Traktorenlexikon: Lanz

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Lanz Bulldog bei einem Oldtimertreffen

LANZ war der Markenname und die Produktkennzeichnung der Heinrich Lanz Aktiengesellschaft, Mannheim, die 1956 von der amerikanischen Firma John Deere übernommen wurde.

Unter der Lanz-Produktkennzeichnung erschienen Lokomobile, Dampftraktoren, Straßenlokomotiven, Traktoren, Göpel, Dreschmaschinen, sowie eine große Anzahl an verschiedensten Landmaschinen.

Siehe auch Lanz/Aulendorf, 1914 gründete Hermann Lanz seine Traktorenfabrik "HELA Diesel" im oberschwäbischem Aulendorf, die 1983 in Konkurs ging.

Geschichte[Bearbeiten]

1838 bis 1858[Bearbeiten]

  • 1838: Heinrich Lanz wird am 9. März in Friedrichshafen als Sohn des Speditionsunternehmers Johan Peter Lanz und dessen Gattin Luise Christine (geb. Beckh) geboren.
  • 1842: Johann Peter Lanz eröffnet eine Filiale seines Unternehmens in Mannheim.
  • 1847: In der zweiten Hälfte der 1840er Jahre sah Johann Peter Lanz in der königlich württembergischen Staatseisenbahn eine gefährliche Konkurrenz für sein Speditionsunternehmen und verlegte den Hauptsitz seiner Firma nach Mannheim.

1859 bis 1918[Bearbeiten]

  • 1859: Nachdem er eine Kaufmannslehre und die einjährige Handelschule absolviert hatte, trat Heinrich Lanz in das väterliche Unternehmen ein. Sein Interesse galt insbesondere der Landwirtschaft. Im Unternehmen des Vaters widmete er sich dem Import und Vertrieb landwirtschaftlicher Geräte und Maschinen, die meist aus England stammten, wo die Mechanisierung des Agrarbereichs weiter fortgeschritten war als in Deutschland. Daneben handelte Lanz auch mit Guano-Dünger und Saatgut. Um seine Kunden besser zu erreichen, verfasste Heinrich Lanz Rundschreiben und erstellte eigene Kataloge der von ihm angebotenen Produkte.
  • 1860: Um die von ihm verkauften Maschinen auch reparieren zu können, errichtete Heinrich Lanz in seinem Gartenhaus eine Werkstatt mit zwei Arbeitern.
  • 1867: Um die wachsende Nachfrage nach landwirtschaftlichen Geräten zu befriedigen, begann Heinrich Lanz mit der Produktion kleinerer Geräte, wie Futterschneid- und Dreschmaschinen für den Hand- oder Göpelbetrieb.
  • 1870: Bisher fanden alle unternehmerischen Tätigkeiten Heinrich Lanz’ im Rahmen und im Namen des väterlichen Handelunternehmens J. P. Lanz & Co. statt. Im Jahr 1870 nahm Heinrich Lanz seine Unternehmensbereiche aus der Firma heraus und firmierte unter eigenem Namen und in eigener Verantwortung. Sein Unternehmen nannte sich nun Heinrich Lanz & Co. in Mannheim und Regensburg.
  • 1879: Beginn der Fertigung eigener Dampfdreschmaschinen sowie der dazu gehörenden Lokomobile, noch mit stehendem Kessel. Leistung bei 3,43 Bar (= 2,5 atü): 2,5 PS.
Herstellung von Langstrohpressen und Selbstbinderpressen
  • 1885: Die 1000ste Dampf-Dreschmaschinengarnitur wird verkauft
  • 1887: Alle Lanz-Maschinen werden mit Schutzvorrichtungen ausgestattet, um Unfälle zu vermeiden – eine Pionierleistung!
  • 1888-1899: Ständige Erweitungen des Werkes mit Aufnahme zusätzlicher Produkte
  • 1900: Auf der Pariser Weltausstellung präsentiert Lanz die größte Lokomobile der Welt.
Die 10.000ste bei Lanz in eigener Herstellung produzierte Maschine leistete 260 PS (überlastbar bis 450 PS).
  • 1902: Umstellung der Lokomobilentechnik von Sattdampf auf Heißdampf;

höhere Leistung bei geringerem Verbrauch

  • 1905: Heinrich Lanz stirbt am 1. Februar.
Lanz hinterlässt ein Unternehmen mit fast 3.000 Arbeitern.
Jahresproduktion: 900 Dampf-Dreschsätze, 1400 Lokomobilen
Lanz’ letzter Wunsch: die Fertigung von Straßenlokomotiven und Dampftraktoren
Dr. Karl Lanz (Sohn) übernimmt das Unternehmen.
  • 1906: Lanz Dreschmaschinen werden immer größer und leistungsfähiger und gehören zu den besten der Welt.
  • 1907: Über 20.000 Lokomobilen sind bereits gefertigt, über 550.000 Maschinen insgesamt haben seit 1859 das Werk verlassen.
Heinrich Lanz’ letzter Wunsch geht posthum in Erfüllung: Die ersten Lanz-Straßenlokomotiven werden ausgeliefert.
  • 1909: 50-jähriges Firmenjubiläum – die Zahl von 4000 Beschäftigten ist überschritten. Im gleichen Jahr wird die Firma Heinrich Lanz & Co. in eine offene Handelsgesellschaft überführt, deren Mitinhaber alle Familienmitglieder sind.
  • 1910: Auf der Weltausstellung in Brüssel stellt Lanz erneut die größte Lokomobile der Welt aus, dieses Mal bereits mit 1000 PS netto. Die Maschine erhält drei Goldmedaillen.
  • 1911: Lanz schließt mit Johann Schütte einen Vertrag zum Bau von Luftschiffen.
Schütte-Lanz baut 22 Luftschiffe.
Die Rechte an der selbstfahrenden Bodenfräse System Köszegi werden erworben.
  • 1912: Der Lanz-Landbaumotor System Köszegi geht in Produktion. Antrieb: ein 70–80-PS-Vierzylinder-Benzinmotor. Das Gerät wird über mehrere Jahre weiterentwickelt.
  • 1914-1918: Erster Weltkrieg. Beschäftigte am Anfang: Über 5000, am Ende: 3800. Die Herstellung der ‎Landbaumotoren konnte zu Kriegsbeginn noch aufrechterhalten werden, kam aber infolge der ‎alliierten Seeblockade bis 1917 zum Erliegen. Für militärische Zwecke fertigte das ‎Unternehmen während des Krieges rund 300 Heeres- und Artillerieschlepper mit Räder- oder ‎Kettenlaufwerk.‎

1918 bis 1945[Bearbeiten]

  • 1921: Dr. Karl Lanz stirbt im Alter von 48 Jahren. Der bis dahin unbekannte Ingenieur Fritz Huber stellt einen Rohölmotor mit 12 PS und Glühkopfzündung vor. Mit diesem Glühkopfmotor entstand der erste Lanz Bulldog.
  • 1923 wird mit dem Typ HP ein Bulldog mit Allradantrieb und Knicklenkung vorgestellt, eine Maschine, die ihrer Zeit technisch um Jahrzehnte voraus war.
  • 1924–1939: Der Feldmotor, ein 38-PS-Benzintraktor in Rahmenbauweise, sowie der Felddank, der gleiche Schlepper wie der Feldmotor, jedoch mit einem stehend montierten 2-Zyl.-Glühkopfmotor und 38 PS, sowie die Bulldog-Typen HL und HP sind in der Herstellung zu teuer. Sie werden wegen Inflation und Weltwirtschaftskrise durch den kostengünstiger zu fertigenden Bulldog Typ HR ersetzt (zuerst HR2, später wurde hochnummeriert bis HR8). Im Jahr 1925 wird die offene Handelgesellschaft Heinrich Lanz & Co. in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die Mitglieder der Familie Lanz bleiben jedoch zunächst die einzigen Aktionäre. Im gleichen Jahr wird die Produktion von Kleingeräten und Dampfmaschinen eingestellt. Für die Montage des Modells HR2 führt 1926 Lanz erstmals in Deutschland die Fließbandproduktion ein.
Dieser zuerst mit Verdampferkühlung, später mit Thermosyphonkühlung ausgerüstete Schlepper mit Hinterradantrieb wurde zum Standardprodukt von Lanz und ist heute, mehr als 50 Jahre nach Einstellung der Produktion, noch immer so bekannt wie einst.
Aber auch die Landmaschinen-Entwicklung geht weiter: 1929 wird der Stahl-Lanz präsentiert, die erste Dreschmaschine in Ganzstahlbauweise, 1931 die Schwingkolben-Strohpresse. Lanz stattet mit dem Eilbulldog die Spediteure mit einem zugstarken und schnelllaufenden Transportschlepper aus. Die Luftbereifung wird eingeführt und ersetzt zunehmend die Elastikbereifung auf der Straße sowie die Eisenbereifung auf dem Acker.

1933 wird der erste Schleuderrad-Kartoffelroder vorgestellt. Ab 1934 werden Raupen-Bulldogs angeboten.

  • 1939–1945: Der Krieg trifft Lanz schwer. 90 % des Werkes werden zerstört. Doch in den Trümmern geht es weiter. Aus Ersatzteilen werden Bulldogs zusammengebaut und bestehende Traktoren und Landmaschinen repariert.

1945 bis zur Übernahme durch John Deere[Bearbeiten]

  • 1946–1951: Weiterhin werden Glühkopf-Lanz gebaut, doch das Ende bahnt sich an: Der Glühkopfmotor verbraucht zu viel Kraftstoff.
  • Der Geräteträger Alldog wird angeboten. Das System ist revolutionär, doch der unausgereifte Motor bewirkt, dass diese technisch hochgerüstete Systemmaschine sich nicht durchsetzt.
  • 1952: Die Halbdiesel-Bulldogs werden angeboten. Der Zwischentyp zwischen Glühkopf- und Dieselmotor, auch Mitteldruckmotor genannt, erreicht sehr gute Verbrauchswerte, doch es bleibt das Problem des rüttelnden, unruhigen Einzylindermotors. Die Akzeptanz unter den Landwirten sinkt angesichts der mehrzylindrigen, laufruhigen Dieselschlepper der Konkurrenz.
  • 1953: Der 150.000 Bulldog wird ausgeliefert.
  • 1954: Der erste selbstfahrende Mähdrescher MD240S wird angeboten.
Auch der letzte Großbulldog aus der HR-Reihe wird auf Mitteldruckmotor umgestellt.
  • 1955: Lanz bietet die Bulldogs nun mit Dieselmotor (Volldiesel oder Hochdruckmotor) an; weiterhin mit 1 Zylinder, liegend montiert und im Zweitaktverfahren.
  • 1956: 200.000 Bulldogs sind gebaut. Im gleichen Jahr erwirbt das amerikanische Unternehmen John Deere die Aktienmehrheit an der Heinrich Lanz AG.
  • 1957: Die letzte Bulldog-Konstruktion, der D4016, 40 PS wird vorgestellt.
  • 1958: Die Lanz’sche Hauslackierung Blau-Rot wechselt zum John-Deere Grün-Gelb. Moderne mehrzylindrige Dieselschlepper werden entwickelt.
  • 1960: Die Heinrich Lanz AG Mannheim firmiert um in John Deere Lanz AG. Die Bulldog-Produktion endet. Die ersten John-Deere-(Lanz)-Schlepper ersetzen nach und nach die gesamte Bulldog-Baureihe.
Die großen Typen werden noch aus den USA importiert.
Der Name Lanz erschien noch kurze Zeit auf den Produkten als „John Deere Lanz“; dann endete eine beispiellose Firmengeschichte.

Heute[Bearbeiten]

Heute gehört John Deere in Europa zu den führenden Herstellern für Land- und Forsttechnik sowie Geräten für die ‎Rasen und Grundstückspflege und ist in diesen Sparten weltweiter Marktführer. Außerhalb Europas ist John Deere darüber hinaus ein großer Baumaschinenhersteller. ‎ Auch in Deutschland hält John Deere bei Ackerschleppern seit Jahren den Zulassungsrekord.‎

Typen[Bearbeiten]

Zuglokomobile[Bearbeiten]

Um eine Lokomobile oder einen ganzen Dampfdreschsatz von einem Ensatzort zum anderen zu befördern, war eine größere Zahl von Zugtieren erforderlich. Daher regte Heinrich Lanz vor seinem Tode im Februar 1905 an, Lokomobile zu entwickeln, die nicht nur Geräte antreiben, sondern sich auch selbst fortbewegen können. Diese Maschinen werden auch als Selbstfahrlokomobile oder Straßenlokomotiven bezeichnet. 1907 begann die Firma Lanz in Mannheim mit der Produktion solcher Zuglokomobile, die auch als Straßenwalzen angeboten wurden.

Die Zuglokomobile der Bauart A war eine sehr einfache Maschine und basierte auf einer gezogenen Lokomobile aus dem bestehenden Programm der Firma Lanz, die mit einem Kettenantrieb der Hinterräder versehen wurde.

Bauart-B[Bearbeiten]

Bauart-C[Bearbeiten]

Bauart-D[Bearbeiten]

Lanz HL (Baujahr 1921)


Vergaser-Motoren[Bearbeiten]


Verdampfer-Bulldogs[Bearbeiten]

Die ersten Bulldog-Modelle verfügten noch nicht über einen geschlossenen Kühlkreislauf. Eine Kolbenpumpe förderte das Kühlwasser in den Kühlraum, der den Zylinder umgab, und verdampfte dort. Daher war es notwendig regelmäßig Kühlwasser nachzufüllen. Aufgrund dieses Kühlsystems werden diese frühen Lanz Bulldogs als Verdampfer-Bulldogs bezeichnet.


Kühler-Bulldogs[Bearbeiten]

HR 4[Bearbeiten]

HR 5[Bearbeiten]

HR 6[Bearbeiten]

HR 7[Bearbeiten]

HR 8[Bearbeiten]

HR 9[Bearbeiten]

HN/HN1[Bearbeiten]

Mit dieser Nummerierung wurden die Bulldogs verkauft, interne Bestellungsnummern waren noch aufgefächerter.

HN2/HN3[Bearbeiten]



HN 4[Bearbeiten]

HN5[Bearbeiten]

HE[Bearbeiten]


Raupen-Schlepper[Bearbeiten]


Holzgas[Bearbeiten]

Bei den Zeistoffmotoren wurde noch eine geringe Menge an Diesel beigemischt, ab 1943 musste der Motor umgebaut werden, um nur noch mit Holzgas betrieben werden zu können.

Halbdiesel[Bearbeiten]

Halbdiesel wurden durch Benzin gestartet und nach dem Warmlaufen auf Diesel umgestellt.

Halbdiesel-Umbau[Bearbeiten]

Wie auch der Holzgasmotor bei den Holzgasbulldogs gegen einen Glühkopf ausgtauscht werden konnte, konnte auch der Glühkopf gegen einen Halbdiesel ausgetauscht werden.

Volldiesel[Bearbeiten]

Schmalspur-Schlepper[Bearbeiten]

Lanz mit Fremdmotoren[Bearbeiten]

Alldog[Bearbeiten]

Lizenz-/Nachbauten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Werksarchiv der John Deere Werke Mannheim (Hg.): Geschichte der John Deere Werke Mannheim. Mannheim 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lanz-Traktoren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikipedia: Heinrich Lanz AG – enzyklopädische Informationen
Wikipedia: Lanz Bulldog – enzyklopädische Informationen
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