, wie die von zwei Elternteilen stammende DNA eines Lebewesens, die Information über die jeweils zwischen ihnen liegenden Pfadsegmente. Bei geraden Pfadsegmenten markieren sie den Anfangs- und den Endpunkt, bei gewölbten Pfadsegmenten enthalten die zu beiden Seiten des Segments liegenden Bézieranfasser (in der Abbildung blau) darüber hinaus die Information über die Wölbung.
Geschlossene und offene Pfadsegmente
Ein und derselbe Pfad kann an mehreren Stellen geöffnet sein. Je nach Lage der Öffnungen und Form der Pfadsegmente hat dies eventuell Konsequenzen für die Füllung (Abbildung).
Richtung
Pfade haben auch eine Richtung. Der Anfang befindet sich meist dort, wo der erste Knoten gesetzt wurde. In den meisten Fällen ist die Richtung ohne Belang, gelegentlich (etwa wenn man Knotenmarkierungen wie z. B. Pfeilspitzen verwenden möchte oder bei Pfadeffekten wie Muster entlang Pfad) ist es jedoch nützlich, die Richtung abrufen zu können. Unter Bearbeiten > Einstellungen > Werkzeuge > Knoten ist eine spezielle Einstellung (Zeige die Pfadrichtung an Außenlinie) zu finden, die es erlaubt, die Richtung durch kleine Pfeile anzeigen zu lassen. Mit Pfad > Richtung umkehren bzw. (nur im Knotenmodus:) Strg + L kann die Richtung umgedreht werden.

Die Länge eines Pfades kann ganz einfach bestimmt werden, in dem man das Messwerkzeug aufruft und mit dem Mauszeiger den Pfad berührt. Ein kleines Pop-up zeigt dann, neben anderen Maßen, die Länge an.

Darüber hinaus haben Pfade sämtliche Merkmale, die im Kapitel Objekte als Objektmerkmale beschrieben sind:

  • einen Objektrahmen, Koordinaten, Maße, einen Drehpunkt
  • eine einzigartige Lage in der Stapelanordnung
  • eine Füllung (optional), eine Kontur (optional)
  • eine Deckkraft, eine Schärfe

Operationen

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Bearbeitung mit dem Knotenwerkzeug

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Das wichtigste Hilfsmittel für die Bearbeitung von Knoten und Pfadsegmenten ist das Knotenwerkzeug. Mit diesem Werkzeug kann man unter anderem:

  • Objekte und Konturen in Pfade umwandeln
  • Einzelne Knoten verschieben
  • Ad-hoc-Gruppen aus mehreren Knoten verschieben, strecken, stauchen, drehen, scheren, linear ausrichten und gleichmäßig verteilen
  • Pfadsegmente verformen oder begradigen
  • Knoten hinzufügen und löschen
  • Endknoten miteinander verbinden und Knoten voneinander lösen
  • Pfade vereinigen und zerteilen

Für Einzelheiten siehe: Knotenwerkzeug.

Bearbeitung mit Optionen im Pfad-Menü

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Boole-Operationen

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Von links nach rechts: Vereinigung, Differenz, Überschneidung, Exklusiv-Oder, Division, Pfad zerschneiden

Im Menü Pfad sind sechs Boole-Operationen zu finden:

  • Vereinigung (engl. union)
  • Differenz (difference)
  • Überschneidung (intersection)
  • Exklusiv-Oder (Ausschluss; exclusion)
  • Division (division)
  • Pfad zerschneiden (path cut)

Für Einzelheiten siehe den Abschnitt Boole-Operationen im Kapitel Schneiden und vereinen.

Kombinieren und zerlegen

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Vergleich der Befehle Gruppieren, Kombinieren und Vereinigung (von oben nach unten)
Kombinieren
(Engl. combine) Mit dem Befehl Pfad > Kombinieren (Strg + K) kann man zwei oder mehr Pfade so miteinander verbinden, dass die Pfade erhalten bleiben (und später wieder getrennt werden können), Füllung und Kontur aber angeglichen werden. Die tiefer liegenden Pfade übernehmen die Eigenschaften des zuoberst liegenden Pfades.
Wenn man danach einen der Pfade mit dem Markierungswerkzeug zu markieren versucht, wird nicht ein einzelner Pfad, sondern die gesamte Kombination markiert.
Zerlegen
(break apart) Der Befehl Pfad > Zerlegen (Umschalt + Strg + K) trennt eine Pfadkombination wieder in separate Pfade auf. Die Pfade behalten diejenige Füllung und Kontur, die sie auch als Kombination besessen haben.
Anwendung
Erforderlich ist Kombinieren unter anderem bei vielen Pfadeffekten.
Umgekehrt gibt es einige Pfadeffekte, die selbst Kombinationen hervorbringen. Auch Pfad > Kontur in Pfad umwandeln erzeugt Pfadkombinationen (je 1 Pfad für den inneren und für den äußeren Konturrand).

Pfade parallel versetzen

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1 = Schrumpfen, 2 = Schachtelung kongruenter Formen
Schrumpfen
(Engl. inset) Schrumpft den Pfad so, dass er danach 2 Pixel parallel zu seiner ursprünglichen Gestalt verläuft. Wie aus der Abbildung ersichtlich wird, handelt es sich hier nicht einfach nur um eine Verkleinerung (2), sondern auch um eine Verformung (1). Pfad > Schrumpfen (Strg + ()
Erweitern (vergrößern)
(outset) Bringt den Pfad im Gegenteil zu parallelem Wachsen. Pfad > Erweitern (vergrößern) (Strg + )).
Dynamischer Versatz
(dynamic offset) Stattet den Pfad mit einem Anfasser aus, der direktes stufenloses Schrumpfen und Erweitern ermöglicht. Pfad > Dynamischer Versatz (Strg + J).
Verbundener Versatz
(linked offset) Wie vor, jedoch wird nicht das Original mit einem Anfasser ausgestattet, sondern eine neu erzeugte Kopie. Pfad > Verbundener Versatz (Strg + Alt + J).

Der Pfadeffekt Versatz bietet einige Möglichkeiten, die über die hier genannten noch etwas hinausgehen.

Pfade vereinfachen

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Vereinfachen
Der Menü-Befehl Pfad > Vereinfachen (Strg + L) entfernt aus dem markierten Pfad die entbehrlichsten Knoten, wobei Inkscape versucht, die ursprüngliche Form zu erhalten. Der Befehl kann beliebig oft wiederholt werden, wobei die Form letztendlich allerdings verloren geht. Es gibt einen gleichnamigen Pfadeffekt, der genau dasselbe leistet.

Rastergrafiken vektorisieren

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1 = Bitmap (markiert), 2a = Nachzeichnung (nicht markiert), 2b = Nachzeichnung (markiert). Alle drei im Knotenmodus gezeigt.
Bitmap nachzeichnen
(Engl. trace bitmap) Der Menü-Befehl Pfad > Bitmap nachzeichnen... bzw. Umschalt + Alt + B erlaubt es, von einer auf die Leinwand kopierte Bitmapgrafik (Rastergrafik) eine Kopie zu ziehen, die ein Pfad ist.

Die Funktion wurde für die Inkscape-Version 1.0 überarbeitet; einige Merkmale sind neu. Leider fehlt es für die neue Version im Internet bisher noch etwas an Dokumentation.

Wenn man Bitmap in eine Inkscapedatei importiert, sollte man dabei die Option Einbetten wählen und nicht Verlinken, weil im letztgenannten Falle, wenn die Originaldatei gelöscht oder verschoben wird, die Grafik auch aus der Inkscapedatei verschwindet.

Hier die Optionen für Bitmap nachzeichnen:

Einmaliger Scan
Inkscape erzeugt genau 1 Pfad. Diese Vorgehensweise empfiehlt sich besonders für einfarbige Bitmaps (z. B. Schwarz-Weiß).
Helligkeitsschwellwert
Sucht nach Regionen, die dunkler als der gewählte Grenzwert sind und erstellt einen Pfad, der diese Regionen beinhaltet.
Statt Helligkeitsschwellwert kann auch Kantenerkennung, Farbquantisierung, Autotrace oder Strichzeichnung vektorisieren (Autotrace) gewählt werden:
Kantenerkennung
Sucht nach Helligkeitsänderungen. Wenn der Unterschied in der Helligkeit zwischen Farbflächen größer ist als der gewählte Grenzwert, wird dort ein Pfad erstellt, der die beiden Regionen voneinander abgrenzt. Einfacher ausgedrückt: Inkscape versucht, den Umriss zu finden und darzustellen.
Farbquantisierung
Teilt das Bild in die angegebene Anzahl an Farben auf und trennt die Farbbereiche mit einem Pfad.
Autotrace
Verwendet den Autotrace-Algorithmus mit der gewählten Option. Sollte nur für kleine Bilder verwendet werden.
Strichzeichnung vektorisieren
Versucht, die Linien in einer Strichzeichnung nachzuzeichnen.
Bild invertieren
Flecken
Ändert die Empfindlichkeitsschwelle für Flecken, die beim Scan dann ignoriert werden.
Ecken glätten
Je höher der Wert, umso mehr werden Ecken abgerundet.
Optimieren
Vereinigte Bézierpfade.
Aktualisieren
Rechts im Menü Bitmap nachzeichnen erscheint eine Vorschau auf das modifizierte Bitmap. Klicken dieses Schalters frischt die Vorschau, falls man im Menü Änderungen vorgenommen hat, auf.
SIOX
Die Abkürzung steht für Simple Interactive Object Extraction. Erlaubt es in vielen Fällen, beim Scannen den Hintergrund eines Motivs zu ignorieren.
Zurücksetzen
Setzt alle Optionen wieder auf die ursprünglichen Werte zurück.
Stopp
OK
Scan (Abtastung der Grafik und Erzeugung eines Pfades) durchführen.
Mehrmaliger Scan
Inkscape erzeugt für jede Farbe einen eigenen Pfad.
Helligkeitsschritte
Statt Helligkeitsschritte kann auch Farben, Graustufen oder Autotrace (langsamer) gewählt werden.
Scans
Zahl der Scans, die durchgeführt werden sollen. In der Regel 1 Scan pro Farbe.
Glätten
Reduziert die Zahl der Knoten, versucht dabei aber, die Form beizubehalten.
Stapeln
Wenn diese Option aktiv ist, wird eine Kombination aus mehreren übereinander liegenden verschiedenfarbigen Pfaden erzeugt, die mit Pfad > Zerlegen in Einzelpfade aufgelöst werden kann. Deaktivierung fürt dazu, dass nichts übereinander gestapelt wird.
Hintergrund entfernen
Führt dazu, dass bei einem Bitmap mit hellem Hintergrund dieser Hintergrund ignoriert wird. Der Scan ist in den entsprechenden Bereichen transparent.
Pixelkunst
Erlaubt es, mit einem Pixelerkennungs-Algorithmus Pixelkunst-Bilder zu vektorisieren.

Pfadeffekte

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Eine ganze Reihe weiterer interessanter und nützlicher Möglichkeiten der Modifikation von Pfaden findet man im Dialog Pfadeffekte, der über Pfad > Pfadeffekte... bzw. Strg + & aufgerufen werden kann.